Auf dem Gesetze der kommunizierenden Röhren beruhen auch die ^Brunnen^
und ^Quellen^.
1. Die ^Grundwasserbrunnen^. Fließt ein Fluß oder Bach in einem Tale, so
ist es dort meist mit großen Mengen Kies und Sand aufgefüllt, die den
Boden des Tales bilden und oft tief hinabreichen.
[Abbildung: Fig. 49.]
Die Zwischenräume zwischen den Steinen des Gerölles sind ^mit Wasser
gefüllt^ bis hinab zum festen Gestein und bis zu einer Höhe, die gleich
ist der Höhe des Wassers im Flusse. Diese Wassermasse wird das
^Grundwasser^ genannt. Sein ^Spiegel^ steigt, wenn der Fluß steigt,
und fällt auch mit ihm, jedoch nicht gleichmäßig, sondern langsamer,
weil das Wasser sich nur schwer zwischen den Sandkörnchen fortbewegt.
Die über dem Grundwasserspiegel liegende Erd- und Sandmasse
ist nur ^feucht^. Einen ^Grundwasserbrunnen^ macht man, indem
man einen Brunnenschacht gräbt bis unter den tiefsten Stand des
Grundwasserspiegels. In Figur 49 bei ~v~. Das Wasser dringt unten von
allen Seiten in den Brunnenschacht, ^stellt sich so hoch, als der
Grundwasserspiegel ist, steigt und fällt mit ihm^.
2. ^Die Quellbrunnen und Quellen^. Unterhalb des angeschwemmten Landes
befindet sich festes Gestein ~S~; auch die Berge bestehen aus solchem
und sind nur außen mit einer meist nicht dicken Schichte von
verwittertem Gestein und Erde überdeckt. Die ganze feste Erdkruste
besteht aus Steinen. Diese sind meist zerrissen, zerspalten, zerklüftet
und deshalb ^durchlässig^ für einsickerndes Regenwasser. Einige
Gesteinsarten haben keine Risse und Spalten, sind also ^undurchlässig^.
Das Wasser fließt demnach in den Rissen des durchlässigen Gesteines nach
abwärts, bis es auf eine undurchlässige Schichte ~C~ kommt, ^staut sich
dann^, und füllt so die Risse des durchlässigen Gesteines immer höher
an. Solche Risse sind manchmal ziemlich dick und heißen dann
^Wasseradern^. Wenn ein solcher Spalt an die Oberfläche der Erde tritt,
und diese Stelle tiefer liegt als die Höhe, bis zu welcher die Risse im
Berge mit Wasser gefüllt sind, so läuft das Wasser aus und bildet eine
natürliche ^Quelle^ (bei ~x~). Quellen finden sich demnach zumeist am
Fuße von Bergen und Hügeln. Einen ^Quellbrunnen^ bekommt man, wenn man
ein 1-2 _m_ breites Loch in den Felsen gräbt oder sprengt bis auf einen
wasserführenden Spalt (bei ~p~). ^Quellwasser ist meist sehr gut^, da es
beim Durchsickern durch die lockere Erdschichte und durch die langen
Gänge im Felsen nicht nur von den schlechten Beimischungen gereinigt
wird, sondern von den Steinen noch etwas auflöst, insbesondere Kalk, was
ihm dann einen angenehmen Geschmack verleiht. Kommt das Wasser durch
Gesteinsschichten, die ^leicht auflösbare^ Stoffe enthalten, so werden
diese vom Wasser aufgelöst, so besonders ^Kochsalz^, viele ähnliche
Salze, schwefelhaltige, eisenhaltige Stoffe u. s. f. Solche Quellen sind
dann besonders gesucht als ^Salzquellen oder als Heilquellen^
(Schwefelquellen, Stahlquellen, Bitterquellen, Säuerlinge etc.).
3. ^Artesische Brunnen^; so genannt von der Grafschaft Artois in
Frankreich, weil sie dort zuerst gebohrt wurden. Nicht überall auf der
Erde kann man solche Brunnen herstellen, denn es ist dazu eine
^eigentümliche Lagerung der Gesteinsschichten^ erforderlich, nämlich
folgende: Zuoberst liegt ein durchlässiges Gestein ~S~, unter diesem
etwas schräg nach abwärts führend eine undurchlässige Schichte ~C~, die
aber nicht durch den ganzen Berg geht, sondern einen großen Teil für die
durchlässige Schichte noch frei läßt bei ~m~. Auf die undurchlässige
Schichte folgt eine sehr gut durchlässige ~D~, die mit der oberen
durchlässigen Schichte ~S~ in Verbindung steht, so daß das einsickernde
Wasser bis zu ihr herabkommt. Liegt nun weiter nach abwärts noch eine
undurchlässige Schichte ~F~, so staut sich das Wasser zwischen den zwei
undurchlässigen Schichten an. Führt zufällig ein Spalt durch die obere
durchlässige Schichte bis zur Oberfläche der Erde, so wird das Wasser in
ihm in die Höhe steigen und kommt als Quelle zum Vorschein (bei ~h~),
möglicherweise in großer Entfernung von dem Berge, auf dem das Wasser
eingedrungen ist, da diese Gesteinsschichten oft weit fort ziehen. Will
man dieses Wasser mittels eines Brunnens erhalten, so bohrt man ein etwa
faustdickes Loch durch die obere durchlässige und durch die
undurchlässige Schichte, bis man auf die sehr gut durchlässige,
wasserführende Schichte kommt (bei ~a~). Dann stellt sich das Wasser in
diesem Bohrloche ebensohoch als im Innern des Berges bei ~m~ und es kann
durch Pumpen heraufgeschafft werden. Bisweilen liegt die Bohrmündung
tiefer als der Wasserstand in der durchlässigen Schichte; dann springt
das Wasser in Form eines ^natürlichen Springbrunnens^ heraus. ^Solche
Artesische Brunnen führen meist ein vorzügliches Wasser^; manchmal hat
es ^Salze^ aufgelöst, hie und da, wenn es aus sehr großer Tiefe kommt,
ist es merklich ^warm, ja sogar heiß^; auch die ^Petroleumquellen^, sind
solche Artesische Brunnen.