„Wolffsegg hatte geradezu edel gehandelt, der Gussitsch jenen
anscheinend unglücklich konzipierten Brief völlig verziehen! Mich
fragte er, ob ich zustimmen würde, wenn er um Martina werbe, wozu er
durch die Erbschaft jetzt in der Lage sei! Im Interesse der Gussitsch
habe ich natürlich zugestimmt! Martina aber hat den Heiratsantrag
rundweg abgelehnt! Unbegreiflich! Und albern!“
„Geschmacksache, liebe Mama! Viel Sommersprossen, eine Glatze hat er
auch! Und er ist so etwas wie ein Geldprotz, dem der Mammon in den Kopf
gestiegen ist! Er trägt jetzt die Nase ziemlich hoch!“
„Ach was! Ein Mädel wie Martina, nach allem, was vorgefallen ist, soll
froh sein, in eine glänzende Ehe kommen zu können!“
„Vielleicht war sie sich darüber klar, daß sie volles Eheglück an
Wolffseggs Seite nicht finden werde! Wenn ich ein Mädel wär, ich würde
eher ein Mondkalb heiraten, als den Wolffsegg!“
„Gott, diese Ausdrücke! Und dabei redest du wie ein Kind!“
„Verzeihung! Ich versteh es halt nicht besser! Reine Gefühlssache! Was
geschieht denn nun mit der Gussitsch?“
„Ich weiß noch nicht! Ihre Anwesenheit ist lästig, aber es geht nicht
an, das arme Mädel in die Welt hinauszustoßen! Es wäre dies grausam
und unchristlich! Also soll sie in Gottes Namen bis auf weiteres
bleiben! Ich werde mich schriftlich bemühen, für Martina einen anderen
annehmbaren Posten als Hofdame zu beschaffen! Genug davon! -- Was aber
dich betrifft, wünsche ich, daß du dich endlich beschäftigst, um die
Oberleitung kümmerst, Ordnung schaffst!“
„Hab ich ja bereits getan, wenigstens das Nötigste! Viel war ja nicht
zu tun, da doch meine liebe, umsichtige Mama seither dirigierte und
für Ordnung sorgte! Zur Zeit möchte ich ausschnaufen und ein bissel
bummeln! Es ist ja so schön in Admont! Und sehr gerne besuche ich die
Benediktiner, die doch gewiß ein guter Umgang für mich sind! Gentlemen,
nobel und gastfreundlich!“
Daß der Schalk ulkte und stichelte, merkte die Mama nicht; sie hörte
mit Freude, daß sich der Sohn die Admonter Stiftsherren zum Verkehr
erwählt habe. Und so gab sie gerne die Zustimmung zu weiteren Besuchen
im Stifte. Nur den erbetenen Hunderter gab sie nicht und motivierte
die Ablehnung durch Wiederholung der Worte Emils, wonach die Admonter
Benediktiner Gentlemen nobel und gastfreundlich sind, der Sohn also
kein Geld für Speise und Trank benötige.
„Aber, Mama! _Manica, bonamano_, zu deutsch: Trinkgeld muß man den
servierenden Dienern doch geben! Ein Prinz mindestens zehnmal mehr als
ein bürgerlicher Gast des Stiftes! Und so die Paters rauchen, darf ich
mich durch Zigarrenspenden doch auch nicht lumpen lassen!“
„Ja doch! Es ist schrecklich, was junge Männer Geld verpulvern!“
Seufzend gab die Fürstin etliche Scheine aus ihrer Schatulle.
„Untertänigsten Dank, liebe Mama!“ rief Emil freudestrahlend und ließ
die Scheine in der Westentasche verschwinden. Und dann hatte er es
eilig, ins Freie zu kommen und sich satt zu lachen...