Miniaturbild von A. Grahl um 1840 im Palais Kaiser Wilhelms I.]

Was der Kaiser von dem ernsthaften Schritte Österreichs erfahren

hat, ist folgendes: daß es der Pforte erklären will -- nach Rußlands

Vorschlag und Drängen im Januar --, daß sie durchaus jetzt nachgeben

müsse, wo nicht, so würde sich auch Österreich den Verbündeten

anschließen und gemeinschaftlich mit ihnen über dasselbe kriegerisch

herfallen und habe es zu dem Ende ein Corps in Bereitschaft... Von

Frankreich hat der Kaiser gestern erneuert die intimsten Versicherungen

erhalten, mit dem Bemerken, daß es erneuert die dringendsten

Vorstellungen in London mache, um das Kabinett zur Annahme der

russischen Proposition zu bringen. Jedenfalls glaubt der Kaiser,

Frankreichs ganz sicher zu sein, selbst für den Fall, wenn England ganz

abspringen sollte... Den Kaiser hat diese ganze Vereitelung, wie sie

jetzt durch Englands Umspringen erzeugt wird, keinen Moment frappiert,

indem er von jeher vorher sah, daß England im Trüben fischen wollte und

eigentlich allein handeln wollte und egoistisch, zum Nachteil aller

anderen handeltreibenden Nationen, in der orientalischen Frage. Die

Ruhe Europas ist erhalten, sobald England dem Tractat treu bleibt und

den von Rußland und Frankreich vorgeschlagenen Maßregeln beitritt,

meint der Kaiser; springt also England jetzt ab, so erzeugt es den

Krieg und die Unruhe, wahrscheinlich in ganz Europa, wovon es doch

gerade das Gegenteil will. Der Kaiser sagte mir: Die Verhältnisse,

die sich in der Türkei gestalten, sind für Rußland zehnmal wichtiger,

als für alle andern Staaten, die selbst durch ihren Handel mit jenem

Lande in Verbindung stehen. Diesetwegen habe er müssen eine sehr

bestimmte Sprache gegen die Pforte gleich bei seinem Regierungsantritte

führen und die Akkermannschen Unterhandlungen waren die Folge

davon. Als sich diese Verhandlungen zu seinen Gunsten entschieden

hätten, habe er nichts weiter wünschen können, denn das seit Jahren

compromittierte Ansehen Rußlands bei der Pforte und der Einfluß,

den es doch natürlich stets auf dieselbe auszuüben suchen muß, war

wiedergewonnen. Aus diesem Grunde hätte er auch nicht nötig gehabt, in

der griechischen Angelegenheit etwas zu tun, um so weniger, da er...

gar nicht gesonnen gewesen sei, für sie wohl gar aus Enthusiasmus zu

handeln. Er hätte also aus diesem Grunde auch nicht nötig gehabt,

das englische Anerbieten, zu Gunsten der Griechen zu wirken,

anzunehmen und zu deren Pacificirung die Hand zu bieten, wenn er sich

nicht hätte sagen müssen, daß sein Zurückweisen dieses Anerbietens

England nicht gehindert haben würde, seine Vorschläge und Pläne zur

Veränderung der Dinge im Oriente demnach durchzuführen, welche es,

alsdann allein handelnd, auch ganz nur zu seinem Vorteile und gewiß

zum größten Nachteile Rußlands geordnet haben würde. Eroberungs- und

Aquisitions-Pläne möchten gleichfalls wohl bei England obgewaltet

haben, wie die Geschichte der Ionischen Inseln beweisen könnte...

Frankreichs Handels-Interesse verlangte es, daß die orientalischen

Verhältnisse eine andere Gestaltung gewännen; dieses trat nun also

auch dieserhalb mit der Sprache hervor. England und Frankreich mußten

sich also wegen dieser orientalischen Frage begegnen und gewiß auf

eine unangenehme Art. Da nun also nicht anzunehmen war, daß England

sich durch Rußlands Refus abhalten lassen würde, seine Absichten im

Oriente zu verfolgen, wobei ihm noch zu Statten kam, daß die Griechen

sich ja selbst an dasselbe gewandt hatten, um für sie sich zu

interessieren, ebensowenig aber anzunehmen war, daß sich Frankreich

und England gütlich über jene Verhältnisse vergleichen würden, so

nahm der Kaiser das englische Anerbieten an, um dem egoistischen und

Allein-Handeln Englands zu begegnen und um ein Zerwürfnis zwischen

England und Frankreich zu verhindern und um somit also die Ruhe und

Eintracht in Europa zu erhalten. So entstand das Petersburger Protokoll

vom 4. April 1826 von Seiten des Kaisers in der Hauptabsicht, Ruhe

in Europa zu erhalten, durch die Pacificierung Griechenlands seinen

Handel noch mehr zu sichern und somit sein Ansehen bei der Pforte noch

mehr zu sichern. Als dies Ansehen durch den Akkermannschen Vertrag

hergestellt war, erklärte der Kaiser an England, daß er es seinetwegen

nicht mehr nötig habe, dem Protokoll Folge zu geben, indem er Alles

erlangt habe zum Besten Rußlands, was er von der Pforte nur verlangen

könnte. England erwiderte auf die zweimalige derartige Vorstellung,

daß es seinerseits sich in der Notwendigkeit befände, den Bestimmungen

des Protokolls durchaus Folge geben zu müssen; dadurch demasquierten

sich Englands egoistische Absichten immer mehr in den Augen des

Kaisers und er hielt es für notwendig, dieserhalb schon im gedachten

Protokoll die Bestimmung ausdrücklich aufzunehmen, daß von keinem Teile

Eroberungs- oder Acquisitions-Pläne beabsichtigt würden; somit waren

England freilich in ganz Europa die Hände gebunden, nicht dergleichen

wahrscheinlich intentionierte verborgene Absichten einseitig ausführen

zu können. Rußland kostete es nichts, dies Versprechen zu geben, indem

jede Länder-Vergrößerung für dasselbe ein Nachteil sei. Frankreich trat

diesen Protokoll-Bestimmungen später bei und verlangte zuerst dessen

Umwandlung in ein Tractat. So waren also die verschiedenen Interessen

durch einen Tractat vereint und dadurch die Ruhe und Einigkeit Europas

gesichert. Diese Verhältnisse konnten also nur gestört werden, wenn

ein Teil seinen Verpflichtungen ungetreu wurde, d. h. dem gemeinsamen

Verband sich entzog, um einseitigen Plänen Folge zu geben.

Dies Letztere scheint nun allerdings leider Englands jetziges Benehmen

sein zu wollen. Wollte es die Pacificierung Griechenlands wirklich,

so könnte es jetzt keinen Augenblick anstehen, nachdem alle Mittel

erschöpft sind, mit Gewalt auf die Pforte wirken zu wollen. Da es

diese Gewalts-Mittel aber gegen seine beiden Alliierten zurückweiset,

so gehet daraus wohl deutlich hervor, daß es etwas anderes als die

gemeinschaftliche Pacificierung der Griechen wünscht, nämlich dort

allein sprechen zu wollen und somit entlarvt es sich selbst.

Englands Plan scheint bestimmt zu sein, sich von dem trilateralen

Vertrag zurückziehen zu wollen, dieserhalb jedoch mit Frankreich noch

nicht zu brechen, es sich überhaupt angelegen sein zu lassen, auf

dem Kontinente Alliierte zu sammeln, wahrscheinlich um Rußland mit

denselben vereint zu bedrohen und so vom Türkenkriege abzuhalten.

Dies Suchen von Alliierten dürfte also wohl zunächst auf Preußen und

Österreich gerichtet sein. Überhaupt kann es Preußen nicht ruhig mit

ansehen, daß dergleichen Alliancen sich schließen, wie die zwischen

Österreich und England wäre und sein Verweigern zum Beitritt zu

derselben dürfte vielleicht selbst dies ganze Projekt hindern und eine

Aufforderung Preußens an England, den Frieden Europas dadurch nicht zu

stören, daß es einseitig von einem Vertrage abspringt, während seine

zwei Mit-Alliierten fest zusammenhalten, von einem Vertrage, an dessen

Existenz es selbst schuld ist und den es vorschlug und gegen Rußlands

anfängliche Vorstellungen durchsetzte, eine solche Vorstellung Preußens

in London, wie gesagt, könne vielleicht noch eine plötzliche Wendung

erzielen. Wenn eine allgemeine Verwicklung entsteht, so ist daran nur

der englische Egoismus und die österreichische bisherige Starrheit

Schuld. Wie traurig.

St. Petersburg, 24. März/5. April 1828.

.... die Armee, die zwischen dem 20. und 25. April den Pruth

überschreitet und die der Kaiser, bevor sie die Donau erreicht,

einholen will. Jedenfalls will er beim Übergange über die Donau zugegen

sein. Wo? hat er mir noch nicht gesagt und da ich nur eine Regel

gemacht habe, den Kaiser nach nichts abzufragen, was er mir nicht

mitteilen zu wollen zu beabsichtigen scheint, so habe ich darüber, wie

überhaupt über den ganzen Operationsplan garnichts erfahren.

Mit welcher Ungeduld sehe ich Ihren Bestimmungen über mich entgegen.

Hier kommt es mir unmöglich vor, daß ich an allem, was ich sich hier

vorbereiten sehe seit drei Monaten, nicht Teil nehmen sollte und so

denkt man es sich hier auch allgemein für unmöglich, daß ich nun nicht

mitgehen werde. Der Kaiser erhielt soeben einen Courir aus Paris, der

erneut die besten Nachrichten überbrachte und auch aus England die

Nachricht, daß, wenngleich sich dasselbe nicht mit Rußlands Maßregeln

in soweit einverstanden erkläre, um sich zur Teilnahme an denselben zu

verstehen, so würde es jedoch Rußland nicht hindern und aufhalten in

seinen Absichten auf die Türkei.... Welch’ ein Glück für die allgemeine

Ruhe Europas, wenn England einsiehet, daß es durch sein falsches

Benehmen den allgemeinen Krieg im Begriff war anzuzünden ...

Den heute hier erschienenen Friedensschluß in Persien lege ich hier

bei[32]... wären wir doch erst soweit mit der Türkei.

Die abgebrochene Contre-Revolution in Portugal ist eine merkwürdige

Sache[33]. England wird da auch etwas ins Gedränge kommen.

St. Petersburg, 28. März/9. April 1828.

Aus England sind die letzten Eröffnungen auch günstiger, indem es

wenigstens erklärt, sich nicht Rußlands Maßregeln opponieren zu wollen.

Von Österreich fehlt noch immer die seit zwei Monaten erwartete

Antwort... mit Frankreich ist der Kaiser außerordentlich zufrieden.

Dagegen können die portugiesischen Geschichten wohl nur sehr unangenehm

erscheinen. Hätte Don Miguel nur nicht schon in Wien die unglückselige

Constitution beschworen, so wäre Alles gut. Aber so ist sein Benehmen

unverzeihlich...

Gestern sind Nachrichten aus Bukarest angekommen, die von dem Einrücken

eines 6000 Mann starken türkischen Corps in Serbien, von Bosnien

kommend, Meldung machen. Es sollen große Grausamkeiten vorgefallen

sein und den Serben annonciert worden, daß eine größere militärische

Occupation folgen werde und alle Waffen abgeliefert werden sollten.

Auch sind türkische Truppen in dem kleinen Freistaat Montenegro

eingerückt. Der Kaiser ist über die Serbische Occupation sehr

entrüstet, weil dieselbe ganz gegen die Tractate ist und ihm daher nur

gerechte Waffen gibt, die Pforte nicht länger zu schonen[34]. Aber es

ist wirklich wahr, Alles vereinigt sich, des Kaisers Politik höher und

gerechter mit jedem Tag zu stellen. Das ist der Preis und der Lohn für

Offenheit, Gewandtheit und Festigkeit in der Politik, die dem Kaiser

nie genug zu danken sein wird.

St. Petersburg, den 3./15. April 1828.

.... Der Kaiser hat gestern Depeschen aus London und Berlin erhalten.

Die ersteren annoncieren ihm officiell, was er schon wußte, daß

England ihn in nichts hindern will, aber ihn aus dem Vertrag getreten

betrachtet...

Die verbreitete Nachricht des von der Pforte den Griechen angebotenen

Waffenstillstandes, um darauf Negotiationen anzuknüpfen, freut den

Kaiser sehr, wenn es eine gegründete Nachricht ist, indem wegen der

griechischen Angelegenheit er seine Instruktionen gegeben hat an

Lieven und mit denen dieserhalb von England vorgeschlagenen Maßregeln

teilweis einverstanden ist. Doch dies Alles hält ihn keinen Augenblick

auf, seine eigenen Griefs gegen die Pforte mit gewaffneter Hand zu

verfolgen. Den 25. April/7. Mai soll die Armee den Pruth überschreiten;

am selben Tage will der Kaiser von hier abgehen...

Die Kaiserin-Mutter hat mit Einemmale ihrer Tochter die Reise hierher

abgeschrieben[35], um, da sie nur bis zum August bleiben wollte, ihr

diese beschwerlichen Reisen nicht so rasch auf einander machen zu

lassen, da die Großfürstin noch Carlsbad brauchen soll später. Ich sehe

mit desto größerer Ungeduld Ihrer Antwort entgegen. Der Mensch denkt,

Gott lenkt, muß ich immer wieder sagen.

St. Petersburg, 5./17. April 1828.

.... Ansicht über Preußen, die Sie zur Grundlage der Antwort an den

Kaiser legen wollen[36]; nämlich die, daß eine Erklärung Preußens an

die übrigen großen Mächte Europas, daß es mit der russischen Politik

einverstanden sei und die Rechtmäßigkeit seiner Maßregeln vollkommen

anerkennt, von dem größten Einfluß auf die übrigen Kabinette in

diesem Augenblicke sein wird. Die aus dieser offiziellen Erklärung

entspringende Folge ist eine Eröffnung gegen Rußland, daß es unter

solchen Umständen auf Preußen in sofern zählen könne, als es etwa in

der Verfolgung seiner als rechtmäßig anerkannten Maßregeln von irgend

einer Macht gestützt werden sollte. Dies ist der Wunsch des Kaisers;

mehr verlangt er nicht... Wenn auf diese Art also Rußland, Frankreich

und Preußen einverstanden sind, so dürfte sich so leicht wohl keine

Separat-Alliance in Europa bilden, der nicht diese drei Mächte

widerstehen würden. Aber gerade durch dieses Zusammenhalten im Prinzip

der drei genannten Mächte würde es auch andern gar nicht einfallen, ein

Separat-Bündnis zu schließen. Preußens Stellung kommt mir dabei vor wie

ein drohender Hund, der nur erst noch warnt.

Heute noch sagte mir der Kaiser beim Abmarsch der Gardejäger-Reserve

und der magnifiquen Fuß-Artillerie: ~je vous jure devant dieu, que je

n’aimerais pas mieux que de tenir la même language envers l’Autriche;

mais ils ne font rien pour gagner ma confiance. Voilà deux mois que

j’attends une réponse de l’empereur d’Autriche sur une lettre que je

lui ai écrit deux jours après qu’il me l’avait demandé~...

Schon vor längerer Zeit sagte mir der Kaiser, daß, wenn England

wirklich ganz abgesprungen wäre, Frankreich aber fest an Rußland

gehalten hätte, wodurch es sich dem benachbarten England leicht hätte

exponieren können, so würde er mit Frankreich dieselbe Übereinkunft

geschlossen haben, welche der selige Kaiser zur Zeit des französischen

Einfalls in Spanien mit Frankreich schloß, nämlich es gegen Englands

etwaiges Vorhaben zu schützen, zu welchem Ende der Großfürst Konstantin

mit seiner Armee zur Disposition Frankreichs gestellt werden würde.

Ehe ein Gebrauch dieses zur Disposition-Stellen gemacht worden wäre,

dürften freilich noch manche andere Verhältnisse zur Sprache gekommen

sein, jedenfalls zeigt es aber, wie sehr der Kaiser diejenigen Staaten

achtet und seiner Unterstützung wert hält, die gleich ihm eine feste,

offene, gerade, bestimmte und Treue haltende Politik gehen...

Oft ist mir bei uns schon ein Grauen angekommen, wenn die Armee einmal

mobil gemacht werden sollte, wegen des Mangels an jeder Vorschrift

über diese Mobilmachung. Vor 6 Jahren ist jedem Armee-Corps aufgegeben

worden, einen Mobilmachungs-Plan auszuarbeiten; das ist geschehen

und man hat natürlich vermutet, daß die Einreichung dieser Arbeiten

befohlen wurde, um nach diesen von jedem einzelnen Corps aufgestellten

Ansichten eine allgemeine Bestimmung zu bearbeiten und als Vorschrift

zu erlassen. Dies ist aber nicht geschehen. So ist also jedes

Armee-Corps in diesem Moment zwar mit einer Arbeit versehen, nach der

es isoliert handeln würde, wenn schnell eine Mobilmachung einträte;

aber eben so viele Corps existieren, eben so viele Verfahrungs-Arten

wird es auch geben und dies ist unmöglich für das Ganze. Ich habe diese

Arbeit meines Armee-Corps gleich nach Übernahme des Commandos desselben

durchstudiert und angefragt, ob die unendlich vielen zur Anfrage

und Bestimmung angehaltenen Punkte nicht zur Erledigung eingereicht

werden sollten, aber immer gehört, daß die Einreichung noch nicht

befohlen wäre. Bei der Wichtigkeit dieses Gegenstandes habe ich mich

jetzt, wo mir diese Verhältnisse hier so oft vor Augen treten, für

verpflichtet gehalten, Ihrem gnädigen Ermessen diesen Gegenstand einmal

in Erinnerung zu bringen...

Es ist heute ein österreichischer Courier angekommen, der aber wiederum

nicht eine Zeile dem Kaiser überbracht hat, was ihn natürlich sehr

ungehalten stimmt, wobei er jedoch stets seine Ruhe und Heiterkeit

behält...

St. Petersburg, 11./23. April 1828.

Auf die Aufforderung in Ihrem Schreiben, den vorgeschlagenen Schritt

noch zu tun, ohne den Marsch seiner Armee dadurch aufzuhalten, will der

Kaiser jedoch nicht eingehen... Der Grund... sei, daß ja gerade die

Propositionen, die er im December vorigen Jahres den Alliierten gemacht

und auf die Sie jetzt wünschten, daß er mit einigen Modificationen

zurückkäme, namentlich von England nicht angenommen seien, weil von

einer Unterstützung mit gewaffneter Hand gegen die Pforte zur Annahme

der Vorschläge die Rede gewesen sei. Jetzt, wo ihn individuelle

Beleidigungen der Pforte zwingen, die Waffen zu ergreifen, habe er

ja neuerdings allgemein erklärt, daß er trotzdem die Erreichung der

Bestimmungen des Londoner Vertrages nicht aus den Augen verliere und

daher beiden Angelegenheiten ~de front~ gehen würden. Hierin

glaubt er, würden Sie ungefähr oder eigentlich dasjenige finden, was

Sie vorschlügen. Daß nun England hierauf erklärt hat, daß es ihm sich

nicht opponieren werde, aber auch nicht ihn mehr als in der Alliance

seiend betrachte, dafür könne er nichts und ein erneuter Antrag dieser

Art wäre ihm daher unmöglich zu machen... Dennoch versuchte ich aus

Ihrem Briefe an mich dem Kaiser Ihren Antrag nochmals so darzustellen

und annehmbar zu machen, daß Sie selbst recht wenig auf den glücklichen

Ausfall dieses Schrittes bei der Pforte rechneten, aber Sie die Annahme

hauptsächlich darum wünschten, um sein Recht nur noch heller erscheinen

zu lassen, nachdem alle Versuche gemacht sind, friedlich zum Ziele zu

gelangen; aber er gab mir wiederum dieselbe Antwort.

Der österreichische Courier... ist doch der Überbringer der

langersehnten Antwort gewesen, was Graf Zichy jedoch einige Tage

für sich behalten hat. Das Schreiben... enthält die längst bekannte

Demarche Österreichs gegen die Pforte wegen des Waffenstillstandes und

eine Menge Besorgnisse über die inneren Verhältnisse von Frankreich

und der Halbinsel. Daß Graf Capo d’Istria den Waffenstillstand

nicht angenommen hat, sondern die Instruktionen der drei ihn

anerkannthabenden Mächte erwartet, die gewiß negativ sein werden,

dürften Sie bereits wissen...

St. Petersburg, 14./26. April 1828.

Vorgestern erhielt der Kaiser aus London die Anzeige, daß das englische

Kabinett die Proposition der österreichischen Intervention in der

orientalischen Angelegenheit gänzlich von der Hand gewiesen habe,

indem England niemals darauf eingehen könne, die völlige Freiheit

Griechenlands als mit ~son~ (Englands) ~état physique~ unvereinbar

anzuerkennen. Da dieser Vorschlag Österreichs, der ja bei der Pforte

einseitig gemacht war, von den drei alliierten Mächten nicht gut

geheißen worden ist, so gibt Graf Zichy diesem ganzen Vorschlage

den Anstrich, als sei er von der Pforte gekommen und von seinem

Hofe nur als ein Vorschlag mitgeteilt worden... Wie leicht übrigens

Österreich seine Vorschläge fahren läßt, beweist mir noch mehr die auch

vorgestern eingegangene Depesche des Grafen Tatischtscheff, die dem

Kaiser meldet, daß er eine offizielle Unterredung mit Graf Metternich

gehabt habe, der ihm annoncierte, daß unter den jetzigen Verhältnissen

auch Österreich sich bewogen fühle, seine Relationen mit der Pforte

aufzugeben und sich in Gemeinschaft mit Preußen dem trilateralen

Vertrage anschließen würde... Auf mein Befragen, was er, der Kaiser,

für einer Meinung sei wegen dieses Vorschlages, erwiderte er, daß ein

Artikel des trilateralen Vertrages festsetze, daß, wer sich demselben

anschlösse oder anschließen wolle, nicht zurückgewiesen werden würde...

Daß Österreich anfing schwankend zu werden, zeigte sich wohl seit drei

Monaten und namentlich seit der gewissen freimütigen Eröffnung von

hier aus, die wohl mehr aus dem Leben gegriffen war und mehr Eindruck

auf’s österreichische Cabinett gemacht hat, als es dasselbe eingestehen

will... Nach dem jetzigen Benehmen und Vorschlägen Österreichs

scheint es mir, als wäre eine dergleichen fortgesetzte Einwirkung auf

dasselbe und namentlich so, wie sie der Kaiser im Februar von Ihnen

wünschte, doch wohl auch zum Ziele führend gewesen und ich sage es mit

einigem Stolze, Preußen hätte alsdann den Ruhm gehabt, die Einheit

herbeizuführen, die es so sehr wünschte, während es jetzt umgekehrt

geschieht und zwar von einer Macht, die sich das enorme Dementi gibt,

seine stets vorgeschützten Prinzipien zu verleugnen oder aufzugeben,

um das Ziel zu erreichen, was ihr früher ganz fremd sein wollte... Was

England zu all dem sagen wird, ist am merkwürdigsten zu erwarten. Gott

gebe, daß die Einheit endlich zu Stande kommt. Ob es die Furcht vor

dieser wahrscheinlichen Einheit Europas ist oder die Concentrierung der

russischen Armee, um die Grenze zu überschreiten, welche die Türken

bewogen haben, den Großherrn zu zwingen, in Allem den Forderungen der

Alliierten nachzugeben, ist jetzt noch nicht zu entscheiden, weil alle

Details fehlen... Der Beweis würde wenigstens in dem Benehmen der

Türken liegen, daß die Einheit nicht durch Österreich bisher gestört

worden wäre und das Ernstmachen der Kriegsdrohung nicht beständig seit

Jahren gegen Rußlands Forderungen und Vorschläge zurückgewiesen worden

wäre, wir schon seit sehr langer Zeit zu dem Resultate gelangt sein

würden, was sich jetzt ergeben zu wollen scheint.

St. Petersburg, 24. April/6. Mai 1828.

Durch die erste Ihrer Entscheidungen sehe ich mich nun endlich nach

einer langen Reihe von Jahren, die voller Bewegung und Unruhe für mein

Inneres waren, der Aufklärung und Feststellung meiner Zukunft mit der

Gewißheit entgegen, die wenigstens für jetzt dem Teil gewahrt ist, der

die Wahl getroffen hat. Die vorläufige Bestimmtheit hängt nun freilich

noch von der Annahme der Wahl ab. Wie tief mich der Gedanke angriff,

so weit nunmehr über meine Zukunft aufgeklärt zu sein, braucht keiner

Worte. Aber die Worte des Dankes gegen Sie, teuerster Vater, kann ich

nicht unterdrücken, daß Sie durch Ihren Ausspruch meinem Leben eine

bestimmte Richtung gegeben haben. Wie in jeder Ihrer Bestimmungen, die

auf mein ganzes Lebensverhältnis Einfluß haben, erkenne ich und erkläre

ich auch hier wiederum nur Gottes Führung. Die getroffene Wahl war

gewiß Sein Wille. Und so gehe ich getrost einem Zeitpunkt entgegen, der

über mein ganzes ferneres Leben entscheidet, wenn die Wahl aufgenommen

wird, da es einen Gegenstand betrifft, dem ich längst meine ganze

Achtung gewidmet hatte, und an dessen Erwählung nur der Umstand

hinderlich war, daß ich nicht leichtsinnig ein so zartes Verhältnis

sich gestalten sehen wollte als es sein wird, in welchem nunmehr zwei

Schwestern zu einander zu stehen kommen sollen... Was Ihre zweite

Entscheidung betrifft, die mir das Beiwohnen der Campagne abschlägt, so

können Sie leicht denken, daß ich von der Gewißheit, dieses so innig

gewünschte Projekt aufgeben zu müssen, wie vernichtet war... Sie haben

diesen Wunsch aus einem Gesichtspunkte abgeschlagen, gegen den ich,

unter der Gefahr mich persönlich zu hoch oder zu niedrig anzuschlagen

nichts einwenden kann... Hier, kann ich nicht verhehlen, hat Ihre

abschlägige Antwort den Eindruck gemacht, als sei sie ein Beweis, daß

Preußen doch wohl nicht so Rußlands Partei diesen Moment halte, als man

es hoffte und glaubte... Für meine Persönlichkeit ist es mir sehr wert

gewesen, daß hier die Freude über die Hoffnung, mich bei der Armee zu

sehen, ebenso groß war als jetzt die Trauer, daß es nicht sein kann.

Es mag dies etwas egoistisch und eitel lauten und nur auf diese Gefahr

durfte ich es aussprechen.

* *

*

Der obige Brief ist die Antwort des Prinzen auf ein Schreiben seines

königlichen Vaters aus Potsdam vom 20. April 1828:

Die Hauptgegenstände Deiner Briefe, auf die es ankommt, lassen sich auf

drei Hauptpunkte reducieren: 1. Deine Verbindungsangelegenheiten, 2.

die politischen Angelegenheiten, 3. die Campagne-Projekte betreffend.

Was den ersten Punkt betrifft, so habe ich mich darüber oft genug

ausgesprochen, um alles Gesagte nicht von Neuem wiederholen zu müssen.

Nach meinem Dafürhalten ist also jetzt leider nur auf Prinzessin

Augusta Rücksicht zu nehmen. Gern überschickte ich Dir der Prinzessin

Cäcilie wegen ein schriftliches Gutachten Hufelands, allein er ist

schleunigst nach Ludwigslust berufen worden, da Alexandrine uns große

Besorgnis gegeben. Ich hätte sehr gern gesehen, wenn Du womöglich die

Ankunft der Großfürstin in Petersburg abzuwarten im Stande gewesen

wärest... Den zweiten Punkt betreffend, muß ich mit Leidwesen bemerken,

daß von Neuem Mißverständnisse über das, was hier beschlossen worden,

entstanden sind, die ich zu berichtigen für höchst notwendig halte

und deshalb beiliegendes ~P. M.~ habe anfertigen lassen. Die

Nachrichten, die man über die Absichten Österreichs in Petersburg hat,

stimmen nicht im geringsten mit den unsrigen, denn unter anderem ist

die Armee noch nicht einmal auf den Friedensfuß complett und statt

11000 Pferde, die verlangt worden sind, um die Kavallerie-Regimenter

zu complettieren, hat der Kaiser nur 3000 bewilligt. Die Nachricht der

200000 Mann, die man ausgehoben haben soll, ist also nur ein leeres

Gerücht gewesen, denn wie gesagt: noch ist vom Kaiser kein Beschluß

gefaßt, die Truppen auf den completten Friedensfuß zu setzen. Erst

gestern erhielt ich von Wien aus diese Auskünfte. Es muß also durchaus

Leute geben, die, um sich wichtig zu machen, dergleichen Gerüchte

verbreiten, vielleicht weil sie glauben, sich dadurch angenehm zu

machen... Nach allen Nachrichten scheint auch der türkische Einfall in

Serbien wenigstens sehr übertrieben dargestellt, wo nicht gar durch die

Zeitungen schon widerrufen zu sein.

Nun kommt der dritte und letzte Punkt. Sehr freundschaftlich und gütig

war es vom Kaiser, Dir den Vorschlag gemacht zu haben, den türkischen

Feldzug mit ihm zu machen. Daß ich es Dir jedoch nicht bewilligen kann,

liegt klar zu Tage; die Gründe dazu wirst Du nach einiger Überlegung

selbst zu finden im Stande sein. Wenn das Vaterland in Gefahr kommt,

dann ist es Zeit, daß die Prinzen vom Hause mit leuchtendem Beispiel

vorangehen, bis dahin aber liegen ihnen andere Pflichten ob. Erfahrung

läßt sich allerdings in einem solchen Feldzuge sammeln und sein Leben

auf’s Spiel zu setzen, finden sich auch wohl Gelegenheiten. Beides

steht aber nicht im Gleichgewicht, da die dort zu sammelnde Erfahrung

gegen jede andere Kriegsmacht wenig Anwendung finden dürfte; ich wäre

also vor Gott verantwortlich, wenn ich zugäbe, daß Du in einer ganz

fremden Angelegenheit Dein Leben aufs Spiel setzt.

Demnach also halte ich für passend, daß Du des Kaisers und Charlottens

Abreise noch in Petersburg abwartest, dann aber Dich unverzüglich

hierher zurückbegiebst. Ich weiß wohl, daß Dir das nicht gefallen wird,

allein ich kann und darf nicht anders handeln, als es meine Pflicht

ist...

Die Brautwerbung.

Auf die in Petersburg verbrachten vier Monate folgte im August

1828 ein kurzer Aufenthalt in dem Ostseebad Doberan; Varnhagen

v. Ense weiß zu berichten, daß man unterdessen aus Petersburg

unter der Hand bei der Prinzessin Marie anfragte, wie sie sich

zu einer Heirat ihrer jüngeren Schwester mit dem älteren Bruder

ihres Gatten stellen würde; man erhielt am russischen Hofe darüber

wohl eine beruhigende Antwort; so sehr aber die Heirat des Prinzen

Wilhelm nun auch entschieden war, „so hielt man dies doch noch ganz

geheim“, ja im Juni schien sie dem klatschsüchtigen, aber trefflich

unterrichteten Beobachter „noch keineswegs in Richtigkeit; man tut

auf der russisch-weimarischen Seite sehr kostbar und der Prinz ist

eben auch nicht sehr eifrig“. Dieser traf am 11. September in Wien

ein, um dort den Manövern beizuwohnen; militärische Interessen und

die Schilderung höfisch-gesellschaftlicher Interessen stehen in

den Briefen der nächsten Wochen im Mittelpunkt; am 11. November

reiste er wieder ab, um, ohne Berlin zu berühren, über Prag und

Teplitz nach Weimar zu gehen. Denn von dort war nun der auch für

seine Zukunft entscheidende Schritt erfolgt: man erwartete ihn als

Brautwerber.

Schon 1823 hatte von Augusta v. Weimar Goethe in Marienbad

geäußert, daß sie „ein ganz liebenswürdiges und originelles

Geschöpf sei, das schon jetzt ganz seine eigentümlichen Gedanken

und Einfälle habe“, und als sie verlobt war, rühmte er „ihren

hellen Verstand, ihre hohe Bildung, ihr reiches Wissen: sie hat

etwas gelernt, sie kann schon mitsprechen in der Welt“. Dieses

Urteil des geistigen Hofes von Weimar wird durch eine Äußerung

Wilhelm v. Humboldts bestätigt und ergänzt, der 1827 an den

preußischen Minister v. Stein schrieb: „Prinzessin Augusta soll

schon in früher, kaum der Kindheit entgangener Jugend einen

festen und selbständigen Charakter haben. Ihr lebendiger und

durchdringender Geist spricht aus ihrem Blick; ihre Züge sind im

höchsten Grade bedeutungsvoll und ihre ganze Gestalt wird sich --

wenn sie nicht ein wenig zu stark ist --, in einigen Jahren gewiß

noch schöner als sie jetzt schon erscheint, entwickeln.“

Wien, den 26. September 1828.

Mit etwas ruhigerem Herzen kann ich Ihnen heute Mitteilung über

die mich am wichtigsten und meisten interessierende Angelegenheit

machen[37]. Ich erhielt nämlich gestern einen Brief vom Großherzog von

Weimar, der mir sehr herzlich und freundschaftlich auf den meinigen

antwortet. Und wenn freilich die Hauptperson noch nicht geredet hat,

so bin ich doch schon zufrieden, daß der Vater sich beistimmend

ausspricht, indem er schreibt: „Eben so offen wie Sie verehrtester

Prinz, mit mir reden, gestehe ich Ihnen, daß ich nicht +Nein+

sagen werde, wenn meine Tochter +das Ja+, bezüglich auf Sie

ausspricht, welches Sie, gnädigster Herr, nicht ungern hören werden.

Augusta sah Ew. Kgl. Hoheit freilich nur als erstere gleichsam noch ein

Kind war; jetzt muß meine Tochter Sie, verehrtester Prinz, mit anderen

Augen betrachten; es ist daher ratsam, daß man sich wiedersehe und

spreche. Ich brauche wohl nicht hinzuzusetzen, daß Sie, lieber gnädiger

Herr, uns in jeder Hinsicht sehr willkommen sein werden.“

Der Nachsatz enthält also auch zugleich die Weisung, was gewünscht wird

und die stillschweigende Antwort auf meine Demarsche bei Prinzessin

Augusta selbst. Leider ist es aber nicht mehr möglich, über Berlin bis

zum 30. September in Weimar zu sein. Außerdem fehlt mir auch noch eine

Antwort von der Groß-Fürstin, die ich wohl jedenfalls abwarten muß, ehe

ich nach Weimar reise...

Weimar, den 14. Oktober 1828.

Meinem Reiseplan gemäß bin ich am 12. glücklich hier angelangt, aber

nicht, wie ich hoffte, um Mittag, sondern erst Abends 7 Uhr, indem

ich beim Passieren des Erzgebirges von einem so ungeheueren Gewitter

mit rasendem Sturm und Regengüssen überfallen ward, daß, wenngleich

ich die Reise ununterbrochen fortsetzte, doch nur fast im Schritt

fahren konnte, da die Nacht über alle Maßen dunkel war. So machte ich

die 22 Meilen von Teplitz[38] bis Leipzig in 22 Stunden und mußte,

um noch zur Soiree wenigstens hier zu sein, ohne zu dinieren bis

hier fahren. Ich gestehe es, ich kam etwas matt an und die Erwartung

eines solchen Wiedersehens, das meiner hier wartete, war auch nicht

gemacht, meine Kräfte zu stählen. Karl[39] war mir bis Eckartsberga[40]

entgegengekommen und fachte meine matten Lebensgeister wenigstens durch

gute Aussichten hier auf. Ich machte in Eckartsberga halbe und hier

ganze Toilette und erschien dann bei der verwitweten Großherzogin[41],

wo, wie alle Sonntage, große Soiree war. Die Herrschaften empfingen

mich sehr gnädig und zuvorkommend. Marie hatte aber glücklicher Weise

sich mit ihrer Schwester und einer Gräfin Gourief in dem letzten

Salon etabliert, sodaß ich dort also ohne viele Zeugen das erste

Wiedersehen hatte. Daß dasselbe zwar mit starkem Herzklopfen, sonst

aber mit allen den Formen geschah, als sei nichts im Werke, versteht

sich. Prinzessin Augusta, die ich embelliert finde, empfing mich mit

großer Herzlichkeit, wie ich es immer an ihr gewohnt war. Sie jetzt

noch mit ganz anderen Augen betrachtend als früher, kann ich mir nur

stets Glück wünschen, daß die Wahl auf sie fiel. Ihr Verstand, Geist,

ihre Herzlichkeit und Herzensgüte spricht sich bei jeder Gelegenheit

aus. Und ich möchte der Bemerkung gern Raum geben, als dürfte ich mir

Hoffnung machen, mit glücklichem Erfolge einst hier abzugehen. Freilich

konnte bis jetzt zwischen uns noch nicht viel verhandelt werden, was

uns sehr viel näher in der zu erzielenden Beziehung gebracht hätte,

denn dazu ist uns noch nicht Marge gegeben worden, aber Anspielungen

konnte ich doch fallen lassen, die freilich nur mit starkem Erröten und

embarassiertem Ausweichen beantwortet wurden.

Ich wünsche jetzt nur, bald klar über meine Zukunft zu sehen. Die

Großfürstin sagte darauf, daß sie ihrer Tochter ganz freien Willen

in ihrem Entschluß ließe; ihr einstiges Verhältnis zu Marie sei so

delicat, daß sie nur eine wirkliche Neigung dasselbe überschreiten

machen könne. Daher müsse eine genaue Bekanntschaft vorausgehen und

Sie würden mir gewiß alle Zeit bewilligen hier zu bleiben, um dieselbe

machen zu können. Ich bemerkte darauf, daß, was mich beträfe, eine

nähere Bekanntschaft zu machen wohl nicht nötig sei, da ich mit Bedacht

und Überzeugung, glücklich zu werden, die Hand der Princeß gefordert

habe; doch, da mir vor allem daran liegen müsse, daß die Prinzessin

mich aus ebenfalls eigener Überzeugung wähle, so würde ich abwarten,

bis ich Ihren Beschluß darüber vernehmen würde. Da bis gestern mir

jedoch auf keinerlei Weise Gelegenheit geboten ward, die Prinzessin zu

sprechen anders als in großem Cerkel, so ließ ich darüber mein Bedauern

durch Karl und Marie aussprechen, was denn zur Folge gehabt, daß ich

jetzt eine Entrevue haben soll... Ich hoffe zu Gott, daß ich nach

diesem Gespräch etwas klarer über die Ansichten der Prinzessin Augusta

werde urteilen können als bisher, wo alles nur auf Mutmaßungen und

Beobachtungen basiert ist.

Die Morgende verstreichen hier stets mit Jagden, von denen ich

vergeblich bisher wegen einer Entrevue zurückbleiben zu dürfen bat.

Wilhelms I. Briefe an seinen Vater König Friedrich Wilhelm III. (1827-1839) · 第 24 / 54 题