Ihr Likowski.«

Wie langsam der Greis gelesen hatte -- ganz gewiß, er mußte jeden Satz

wiederholt in sich aufgenommen und lange bedacht haben.

Und nun faltete er mit zögernden Bewegungen die Bogen zusammen. Ein

wenig mußte er sich vorneigen und den Arm ausstrecken, um sie auf den

Tisch legen zu können, der rechts von ihm aus der Wand vorsprang.

Stephan stand schon auf, um ihm den Brief abzunehmen.

Seine Blicke trafen sich mit den tiefen, großen Blicken des Alten -- sie

kamen wie aus einem Abgrund von Gram herauf.

Aber dennoch -- auf seinen Zügen lag der Ausdruck einer wunderbaren

Gefaßtheit.

Welche Erschütterungen auch durch ihn hingewandelt sein mochten -- er

stand darüber, stand auf Herrscherhöhen. -- Von wo aus die Wirrnisse des

Lebens weithin übersehbar sind, wo man erkennen kann, woher die Wege

kommen und wohin sie gehen.

Ein leises, schmerzliches Lächeln voll Vatergüte ging um seinen Mund.

»Sie wollten mir und allem, was zu mir gehört, für immer entfliehen,«

sprach er, »und nun spielt unser Freund, noch viel mehr als er selbst

weiß, Schicksal und schickt gerade Sie zu mir.«

»Ich konnte den schweren Auftrag nicht ablehnen.«

Er war verwirrt -- sein Herz klopfte. Er wünschte sich auf der Stelle

verabschieden zu dürfen.

»Lieber Marning -- Sie sehen -- der Sohn ist mir verloren -- vielleicht

nicht ganz als Sohn. Mag die Zukunft -- mag vielleicht eine ferne

Stunde, die meines Todes vielleicht, noch einmal seine Hand in meine

legen. Was kann ich davon wissen, was darüber sagen? Nichts! -- Ich will

mein Alter nicht mit Unversöhnlichkeit beflecken. -- Es liegt an ihm --«

Er mußte innehalten. -- So lebendig stand plötzlich das Bild der

genußsüchtigen, selbstischen Frau vor ihm, die seines Sohnes Mutter

gewesen ... Er seufzte schwer ...

»Möchte der Weg, auf den ihn alles nun zwingt, ihm nicht zu hart mit

Reue gepflastert sein.«

Dann fuhr er lebhafter fort. »Meine Tochter -- mein Enkel -- mein Werk

-- das gehört zusammen -- zu mir -- bis übers Grab hinaus: zu mir! Und

davon hat mein Sohn sich geschieden. Er hat die Würde seiner Frau und

die Würde meines Werkes verraten. -- Vielem und Vielen sollte er zum

Herrn gesetzt sein. Das kann nur einer, der strebt. Nicht einer, der

spielt. Er bleibt von meinem Werk geschieden -- auf immer!«

Stille Helden: Roman · 第 54 / 69 题