24. Bodendruck des Wassers.

[Abbildung: Fig. 30.]

Befindet sich Wasser in einem Gefäße, so übt es wegen seines Gewichtes

einen Druck auf den Boden aus. Man möchte glauben, daß dieser Druck

gleich sei dem Gewichte des im Gefäß enthaltenen Wassers; das ist jedoch

nicht der Fall, und da das Gesetz anders lautet, als man wohl glauben

möchte, so nennt man es das #hydrostatische Paradoxon#.

Man findet dieses Gesetz durch folgenden Versuch: Auf eine

Messingfassung können verschiedene Glasröhren aufgeschraubt werden;

unten wird sie verschlossen durch eine Messingplatte, welche durch einen

am anderen Ende belasteten Hebel angedrückt wird. So entsteht ein #Gefäß

mit beweglichem Boden#. Gießt man nun vorsichtig soviel Wasser in die

Röhre, bis der Druck des Wassers gleich ist dem Druck des Hebels, so

zeigt sich, daß #bei cylindrischer Röhre das Gewicht des Wassers gleich

ist dem Druck des Hebels#. Wenn man diesen Versuch nacheinander mit

verschiedenen Glasröhren macht, welche sich oben #erweitern# oder

#verengen#, so findet man, daß man das Wasser in allen #bis zur gleichen

Höhe# einfüllen muß, damit sein Druck dem Druck des Hebels gleich ist.

Man schließt also: #der Bodendruck des Wassers ist nicht abhängig von

der Form oder Größe des Gefäßes, sondern nur abhängig von der Größe des

Bodens und von der Höhe des Wasserspiegels über dem Boden#.

[Abbildung: Fig. 31.]

Ableitung aus dem Satze über die gleichmäßige Fortpflanzung des Druckes.

Man denke sich das im Gefäße befindliche Wasser in horizontale Schichten

zerschnitten, deren Höhe so klein sei, daß die Flächen zweier

benachbarten Schichten nur um wenig verschieden sind. Bei ~h~ _cm_ Höhe

seien es ~h~ solche Schichten. Der Boden habe ~q~ _qcm_ Fläche. Eine

beliebige Schichte habe eine Grundfläche von etwa 240 _qcm_, ihre Höhe

ist 1 _cm_, also ihr Inhalt 240 _ccm_ Wasser. Diese wiegen 240 _g_ und

drücken auf eine Fläche von 240 _qcm_; also trifft auf 1 _qcm_ ein Druck

von 1 _g_. Dieser Druck pflanzt sich mit gleicher Stärke auf den Boden

fort, also trifft dort auf jedes _qcm_ auch ein Druck von 1 _g_, also

auf den ganzen Boden, der ja ~q~ _qcm_ Fläche hat, treffen ~q~ _g_

Druck. Da dies von jeder andern Schichte gilt, und es ~h~ solche

Schichten sind, so ist der Druck aller Schichten = ~h · q~ Gramm. Aber

~h · q~ Gramm ist auch das Gewicht einer Wassersäule, welche den

gedrückten Boden als Grundfläche (~q~ _qcm_) und den Abstand des Bodens

vom Wasserspiegel (~h~ _cm_) zur Höhe hat. #Der Bodendruck ist so groß

wie das Gewicht einer Wassersäule, welche vom Boden aus senkrecht in die

Höhe geht bis zum Wasserspiegel# = ~q · h~. (^Paskal^’scher Satz.)

Der Bodendruck ist demnach leicht zu berechnen. Bei einer Tiefe von 10

_m_ beträgt der Bodendruck auf jedes _qcm_ 1 _kg_, was man sich merken

mag. Er wächst mit der Tiefe; in einer Meerestiefe von 1000 _m_ beträgt

er 100 _kg_ auf jedes _qcm_ (sogar noch etwas mehr, weil das Meerwasser

etwas schwerer ist als das reine Wasser). Ein Mensch kann nicht

sonderlich tief unter Wasser tauchen; denn durch den Druck des Wassers

wird das Blut aus Armen und Füßen ins Herz zurückgepreßt und der

Brustkorb stark zusammengedrückt, was innere Verletzungen zur Folge hat;

ohne weitere Vorrichtungen kann man nicht tiefer als 20 _m_ tauchen;

Perl- und Schwammfischer tauchen bis höchstens 25 _m_.

Aufgabe:

#21.# Wie groß ist der Bodendruck des Wassers auf eine rechteckige

Fläche von 50 _cm_ Länge und 36 _cm_ Breite bei 5½ _m_ Wasserhöhe?

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 26 / 340 题