Ihr gehorsamer Sohn

Wilhelm.

St. Petersburg, 4./16. Februar 1828.

Der Kaiser bleibt seiner Ansicht und seinem Wunsche getreu, den Frieden

aufrecht zu erhalten zu sehen. Aber die seit zwei Jahren gegebenen,

immer wieder hinausgeschobenen Fristen, um die Pforte zur Annahme der

Vorschläge der Verbündeten zu bringen und die immer trotz Navarin

und seiner Folgen nicht erfolgt sind, hätten und müßten endlich ihre

Endschaft erreichen. Rußland, England und Frankreich könnten sich

daher nun nicht mehr in Unterhandlungen einlassen, sondern sie seien

es ihrer Würde und den stattgehabten Ereignissen schuldig, zu handeln.

Dies würde in der bestimmten Frist geschehen, der daher auch nur das

kurze Ultimatum, dessen in der jüngsten Instruktion an Lieven die

Rede ist, vorhergehen würde. Wenn dem Vorschlage, der in der Depesche

des Grafen Bernstorff[21] gemacht wird, Folge gegeben werden sollte,

so könnte es nur von den zwei Mächten geschehen, die darin als die

aufzufordernden bezeichnet sind und die daher diesen Schritt ohne

diesseitige Aufforderung tun müßten, welches von den drei verbündeten

Mächten nur dankbar anerkannt werden könnte. Der Kaiser hofft sogar,

daß Sie diesen Schritt allein sogleich tun würden, ohne sich an die

Ansicht der anderen Macht und deren Antwort zu binden, der von dem

durch Herrn v. Miltitz[22] zu tuenden Schritt wohl nur Mitteilung

und Aufforderung zu gleicher Maßregel zu machen wäre. Dieser durch

Herrn v. Miltitz zu gebenden Erklärung würde wohl eine sehr dezisive

Maßregel seiner Person im Weigerungsfalle der Pforte anzuempfehlen

sein, die derselben alsdann jedes fernere freundschaftliche Verhältnis

zu Preußen entrückte. Nur mit diesem Rechtssatze dürfte der ganze

zu tuende Schritt Energie haben und Einfluß und Erfolg haben. Daß

Österreich eine gleiche Sprache führe, wäre daher sehr wünschenswert.

Am meisten wird dann gewünscht, daß einer solchen energischen Maßregel,

auch im Weigerungsfalle, der Nachschub geleistet wird, der wenigstens

die Einheit der vier Mächte im Princip offenbar dartäte, um so mehr,

da, wie ich neulich schon berichtete, von der fünften Macht an eine

Opposition gegen kriegerische Intervention nicht mehr füglich geglaubt

werden kann und sie dies am allerwenigsten tue und jeden Plan dazu

aufgeben würde, wenn die vierte Macht sich zu gemeinsamem Zwecke den

drei anderen anschlösse. Auf Preußen sind daher nun auch Aller Augen

gerichtet[23].

Wilhelms I. Briefe an seinen Vater König Friedrich Wilhelm III. (1827-1839) · 第 18 / 54 题