Leupold wagte nicht, sich zu rühren, um nicht die Gedanken seines Herrn
zu stören.
Was mochten es für Gedanken sein? Zornesfalten standen auf der breiten
Stirn. Und eine mächtige Bewegung arbeitete in den großen Zügen.
Nein, das sah nicht aus, als habe ein hinfälliger Greis einen Stoß
empfangen, der ihn umwerfen mußte -- das sah vielmehr so aus, als sei
alle Kraft von neuem erwacht, als spanne sich jeder Nerv in diesem
gewaltigen Körper in straffer Energie.
Nun sah er, wie die Hände, ohne zu zittern, nach der Brusttasche griffen
-- da trug der Geheimrat ein Büchlein. Er nahm es -- er schrieb ein paar
Zeilen auf -- riß das Blatt ab ...
»Nimm,« sagte er. -- Nein, wirklich, nicht einmal seine Hände zitterten.
Leupold nahm es. Er sah: es war eine dringliche Depesche. Nach Köln. An
den Sohn des Hauses. Und sie lautete: »Ich erwarte dich unter allen
Umständen morgen früh hier. Dein Vater.«