25. Seitendruck des Wassers. Wasserräder.

[Abbildung: Fig. 32.]

Da der Druck sich allseitig fortpflanzt, so drückt das Wasser auch auf

die ^Seitenwände^ des Gefäßes und zwar wird jedes kleine Flächenstück so

stark gedrückt, wie wenn es ^horizontal läge^. #Der Seitendruck ist

gleich dem Gewichte einer Wassersäule, die das Seitenstücklein als

Grundfläche und seinen Abstand vom Wasserspiegel als Höhe hat.# Die

Richtung dieses Seitendruckes ist bei jedem Flächenteil #senkrecht auf

die Fläche nach auswärts gerichtet#. Bei einer ^Wasserleitung^ erleiden

die Wände der Röhren, die vom großen Reservoir (^Hochreservoir^) in die

Straßen und Häuser führen, einen bedeutenden Druck, bei etwa 50 _m_ Höhe

5 _kg_ auf jedes _qcm_.

[Abbildung: Fig. 33.]

Der Seitendruck wird vielfach angewandt, um Maschinen zu treiben. In

einem gewöhnlichen Gefäße bringt der Seitendruck keine Bewegung hervor;

denn der Seitendruck auf die eine Wand wird aufgehoben durch den gleich

großen Druck auf die gegenüber liegende. Wenn man aber etwa rechts ein

Loch in die Wand macht, so nimmt man damit auch den Seitendruck weg;

folglich kommt der Seitendruck auf dem gegenüberliegenden Flächenteil

zur Geltung. Wenn man wie in Fig. 33 ein Gefäß an einer Schnur aufhängt,

voll Wasser gießt und rechts ein Loch anbringt, so wird das Gefäß etwas

nach links verschoben, während das Wasser nach rechts herausfließt.

Hierauf beruht das #Segner’sche Wasserrad# (1750). In eine hohe, leicht

drehbar aufgestellte Röhre wird oben Wasser hineingeleitet, so daß sie

beständig voll ist. Unten gehen mehrere Arme heraus, die ^nicht nach

auswärts, sondern nach seitwärts^ und zwar nach derselben Seite hin

Öffnungen haben, aus denen das Wasser herausfließt. Das Wasser drückt

auf die diesen Öffnungen gegenüberliegenden Teile der Röhren und ^dreht

das Rad^, entgegengesetzt der Richtung des ausfließenden Wassers.

Fließen etwa in jeder Sekunde 90 _l_ in der 6 _m_ hohen Röhre herunter,

so ist die Arbeit des Wassers = 90 · 6 _kgm_ = 540 _kgm_ pro Sekunde.

Mißt man auch die Arbeit, die durch das Rad verrichtet wird, so findet

man bei gut eingerichteten Maschinen, daß diese bis 75% der Arbeit des

Wassers beträgt, daß also bloß 25% verloren gehen. Die Wasserkraft wird

also gut ausgenützt.

Die Segner’schen Wasserräder sind jetzt ersetzt durch die ^Turbinen^,

welche bei ähnlicher Einrichtung nach demselben Gesetz bewegt werden.

Die Sätze vom Boden- und Seitendruck gelten ^von jeder Flüssigkeit^, und

lauten allgemein: #der Bodendruck einer Flüssigkeit ist gleich dem

Gewichte einer Flüssigkeitssäule, die den Boden als Grundfläche und

seinen Abstand vom Niveau als Höhe hat#.

[Abbildung: Fig. 34.]

Die Wasserräder.

Die gewöhnlichen Wasserräder, durch welche man die Kraft des Wassers

benützt, um Arbeitsmaschinen (Mühlen, Sägen, Hammer- und Stampfwerke u.

s. w.) zu bewegen, beruhen einerseits auf dem Drucke und dem Gewichte

des Wassers, anderseits auf dem hydraulischen oder hydrodynamischen

Drucke, welchen bewegtes Wasser (Fluß) hervorbringt, wenn es auf einen

festen Körper trifft. Man unterscheidet drei Arten von Wasserrädern:

[Abbildung: Fig. 35.]

[Abbildung: Fig. 36.]

~a~) das #oberschlächtige# Wasserrad. (Fig. 35.) Es hat am Radkranze

zellenförmige Schaufeln, welche alle nach derselben Seite hin gerichtet

sind. Das Wasser wird von oben in die Zellen geleitet, füllt sie an und

fließt, wenn die Zellen unten ankommen, wieder aus. Das Wasser bringt

das Rad in Drehung durch sein ^Gewicht^. Es wird nur in gebirgigem Lande

angewandt, wo das Wasser leicht in der erforderlichen Höhe (2 bis 8 _m_)

erhalten werden kann. Bei großer Höhe genügt schon eine scheinbar

geringfügige Menge Wassers (Quelle) um eine Mühle zu treiben.

~b~) Das #unterschlächtige# Wasserrad. (Fig. 36.) Es hat am Radkranz

breite Schaufeln, mit denen es in fließendes Wasser (Fluß) eintaucht.

Der ^Stoß^ des fließenden Wassers setzt es in Bewegung. Es wird bei

Flüssen angewandt, die nicht gestaut werden können (Schiffmühlen). Durch

Vergrößerung der Schaufeln erhält man auch bei schwach fließendem Wasser

hinreichende Kraft.

[Abbildung: Fig. 37.]

~c~) Das #mittelschlächtige# Rad. (Fig. 37.) Es hat am Radkranze

Schaufeln, die mit Vorteil schwach gebogen sind. Das Wasser wird etwas,

1 bis 2 _m_, gestaut, schießt dann unter der Schleuse hervor in eine

Rinne, welche genau den Radkranz umschließt, übt zuerst schon durch

seine ^Geschwindigkeit^ und dann noch durch sein ^Gewicht^ einen Druck

auf die Schaufeln, bis es unten die Rinne verläßt; es kann als eine

Verbindung des ober- und unterschlächtigen Rades angesehen werden und

wird da angewandt, wo man Bäche oder Abzweigungen von Flüssen nicht

besonders hoch (1-2 _m_) stauen kann.

Aufgaben:

#22.# Eine Turbine wird mit 370 Sekundenlitern Wasser von 4,25 _m_

Stauhöhe gespeist. Sie liefert 15 Pferdestärken. Wie viel Prozent

Nutzeffekt hat sie?

#23.# Für ein oberschlächtiges Wasserrad steht ein Wasserlauf zur

Verfügung, welcher in der Minute 15 _hl_ führt und eine Stauhöhe von 5½

_m_ ermöglicht. Wie viel Pferdestärken läßt es erhoffen bei 70%

Nutzeffekt?

[Abbildung: Fig. 38.]

#24.# Ein unterschlächtiges Wasserrad hat ca. 4½ _m_, die Welle 40 _cm_

Durchmesser; an ein um die Welle geschlungenes Seil muß man 180 _kg_

hängen, damit ihr Gegendruck den Druck des Wassers aufhebt. Wie groß ist

letzterer?

26. Auftrieb des Wassers, Archimedisches Gesetz. Folgerungen und

Anwendungen.

Da die oberen Wasserschichten vermöge ihres Gewichtes auf die unteren

drücken (siehe Fig. 31) und letztere dadurch zusammengedrückt werden, so

entsteht in ihnen als Gegenwirkung ein ^nach aufwärts gerichteter

Druck^, der sich nach allen Seiten fortpflanzt.

Man nimmt eine Glasröhre (Fig. 38), hält an deren unteren Rand eine

Messingplatte angedrückt und taucht beides in Wasser. Die Platte fällt

dann nicht mehr von der Röhre weg, da sie durch den Druck des Wassers

nach aufwärts gepreßt wird. Dieser Druck heißt ^Auftrieb^ und folgt den

Gesetzen über den Bodendruck.

Ist ein Körper ganz in Wasser getaucht, so wird er durch den Gegendruck

des Wassers ^nach aufwärts^ getrieben; dieser Druck wirkt dem Gewichte

des Körpers entgegen, ^verringert das Gewicht des Körpers^ und wird auch

^Auftrieb^ genannt. Die Größe dieses Auftriebes ergibt sich aus

folgendem Gesetze, das von ^Archimedes^ gefunden wurde und nach ihm das

#Archimedische Gesetz# (#oder Prinzip#) genannt wird. ^Der Auftrieb ist

gleich dem Gewicht einer Flüssigkeitsmasse, die so groß ist, wie der

eingetauchte Körper^, oder: ^Der Auftrieb ist gleich dem Gewichte der

vom Körper verdrängten Flüssigkeitsmasse^; oder: #in einer Flüssigkeit

verliert ein Körper soviel an Gewicht, als die von ihm verdrängte

Flüssigkeitsmasse wiegt#.

[Abbildung: Fig. 39.]

#Versuch:# In ein cylindrisches ^Messingeimerchen^ paßt genau ein

^Messingcylinder^, der unten an das Eimerchen angehängt werden kann. Man

hängt so das Eimerchen nebst dem Cylinder an den einen Wagbalken und

legt auf die andere Wagschale ein Gegengewicht, bis die Wage horizontal

steht. Läßt man nun den Messingcylinder in ein Glas Wasser eintauchen,

so geht er in die Höhe, getrieben durch den Auftrieb des Wassers. Um das

Gleichgewicht wieder herzustellen, muß man das ^Eimerchen gerade voll

Wasser^ füllen. Der Auftrieb, den der Messingcylinder erleidet, wird

aufgehoben durch ^das Gewicht eines gleich großen Volumens Wasser^.

[Abbildung: Fig. 40.]

#Ableitung# des Gesetzes bei rechtwinklig begrenzten Körpern (Fig. 40).

Ist er ganz untergetaucht, so werden alle Flächen vom Wasser gedrückt.

Die Druckkräfte auf die Seitenflächen ^heben sich auf, weil sie gleich

groß und entgegengesetzt gerichtet sind^. Seine obere Fläche wird nach

abwärts, die untere nach aufwärts gedrückt; ^diese Kräfte heben sich

nicht ganz auf^, sondern es bleibt ein nach aufwärts gerichteter Druck

übrig, da der Druck auf die ^untere^ Fläche ^größer^ ist.

Hat die Grundfläche des Körpers ~q~ _qcm_, seine Höhe ~h~ _cm_, und ist

der Abstand der oberen Fläche vom Wasserspiegel ~a~ _cm_, so ist der

Druck auf die untere Fläche = ~q (h + a)~ Gramm, der Druck auf die obere

Fläche = ~q · a~ Gramm. ^Der Auftrieb ist gleich der Differenz beider

Kräfte^ = ~q (h + a) - q · a = q h~ Gramm; ^aber^ ~q · h~ ^Gramm

bedeutet auch das Gewicht eines Wasserkörpers, der ebensogroß ist als

der eingetauchte Körper^.

^Folgerungen aus dem Archimedischen Gesetze und Anwendungen desselben^.

Jeder im Wasser befindliche Körper verliert an Gewicht, und zwar 1 _kg_

für jedes _cdm_; der Gewichtsverlust ist bloß vom Volumen, nicht vom

Gewichte des eingetauchten Körpers abhängig. Die im Wasser liegenden

Steine sind nahezu um die Hälfte leichter als in der Luft; daraus

erklärt sich auch, daß die Flüsse eine große Masse von Steinen als

Gerölle, Geschiebe, Kies und Sand mit sich führen und leicht immer

weiter fortschieben. Da Eisen bei gleichem Gewichte ein kleineres

Volumen hat als Stein, so verliert es im Wasser weniger an Gewicht; es

verliert etwa ein Siebentel; Blei verliert noch weniger, Gold noch

weniger, weil es bei gleichem Gewichte noch weniger Volumen hat. Gold

sinkt also rascher zu Boden und wird vom Wasser weniger leicht

fortgeschwemmt als Sand (Goldwäsche).

[Abbildung: Fig. 41.]

Wenn das Gewicht eines Körpers ^kleiner^ ist als das Gewicht eines

gleich großen Volumens Wasser, also ^der Auftrieb größer ist als das

Gewicht des Körpers^, so wird der Körper vom Wasser nach aufwärts

getrieben und ^schwimmt^ dann auf dem Wasser. Nur der unter dem Wasser

befindliche Teil gibt Anlaß zum Auftrieb. #Der schwimmende Körper taucht

so tief ein, bis das Gewicht des von ihm verdrängten Wassers so groß ist

als sein eigenes Gewicht.# Ist das Gefäß ~A~ (Fig. 41) genau bis zur

Ausflußöffnung voll Wasser, und taucht man nun den Schwimmkörper ein,

dessen Gewicht ~Q~ ist, so verdrängt er Wasser, welches im Auffanggefäß

~B~ gesammelt wird. Das Gewicht des verdrängten Wassers in ~B~ erweist

sich als gleich dem Gewicht des Schwimmkörpers ~Q~. Aus einem Stoff, der

schwerer ist als Wasser, kann man einen Körper herstellen, der auf dem

Wasser schwimmt, wenn man ihm eine hohle Form gibt, und ihn so auf das

Wasser legt, daß das Wasser nicht in den Hohlraum eindringen kann

(eisernes Schiff). Holz ist nur wegen seiner vielen mit Luft gefüllten

Poren leichter als Wasser; sind die Poren mit Wasser gefüllt, oder durch

starkes Pressen entfernt, so geht es im Wasser unter.

Das archimedische Gesetz kann dazu dienen, um das #Volumen# eines

Körpers zu finden. Man wägt den Körper in der Luft, er wiegt etwa 36,8

_g_, hängt ihn an die Wagschale, läßt ihn in Wasser tauchen, und wägt

ihn wieder; er wiegt etwa 24,3 _g_. Er hat 12,5 _g_ an Gewicht verloren,

also nach dem archimedischen Gesetz 12,5 _ccm_ Wasser verdrängt. Also

ist sein Volumen 12,5 _ccm_.

Aufgabe:

#25.# Ein Standglas mit Wasser wiegt 580 _g_; ich lege noch einen Stein

von 90 _g_ Gewicht ins Wasser, so wiegt es jetzt 670 _g_, obwohl der

Stein wegen des Auftriebes nur einen Druck von 50 _g_ auf den Boden des

Standglases ausübt. Warum? Ich lasse den Stein an einem Faden in das

Wasser dieses Standglases hängen, so wiegt es jetzt 620 _g_. Warum?

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 27 / 340 题