Ihr gehorsamer Sohn

Wilhelm.

Ludwigslust, den 12. Juni 1835.

Während meiner diesjährigen Inspectionsreise werde ich fast von allen

Landesbehörden mit der Bitte angegangen, ob es nicht möglich sei,

die Rekrutengestellung statt am 1. April im Herbst, also etwa am 1.

Oktober eintreten zu lassen. Da natürlich dies der einstimmige Wunsch

aller Militärs ist, so werde ich binnen kurzem mich unterstehen, einen

officiellen Antrag untertänigst dieserhalb einzureichen, um wenigstens

für das 3. Armee-Corps diesen Einstellungstermin zu erlangen.

Ich bin beständig für denselben gewesen und gab nur in der Kommission

und in meinem Berichte deshalb nach, weil man eine Gleichmäßigkeit

des Einstellungstermines beliebte und die nördlichen Armee-Corps die

Winterkälte ohne Exercierhäuser gegen jenen Termin einwendeten. Im 3.

Armee-Corps fällt dieser Grund fort, da fast überall Exercierhäuser

oder Gelasse sind, auch die Garde sich ja bis vor 5 Jahren ohne

dergleichen behalf. Für die Einwohner wäre dieser Termin deswegen

unendlich vorteilhafter, weil alle Unsicherheit über die Einstellung

des Einzelnen fortfällt, wenn er nicht 6 Monate zu Haus gehen muß, denn

während der Zeit stellen die Regimenter Freiwillige ein und brauchen

daher um so weniger Cantonisten; die also, welche nicht gebraucht

werden, es aber erst im März erfahren, sind nun ohne Brot, da ihre

Dienste gekündigt waren, die Einstellung der sogenannten Brotlosen

fällt auch fort, d. h. derjenigen, welche im Herbst gleich erklären,

ohne sofortige Einstellung nicht leben zu können; für Jeden solcher

Rekruten muß nun also ein anderer entlassen werden, der noch nicht

2 Jahre dient. Durch alles dies entsteht eine Unsicherheit bei den

Einzustellenden und eine Not für den Einzelnen, die mit einem Male

gehoben wäre, wenn im Herbst ausgehoben und gleich eingestellt würde...

Berlin, den 14. Januar 1836.

In den Anlagen unterstehe ich mich, Ihnen untertänigst vorzulegen:

1.) einige Bemerkungen über zweckmäßig scheinende Einrichtungen bei der

russischen Truppe;

2.) meine Ansicht über die jetzt im Werk stehende Veränderung der

Kadettenanstalten;

3.) Vorschläge über Besetzung einiger Vakanzen im 3. Armee-Corps.

Die Ansichten ~ad~ zwei habe ich weder den früheren noch den jetzigen

Cadetten-Commandos mitgeteilt, obgleich sie denen des früheren

entsprossen sind. Ich habe sie natürlich nur in allgemeinen Umrissen

hingestellt, glaube aber, sie doch nicht unterdrücken zu dürfen in

einem Moment, wo von Umformung dieser Anstalten die Rede ist.

Wilhelms I. Briefe an seinen Vater König Friedrich Wilhelm III. (1827-1839) · 第 42 / 54 题