Der Friedensrichter bereiste während der kühlen Jahreszeit das Land und
schlug sein Zelt im Dorf auf, um zu jagen. Auf der Dorfwiese traf der
Sahib Nilmani. Die andern Knaben gingen dem großen Herrn wie einem
gefährlichen Untier weit aus dem Wege. Aber Nilmani blieb unerschrocken
stehen und starrte den Sahib ernsthaft und neugierig an.
Der Sahib ging belustigt auf ihn zu und fragte auf Bengalisch: »Du gehst in
die Dorfschule?«
Der Knabe nickte stumm. »Was für pustaks[20] liest du?« fragte der Sahib.
[20] Ein gelehrtes Wort für Bücher.
Da Nilmani das Wort pustak nicht verstand, starrte er den Friedensrichter
nur weiter schweigend an. Zu Hause erzählte Nilmani seiner Schwester mit
großer Begeisterung von dieser Begegnung.
Am Mittag ging Dschoygopal, mit Beinkleidern, langem Rock und Turban
angetan, um dem Sahib seine Aufwartung zu machen. Ein Schwarm von
Bittstellern, Dienern und Polizisten standen um ihn herum. Da der Sahib die
Hitze fürchtete, hatte er sich draußen vor dem Zelt an einem kühlen
schattigen Platz an den Gerichtstisch gesetzt, und nachdem er Dschoygopal
einen Stuhl hatte bringen lassen, fragte er ihn, wie alles im Dorfe
stände. Als Dschoygopal so vor aller Augen auf dem Ehrensitz Platz nahm,
schwoll sein Selbstgefühl gewaltig, und er dachte, wie schön es wäre, wenn
jetzt einer von den Tschakrabartis oder Nandis käme und ihn da sähe.
In diesem Augenblick kam eine Frau, das Antlitz dicht verhüllt und Nilmani
an der Hand führend, geradewegs auf den Friedensrichter zu. »Sahib,« sagte
sie, »Ihrem Schutz übergebe ich meinen hilflosen Bruder. Retten Sie ihn.«
Der Sahib, der den ernsten Knaben mit dem großen Kopfe sogleich
wiedererkannte und sich sagte, daß die Frau sicher einer angesehenen
Familie angehörte, stand sogleich auf und bat sie, in sein Zelt
einzutreten.