Ihr gehorsamer Sohn

Wilhelm.

Berlin, den 3. December 1838, ½12 Nachts.

Gott hat unsere Wünsche und Hoffnungen auf das gnädigste in Erfüllung

gehen lassen. Zehn Minuten vor 11 Uhr ist Augusta sehr rasch und

glücklich von einer Tochter[97] entbunden worden. Nicht genug können

wir Gott danken für die so leichte und rasche Entbindung. Welch’ ein

Kontrast mit vor 7 Jahren. Gestern Mittag empfand Augusta einige

Anzeichen, daß es recht bald zur Entbindung kommen würde. Da es heute

ganz so wie gestern blieb, so fuhr sie um 2 Uhr spazieren. Um 5 empfand

sie etwas mehr Schmerzen; die Hebamme erklärte aber, daß bis Morgen

Mittag an nichts zu denken sei. Um ½8 wurden die Schmerzen heftiger

und häufiger und um 9 erklärte die Hebamme, daß die Geburt in ganz

Kurzem bevorstände. Trotz der langen Erwartung waren wir auf diese

Schnelle nicht gefaßt, sodaß Alles über Hals und Kopf arrangiert ward.

Augusta ging ins Bett um ½10 und um 11 Uhr weniger 10 Minuten war

sie entbunden ohne alle künstlichen Mittel, bloß durch die Hebamme im

Beisein von ~Dr.~ Hack.

Augusta hat im Ganzen eigentlich wenig gelitten, was schon in der

kurzen Dauer der Wehen begründet ist. Dennoch war sie sehr erschöpft

und mehreren Ohnmachten nahe. Nach ¼stündigem Schlaf kam sie ganz zu

sich und fühlt sich wohl.

Mademoiselle ist sehr blühend und stark zur Welt gekommen und hat

gewaltig geschrien, bis der unersättliche Durst gestillt ward.

Gott gebe, daß Mutter und Tochter ferner sich Seines Segens zu erfreuen

haben.

Wilhelms I. Briefe an seinen Vater König Friedrich Wilhelm III. (1827-1839) · 第 47 / 54 题