In jenem fernen, fremden Lande jenseits des Meeres lebte ein junger Prinz,
dessen Mutter eine kummervolle Königin war. Diese Königin war in Ungnade
gefallen und lebte mit ihrem einzigen Sohn an der Meeresküste. Der Prinz
verlebte seine Kindheit allein und verlassen; er saß bei seiner verlassenen
Mutter und wob das Netz seiner ungeheuren Wünsche. Er sehnte sich auf die
Suche zu gehen nach dem fliegenden Roß, nach dem Edelstein in der Haube der
Kobraschlange, nach der Himmelsrose, nach dem Zauberstab oder nach dem Orte
jenseits der dreizehn Flüsse und sieben Seen, wo die Prinzessin
Tausendschön im Schloß des Ungeheuers schlief.
Vom Sohn des Kaufmanns lernte der junge Prinz in der Schule die
Geschichten von fremden Königreichen. Vom Sohne des Amtmanns hörte er das
Märchen von Alladin und der Wunderlampe. Und wenn der Regen
herniederrauschte und die Wolken den Himmel bedeckten, saß er auf der
Schwelle, und auf die See hinausblickend sagte er zu seiner kummervollen
Mutter: »Mutter, erzähle mir eine Geschichte von einem ganz fernen Lande.«
Und dann erzählte ihm seine Mutter eine endlos lange Geschichte, die sie in
ihrer Kindheit gehört hatte, von einem Wunderlande jenseits des Meeres, wo
die Prinzessin Tausendschön lebte. Und das Herz des jungen Prinzen wurde
krank vor Sehnsucht, wenn er da auf der Scholle saß und hinausblickte auf
den Ozean und der Wundergeschichte seiner Mutter lauschte, während draußen
der Regen herniederrauschte und die grauen Wolken den Himmel bedeckten.
Eines Tages kam der Sohn des Kaufmanns zum Prinzen und sagte kühn:
»Kamerad, meine Studien sind zu Ende. Jetzt will ich auf Reisen gehen und
auf dem Meere mein Glück versuchen. Ich komme, dir Lebewohl zu sagen.«