[Abbildung: Fig. 45.]
Die #Wasserwage oder Kanalwage# dient dazu, um zu messen, um wie viel
eine Straße, ein Kanal etc. steigt oder fällt. Eine auf einem Dreifuß
horizontal befestigte Blechröhre, an deren Enden zwei Glasröhren
vertikal nach aufwärts gehen, ist mit Wasser so weit gefüllt, daß auch
die Glasröhren noch etwa halb voll sind. Die beiden Wasserspiegel in den
Glasröhren stehen gleich hoch; schaut man längs derselben fort, ^so ist
die Gesichtslinie horizontal^. Mißt man den Abstand des einen
Wasserspiegels vom Boden, etwa 136 _cm_, und schaut dann längs beider
Wasserspiegel auf eine in _cm_ geteilte Meßlatte, die in einiger
Entfernung senkrecht auf den Boden gestellt ist, und trifft die
Gesichtslinie dort 49 _cm_ vom Boden, so ist die Straße von meinem
Standpunkte bis zur Meßlatte um 136 - 49 = 87 _cm_ gestiegen. So fährt
man von Strecke zu Strecke weiter. Dies nennt man ^nivellieren^, d. h.
die Form der Oberfläche oder des Niveaus aufsuchen.
[Abbildung: Fig. 46.]
Die #Libelle# (^Hooke^ 1703). Die Röhrenlibelle besteht aus einer
Glasröhre, die ^sehr schwach gekrümmt^ oder gegen die Mitte ein wenig
ausgebaucht ist. Sie ist mit ^Weingeist^ gefüllt (weil dieser nicht
gefriert und leichtflüssiger ist), jedoch nur so weit, daß noch eine
^Luftblase^ vorhanden ist. Sie wird horizontal, die Krümmung nach oben
gerichtet, auf ein Lineal so festgeschraubt, daß, wenn das Lineal
horizontal steht, die Luftblase in der Mitte der Röhre steht. Da die
Luftblase immer den höchsten Teil der Röhre einzunehmen sucht, rückt die
Luftblase gegen ein Ende der Röhre, auch wenn es nur um ein kleines
höher ist. Man benützt sie zum Horizontalstellen von Tischen, Stativen
von Wagen, Billards, Meßtischen etc. und die Handwerker benützen
^Setzlatten^, in welche eine Libelle eingesetzt ist. Libellen werden
auch auf Fernrohre aufgesetzt, um sie horizontal zu stellen, und ein
solches Fernrohr (^Nivellierinstrument^) dient dann ähnlich wie die
Wasserwage zum Nivellieren. Dosenlibelle.
#Wasserleitung:# Man leitet durch einen Kanal von einem hochgelegenen
Orte (Gebirge) das Wasser in ein großes Reservoir, das höher liegt als
der höchste Punkt der Stadt, oder man schafft es durch Pumpen dorthin.
Von diesem Hochreservoir führen Röhren in die Stadt, die sich vielfach
verzweigen und in die einzelnen Häuser führen. Das Wasser sucht in
diesen Leitungsröhren so hoch zu steigen, als es im Hochreservoir ist,
fließt also selbst bei den höchsten Ausflußhähnen heraus, wofern diese
niedriger liegen als das Reservoir.
#Springbrunnen.# Von einem hoch gelegenen Reservoir führt eine Röhre
herunter, läuft weiter bis zum Springbrunnen, und endigt dort in einer
feinen nach oben gerichteten Öffnung. Wenn diese Öffnung tiefer liegt
als der Wasserspiegel im Reservoir, so sucht das Wasser in diesem kurzen
Schenkel ^eben so hoch^ zu steigen, als im Reservoir, springt deshalb
aus der Öffnung heraus und würde ^eben so hoch steigen^, als es im
Reservoir steht, wenn es nicht durch den Luftwiderstand etwas
zurückgehalten würde.
[Abbildung: Fig. 47.]
[Abbildung: Fig. 48.]
In kommunizierenden Röhren steht die Flüssigkeit nur dann gleich hoch,
wenn beiderseits dieselbe Flüssigkeit sich befindet. Sind aber
verschiedene Flüssigkeiten von ^verschiedenem^ sp. G. in den Röhren, so
#steht die leichtere Flüssigkeit höher#. Denn betrachten wir den
Querschnitt ~BD~ (Fig. 47), in welchem beide Flüssigkeiten
zusammenstoßen, so hält sich das, was unterhalb ist, selbst das
Gleichgewicht; der Querschnitt also ist in Ruhe, wenn auch der Druck der
Flüssigkeitssäulen, die rechts und links über ihm stehen, beiderseits
derselbe ist. Diese Drücke sind gleich den Gewichten der
Flüssigkeitssäulen; da aber die sp. G. der Flüssigkeiten verschieden
sind, so müssen auch die Höhen derselben verschieden sein, damit die
Gewichte einander gleich sind, ^und zwar^: #die Höhen verhalten wie
umgekehrt die sp. G.# Diesen Satz kann man benützen, um die sp. G. von
Flüssigkeiten zu bestimmen, die sich nicht mischen. Ist in der einen
Röhre Wasser 12 _cm_ hoch, in der anderen Öl 13,6 _cm_ hoch, so ist 13,6
: 12 = 1 : ~x~; also
12
~x~ = ---- = 0,88;
13,6
das ist das sp. G. des Öles.