Vor dem Jagdschlößl im einsamen Halltale stand eines klaren Morgens
ein schmächtiger, junger Mann in alter, verwetzter Steierertracht.
Kalkigweiß die Wangen, seltsam tief, scharfblickend und flackernd die
Augen. Bartlos, frisch rasiert die Wangen. Ein Mensch, weltfremd und
dennoch welthungrig. Mit dem aszetischen Gesichtsausdruck schien der
magere junge Mann gar nicht in die Tracht zu passen, die auf einen
Bergstock gestützte Gestalt mit einem Kugelstutzen älteren Systems auf
der linken Schulter sah wie Maskerade aus.
An scherzhafte Verkleidung, an Salontirolerei glaubte denn auch der
Kammerdiener Norbert, als er diesen „Steierer“ erblickte und wegweisen
wollte. Unmöglich konnte der junge, bleiche Mann ein Jagdgehilfe
sein: die auffallend weißen Hände, die kalkige Gesichtsfarbe sprachen
dagegen. „Sie, junger Mann, entfernen S’ Ihnen! Hier haben Sie nichts
zu suchen!“ rief er patzig.
Gelassen erwiderte der junge Mann: „_Ave!_ Guten Morgen!“ Und
unverändert blieb er in der Stellung.
Norbert riß es fast um. „Was haben Sie gesagt? _Ave?_ Wer sind wir
denn?“
„Zu dienen! Ich heiße Nonnosus, bin Admonter Novize und von Durchlaucht
hierher befohlen!“
„Nicht übel das! Ich weiß kein Wort! Unmöglich können Sie in dieser
Maskerade vorgelassen werden! Und was ein angehender ‚Mönch‘ im
Jagdschlößl zu tun hat, kann ich mir auch nicht denken!“
In hellstem Entzücken, in fanatischer Freude flammten die Augen des
Novizen auf, leise röteten sich seine bleichen Wangen, da Nonnosus
davon sprach, daß er von der Fürstin zur Jagd eingeladen sei, mit
besonderer Erlaubnis des Abtes pirschen, etliche Tage auf einer
Jagdhütte oben verbringen dürfe. „Seien Sie so gütig, Herr, und melden
Sie der Fürstin, daß der ‚Novize mit dem Jägerblut‘ gekommen ist! Die
Fürstin wird sich dann schon erinnern, daß sie mich eingeladen hat und
daß sie mich mit hinaufnehmen will! Haben Sie die Güte!“
Norbert schüttelte den Kopf.
Elastisch und flink kam der fesche Jäger Eichkitz heran. Den
sonderbaren „Steierer“ erblickend, spöttelte der schmucke Jägersmann:
„Je! Was ist denn dös für ein Spatzenschrecker! Wo haben s’ denn diesen
Popanz aus’lassen? Wohl eine Vogelscheuch’n für ein Erbsenfeld?“
Norbert schüttelte sich vor Lachen. Und Eichkitz lachte mit.