Ambros stöhnte: „Der Prinz...!“

„Beruhigen Sie sich, lieber Herr Hartlieb! Es ist nur Strohfeuer

gewesen, ein kleiner Brand, der rasch verlöschte; freilich hatte er

auch mir viel Leid gebracht! Jetzt brennt es gefährlicher, doch dieser

Brand hat uns nichts zu kümmern!“

„Uns?“ Jubelnd wiederholte Ambros dieses Wörtchen. Und nun fand er Mut

und Worte, um zu sagen, daß er Fräulein von Gussitsch längst liebe und

verehre. „Nur die Werbung konnte ich nicht wagen! Die Verhältnisse

sind auch jetzt nicht günstig, aber die bevorstehende Abreise, die

Ungewißheit, ob Sie wieder zurückkommen werden, die Möglichkeit, daß

die Besitzung verkauft wird, die Angst, Sie zu verlieren, all das

zusammen zwingt mich zur innigen Bitte: Erhöre mich, Martina, und

werde in Gnaden meine Frau! Viel kann ich freilich nicht bieten, nur

ein Leben in der Bergeinsamkeit, aber ehrliche Liebe und Treue und

Dankbarkeit! Nimm vorlieb mit dem Wenigen und mit dem verwilderten

Waldmenschen...!“

„Still!“ lispelte hold erglühend Martina und schloß mit dem

Patschhändchen den Mund Hartliebs.

Ambros küßte das Händchen, zog Martina an sich und bettelte wie ein

schüchterner Junge um das Jawort.

Martina aber bot dem geliebten Manne die Lippen zum Verlobungskusse.

Heftiges Klopfen an der Tür schreckte das Paar auseinander. Hildegard

trat ein und meldete, daß Fräulein von Gussitsch sofort zur Fürstin

kommen solle. Grünlich schillerten die Augen der Kammerfrau,

Schlangenblicke trafen Martina und Ambros, ein böses Lächeln umspielte

Hildegards Lippen. Eine böse Bemerkung wagte sie aber doch nicht

auszusprechen.

Um jedoch gehässigen Verdächtigungen schlankweg ein Ende zu machen,

erklärte Martina tapfer, daß sie sich soeben mit Herrn Oberförster

Hartlieb verlobt habe.

„Untertänigsten Glückwunsch!“ lispelte Hildegard mit anzüglichem

Hüsteln. Und in schlecht verhehlter Wut huschte sie aus dem Zimmer.

„Nun aber fort, Geliebter! Hier darf ich dich nicht länger behalten!

Bleib in Nähe des Schlößls, etwa gedeckt am Waldesrand, vielleicht

können wir uns noch sprechen!“

Gehorsam entfernte sich Ambros. Glück und Seligkeit verklärten sein

Antlitz.

Unter den Hohen Tauern: Ein Roman aus der Steiermark · 第 35 / 60 题