»Gut, wir werden sehen«, sagte Dschoygopal. Die Nachbarn erhoben einen
großen Lärm über diesen Vorfall. »Wenn du mit deinem Mann zanken willst,«
sagte Tara, »so tu es zu Hause. Wozu mußt du ihm davonlaufen? Er ist doch
immer dein Gatte.«
Es gelang Sasi, indem sie alles Geld, was sie bei sich hatte, ausgab und
ihre Schmucksachen verkaufte, ihren Bruder aus dem Rachen des Todes zu
retten. Da hörte sie, daß ihr großes Besitztum Dwarigram, auf dem ihr
Wohnhaus stand und dessen jährliche Einkünfte mehr als 1500 Rupien
betrugen, mit Hilfe des Zemindars[18] von Dschoygopal auf seinen eigenen
Namen umgeschrieben worden war. Jetzt gehörte also das ganze Besitztum
nicht mehr ihrem Bruder, sondern ihnen.
[18] Der von der Regierung gegen eine Pachtsumme angestellte Hauptpächter
eines Landstriches mit dem Recht der Unterverpachtung.
Als Nilmani sich von seiner Krankheit erholt hatte, bat er immer wieder
kläglich: »Laß uns nach Hause gehen, Schwester.« Er hatte Heimweh nach
seinen Neffen und Nichten, seinen Gespielen. Daher sagte er immer wieder:
»Laß uns heimgehen, Schwester, in unser altes Haus zurück.« Sasi weinte,
wenn er so bat. Wo war ihr Heim?
Aber das Weinen nützte nichts. Ihr Bruder hatte niemanden auf der Welt als
sie. Das sagte sich Sasi. So wischte sie denn ihre Tränen ab, ging in das
Haus des stellvertretenden Friedensrichters, Tarini Babu, und bat seine
Gattin, ihr zu helfen. Der stellvertretende Friedensrichter kannte
Dschoygopal. Daß eine Frau ihr Haus verließ und wegen Eigentumssachen mit
ihrem Manne Streit anfing, brachte ihn sehr gegen Sasi auf. Doch ließ er
sich nichts merken, er schrieb sofort an Dschoygopal und hielt Sasi eine
Zeitlang hin. Dschoygopal kam, setzte seine Frau und seinen Schwager mit
Gewalt in ein Boot und brachte sie nach Hause.
So waren die Gatten nach einer zweiten Trennung zum zweitenmal wieder
vereint. So wollte es Pradschapati[19].
[19] Der Gott der Ehe bei den Hindus.
Nilmani war vollkommen glücklich, daß er nach langer Abwesenheit seine
alten Gespielen wieder hatte. Wie Sasi seine ahnungslose Freude sah, war es
ihr, als ob ihr das Herz brechen wollte.