20. März/1. April.

.... die Ansicht, daß Preußens... Anschluß am trilateralen Vertrag

gewiß den von Österreich nach sich gezogen haben würde. Wenn Sie sich

gnädigst erinnern, zu welcher Zeit Ihnen der Kaiser diesen Antrag und

die Aufforderung demgemäß auf Preußen zu wirken machte, so werden Sie

finden, daß dies der Moment war, wo die Einigkeit der drei Verbündeten

auf dem Culminations-Punkt war, Anfang Februar, und es damals also

wohl sehr begreiflich war, daß der Kaiser diesen Moment benutzt

wünschte, um Preußen und Österreich sich anschließen zu sehen. Aus

dieser Zeit-Zusammenstellung glaube ich, dürfte folgen, daß der Kaiser

Preußens Interesse nicht verkannte.

Preußen wünschte das gemeinsame Handeln der Mächte der großen Alliance;

in jenem Moment war die größte Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß eine

solche Vereinigung möglich sei. Jetzt ist es ganz anders.

Es ist dem Kaiser leid..., daß Preußen[31] gar nicht mehr an die

Möglichkeit glaubt, auf Österreich wirken zu können, in einem

Augenblicke, wie gesagt, wo dieses selbst ernst anfängt zu reden und

daß Preußen ein solches Zureden für unnütz hält, weil es nicht auf

eine Macht einwirken zu können glaubt, die mit dem Oriente selbst

grenzt, während Preußen doch vollkommen damit einverstanden ist, daß

die Sachen sich im Oriente ändern müssen und dieserhalb mit Österreich

ganz divergierte, es also nicht aufhören müsse, es von seiner Ansicht

überzeugen zu wollen. Das feste Halten Preußens an Österreich trotz

der völlig divergierenden Ansicht im Prinzip begriff der Kaiser zwar

bisher, wegen des Scheines der großen Alliance; jetzt aber, wo sich

die Verhältnisse anfangen anders zu gestalten, würde es dem Kaiser

sehr wehe tun, wenn Sie sich zu denen halten wollten, mit denen Sie im

Prinzip nicht einverstanden sind, während Sie die aufgeben, mit denen

Sie übereinstimmend im Prinzipe sind...

[Illustration: Prinzessin Augusta

Wilhelms I. Briefe an seinen Vater König Friedrich Wilhelm III. (1827-1839) · 第 23 / 54 题