Ihr gehorsamer Sohn

Wilhelm.

Saarlouis, den 21. Juni 1838.

.... Aachen habe ich seit 8 Jahren noch unglaublich verschönert

gefunden... Es herrscht viel Elegance und Luxus in Toiletten und

Equipagen, sodaß ich ganz frappiert war. Die Zweige der Industrie in

und um Aachen nehmen unglaublich zu, sowie auch auf der Straße von

Trier hierher. Ich habe vielerlei Fabriken besichtigt... in Malmedy

(ein so echt französisches Völkchen, daß man sich inmitten nach

Frankreich versetzt glaubt, der enormen Patrioten ihren Reden nach

zu urteilen) ..., die alle in Flor sind und außerordentlich in ihren

grandiosen Anlagen, Einrichtungen und Resultaten sind. Es ist eine

wahre Freude zu sehen...

Berlin, den 6. Oktober 1838.

Sie haben gnädigst vorläufig die Wahl des Obersten v. Unruh als

Gouverneur meines Sohnes zu genehmigen geruht. Da dies Verhältnis

nunmehr vollständig eintreten muß, so wollte ich nun die desfalsige

Ernennung hiermit antragen. Die große Gewissenhaftigkeit des

Obersten v. Unruh hat ihn aber den Wunsch aussprechen lassen, die

Gouverneurstellung ihm vorläufig nur als ein Commando zu übertragen,

während er noch mein persönlicher Adjutant bleibt, damit, wenn er oder

ich die gewünschte Qualification zu seinem Amt nicht entsprechend

fände, sein Rücktritt zu mir für beide Teile weniger empfindlich wäre.

Da ich diese Ansicht nur teilen kann, so will ich also untertänigst

hiermit darauf antragen, den Oberst v. Unruh nur zur Führung

meines Sohnes mit Beibehalt seines Verhältnisses als mein Adjutant

commandieren zu lassen.

Zum Untererzieher haben Sie gleichfalls vorläufig den Herrn Friedrich

Godet zu wählen genehmigt; seine Ernennung würde daher nunmehr auch

erfolgen müssen.

Beide Herren haben bereits seit diesem Sommer meinen Sohn des Öfteren

besucht und sich mit ihm bekannt gemacht, um den Übergang mit einem

Male nicht zu plötzlich für das Kind zu machen.

Wilhelms I. Briefe an seinen Vater König Friedrich Wilhelm III. (1827-1839) · 第 45 / 54 题