Gütig und weich fragte Sophie: „Wollen Sie mir noch etwas sagen?“

Jetzt war der wichtige Moment da, es muß gesprochen werden. Tapfer

richtete sich das zierliche hübsche Fräulein auf, trippelte auf die

Fürstin zu, küßte ihr demütig die Hand und bettelte innigen, zu Herzen

gehenden Tones: „Verzeihung, Durchlaucht! Darf mich Herr Hartlieb im

Wagen begleiten?“

Verwundert blickte Sophie auf und sprach: „Wenn Sie es wünschen, warum

denn nicht? Hat denn der Oberförster zu tun in Admont?“

„Einiges zu besprechen hätten wir! Ich muß beichten, Euer Durchlaucht

gestehen, daß wir uns -- verlobt haben! Und so bitte ich denn in

schuldiger Demut und Ehrerbietung um die Erlaubnis...“

Wohl verriet der Blick der Fürstin großes Staunen, eine schmerzliche

Überraschung und Enttäuschung, doch gütig und mild sprach die hohe

Frau: „Möge Ihnen alles irdische Glück beschieden sein, das wünsche ich

Ihnen von Herzen! Wir sprechen noch darüber! Doch jetzt schon bitte ich

Sie, schieben Sie die Trauung noch etwas hinaus, lassen Sie mich nicht

allein! Eine Verschiebung, bis die Kinder hier und getraut sind! Ja,

bitte? Und nun eilen Sie nach Admont der Depeschen wegen! Emil wird

sehnsüchtig auf meine Einwilligung warten!“

„Untertänigsten Dank!“ jubelte Martina, küßte der Gebieterin die Hand

und wirbelte gegen jede Hofetikette davon.

Sophie setzte sich an das Fenster und blickte hinüber zum

nebeldurchzogenen schweigenden Bergwald. Jetzt wußte die einsame Frau,

wer dem Hoffräulein die ergreifenden und hinreißenden Worte in den

Mund gelegt hatte: die Liebe! Wer selbst liebt, kann beredt von Liebe

sprechen! Und viel besser, wärmer und überzeugender als der sonst so

redegewandte Hofpfarrer Pater Wilfrid...

Auf leisen Sohlen kam die Kammerfrau Hildegard, um nach Wünschen zu

fragen. Und Gift spritzen wollte die um eine Lebenshoffnung gebrachte

Witib, hetzen, die Heirat, wenn irgend möglich, hintertreiben.

Kaum merkte die Fürstin, worauf Hildegard zielte, da winkte die

Gebieterin ab und sprach: „Ich weiß davon und wünsche der braven

Gussitsch alles Glück! Du kannst gehen!“

Unter den Hohen Tauern: Ein Roman aus der Steiermark · 第 37 / 60 题