„Verzeihung! Harmloser Ulk im Familienkreise! Kopie der alten
Geschichte vom Kaiser Josef und der Bahnwärterstochter!“
Wieder ging die ahnungslose Mama dem Schalk ins Netz, indem sie sagte:
„Davon ist mir nicht das geringste bekannt! Es wird sich doch der hohe
Herr nicht so weit vergessen haben...?“
„Oh, Mesalliancen sind auch in früherer Zeit vorgekommen! Und in
neuester Zeit gibt es deren massenhaft! Ich würde auch nicht locker
lassen! Um keinen Preis der Welt!“ Ein heißer Blick flog auf Martina.
Fürstin Sophie erwiderte ernsten Tones: „Die Vernunft muß immer über
der Neigung stehen!“
„Verzeihung, Mama! Du meinst die Staatsräson! Für sie gilt allerdings
dein Diktum immer und völlig! Bei mir wird es aber eine andere --
Wurscht sein, da kommt die Staatsräson gar nicht in Betracht!“
„Gott! Diese Ausdrücke! Und dann dieses sonderbare Thema! Ich will
nicht hoffen, daß du noch derlei gefährliche Absichten hegst! Du bist
doch auch noch zu jung!“
„Oho! Bin schon vierundzwanzig Jahre alt!“
„Entschieden verfrüht!“
„Verzeihung, daß ich widerspreche.“ Wieder flog ein heißer Blick auf
die vor Schrecken erbleichende Hofdame.
In italienischer Sprache mahnte Mama: „Laß doch dieses Thema fallen!
Bezahle die Rechnung! Ich wünsche heimzufahren, möchte vor Ankunft
Thurns zu Hause sein!“
„Nana! Welche ‚Pressiererei‘! Und die Backhendl, auf die ich mich so
mächtig gefreut habe?“
„Bitte, rufe Norbert und erteile Auftrag, daß angespannt wird!“
Der Kammerdiener stand in einiger Entfernung dienstbereit und kam auf
Emils Wink sofort herbei.
Gedehnten Tones sprach der Prinz: „Der Reisefourier soll seines Amtes
walten! Abendessen abbestellen, aber bezahlen! Sogleich anspannen!“
Erstaunt fragte die Fürstin leise: „Was soll das mit dem
‚Reisefourier‘? Warum zahlst du nicht die Zeche?“
Emil lachte nun vergnügt: „Werde mir hüten! Die zwanzig Silberlinge
befinden sich unsäglich wohl in meiner Tasche! Der bezüglich der
nicht bewilligten Backhendl verunglückte Ausflug soll nur aus der
hochfürstlichen Kasse bezahlt werden! Norbert als Fourier wird schon
verrechnen! Ich habe Rübchen: ätsch -- ätsch! Mamale ist reingefallen!
Diesmal bin ich der Schlauere gewesen!“ Und lachend imitierte Emil das
Rübchenschaben und verbeugte sich drollig.
Das geschah so nett und witzig, daß Mama nun doch lächelte und das
Prinzlein einen ausgewachsenen Spitzbuben nannte.
Während der Rückfahrt attackierte Emil das Hoffräulein abermals mit
heißen Blicken, rutschte quecksilbrig auf seinem Sitze hin und her und
suchte Martinas Händchen zu erhaschen.
Dies bemerkte die Fürstin. Mit eisigen Worten bat sie den Sohn um ein
anständiges Verhalten. „Später wird mehr zu sprechen sein!“
Martina erschauerte und war dem Weinen nahe.
Emil schien toll geworden zu sein. Er meinte: „Ach Gott! Wenn nötig,
können wir sofort das Thema erörtern! Einmal muß es ja doch zum Klappen
kommen!“
Scharf mahnte die Fürstin: „Still jetzt! Die Leute auf dem Bock haben
Ohren! Bedenke, daß du Prinz Schwarzenstein bist!“
Emil verzog die Lippen und schwieg.
Als der Wagen an der Jagdvilla vorfuhr, bat Martina bebenden Tones um
Gewährung einer außerordentlichen Audienz.
„Ich werde Sie rufen lassen! Vorerst habe ich mit meinem Sohne zu
sprechen!“ erwiderte sehr frostig die Fürstin.
Hildegard kam gesprungen, um die Fürstin in ihr Zimmer zu geleiten und
beim Kleiderwechsel behilflich zu sein. Das mußte auf ausdrücklichen
Befehl sehr rasch geschehen. Dann erfolgte der Auftrag, den Prinzen zu
rufen und dafür zu sorgen, daß keine Störung erfolge.
Die Kammerfrau beteuerte, strengsten Türdienst leisten zu wollen. War
doch ihre Neugierde übergroß.
Hochaufgerichtet, wie eine strafende Göttin, flammenden Blickes, empört
und entrüstet, stand die Mama vor dem Sohne, der sich trotzig verhielt,
zum Losplatzen bereit schien, aber doch gehorsam die gepfefferte
Strafpredigt ruhig anhörte.
Aneinandergereihte Rügen für ein unartig gewesenes Kind, Tadelsworte,
die mit der Frage endeten, was denn das Spiel heißen solle.
„Nicht Spiel, Mama! Ich liebe Fräulein von Gussitsch!“
„Ach was! Wo hast du nicht geliebt? In Dresden? In Dessau? Und in
Berlin das bürgerliche Fräulein? Jünglingslaunen, Strohfeuer! Etliche
kalte Umschläge, und der Fall ist erledigt! Bedauerlich, ja schmerzlich
ist es für mich, daß ich die nette, mir sympathische Person nun
entlassen, das arme Mädel in die grausame Welt hinausstoßen muß! Und
das ist deine Schuld!“
Festen Tones erwiderte Emil: „Nein, Mama! Nicht Jünglingslaunen,
denn ich bin volljährig! Und nicht Strohfeuer, denn es ist heftige
Leidenschaft, brennende Liebe!“
„Kinderei, nichts anderes!“
„Bitte, nicht dieses Wort, nicht diesen Ton! Ich bin kein Bub mehr
und auch nicht gewillt, mich gängeln zu lassen! Und ich will dir
ganz ernsthaft einen Vorschlag machen, Mama! Du weißt, daß ich sehr
gerne in Berlin weiterleben möchte! Dir zuliebe habe ich mich deinen
Wünschen gefügt und bin zurückgekehrt! Nun bin ich bereit, auf ‚Berlin‘
zu verzichten, wenn du mir erlaubst, daß ich Fräulein von Gussitsch
heiraten darf! Martina oder keine!“
„Keine!“ Es klang metallisch hart und schneidend, erbittert und eisig.
„Du lehnst meinen Vorschlag ab?“
„Ja, rundweg!“
„Gut! Für die Folgen hat die Mama aufzukommen!“
„Ich verbitte mir derlei Ausdrücke! Nun geh und sage Hildegard, daß sie
die Gussitsch rufen soll!“
So zornig und erbittert verließ Emil das Boudoir, daß er die
Verlegenheit der beim Horchen überraschten Kammerfrau nicht gewahrte.
Grollend entledigte der Prinz sich des Auftrages, und dann schloß er
sich in seinem Zimmer ein.
Martina sah elend aus, verweint und bleich, gerötet die Augen;
schluchzend bat sie um Entlassung.
Die Fürstin fühlte nun doch Mitleid mit dem armen Mädchen, und weichen
Tones sprach sie: „Zu meinem Schmerze werde ich Sie leider wegschicken
müssen! Doch will ich mich bemühen, eine ähnliche und passende Stellung
für Sie zu beschaffen! Deshalb bleiben Sie vorerst noch hier! Ich bin
dessen sicher, daß Sie verstehen werden, sich das -- Kind vom Leibe zu
halten! Kalte Umschläge werden den Jungen hoffentlich sehr bald zur
Vernunft bringen!“
Martina wimmerte: „Ich bitte inständigst, mir zu glauben, daß mich
nicht die geringste Schuld trifft! Das Aufflackern des Strohfeuers ist
mir unbegreiflich! Ich habe nichts, aber wirklich nichts getan, um eine
Entzündung herbeizuführen!“
„Das will ich gern glauben! Es kann ja dieses ‚Feuerfangen‘ mit dem
rasch erfolgten ‚Aufwachen‘ meines Sohnes in gewisser Verbindung
stehen! Ein psychologisch nicht genügend aufgeklärter Vorgang in der
Jünglingsseele! Für Emil sicher bedeutungslos, weil vorübergehend! Eine
Kinderei! Mißlich ist freilich, daß die Kinderei Ihnen die Stellung
kostet! Vielleicht gelingt es, Sie durch eine Heirat in gute Obhut
zu bringen! Hofdame für Lebenszeit werden Sie ja doch nicht bleiben
wollen! Was ich zu Ihrer Versorgung tun kann, soll gerne geschehen,
auch finanziell! Wollen Sie sich gegebenenfalls vertrauensvoll und
offen an mich wenden!“
Todtraurig wiederholte Martina die Beteuerung, daß sie frei von jeder
Schuld sei.
Und darob empfand die Fürstin ein starkes Befremden. Sie ärgerte sich,
daß das vermögenslose Fräulein das finanzielle Anerbieten ignorierte,
alle Schuld dem Prinzen zuschieben will. In übler Laune sprach die
Gebieterin davon, daß die Hofdame nicht ganz frei von Schuld sein
könne, die „Intervention“ vermutlich zu wenig diplomatisch durchgeführt
und dem Jungen eine Annäherung erlaubt habe, die zu üblen Folgen führen
mußte.
Schluchzend wehrte sich Martina gegen diese Vorwürfe und verwies
darauf, daß sie bei Entgegennahme des Auftrages zur Intervention auf
die Gefahren derselben rechtzeitig aufmerksam gemacht habe.
Spitz klang die Antwort: „Sie werden doch nicht etwa mir Vorwürfe
machen wollen? Erinnern Sie sich gefälligst, daß ich die Gefährlichkeit
negierte in der selbstverständlichen Voraussetzung, daß das Hoffräulein
klug und diplomatisch, mit Frauentakt interveniere! Genug davon! Was
geschehen ist, soll totgeschwiegen werden! Damit Sie mit Emil möglichst
wenig zusammentreffen, werden Sie für einige Zeit an der Tafel nicht
teilnehmen, auf Ihrem Zimmer speisen! Auch sollen Sie einstweilen
dienstfrei bleiben! Beschränken Sie Ihre Ausgänge auf das zur Bewegung
unerläßliche Minimum, meiden Sie aber dabei jedes Zusammentreffen mit
dem -- Kinde! Und wenn nötig, weisen Sie den Jungen schroff zurück!
Es tut mir leid, so sprechen und anordnen zu müssen, aber es muß eben
sein! Ich hoffe, daß in einigen Wochen eine alle Teile befriedigende
Lösung gefunden sein wird!“ Eine Handbewegung und Martina war entlassen.
Unmöglich war es Fräulein von Gussitsch, diesmal die strafende Hand
der gnädigen Fürstin zu küssen. Zu sehr schmerzte jedes Wort, ganz
besonders wurmten jedoch die Vorwürfe. Leise schluchzend verbeugte sich
Martina und verließ das Zimmer.
Einer bösen, schlaflosen Nacht folgte ein kühler Morgen. Eingedenk
des Befehles, Spaziergänge auf das Minimum zu beschränken und nach
Möglichkeit ein Zusammentreffen mit dem „Kinde“ Emil von Schwarzenstein
zu vermeiden, entschloß sich Martina zu Ausgängen jeweils am frühen
Morgen und späten Abend. Und so verließ sie an diesem Morgen die Villa
zu einer frühen Stunde, da das Küchenpersonal noch nicht sichtbar war.
Hinaus ins Freie, hinein in den nebelumflorten Bergwald, wo die Tannen
geheimnisvoll flüstern und die Hirsche orgeln...
Spät des Morgens erwachte Prinz Emil. Mit einigem Haarweh als Folgen
eines ausgiebig genommenen Schlaftrunkes am verflossenen Abend. Zwei
Flaschen schweren Ungarweines, die sich Emil als Schlummerpunsch
geleistet hatte, waren von guter Wirkung gewesen und hatten allen Ärger
verscheucht und einen prächtigen Schlaf erzeugt. Jetzt am Morgen hieß
es, Kater vertreiben, zunächst mit Kaltwasser den Schädel behandeln.
Viel quellfrisches Wasser benötigte Emil. Und in diesem vielen Naß
ertrank ganz jämmerlich eine gewisse Liebe zu einer gewissen Dame. Und
nach Beseitigung des Haarwehs sagte sich Emil, daß er eigentlich doch
sehr dämlich vorgegangen sei und sich überflüssigerweise eine böse
Suppe eingebrockt habe. In der Gewissenserforschung kam er zu einem
lebhaften Bedauern, die doch so nette Hofdame in eine sehr schlimme
Situation gebracht zu haben. Unrecht hatte die Mama ja nicht, daß sie
die Liebäugelei, den Flirt mit der Gussitsch nicht dulden wollte. Und
völlig gerechtfertigt und einleuchtend ist der Protest gegen eine
Heirat. Ordentlich froh war Emil, daß sich die Mama mit dem strikten
Verbot als die Gescheitere erwies; denn jetzt am Morgen empfand er
nicht die Spur einer heißen Liebe, nicht die geringste Lust, die
Gussitsch zu heiraten. Dafür etwas wie Reue, sich in die Nesseln
gesetzt zu haben. Das war erklecklich dumm. Dieser Selbsterkenntnis
gesellte sich die Frage bei, wie auf gute und nicht schmerzhafte Weise
die Folgen dieser Dummheit beseitigt werden könnten. Unvermeidlich wird
ein Kanossagang zur Mama, eine ehrliche Beichte sein; muß aber gemacht
werden, schon wegen der schlechten Finanzen. Und Fräulein von Gussitsch
wird man um Entschuldigung bitten müssen.
Mit diesem guten Vorsatze fand Emil denn auch das seelische
Gleichgewicht wieder, den leichten Frohsinn der Jugend. Er frühstückte
mit Behagen. Und als er sich die Zigarette anzündete, wurde der
Oberförster Hartlieb gemeldet.
„Ich lasse bitten, im Empfangssalon!“ sprach Prinz Emil und fügte bei:
„Seit wann versieht denn die Kammerfrau den Meldedienst? Wo steckt denn
Norbert?“
Hildegard gab Auskunft, daß Norbert nach Admont gefahren sei, um die
Post zu holen. Deshalb habe sie den Meldedienst übernommen.
„Danke! Führen Sie den Oberförster in den Salon!“
Die Kammerfrau verschwand.
Als gutmütiger Mensch wollte Emil den Beamten nicht unnötig warten
lassen; es tat dem Prinzen zwar leid, die Zigarette wegzuwerfen, aber
es geschah doch.
Beim Eintritt in das Zirbenzimmer fiel Emil der verstörte
Gesichtsausdruck, die verzerrte Miene Hartliebs auf. Kalkweiß waren die
Wangen, der Blick kündete bittersten Schmerz.
„Was ist Ihnen? Sind Sie krank?“ fragte teilnahmsvoll der Prinz.
„Danke ergebenst! Mir ist nicht wohl!“
„Da wollen wir auf die dienstliche Besprechung verzichten! Gehen Sie
sofort heim, schonen und pflegen Sie sich! Der Forstwart kann Ihre
Vertretung übernehmen! Lassen Sie auch den Arzt kommen! Ich werde
später Nachschau halten!“
„Vielen Dank! Es wird nichts von Bedeutung sein! Und den Holzverkauf zu
guten Preisen dürfen wir nicht versäumen!“
„Machen Sie das alles nach Ermessen und Gewissen! Aber schonen und
pflegen Sie sich! Nehmen Sie die Akten nur wieder mit! Apropos: Mama
ist mit allen Vorschlägen einverstanden! Kann Ihnen im Vertrauen auch
mitteilen, daß Mama viel auf den Fachmann Hartlieb hält!“
Erstaunt blickte Ambros auf. „Darf ich erfahren, wem ich das zu
verdanken habe?“
„Das weiß ich nicht! Über die eingerissenen Übelstände hat mir Fräulein
von Gussitsch gesagt, daß Sie der richtige Mann zur Sanierung seien und
alles Vertrauen verdienen! Demgemäß habe ich bei Mama Vollmacht für Sie
erwirkt! Nun aber Schluß! Sie zittern ja am ganzen Leibe! Wünschen Sie
stärkende Tropfen oder Kognak? Donnerwetter, Mann, fallen Sie mir nicht
um!“
Hartlieb mußte sich stützen, mit den Händen an einem Stuhle festhalten.
Zuviel stürmte in dieser kurzen Spanne Zeit auf ihn ein.
Emil sprang in das anstoßende Speisezimmer, entnahm der Kredenz die
Kognakflasche und brachte den stärkenden Schluck.
Dankend leerte Hartlieb ein Gläschen davon. Und dann verabschiedete er
sich.
„Auf Wiedersehen! Gegen Mittag besuche ich Sie!“ rief Emil dem
Oberförster nach, der sich schwankenden Ganges entfernte.
Im Freien erholte sich Hartlieb rasch, und die Schwäche schwand. Er
ging taleinwärts, um beim Rottmeister eine Schlägerung anzuordnen.
Wie er sich auf dem sonnenverklärten Sträßlein dem Sensenwerk
näherte, kam ihm zu seiner freudigen und zugleich erschreckenden
Überraschung Fräulein von Gussitsch entgegen. Verweint und eiligen
Schrittes. Und beim Anblick des Oberförsters zuckte Martina zusammen,
die Wangen erbleichten, die zierliche Gestalt erbebte. Als sie sich
gegenüberstanden, rangen beide nach Worten. Am schwersten Hartlieb, der
die bittersten Seelenqualen litt, nachdem ihm die Kammerfrau Hildegard
die alle Hoffnungen vernichtende Neuigkeit zugeflüstert hatte, daß
Prinz Emil die Hofdame von Gussitsch heiraten werde. Was soll jetzt der
im Innersten so schwer getroffene, schlichte ehrliche Waldmann sagen?
Wie danken, daß Martina sich zu seinem Gunsten verwendet hatte? Wie die
Braut des Prinzen behandeln? Darf er gratulieren? Kann er es, der jede
Hoffnung und sein Lebensglück verloren hat...?
Vergeblich mühte sich Martina ab, die Herrschaft über sich mit
der nötigen Raschheit wiederzugewinnen. Wie gelähmt war die
Gehirntätigkeit. Unmöglich war es, dem geliebten Manne zu sagen, daß
sie tiefunglücklich sei und demnächst die Entlassung zu gewärtigen
habe. Unmöglich, von Hartlieb jetzt Abschied zu nehmen... Und ganz
unmöglich, in dieser Minute ein harmloses, nichtssagendes Gespräch
zu führen. Alle Fähigkeiten der gutgeschulten, weltgewandten Hofdame
versagten. Dagegen füllten sich die Augen mit verräterischen Zähren.
Hartlieb stützte sich auf den Stock, um nicht zu taumeln, und stammelte
in abgehackten Worten seinen tiefgefühlten Dank für die wohlwollende
Empfehlung bei den Herrschaften. „Ich, ich hab jetzt Vollmacht für, für
alles! Aber, aber es freut mich nimmer --!“
Nun fand Martina doch so viel Kraft, um wehmütig zu lächeln und
zu sagen: „Das wenige, was ich für Sie tun konnte, ist gern, von
Herzen gern geschehen! Was mich wundert, ist, daß Sie von meiner
geringfügigen Bemühung Kenntnis erlangt haben!“
„Vorhin hat der Prinz davon gesprochen!“
„Sie waren eben beim jungen Herrn?“ rief überrascht Martina.
Hartlieb nickte. Das Übermaß schmerzlichster Empfindungen überwältigte
ihn.
In der Sorge, dem Prinzen auf der Rückkehr zur Villa in den Weg zu
laufen, erkundigte sich Martina nach der Richtung, die Prinz Emil
eingeschlagen habe.