P. A. M.

In ein wichtiges Jahrzehnt preußischer, deutscher und europäischer

Geschichte während des 19. Jahrhunderts führen die nachfolgenden Briefe

des Prinzen Wilhelm von Preußen an seinen königlichen Vater Friedrich

Wilhelm III.: sie umfassen die Jahre 1827 bis 1839, die noch zum

Zeitalter der Reaktion gehören, aber zum wesentlichen Teile zwischen

zwei Revolutionen liegen, die von den mannigfachsten Anschauungen,

Strömungen und Tendenzen politischer, gesellschaftlicher, religiöser,

literarischer Art erfüllt und durchkreuzt sind, in denen Goethe

stirbt und die Romantik ausklingt, in denen Hegel auf der Höhe seines

Einflusses steht und die deutsche politische Dichtung des Jungen

Deutschland geboren wird, in denen die ersten Eisenbahnen und der

Telegraph beginnen, die Entfernungen zwischen den Menschen aufzuheben,

in denen die immer inniger werdende Vereinigung von Naturwissenschaft

und Technik sich anschickt, dem „erstaunlichsten aller Jahrhunderte“

dadurch seinen Stempel aufzudrücken, daß durch die Herausbildung des

vierten Standes eine neue soziale Schichtung entsteht.

Von solchen sachlichen Hintergründen, aus einer Epoche deutschen

Sehnens, Werdens und Wesens, die schließlich, nachdem der

Briefempfänger schon manches Jahr im Mausoleum des Charlottenburger

Schloßparkes den ewigen Schlaf schlief, zum „tollen Jahr“ von 1848

führte, heben sich des Prinzen Berichte, Episteln und Billets an den

regierenden König von Preußen, der zugleich sein Vater war, heraus,

ohne daß die Mehrzahl der hier nur angedeuteten „Kräfte am Werk“ in

ihnen zur anschaulichen Auswirkung, zum schöpferischen Anlaß, zum

allzeit lebendigen Ausdruck diente und gelangte. Sie sind vielmehr

und in allererster Linie ein bisher unbekannter Beitrag für +seine+

ganz persönliche, menschliche Entwicklung und Art, der das vertraute

Bild aus der Zeit seines Reifens zum Manne in der glücklichsten

Weise ergänzt und erweitert, eine neue „kostbare Reihe vertraulicher

Äußerungen von hohem inneren Werte“, von denen das Wort Erich Marcks’

gilt, daß ihre Bedeutung erst im Zusammenhange der Vorgänge und

Mächte einigermaßen zu erfassen ist, die den Prinzen im alten Preußen

umgaben..., „es sind dieselben Mächte, deren Betätigung und Wandlung

von da ab sichtbar seinem ganzen weiteren Leben Richtung und Aufgabe

weisen sollte.“

Es ist oft geschildert worden, wie die Stoß- und Schwungkraft des

preußischen Reformgeistes von 1806 bis 1815, der heilige Wille, „in

Staat und Heer alle Einrichtungen auf die enge sittliche Gemeinschaft

mit dem Volksleben zu begründen“ erlahmte, wie die Arbeit der

wirtschaftlichen Befreiung auf dem Lande, die Durchführung der

Selbstverwaltung allmählich und immer mehr versickerte, versandete

und versumpfte, wie die verheißene Verfassung schließlich versagt

ward; „in der deutschen wie in der europäischen Politik trat Preußen

in das System der alten konservativen Mächte ein“; die Männer der

zukunftweisenden Taten verschwanden, an ihren Platz stellte sich der

Landadel und mit ihm, als Ausdruck und Symbol dieses Wechsels, kam

„eine ständische Zerlegung des einheitlichen Staates“; das Bürgertum

stand noch weit zurück, nur das Beamtentum hat „in diesem letzten

Heroenzeitalter der preußischen Bureaukratie“ als die in Wahrheit

im Staate regierende Macht dem Adel das Gleichgewicht gehalten. Das

bewußte Zurückdrängen schöpferischer Gedanken ward ausgeglichen durch

die Stellung des Beamtentums zwischen Staatseinheit und Ständetum.

Die schwunglose Mittelmäßigkeit des Königs, dessen starres Preußentum

mehr Hemmschuh als Triebkraft war, lastete auf dem Hofe ebenso wie auf

den Organen der Regierung; nur in der Stille, den wenigsten bewußt und

erkennbar, vollzog sich in diesen hier in Frage kommenden Jahren der zu

Ende gehenden Regierung Friedrich Wilhelms III. die für die Zukunft so

wichtige Verschmelzung des preußischen mit dem deutschen Geiste, durch

die das vielstaatliche Volk es endlich versuchen und erreichen konnte,

sich zur Nation und Einheit zu bilden; Prinz Wilhelm, der als König

und Kaiser diese Entwicklung zu Ende führen durfte, hat in den Jahren

+dieser+ Briefe von solcher deutschen Sehnsucht wahrlich keinen

Hauch verspürt.

In knappsten Strichen nur kann hier des Prinzen Wilhelms Werden

angedeutet werden. In der Stunde seiner Geburt erlosch -- nach Max

Lenz’ Wort -- der längst verblichene Glanz der Krone des Großen Karl;

im März 1797 besiegte Napoleon in Friaul und Kärnten die letzten Heere

des letzten der alten Kaiser, „die Verbindung der beiden Völker,

auf der das heilige römische Reich deutscher Nation geruht hatte,

zerriß“, und während jenseits des Rheines und in etlichen Ländern um

das Mittelmeer die Grundlagen eines Imperiums gelegt wurden, das noch

einmal dem Willen eines Einzigen das Dasein verdankte, blieb Preußen,

ohne zunächst von den wahrhaft grundstürzenden Umwälzungen Europas

irgendwie berührt oder gestreift zu werden, was es seit mehr als einem

halben Jahrhundert gewesen war, der Staat Friedrichs des Großen, einst

der Schrecken und die Bewunderung seiner Feinde, immer noch unbesiegt

und unerschüttert, jetzt in stolzer Ruhe nach außen hin verharrend, im

Innern durch fleißige Arbeit der Beamten gestützt und gefördert.

In solchem Frieden wuchs auch der zweite Sohn des preußischen

Königspaares, Prinz Wilhelm, auf, bis vor den Toren Jenas und Weimars

der Staat zerschlagen ward, den Friedrichs Geist gebaut hatte. Es

kamen die Jahre der Schmach und Knechtschaft, die in bekannter Weise

tief in des Prinzen Leben eingriffen: in einem gefesselten Staat,

unter dem hoffnungslosen Kummer des Vaters, in seinem kindlichen Gemüt

verwirrt durch den Tod der geliebten Mutter reifte er zum Jüngling

heran. Am Aufschwung der Nation nimmt er dann tätigen Anteil, ohne

sich irgendwie den Idealen und Zielen eines +großen+ deutschen

Vaterlandes hinzugeben. Friedrich Wilhelm III. sind diese Ideale immer

fremd geblieben; auch der Sohn des Königs blieb in den Überlieferungen

der +preußischen+ Größe gebunden, wie doch die Reformen eines

Stein und Hardenberg zunächst Preußen gegolten haben und diesem zugute

gekommen sind. Dieses Preußen aber hat alles daran setzen müssen,

um nach dem Kriege, der dem einzelnen deutschen Menschen nicht die

Freiheit des Tuns und Denkens brachte, seine Stellung als Großmacht

zu behaupten. Europäische Aufgaben und Notwendigkeiten führten

diesen Staat an die Seite Österreichs und Rußlands; einen lebendigen

Ausschnitt solcher Bestrebungen bietet ein wesentlicher Teil der

folgenden Briefe.

Des Prinzen Wilhelm Pflichten- und Interessenkreis war in fast

ausschließlicher Weise von Anfang an ein rein militärischer: es

kam seinen Anlagen, Neigungen und Anschauungen entgegen, der erste

Soldat des Staates und der Armee zu sein, einer Armee, die an der

allgemeinen Erstarrung nach der Reformzeit teilhatte, deren frischer

Tätigkeitsdrang nach 1815 unerstickt war, aber doch unerfüllt blieb,

deren Ausbau und Entwicklung jedoch der Prinz alle besten Kräfte

seines Wesens zuwandte, seitdem er in den Jahren des Friedens in der

Rangstufenleiter bis zum Kommandeur des dritten Armeekorps emporstieg

und ernstlich bemüht war, alle Forderungen solcher Führerposten zu

kennen und ihnen bis ins kleinste gerecht zu werden. Er hat immer

danach gestrebt, diese weitschichtige Materie völlig zu durchdringen

und zu beherrschen; die Sorge um die Armee als Ganzes -- in

Bereitschaft sein ist alles -- und um den einzelnen Mann verläßt ihn

nie, wenn er aus der Fremde oder von daheim seinem Vater schreibt; in

ausführlichen Briefen, die sich gelegentlich geradezu zu Denkschriften

weiten und nachweislich als amtliches Material benutzt werden, wagt

er Kritik an Beschlüssen und Maßnahmen des Königs zu üben... hier

geht ihm immer die Sache über die Person; dem militärisch-technischen

Detail widmet er die gleiche Aufmerksamkeit wie den schwerwiegenden

Fragen der inneren oder äußeren Organisation. So ist und bleibt er

Offizier, dessen rastlose Arbeit, eiserne Pflichttreue und unermüdliche

Lernbegier immer irgendwie der Macht des Staates dienten, an dem

sich das Wort seiner Mutter aus dem Juli 1810 bewahrheitete: „Unser

Sohn Wilhelm wird, wenn nicht alles trügt, wie sein Vater einfach,

bieder und beständig“ --, über den aber auch aus dem Jahre, in dem

diese Briefe beginnen, eine Äußerung lautete: „Prinz Wilhelm ist die

edelste Gestalt, die man sehen kann, der imposanteste von allen, dabei

schlicht und ritterlich, munter und galant, doch immer mit Würde.“

Dabei stand er den liberalen und nationalen Ideen, die stärker als

je um 1830 in Norddeutschland um sich griffen, ablehnend gegenüber,

und den nationalen Bewegungen, die den Boden der Verträge von 1815

erschütterten, begegnete er vom Standpunkte der großen, „heiligen“

Alliance; er faßte alles unter dem Gesichtspunkte der Revolution und

nur im festen Zusammenschluß der „legitimen“ Gewalten meinte er immer

wieder, könne man ihnen begegnen.

So stand er auf festem, nüchternem Boden, den er völlig kannte, und

war imstande, mit der hier nötigen Klarheit allen Forderungen und

Tatsachen +seines+ Lebens gerecht zu werden. Bevor die hier

mitgeteilten Briefe beginnen, war er durch das alles aufwühlende

Herzenserlebnis seiner Jugend gegangen, das nach seinem Teile ihn auch

zum Manne gereift hatte; das Auf und Ab seiner inneren wie äußeren

Beziehungen zu Elisa von Radziwill klingt nur an einer, freilich

wichtigsten Stelle dieser Briefe an und der schmerzlichste Abschluß

dieser ihn stählenden Episode wird dem Vater gegenüber schriftlich

nicht erwähnt: „Ich werde Elisa wiedersehen, ich gehe nach ihrem

väterlichen Gute Antonin,“ sagte er am 29. Mai 1829 zur Gräfin Elise

von Bernstoff -- er war von seinem Vater beauftragt worden, seiner

kaiserlichen Schwester entgegen zu fahren -- „meine Schwiegermutter

selbst hat mir den Wunsch ausgesprochen, daß dieses mein erstes

Wiedersehen mit Elisa vor meiner Vermählung überstanden sein möchte.“

Prinz Wilhelm hatte den „Staat als Willen“ über sich erkannt, „er

hat sich gefügt, ohne einen Bruch“, wenn er auch die mannigfache

„Prinzessinnenschau“, die seiner Verlobung mit Augusta von Weimar

vorausging, als innere Qual empfinden mochte. Als aber die endgültige

Entscheidung -- nach einem hier wohl zum ersten Male bekannt werdenden

Schwanken -- in dieser Lebensfrage gefallen war, begegnet er der

künftigen Gefährtin mit herzlichster Zuneigung, und die Briefe aus

dieser Zeit, die die menschlich-wertvollsten sind, bezeugen -- auch

wohl zum ersten Male --, daß der Prinz nicht nur „voller Attention für

die Prinzeß“ war; hier klingt wahrlich mehr als die bisher immer nur

beobachtete und behauptete kühle Herzenshöflichkeit durch, hier wird

der zurückhaltende Ton, den er sonst nach höfischer Sitte der Zeit und

aus seiner eigenen Erziehung heraus dem Vater gegenüber anschlägt,

überwunden, und der Mann muß von dem berichten, was ein Inhalt seines

Daseins wird und blieb; er tut es nicht in romantischem Überschwang

mit tönenden Phrasen, sondern in jener Weise, der der Leser von heute

in jedem Worte die aufrichtige Ehrlichkeit der Empfindung anmerkt.

Ein freundlicher Zufall hat es gefügt, daß diese briefliche

Liebesidylle aus Weimar, die mit etlichen Unterbrechungen vom Oktober

1828 bis zum März des folgenden Jahres reicht, zwischen zwei größeren

Gruppen von Berichten steht, die die Anteilnahme des Prinzen Wilhelm

an den Vorgängen der europäischen Politik zeigen -- „ich kannte und

träumte nur ein selbständiges Preußen, eine Großmacht im europäischen

Staatensystem“ hat er zwanzig Jahre später über seine innere

Einstellung zu diesen Dingen geurteilt -- und dadurch dartun, daß es

ihm vergönnt und möglich war, die Welt auf manchen Reisen kennen zu

lernen. Die verwandtschaftlich ihm nahe stehenden Höfe von Petersburg

und dem Haag hat er öfters besucht; hier kommen die beiden wichtigen

Fälle in Frage, wo er, in den ersten Monaten von 1828, die Zuspitzung

des russisch-türkischen Konfliktes mit seiner Auswirkung auf die

Weltlage beobachten konnte und wo er der Pariser Julirevolution von

1830 ganz nahe sein durfte. Beide Male schickte er seinem Vater „eine

Fülle von Berichten“, von denen Erich Marcks’ Erwartung gilt, „daß man

sie wohl kennen möchte“.

Seine Sendung nach der russischen Hauptstadt zu Schwester und Schwager

hatte diesmal allerdings bereits einen wichtigen Hintergrund und

Unterton: er sollte „den Argwohn Rußlands gegen die unabhängig sich

zwischen den beiden östlichen Kaisermächten haltende preußische Politik

bekämpfen“; gut informiert und ständig beraten hat er diese Mission

erfüllt, schon deswegen, weil er von vornherein aus legitimistischen

Gründen auf der Seite Rußlands und des Zaren stand, dabei sogar eifrig,

aber vergeblich versuchte, seinen Vater zu energischer, kriegerischer

Anteilnahme auf russischer Seite zu bewegen. Daß man den Briefen

des Prinzen an den König, die von den Ereignissen des Hoflebens, von

winterlichen Festen, von militärischen Einzelheiten natürlich auch zu

erzählen wußten, an zuständigen Stellen Bedeutung beimaß, geht aus der

Voraussetzung des preußischen Gesandten in Petersburg hervor, „daß der

Minister des Auswärtigen in Berlin, Graf Bernstorff, Kenntnis von dem

politischen Teile der Berichte des Prinzen an den König hat“, und der

vielgewandte, vielhörende und geschwätzige Varnhagen von Ense notiert

am 4. April 1828 in seinen „Blättern aus der preußischen Geschichte“:

Prinz Wilhelm berichtet sehr fleißig und genau aus Petersburg, seine

Briefe gibt der König an Witzleben, seinen allmächtigen Adjutanten.

Der Besuch im Haag -- im Juli 1830 -- schloß sich an einen

Kuraufenthalt des Prinzen Wilhelm in Ems an, das seitdem die

öfter aufgesuchte Heilstätte gegen eine in diesen Jahren nie ganz

aufhörende Kränklichkeit war; hier war es Zufall, daß er als Gast des

niederländischen Hofes Zeuge von Ereignissen sein durfte, die seinen

ganzen Anschauungen völlig zuwiderliefen und die ihm Veranlassung

wurden, seinen Standpunkt dem Vater und König gegenüber auf das

schärfste zu präzisieren. Von den inneren Angelegenheiten und

Notwendigkeiten Preußens oder gar Deutschlands ist in den Briefen

der nächsten Jahre, in denen das Bürgertum auch hier, wenn freilich

sehr langsam und allmählich, „die politische Macht ergriff“, selten

etwas zu spüren und zu lesen. Er kann auf einer militärischen

Inspektionsfahrt, auf der er seinen Vater vertreten muß, im August

und September 1830 die Auswirkung der französischen revolutionären

Bewegung im Rheinlande beobachten, kann aus Thüringen, wo Teile

des seiner Führung unterstehenden Armeekorps in Garnison lagen,

Ähnliches melden und nimmt dann öfter die Gelegenheit wahr, in Berlin

in manchmal breiter Ausführlichkeit zu Fragen seines eigentlichen,

d. h. militärischen Berufe das Wort zu ergreifen. Daneben steht

die Sorge um den würdigen Ausbau des ihm zur Wohnung angewiesenen

Tauentzienschen Palais Unter den Linden und um den Schlößchenbau auf

dem Babelsberge bei Potsdam; er weiß hie und da den Vater für die

Angelegenheiten ihm, d. h. dem Prinzen nahestehender Persönlichkeiten

zu interessieren, wie des Prinzen Radziwill und des Fürsten Solms;

einmal taucht eine Frage der preußischen Justizverwaltung und eine des

Kirchenregimentes auf, die er im Sinne und zum Vorteil der staatlichen

Autorität erledigt wissen möchte, er erörtert brieflich mit dem König

die wichtige Frage des Erziehers des Sohnes seiner Ehe, der damals

schon als der Thronerbe galt, und meldet dem Vater in jubelnder

Beglücktheit die Geburt der Tochter Luise. Mit brieflichen Berichten

von einer bis nach Mailand sich ausdehnenden Schweizer Reise, die er

mit seiner Frau unternahm und die sich an einen Kuraufenthalt in Ems

und Baden-Baden anschloß, endet das Corpus dieser Korrespondenz. Es

ist für Prinz Wilhelm sehr charakteristisch, daß ihm die Freude an

der neuen Umgebung, durch die ihn diese Fahrt führte, getrübt ward

durch ein scheinbares Mißverständnis wegen seiner Anteilnahme an einem

Manöver in der Heimat! Von mancher anderen Reise, wie z. B. von den

Besuchen in Petersburg zwischen 1829 und 1835 weiß er kaum etwas zu

berichten, was des Festhaltens wert wäre, desgleichen von dem Wiener

Aufenthalt im März 1835, als es galt, „durch das sichtbare Eintreten

Preußens die schwierige Lage der drei Minister zu festigen, die für

den schwachsinnigen, aber legitimen Nachfolger Franz’ I., Ferdinand,

die tatsächliche Regierung übernahmen“. Dagegen wird seine praktische

Anteilnahme an der Weiterbildung der Armee und ihren Forderungen, z. B.

in den Fragen über die Länge der Dienstzeit, über die Vermehrung der

Kadettenanstalten, über die Dienstreisen, Kosten der Generäle -- um

nur weniges zu nennen -- hier erneut dargetan und weiterhin erhärtet.

Diese andeutenden Bemerkungen umschreiben ungefähr den Inhalt der hier

veröffentlichten Briefe des Prinzen Wilhelm von Preußen, ohne ihr

Detail und ihren Reiz irgendwie zu erschöpfen. Sie sind in ihrer Form,

ihrem Stil und Ausdruck der klarste, beste Spiegel ihres Schreibers.

Er weiß in frischer Anschaulichkeit zu schildern, was er sah und

erfuhr, er bleibt immer sachlich und versteht aus den Tatsachen, wie

sie ihm entgegengetreten, in Verbindung mit der ihm angeborenen und

eingegebenen Überzeugung scharf und klar sein Urteil abzuleiten; er

vermeidet bewußt jegliche Phrase irgendwelcher Art, weil er weiß, daß

sie nicht zu seinem Wesen paßt. „Die Wärme eines herzlichen, schlichten

Empfindens, die Sicherheit eines reinen und männlichen Charakters“, die

Erich Marcks aus den längst bekannten Briefen an den General Natzmer

mit Recht herauslas, ist auch in diesen Briefen an den königlichen

Vater zu finden und dringt bei aller anredelosen Beherrschtheit des

Tones -- wie selten ändert sich die fast formelhafte Unterschrift „Ihr

Sie liebender Sohn Wilhelm“ in einen Klang kindlicher Herzlichkeit!

-- doch immer wieder durch. Im stilistischen und sprachlichen

Ausdruck sind freilich die im Original oft schwierig zu entziffernden

Briefe noch völlig abhängig von den Grundlagen der Jugendbildung

und Jugenderziehung des Prinzen: sie wirken oft in Wortstellung und

Satzbau wie aus dem Französischen übersetzt.... das geht stellenweise

so weit, daß er die richtige Satzkonstruktion nachträglich korrigiert,

wobei manchmal das Gegenteil von dem herauskommt, was er sagen will;

zahlreiche Fremdworte finden sich, die hie und da auch mal in nicht

richtiger Weise angewendet werden.

Manches freilich vermissen wir in diesen Briefen: nicht +ein+mal

weiß er aus Weimar etwas von Goethe zu erzählen, niemals fällt ein Wort

über die mannigfachen Kräfte, die sich nach dessen Tode im deutschen

Schrifttum regten und die doch der beste Spiegel einer neuen Wertung

der Zeit durch die Zeitgenossen waren; gerade weil Prinz Wilhelm

diesem „Neuen“ innerlich ablehnend und fremd gegenüberstand, sucht

man wohl nach einem kritischen Worte über das Junge Deutschland und

des allmächtigen Metternich Maßnahmen, die gegen diese „Literaten“

gerichtet waren. Auch sonst treten tiefere geistige Interessen nicht

hervor[1]; gerade darin aber wird der Gegensatz zu dem kronprinzlichen

Bruder ganz klar und deutlich.

Die entscheidenden, ausschlaggebenden Züge seiner Art und seines

Wesens, die die Gewähr für seine und damit nach dem Gange der

Geschichte auch für unsere Zukunft boten, erkennen wir in diesen

Selbstzeugnissen seiner Persönlichkeit: den Offizier, den Anhänger des

legitimen Königtums, den konservativen Mann der Arbeit und Pflicht von

klarer, kräftiger Zuverlässigkeit, dessen wahre Größe einmal darin

bestehen sollte, in weiser Selbsterkenntnis und Selbstbeschränkung den

Männern die freie Bahn des Wirkens zu öffnen und zu gönnen, die ihm das

Schicksal in den Weg führen sollte... er war ein fertiger Vierziger,

als diese Briefreihe mit dem Tode Friedrich Wilhelms III. abbrach. Mit

dessen Hinscheiden wandelte sich wohl die preußische Welt, noch aber

konnte niemand ahnen, daß Prinz Wilhelm berufen und auserwählt sein

sollte, die deutsche Welt zu formen und zu leiten.

Einmal ist -- ganz vorübergehend -- in diesen Briefen von dem Denkmal

die Rede, das dem Großen Friedrich von Preußen vor den Fenstern des

prinzlichen Palais errichtet werden sollte; seine Grundsteinlegung

war der letzte offizielle Regierungsakt, dem der alte, längst kranke

König von den Fenstern eben dieses Hauses, also gleichsam als Gast

seines Sohnes, beiwohnen konnte ... es war am 1. Juni 1840... Prinz

Wilhelm leitete den militärischen Teil der Feier... es war des

Vaters letzte Freude.... am 7. Juni starb der König.... der neue

Herrscher Preußens grüßte den Bruder als Thronfolger und Prinz von

Preußen... eine neue Zeit begann für ihn, für Land und Volk; von den

Briefen aber, die fast bis zu diesen Tagen reichen, gilt ein Wort

Paul Kehrs[2]: „aus jeder Zeile schauen uns längst vertraute Züge

entgegen: des Prinzen Schlichtheit und Wahrhaftigkeit, sein Ernst

und seine Gewissenhaftigkeit, Gottesfurcht und vornehme Gesinnung,

sein militärisches, monarchisches und preußisches Selbstgefühl und

Pflichtbewußtsein.“

Der russisch-türkische Konflikt.

Die durch den Wiener Kongreß und seine Schlußakte im Sommer 1815

wiederhergestellte Ruhe und Ordnung Europas hat ein Jahrzehnt

später im Wetterwinkel des Balkans eine erste Störung erfahren;

der Aufstand Griechenlands gegen die Türkei galt der Volksmeinung

des Kontinents als eine Fortsetzung des Freiheitskampfes, der

gegen Napoleon geführt worden war, und die klassizistisch

orientierte Bildung der geistigen Oberschicht in den Großmächten

Europas glaubte darin antike Ideale eines Miltiades oder Leonidas

verlebendigt zu sehen.... begeisterte Männer zogen allenthalben

nach Morea, um mit Gut und Blut sich für die Sache der griechischen

Freiheit einzusetzen.

Im Gegensatz dazu sah das Regime des Fürsten Metternich in dieser

griechischen Erhebung nur Rebellion -- die Pforte war ja die

legitime Obrigkeit --, die man auf die von Frankreich ausgegangenen

revolutionären Ideen, auf die Umsturzbewegungen der Demagogen aller

Länder zurückführte; hinzu kam die Befürchtung, daß Rußland den

türkisch-griechischen Konflikt zum Anlaß und zur Grundlage weiterer

Eroberungspläne machen würde. Die fünf Großmächte Europas --

Rußland, Österreich, Frankreich, England und Preußen -- waren sich

klar und einig darüber, daß eine etwaige Befreiung Griechenlands

das Auseinanderfallen der Türkei zur endlichen Folge haben müsse

und daß Rußland davon den eigentlichen, wenn nicht sogar den

alleinigen Nutzen haben werde. Deswegen war Österreich, an dessen

Südostgrenze ein nie gefährlich werdender Nachbar, eben der Türke,

saß, gegen jede Veränderung eines ihm vorteilhaften ~status

quo~; auch England sah in einer Erstarkung Rußlands eine

Bedrohung seiner Stellung im nahen und fernen Orient.

Diesen sich zuspitzenden Gegensätzen in der russischen Außenpolitik

standen etliche Schwierigkeiten im Innern gegenüber. Kaiser

Nikolaus, der die Lieblingsschwester des Prinzen Wilhelm,

Charlotte, zur Gattin hatte, mußte den durch den sogenannten

Großmutsstreit hervorgerufenen Aufstand der Dekabristen

niederwerfen: sein älterer Bruder Konstantin hatte zwar auf die

Regierung nach Alexanders I. Tode verzichtet, da ihm aber ein Teil

des Militärs anhing, kam es zu Tumulten.

Wenige Wochen später ward durch das „Protokoll“ vom 23. März/4.

April 1826 zwischen Rußland und England eine Regelung der

türkisch-griechischen Beziehungen vereinbart[3]; dabei hatte der

Kaiser eine schriftliche Erklärung, keine Eroberungen zu machen,

nicht abgegeben und „die englische Politik konnte in Zukunft von

Rußland auf einem Felde kontrolliert werden, wo sie bisher unfaßbar

gewesen war“. Im Spätsommer gab die Pforte in allen strittigen

Punkten nach, und der Vertrag von Akkerman war ein voller Sieg der

Großmächte über den Sultan. Der wahre Grund dieses plötzlichen

Einlenkens aber war der, daß die Türkei für den trotz aller

Friedensbemühungen drohenden europäischen Krieg eine Militärreform

dringend bedurfte, und deshalb brauchte der Sultan zunächst Frieden!

Unterdessen ging ein anderer von Rußland geführter Krieg glücklich

zu Ende: gegen Persien war der General Paskewitsch siegreich; im

Februar 1828 erfolgte der Friedensschluß.... der in den Briefen

des Prinzen mehrmals genannte Abbas Mirza ward von Kaiser Nikolaus

als der allein berechtigte Nachfolger des Schahs anerkannt, und

beide Herrscher wollten in Zukunft in Freundschaft und guter

Nachbarschaft miteinander leben.

Aus dem erwähnten Protokoll vom 4. April 1826 aber erwuchs am 7.

Juli 1827 eine englisch-russisch-französische Tripelalliance, der

„trilaterale Vertrag“ der Briefe; „der Kaiser knüpfte an sie die

Hoffnung, daß sie vor allem den russischen Interessen förderlich

sein werde“. Er hatte schon versucht, aus dem Protokoll möglichsten

Nutzen zu schlagen, er hatte die Vereinbarung den Höfen von Berlin,

Paris und Wien mitgeteilt und wußte allen Einwendungen geschickt

zu begegnen. Der Gedanke, an Stelle des Protokolls den Vertrag

zu setzen, ging von England aus; ein Geheimartikel regelte die

Möglichkeiten und Notwendigkeiten eines Kriegsfalles. In der

Seeschlacht von Navarino, wo am 20. Juli 1827 die türkische Flotte

vernichtet ward, war der Auftakt dazu gegeben. In das Auf und Ab

der nächsten Monate führen die folgenden Briefe ein.

Prinz Wilhelm hatte am 22. Dezember 1827 Berlin mit einem nicht

mehr vorhandenen Briefe Friedrich Wilhelms III. an seinen

kaiserlichen Schwiegersohn verlassen; Petersburg war ihm nicht

fremd, hatte er doch 1817 seine Schwester Charlotte zur Vermählung

dorthin begleitet; 1823 hatte er den russischen Manövern

beigewohnt; im Januar 1826 war er wieder dort, um seinen Schwager

als Kaiser zu sehen, und 1834 ist er nochmals an der Newa zu

Besuch gewesen, um der Einweihung des Denkmals für Alexander I.

beizuwohnen -- es sei darüber hier eine Stelle aus einem Briefe

an den König vom 24. Juli 1834 zitiert:.... Nun aber mit einem so

ehrenvollen Auftrag zu dieser Feier zu gehen, ist für mich eine

unbeschreibliche Freude, eine Freude, die unendlich erhöhet wird

durch das, was das Herz dabei fühlt. Denn wenn auch Trauer die

nächste Veranlassung zu der Feier ist, so ist doch gerade wieder

die Errichtung dieser Denk-Säule für den Unvergeßlichen ein Moment,

der mit Freuden erfüllt, weil man solches Andenken auf solche Weise

verherrlichen will....

Der diesmalige Aufenthalt dauerte „fast fünf Monate“; am Abend vor

der Abreise des Prinzen Wilhelm, die am 9. Mai erfolgte, schrieb

die Kaiserin Mutter Maria Feodorowna: ~Le départ du cher prince

Guillaume me fait de même répandre bien des larmes; je lui suis

tendrement, inviolablement attachée et profondément touchée de son

amitié pour moi~.

St. Petersburg, den 19./31. Dezember 1827.

In aller Eile setze ich diese Zeilen auf, um Ihnen meine glückliche

Ankunft hierselbst gestern Nachmittag um 5 Uhr zu melden. Es kommt mir

noch Alles wie im Traum vor nach den ersten Augenblicken, die Tausende

von Bekannten schon gesehen zu haben. Vor allem muß ich natürlich von

Charlotte und dem Kaiser und der Kaiserin-Mutter sprechen. Welch’ eine

Freude, welch’ eine unbeschreibliche Freude war die des Wiedersehens...

Die Kaiserin-Mutter hat mich mit einer Herzlichkeit und Liebe

empfangen, die wirklich noch ihre frühere Gnade übersteigt[4].

.... Ich habe hier Alles bisweilen kriegerischer gefunden, als ich es

erwartete; die Abreise der Gesandten von Konstantinopel[5] hat nicht

wenig dazu beitragen müssen, welche Nachricht vorgestern Abend hier

angelangt ist. Jedenfalls wird aber wohl erst das Frühjahr abgewartet

werden, ehe etwas geschieht. Der Kaiser hat mir schon über Manches

gesprochen, doch noch bin ich nicht im Stande, etwas Zusammenhängendes

aufzuschreiben. Er beruft sich stets auf einen gewissen Brief, den

er Ihnen geschrieben haben will vor einiger Zeit, weshalb ihm die

Äußerungen, welche Sie mir am Abend vor meiner Abreise noch in

Beziehung auf Ihre Verhältnisse zu ihm taten, sehr erwünscht zu

vernehmen waren...[6].

St. Petersburg, 12./24. Januar 1828.

Gestern sind nach fast fünfwöchentlichem Stillschweigen Nachrichten

aus Persien gekommen. Der Friede ist noch immer nicht vom Schah

unterzeichnet zurück[7], obgleich Abbas Mirza in Alles eingegangen

ist. Auch hatte man in Tawris die Nachricht, daß die Zahlung der

Contributionssumme, welche vor der Unterzeichnung verlangt ist,

geschehen sei, daß der Schah aber nicht traue, dieselbe Jemand der

Seinigen anzuvertrauen, fürchtend, daß sie geplündert werden könnte;

er soll sie also einem Engländer übergeben haben, der noch nicht

angekommen war. Die Zahlung der ganzen Summe wird teils in Gold, teils

in Edelsteinen erfolgen, da das Gold nicht sehr vorrätig sein mag in

Persien...

Soeben sagte mir der Kaiser, daß dem letzten Berichte von Pozzo[8]

(zufolge) das neue französische Ministerium[9] sich nicht halten

würde und daß er sehr gegründete und große Besorgnisse für die innere

Ruhe von Frankreich habe. Diese Mitteilungen inquietieren den Kaiser

weit mehr als die orientalischen Unruhen, indem Unruhen in Frankreich

allerdings von großen Consequenzen wären[10].

St. Petersburg, 23. Januar/4. Februar 1828.

Die Gelegenheit des Generales Bazaine[11] lasse ich nicht unbenutzt, um

einiges mitzuteilen, was ich im letzten Briefe nur ganz oberflächlich

berührte, da er durch die Post ging. Es ist dies die Mitteilung und

Ansicht des Grafen Tatischtschew[12] aus Wien auf die erhaltene

Instruktion, dem österreichischen Hofe zu erklären, daß jede Besetzung

Seitens Österreichs von türkischem Gebiete, falls Rußland sich zur

Occupation von Fürstentümern genötigt sehen sollte, als eine gegen

Rußland gerichtete Feindseligkeit betrachtet werden würde. Graf T.

behauptet mit Gewißheit versichern zu können, daß Österreich eine

solche Maßregel nicht beabsichtige, so lange nämlich rein von der

Erfüllung des Tractats vom 6. Juli nur die Rede ist und der Ergreifung

aller Mittel, die zu diesem Zwecke führen. Österreich sei viel zu

schwach, aber auch viel zu ängstlich deshalb, um es wagen zu wollen,

allein gegen Rußland aufzutreten, eine Ängstlichkeit, die sich bei

jeder Gelegenheit verrate, trotz den befohlenen Kriegsrüstungen, die

überhaupt eine Finte zu sein scheinen, um ihre eigentliche Schwäche

zu cachieren. Wenn sie jedoch durch den Lauf der Begebenheiten, einen

ausbrechenden Krieg, eine andere Tendenz erhielte, nämlich die der

Eroberung und Teilung des türkischen Reiches, so würde in diesem

Falle Österreich gewiß nicht ruhiger Augenzeuge bleiben, sondern

tätigen Anteil nehmen wollen und zu dem Ende sich den drei Alliierten

anschließen, um gemeinschaftliche Sache zu machen. Ja es existierten

darüber schon Äußerungen, die anzeigten, daß Österreich in diesem Falle

Rechnung mache, Herzegowina, Bosnien und Serbien zu acquérieren, daß

es sich, im Falle einer so bedeutenden Vergrößerung Schwierigkeiten

opponiert werden sollten, auch mit beiden Ersteren oder gar nur mit

einem Teile derselben begnügen würde. Graf T. versichert, die Wahrheit

seiner Angaben verbürgen zu können, ebenso wie auch, daß die Sprache,

welche er instruiert sei zu führen, falls eine feindliche Maßregel

gegen Rußland im Werke zu sein scheine, gewiß das Unterbleiben der

Ausführung herbeiführen werde. Denn da er instruiert sei, diese

Instruktion geheim zu halten und nur im Notfall davon Gebrauch zu

machen, so habe er auch nur gesprächsweise gegen Jemand, von dem er

wisse, daß er bestimmt sei, ihn auszuhorchen, etwas von der Möglichkeit

solcher Ansichten seines Hofes fallen lassen, was seinen Zweck nicht

verfehlt habe, indem einige Tage nachher mehrere Rüstungsbefehle

zurückgenommen sein sollen.

Diese Mitteilungen T.’s scheinen wohl sehr erwünschten Inhalts zu sein,

in dem sie die Beruhigung gewähren, daß Österreich den kriegrischen

Maßregeln des Tractats nicht hinderlich sein wird, die doch wohl zu

erwarten stehen, und daß, wenn ein Vertreibungskrieg der Türken die

Folge sein sollte, auch dieser nicht gegen Österreichs Interesse ist,

wenngleich hiermit allerdings ausgesprochen ist, daß Österreich nicht

so uneigennützig in diese große Begebenheit sich einlassen will, als

die drei Alliierten es bei der Schließung des Tractates aussprachen

sein zu wollen, wenngleich damals von keinem Exterminationskrieg

die Rede war. Ob, wenn diese Ansicht Österreichs gegründet ist,

(sie) nicht zu benutzen wäre (die in Beziehung auf die Expulsion der

Türkei aus Europa mir auch ganz mit der Ihrigen in Übereinstimmung

zu sein scheint), um der Pforte zu erklären, daß sie durch die

fünf Mächte angegriffen werden würde, wenn sie sich nicht sogleich

nachgiebig zeige, ist eine Frage, die sich unwillkürlich aufdrängt,

vorzüglich der Kaiser von Österreich sich ja damals mündlich bereits

zu einer kategorischen Sprache gegen die Pforte verstanden hat. Diese

gemeinschaftliche Eröffnung, die freilich nur durch Preußen und

Österreich wird gemacht werden können, da die drei anderen Gesandten

nicht mehr in Konstantinopel sind und von deren drei Mächten ja die

Pforte auch den Krieg wohl voraussieht, würde der Pforte jede Illusion

über die Möglichkeit einer Teilung der Interessen und daraus möglicher

Bekriegung der großen Mächte unter einander benehmen und gewiß das

letzte Mittel sein, was vielleicht vor Ergreifung feindlicher Maßregeln

noch zum Zwecke führte[13].

Wilhelms I. Briefe an seinen Vater König Friedrich Wilhelm III. (1827-1839) · 第 16 / 54 题