Ihr Sie zärtlichst liebender, gehorsamer Sohn

Wilhelm.

St. Petersburg, 27. Januar/8. Februar 1828.

Der Großfürst Constantin[14] ist gestern hier eingetroffen... da von

ihm immer die allarmierenden Gerüchte über Preußens Rüstungen[15]

kommen, so langte Ihr Brief und der des Grafen Witzleben[16] mit Ihren

Befehlen sehr zum rechten Momente an, indem ich dem Kaiser Alles

dieserhalb Beruhigendes von Neuem mitteilte. Da sagte mir der Kaiser,

daß Constantin seine Meldungen keineswegs in dem Sinne jetzt genommen

wissen wolle, als seien die questionierten Rüstungen gegen Rußland

gerichtet, sondern vielmehr für dasselbe und daß es nur scheine, als

wolle Preußen diese Rüstungen nicht Wort haben, um sie ganz geheim

machen zu können. Auch diese Ansicht war mit der Revue des 5. und

6. Corps bald über den Haufen geworfen. Die heutigen Depeschen des

Gesandten Lieven[17] sagen dem Kaiser, daß zu befürchten stände, daß

die orientalische Frage bei Eröffnung des Parlaments so bald nicht

zur Entscheidung kommen werde, indem so sehr viele wichtigere Fragen,

die die innere Administration betreffen, erst zu beseitigen sein

würden[18], was dem Kaiser natürlich nicht lieb ist. Die Ernennung

Wellingtons[19] zum Premierminister frappiert allgemein. Lieven

berichtet aber, daß derselbe sich täglich mehr an ihn anschlösse

und ganz zu seiner früheren Ansicht über die orientalische Frage

zurückgekehrt sei und daher seinerseits nur das Beste zu erwarten

stände. Die Eitelkeit soll den ~moost honorable Duke~ gewaltig

reiten; und da hat denn ein Brief, den Nicolaus ihm nach der Schlacht

von Navarin schrieb[20], der aber erst mit dem letzten Courir anlangte,

einen gewaltigen Effekt gemacht, indem Nicolaus, tuend, als ignoriere

er gänzlich Wellingtons momentane Umsattlung seiner Ansichten, ihm zu

dem großen Seesiege gratulierte und ihm dankt und zurückruft, daß er es

gewesen sei, der bei seiner Anwesenheit 1826 hier den Grund zu diesem

glorreichen Ereignisse gelegt habe, welches hoffentlich binnen Kurzem

zu dem gehofften Resultate führen werde. Dieser Brief konnte nicht mehr

~à propos~ kommen als gerade in dem Augenblicke... Alle Anstalten

sind gemacht, im Fall der Kaiser der Campagne beiwohnen will, was er

jedenfalls nur dann tun will, wenn der Krieg wirklich ausbricht, d. h.

also wenn die Donau überschritten wird. Bei Besetzung der Fürstentümer

wird er keinen Falls zugegen sein, wie er mehreremals äußerte, da dies

keine Eröffnung der Feindseligkeiten ist.

Wilhelms I. Briefe an seinen Vater König Friedrich Wilhelm III. (1827-1839) · 第 17 / 54 题