30. Anwendungen der kommunizierenden Röhren.

[Abbildung: Fig. 45.]

Die #Wasserwage oder Kanalwage# dient dazu, um zu messen, um wie viel

eine Straße, ein Kanal etc. steigt oder fällt. Eine auf einem Dreifuß

horizontal befestigte Blechröhre, an deren Enden zwei Glasröhren

vertikal nach aufwärts gehen, ist mit Wasser so weit gefüllt, daß auch

die Glasröhren noch etwa halb voll sind. Die beiden Wasserspiegel in den

Glasröhren stehen gleich hoch; schaut man längs derselben fort, ^so ist

die Gesichtslinie horizontal^. Mißt man den Abstand des einen

Wasserspiegels vom Boden, etwa 136 _cm_, und schaut dann längs beider

Wasserspiegel auf eine in _cm_ geteilte Meßlatte, die in einiger

Entfernung senkrecht auf den Boden gestellt ist, und trifft die

Gesichtslinie dort 49 _cm_ vom Boden, so ist die Straße von meinem

Standpunkte bis zur Meßlatte um 136 - 49 = 87 _cm_ gestiegen. So fährt

man von Strecke zu Strecke weiter. Dies nennt man ^nivellieren^, d. h.

die Form der Oberfläche oder des Niveaus aufsuchen.

[Abbildung: Fig. 46.]

Die #Libelle# (^Hooke^ 1703). Die Röhrenlibelle besteht aus einer

Glasröhre, die ^sehr schwach gekrümmt^ oder gegen die Mitte ein wenig

ausgebaucht ist. Sie ist mit ^Weingeist^ gefüllt (weil dieser nicht

gefriert und leichtflüssiger ist), jedoch nur so weit, daß noch eine

^Luftblase^ vorhanden ist. Sie wird horizontal, die Krümmung nach oben

gerichtet, auf ein Lineal so festgeschraubt, daß, wenn das Lineal

horizontal steht, die Luftblase in der Mitte der Röhre steht. Da die

Luftblase immer den höchsten Teil der Röhre einzunehmen sucht, rückt die

Luftblase gegen ein Ende der Röhre, auch wenn es nur um ein kleines

höher ist. Man benützt sie zum Horizontalstellen von Tischen, Stativen

von Wagen, Billards, Meßtischen etc. und die Handwerker benützen

^Setzlatten^, in welche eine Libelle eingesetzt ist. Libellen werden

auch auf Fernrohre aufgesetzt, um sie horizontal zu stellen, und ein

solches Fernrohr (^Nivellierinstrument^) dient dann ähnlich wie die

Wasserwage zum Nivellieren. Dosenlibelle.

#Wasserleitung:# Man leitet durch einen Kanal von einem hochgelegenen

Orte (Gebirge) das Wasser in ein großes Reservoir, das höher liegt als

der höchste Punkt der Stadt, oder man schafft es durch Pumpen dorthin.

Von diesem Hochreservoir führen Röhren in die Stadt, die sich vielfach

verzweigen und in die einzelnen Häuser führen. Das Wasser sucht in

diesen Leitungsröhren so hoch zu steigen, als es im Hochreservoir ist,

fließt also selbst bei den höchsten Ausflußhähnen heraus, wofern diese

niedriger liegen als das Reservoir.

#Springbrunnen.# Von einem hoch gelegenen Reservoir führt eine Röhre

herunter, läuft weiter bis zum Springbrunnen, und endigt dort in einer

feinen nach oben gerichteten Öffnung. Wenn diese Öffnung tiefer liegt

als der Wasserspiegel im Reservoir, so sucht das Wasser in diesem kurzen

Schenkel ^eben so hoch^ zu steigen, als im Reservoir, springt deshalb

aus der Öffnung heraus und würde ^eben so hoch steigen^, als es im

Reservoir steht, wenn es nicht durch den Luftwiderstand etwas

zurückgehalten würde.

[Abbildung: Fig. 47.]

[Abbildung: Fig. 48.]

In kommunizierenden Röhren steht die Flüssigkeit nur dann gleich hoch,

wenn beiderseits dieselbe Flüssigkeit sich befindet. Sind aber

verschiedene Flüssigkeiten von ^verschiedenem^ sp. G. in den Röhren, so

#steht die leichtere Flüssigkeit höher#. Denn betrachten wir den

Querschnitt ~BD~ (Fig. 47), in welchem beide Flüssigkeiten

zusammenstoßen, so hält sich das, was unterhalb ist, selbst das

Gleichgewicht; der Querschnitt also ist in Ruhe, wenn auch der Druck der

Flüssigkeitssäulen, die rechts und links über ihm stehen, beiderseits

derselbe ist. Diese Drücke sind gleich den Gewichten der

Flüssigkeitssäulen; da aber die sp. G. der Flüssigkeiten verschieden

sind, so müssen auch die Höhen derselben verschieden sein, damit die

Gewichte einander gleich sind, ^und zwar^: #die Höhen verhalten wie

umgekehrt die sp. G.# Diesen Satz kann man benützen, um die sp. G. von

Flüssigkeiten zu bestimmen, die sich nicht mischen. Ist in der einen

Röhre Wasser 12 _cm_ hoch, in der anderen Öl 13,6 _cm_ hoch, so ist 13,6

: 12 = 1 : ~x~; also

12

~x~ = ---- = 0,88;

13,6

das ist das sp. G. des Öles.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 32 / 340 题