IV

Der Friedensrichter bereiste während der kühlen Jahreszeit das Land und

schlug sein Zelt im Dorf auf, um zu jagen. Auf der Dorfwiese traf der

Sahib Nilmani. Die andern Knaben gingen dem großen Herrn wie einem

gefährlichen Untier weit aus dem Wege. Aber Nilmani blieb unerschrocken

stehen und starrte den Sahib ernsthaft und neugierig an.

Der Sahib ging belustigt auf ihn zu und fragte auf Bengalisch: »Du gehst in

die Dorfschule?«

Der Knabe nickte stumm. »Was für pustaks[20] liest du?« fragte der Sahib.

[20] Ein gelehrtes Wort für Bücher.

Da Nilmani das Wort pustak nicht verstand, starrte er den Friedensrichter

nur weiter schweigend an. Zu Hause erzählte Nilmani seiner Schwester mit

großer Begeisterung von dieser Begegnung.

Am Mittag ging Dschoygopal, mit Beinkleidern, langem Rock und Turban

angetan, um dem Sahib seine Aufwartung zu machen. Ein Schwarm von

Bittstellern, Dienern und Polizisten standen um ihn herum. Da der Sahib die

Hitze fürchtete, hatte er sich draußen vor dem Zelt an einem kühlen

schattigen Platz an den Gerichtstisch gesetzt, und nachdem er Dschoygopal

einen Stuhl hatte bringen lassen, fragte er ihn, wie alles im Dorfe

stände. Als Dschoygopal so vor aller Augen auf dem Ehrensitz Platz nahm,

schwoll sein Selbstgefühl gewaltig, und er dachte, wie schön es wäre, wenn

jetzt einer von den Tschakrabartis oder Nandis käme und ihn da sähe.

In diesem Augenblick kam eine Frau, das Antlitz dicht verhüllt und Nilmani

an der Hand führend, geradewegs auf den Friedensrichter zu. »Sahib,« sagte

sie, »Ihrem Schutz übergebe ich meinen hilflosen Bruder. Retten Sie ihn.«

Der Sahib, der den ernsten Knaben mit dem großen Kopfe sogleich

wiedererkannte und sich sagte, daß die Frau sicher einer angesehenen

Familie angehörte, stand sogleich auf und bat sie, in sein Zelt

einzutreten.

Die Nacht der Erfüllung: Erzählungen · 第 30 / 54 题