Ihr gehorsamer Sohn

Wilhelm.

Berlin, den 31. Mai 1838.

Ihren Wunsch, bei meinem Sohne außer dem Obersten v. Unruh als

Gouverneur keinen zweiten jüngeren Offizier, sondern einen

Zivil-Gouverneur anzustellen, habe ich natürlich nur als einen Befehl

ansehen können und habe ich sofort Erkundigungen über dergleichen

junge Männer angestellt. Es hat sich als ein ganz vorzügliches Subjekt

der Sohn der jetzigen Bonne des Kleinen, Herr Godet[94] in Neuchatel

herausstellt, den wir bereits seit längerer Zeit kennen, als er seine

Studien hier machte. Da er sich der Theologie widmet, so adressierten

sich unsere Erkundigungen an den Hofprediger Stracht und den Professor

Neander[95], welche Beide dem jungen Godet das ungeteilteste Lob,

namentlich Letzterer, erteilte.

Ich habe daher dem jungen Manne das Anerbieten, die Stellung bei meinem

Sohne anzunehmen, gemacht und sehe seiner Antwort entgegen.

Der beste Termin zum Wechsel des Erziehungspersonales dürfte nun

wohl erst der Herbst sein, indem mit den neuen Hoffnungen in meiner

Familie dann gleich Alles auf ein Mal verändert werden könnte, um

so mehr, da wir hoffen, Madame Godet bei dem zu erwartenden Kinde,

wenn der Himmel Alles gnädig wendet, ihre Stelle anzuweisen. Auch ist

durch die Feuersbrunst auf dem Babelsberge kein Gelaß mehr vorhanden,

wo Gouverneur und Instructeur untergebracht werden könnten für

diesen Sommer. Dagegen soll Oberst Unruh, wenn er mit mir vom Rhein

zurückgekehrt sein wird, so viel als möglich sich in der Gesellschaft

des Kleinen befinden.

Wilhelms I. Briefe an seinen Vater König Friedrich Wilhelm III. (1827-1839) · 第 44 / 54 题