Auguste Müller, die Einsame, war bis in die letzte Zeit nicht ganz

allein. Die graue Mietze, ihre Katze, teilte mit ihr des Lebens

Ungemach und Freude. Man muß es Lieschen, so hieß sie, lassen, sie

war eine treue, genügsame Freundin. Auch sie war von Glück nicht

bevorzugt. Auf einem Streifzug war sie in eine Falle geraten und hatte

die Freiheit nur wieder gewinnen können, daß sie ein Bein opferte. So

hinkte, hüpfte und rannte sie nur auf drei Beinen durch das Jammertal,

die Erde. Kürzlich ist sie nun von einem übelgesinnten Hunde getötet

worden, und ein altes Menschenkind wurde wieder an Freuden ärmer. Die

Katze ging ihrer Besitzerin über alles.

[Illustration: Zu Abbildung 5

Kurt Bellmann 20 Jahre Waltarbeiter gewesen in Burschensteiner Waltung.

Frau Bellmann. Ich habe meinen Mann viel in seiner Arbeit beigestanden]

Nun will ich noch einiges zu den Abbildungen reden. Wie wir sehen,

verfertigt Auguste Müller kein eigentliches Spielzeug. Sie arbeitet

auch deshalb für keinen Verleger, für kein Geschäft. Sommergäste

besuchen die Alte dann und wann, und ihnen verkauft sie einige Stücke.

Du lieber Gott! sie braucht für ihren Lebensunterhalt herzlich wenig.

[Illustration: Zu Abbildung 6

Lasset die Kindlein zu mir kommen, und wehret ihnen nicht, den solgen

ist daß Reich Gottes: Spricht der Herr und Heiland]

Die abgebildeten Proben sind Eigentum unseres Museums. Auf die

Unterseite des Brettes, das ihre Schnitzereien trägt, klebt sie einen

weißen Zettel. Und darauf schreibt sie mit Bleistift die Erklärung

des Schnitzwerkes. Fast stolz schließt das Ganze mit dem Vermerk:

Verfertigt von A. Müller, Schnitzerin und Malerin in Seiffen. Und

diese Schreiben klingen wie kleine Märchen, die ganz kleine Kinder

gerne hören, Märchen, denen sie viele, viele Male lauschen können.

Der Stil und die Rechtschreibung sind individuell. Gestrenge Kritiker

und Intellektuelle werden die Ausführungen gewiß nicht richtig

einschätzen. Ich aber freue mich so sehr darüber, daß ich einige hier

veröffentliche, und nun mag der Leser sich selber beurteilen, zu

welcher Klasse von Menschen er sich rechnet.

Das Erzgebirgslied

O ihr Berge meiner Väter,

Träumerisch und tannengrün,

Dran die braunen Hütten kleben

Und die Abendlichter glühn!

O ihr Hänge meiner Heimat!

Tief in Holz und Heidekraut

Hat bei euch sich meine Seele,

Ach, ein kleines Nest gebaut!

Hoch um eure dunklen Stirnen

Kreist die Wolke wie ein Traum.

Sagenhaft in euren Klüften

Wächst der edle Silberbaum,

Und das Grubenlämpchen zittert

Um verwunschenes Gestein.

O ihr Märchen meiner Heimat,

Stillt mein Herz und singt es ein!

O ihr Berge meiner Väter,

Tannengrün und träumerisch!

O ihr schlichten Hochlandleute,

Liederfroh und lebensfrisch!

O ihr Hänge meiner Heimat!

Tief in Holz und Heidekraut

Hat bei euch sich meine Seele,

Ach, ein kleines Nest gebaut.

Kurt Arnold Findeisen

Josef Ostermaiers Leben und Wirken

Ein Erinnerungsblatt

von Prof. Dr. _A. Naumann_

Einer unserer treuesten Mitarbeiter an den hohen Zielen unseres

Landesvereins »Sächsischer Heimatschutz« ist am 22. Juli von uns

gegangen, und es ist uns eine gern erfüllte Pflicht, auch in unseren

Mitteilungen seiner Person und seines Wirkens zu gedenken; hat er

uns doch allen aus seinem Bilderschatz und aus seinem Wissen allzeit

reichlich gespendet.

[Illustration]

Diese von allen, die ihn kannten, gern gesehene bayrische Kraftnatur

wurde am 9. Januar 1864 zu München geboren und von den erfreuten Eltern

nach dem Großvater mütterlicherseits, Herrn Deuringer, am 17. Januar

auf den Namen Josef getauft. Er besuchte 1871 bis 1875 die katholische,

später simultane Münchener Volksschule. Die Sommermonate wurden

meist auf dem Landgute des Großvaters in Untersendling verbracht,

und dort schon fühlte er Liebe und Begeisterung für die Natur,

eine Begeisterung, die sich bei ferneren Besuchen von Verwandten

in Reitenhaslach, bekannt durch das alte Zisterzienserkloster, nur

vertiefte.

Nach seiner Firmung im Jahre 1875 besuchte er die städtische

Handelsschule bis 1877 und, nach lateinischem Privatunterricht, die

Garniersche Lehr- und Erziehungsanstalt in Friedrichsdorf bei Homburg

v. d. Höhe, wo er laut seiner Selbstbiographie[10] »gar viel Botanik

trieb«. Im Jahre 1881 erwarb er sich das Einjährigfreiwilligen-Zeugnis

und unterzog sich einer dreijährigen Lehrzeit in dem

Medizinaldrogengeschäft von Joseph Kleiber in München, die nach seinen

eigenen Aufzeichnungen »vornehmlich im Abwischen der Standgläser, im

Aufräumen und aus Botengängen bestand«, die aber doch seiner Neigung

für Botanik Vorschub leistete. War Josef schon durch seinen Vater

Georg, Inhaber eines Kolonial- und Farbwarengeschäftes, zur Beobachtung

der Natur angehalten worden, so erhielt seine Liebe zur Botanik einen

besonderen Ansporn durch einen Freund des Vaters, Herrn Privatus

Hiendlmayer, der ihn auch zu wissenschaftlicher Betätigung anleitete.

Dieser Herr, von dem er mir oft und gern erzählte, und der ihn auch

zur Anlegung seines später so wertvollen Herbariums bestimmte, nahm

ihn am 22. April mit zu einer Exkursion in die damals noch botanisch

rühmenswerte Garchinger Heide. Er schreibt selbst darüber: »Von diesem

Ausfluge her datiert eigentlich meine Vorliebe für die botanische

Wissenschaft, die mich in den folgenden Jahren – manchmal vielleicht

mehr als gut war – stark in Anspruch genommen hat, aber mir auch

unendlich viele Stunden der Freude und reinen Naturgenusses gebracht

hat und mir jetzt in meinem Berufe sehr zu statten kommt.« Hatte er von

so manchem Ausflug in Münchens Umgebung (Rote Wand, Reiterspitz u. a.

m.) reiche botanische Ausbeute heimgebracht, so wurde sein botanischer

Eifer durch seine erste größere Reise in die Dolomiten im Jahre 1882

mächtig angeregt nach einer Besteigung des Schlern und Andelao. Er

erwarb sich infolgedessen die Mitgliedschaft im Landshuter botanischen

Verein und im D. Ö. Alpenverein. Nach abgeleisteter militärischer

einjähriger Dienstzeit im Kgl. bayr. Cheveauxlegers-Regiment zu

München, ging er als Volontär in eine Speditionsfirma zu Hamburg und

trat 1886 als Korrespondent in die Weltfirma Gehe & Co., Dresden, ein.

Seine Freizeit verwendete er zu botanischen Ausflügen in unser schönes

Sachsenland, dem er in der Liebe zur Pflanzenwelt bis zu seinem Tode

treu blieb. _Im Jahre 1889_ bei einer achtwöchentlichen Reserveübung im

Großenhainer Husarenregiment begannen _seine ersten photographischen

Versuche, die ihn später zu photographischer Meisterschaft führen

sollten_. Im Jahre 1892 vermählte er sich mit einer kunstsinnigen

Dresdnerin Fräulein Gabriele Albert, die das Kunstempfinden Josefs

durch Rat und kritisches Eingehen vielfach unterstützte. Die

Hochzeitsreise führte ihn über Wien, Triest, Venedig nach dem deutschen

Bozen, dessen herrliche Umgebung ihm auch späterhin in landschaftlicher

und floristischer Beziehung wertvolle Anregung gab und ihn mit der

Kunsthandlung von Ammon in Geschäftsverbindung brachte, die sich im

Laufe der Jahre zu echter Freundschaft auswuchs.

In den ersten Jahren seiner Ehe reiste er für seines Schwiegervaters

Geschäft in Kunstdünger. Dabei lernte er auf köstlichen Wanderungen

die blütenschöne Flora des herrlichen Nordböhmen kennen, und sein

Herbarium zeugt von dem Sammeleifer, den er im schönen Böhmerland,

trotz der geschäftlichen Aufgaben, entwickelte. Im Jahre 1894 trat er

aus dem schwiegerväterlichen Geschäft, um, wie er sich ausdrückt, »den

Kunstdünger mit der Kunst« zu vertauschen.

Er tat sich mit seinem Freunde Nenke zusammen und gründete die

graphische Kunstanstalt, welche unter der Firma Nenke und Ostermaier

so viele erfreuen und der heimischen und alpinen Pflanzenwelt so

zahlreiche Freunde zuführen sollte, weit über Deutschlands Grenzen

hinaus. Kamen auch sorgenvolle Zeiten, so brachte doch die unermüdliche

Tätigkeit Nenkes, verbunden mit dem botanischen und photographischen

Können Ostermaiers, das Geschäft allmählich zu erfreulicher Höhe.

Der Aufstieg der Firma begann mit dem Auftrage eines Neudruckes vom

»_Atlas der Alpenflora_«, welcher ihr im Jahre 1895 durch den D. Ö.

Alpenverein wurde. Ostermaier selbst erzählte mir, wie er sich um die

Ausführung bewarb. Er reiste, impulsiv wie er war, mit einigen seiner

Herbar-Faszikeln und Bildproben nach München und Graz, konferierte

mit dem Universitätsdozenten Dr. Palla und erhielt den Auftrag. Zu

diesem Erfolg kam für Josef noch in dem gleichen Jahre die Freude über

die Geburt eines Zwillingspärchens »Hans und Grete«, die beide zu

des Heimgegangenen Genugtuung an der Fortführung der Firma beteiligt

sind: Dr. Hans Ostermaier mit seinem Spezialstudium wissenschaftlicher

Photographie, Margarethe Ostermaier durch die Verheiratung mit dem

kaufmännischen Leiter, Herrn Hartung.

Im Jahre 1898 begann die Firma mit der _Herausgabe von Postkarten_,

hergestellt nach dem Photochrom-Verfahren. Wir alle haben seit

Jahrzehnten die herrlichen Künstlerpostkarten geschätzt, welche

vornehmlich die _Herbst- und Frühlingsstimmung der Heimatlandschaft_

so treulich widerspiegeln. Daneben aber hatten es unserem Ostermaier

die Alpen angetan. Von den Postkarten mit Alpenblumensträußchen ging

er über zu den _Pflanzenaufnahmen am natürlichen Standort_, die ebenso

viel botanisch-systematisches Wissen als pflanzengeographisches

Empfinden bekunden. Was er mit der Flora der Alpenwelt begann, übertrug

er auf unsere heimische Pflanzenwelt.

Wie Meerwarth als Bahnbrecher auf dem Gebiete zoologischer

Natururkunden gilt, _so war für Sachsen Ostermaier der erste auf dem

Gebiete botanischer Naturaufnahmen_, die für unseren Heimatschutzverein

eine Quelle wurden, welche nie zu versiegen schien. Neben alpinen

und heimatlichen Bildern finden sich unter den 10000 Photographien

seiner Hinterlassenschaft, die durch eine sorgfältige Kartothek leicht

erschlossen werden kann, auch solche aus allen Teilen Mitteleuropas,

aus dem Mittelmeer und aus England. Letzteres bereiste er im Herbst

des Jahres 1912. Bei der Aufnahme der Sheakspeare-Cliffs wurde er in

Dover als Spion verhaftet. Schon am nächsten Tage war dieses Ereignis

in allen Zeitungen der Welt zu lesen. Er selbst tut dies Erlebnis in

seinem Tagebuche mit den Worten ab: »Ich möchte nur das Geld haben, das

in der Nacht vom 16./17. September vertelegraphiert wurde«.

Es erfüllt mich mit Stolz, daß Ostermaier mich seiner Freundschaft

würdigte, so daß ich mit ihm manch liebe Heimatwanderung und manch

größere Auslandsreise unternehmen konnte. Hierbei erst lernte ich

seine Hingabe an die botanische Wissenschaft und seine vortreffliche

Kenntnis der Hochgebirgspflanzen recht schätzen. Kein Weg war ihm

zu weit und steil, kein Berg zu hoch und schroff, mochte Sturm

wüten, Regen prasseln oder Sonne glühen – alles wurde, dank seiner

körperlichen Rüstigkeit, wohlgemut überwunden. Geduldig konnte er

– der oft so Ungeduldige – vor einer als photographisches Ziel

erwählten Pflanzengruppe stundenlang ausharren, bis die vom Winde

schwankenden botanischen Lieblinge sich eines ruhigen Augenblickes

erfreuten. Was waren es doch für herrliche sonnendurchflutete Tage

an den blauschimmernden Küsten der beiden Rivieren und in den

ginsterdurchdufteten mit blühender Baumheide geschmückten Pinienwäldern

Viareggios (1911). Welch’ pflanzenreiche Wanderungen boten sich uns

in dem nahen Riesengebirge, in dem Juralabyrinth der fränkischen

Schweiz (1921), in den orchideenreichen Jenenser Bergen (1924)! Vor

allem war er bis auf Süß- und Rietgräser – die er wohl wegen ihrer

steten zitternden Bewegung auch als Photograph nicht schätzte – ein

vortrefflicher Kenner der alpinen Pflanzenwelt und ein zuverlässiger

Beobachter ihrer Verbreitungsgrenzen, so daß er mir beim Entwerfen

meiner zur Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung gebotenen Verbreitungstafeln

von Campanula und Primula wertvolle Winke geben konnte. Gerade seine

Freude an der Alpenpflanzenwelt, die sich in den vortrefflichen großen

farbigen »alpinen Vegetationsbildern nach Naturaufnahmen von Josef

Ostermaier« ausdrückt, lernte ich kennen gelegentlich unserer Wanderung

von und zu der Zufallhütte (1913), noch mehr aber schon früher, während

eines gemeinsamen unvergeßlichen dreitägigen Aufenthaltes auf der

Franz-Schlüter-Hütte 1909. Dort trieben wir gar ernste floristische

Studien, aus denen ja auch eine entsprechende botanische Arbeit in den

Isisabhandlungen hervorging.

[Illustration:

Aufnahme von J. Ostermaier, Blasewitz

Lüneburger Heide: Wacholder-Formation am Totengrund bei Wilsede]

Kehrte Ostermaier von seinen Lichtbildreisen – sei es vom Hochgebirge

oder dem Lüneburger Heideland, sei es von den Oldenburger Brüchen

oder den Spessartbergen zurück, er hatte seinen Bekannten immer etwas

»Schönes« mitgebracht. Um ihn saßen seine Alpenvereinsfreunde im

Ratskeller »zu traulicher Runde geschart« und ließen die neuesten

Aufnahmen bewundernd von Hand zu Hand gehen. Manch freudeglänzendes

Auge, manch froher Zutrunk dankten dem Lichtbild-Meister. Auch

Mitglieder unserer Naturschutz-Kommission durften immer frohen Anteil

nehmen an seinen neuesten Natur-Aufnahmen. Manch schöne gesellige

Stunde vereinigte uns dabei in seinem Garten oder in dem gemütlichen

vom Vater geschenkten Bauernstübchen, das sein neues schönes 1908

bezogenes Heim am Barteldesplatz 4 so anziehend machte. Aber nicht

bloß im Kreise seiner Bekannten und Freunde wurde seine Lichtbildkunst

anerkannt. Alles was er schuf, trug einen botanischen oder heimatlichen

Einschlag; und so war er mit seinen lebenswahren Natururkunden ein

weithin bekannter Meister, welcher sich rühmen durfte, _vollste

Anerkennung zu finden, nicht bloß für das gebotene Bild sondern auch

für die naturgeschulte Auffassung des botanischen Objektes_. Alle

namhaften Zeitschriften und illustrierten botanischen Neuerscheinungen

(Hegis Flora, Schmeils Lehrbücher, Koralle u. a. m.) haben sich der

Ostermaierschen Pflanzenaufnahmen bedient, und noch immer neue Werte

können aus der reichen Hinterlassenschaft Ostermaiers der Wissenschaft

zufließen. Auf der internationalen photographischen Ausstellung zu

Dresden im Jahre 1909 erhielt er die einzige zu vergebende goldene

Medaille der wissenschaftlichen Abteilung, und bei der Freigebigkeit,

mit welcher er seine Pflanzenbilder der Wissenschaft darbot, wäre

in gerechteren Zeiten eine Ernennung zum Ehrendoktor wohl möglich

gewesen. Zu unser aller Freude wurde ihm auch die _Ehrenmitgliedschaft

beim »Vereine zum Schutze der Alpenpflanzen« zuteil_. Diese

Mitgliedschaft zeitigte aus Ostermaiers Feder eine Anzahl netter

Aufsätze, unter denen die interessante Arbeit: »Beobachtungen über die

Vegetationsverhältnisse und deren Veränderungen auf der südtiroler

Kampffront« besonders hervorgehoben sei.

Es ist selbstverständlich, daß Ostermaiers botanische Einstellung auch

dem Geschäfte das Siegel aufdrückte. Neben den Alpenvegetationsbildern

bot die Firma Nenke und Ostermaier mehrere _Serien von Gehes

Arzneipflanzenkarten_, die für Schulen ein wertvolles Lehrmittel

bedeuten. Außer dem erwähnten fünfbändigen _Atlas der Alpenflora_

erschienen in der gleichen Kunstanstalt die Tafeln zu einer

_Sudetenflora_, und auch die prächtig ausgeführten Tafeln zu der

mehrbändigen ~_Flora of South-Africa_ by R. Marloth~ gingen aus

ihr hervor; im Gefolge derselben auch 10 Tafeln kapländischer

Vegetationsansichten (~Cape flowers at home~).

Gar manch schmeichelhafte Äußerungen über sein Wirken durfte ich an

behaglichen, humorgewürzten Abenden in seinem Heim lesen, denn er stand

mit namhaften Botanikern des In- und Auslandes in regem Briefwechsel.

_Als Heimatschutzmitglied war er ein allezeit freudiger Geber, ein

wackrer Kämpfer und trauter Wandergenoß_, an welchen wir von der

Naturschutzkommission noch oft zurückdenken werden.

In oft herzerquickender bajuvarischer Offenheit machte er manch

kritischen Auseinandersetzungen ein Ende, und ganz besonders der

marktschreierischen naturschändenden Reklame hatte er, allem

Scheinwesen abhold, den Kampf angesagt.

So knorrig auch seine bajuvarische Natur hie und da hervorbrach, so

feinfühlig und zart war Ostermaier im Empfinden der Schönheit von Natur

und Landschaft, die aus seinen zahlreichen Lichtbildvorträgen sprach.

Kein Wunder, daß sie sich unseren Mitgliedern ins Herz schrieben.

Ich erinnere nur an die Heimatschutzvorträge: »Das Riesengebirge und

seine Flora« und »Auf Blumenpfaden durch die Alpenwelt« mit dem von ihm

verfaßten humorvollen Schlußgedicht.

[Illustration:

Aufnahme von J. Ostermaier, Blasewitz

=Erzgebirgshochmoor mit fruchtendem Wollgras= (~Eriophorum vaginatum~)]

Auf der Leipziger Baufachausstellung waren auf meine Anregung farbige

Vergrößerungen von Ostermaiers Pflanzenaufnahmen aus Sachsens Gauen

ausgestellt, die Vielen Anregung boten, jetzt (zum kleineren Teil)

die Diele unseres Bienhofheims zieren und dort, bei Stunden froher

Einkehr, die Erinnerung an Ostermaiers Wirken wach erhalten. Neben

seinen mit künstlerischen Abbildungen geschmückten Aufsätzen in unseren

Mitteilungen: Vom Märzenbecher (IV S. 367), die Elbinsel bei Pillnitz

(VIII S. 162), Der Trebnitzgrund (VII S. 1) hat er uns auch die 18

farbigen Tafeln der durch die sächsische Landesbehörde unter Schutz

gestellten Pflanzen geschaffen. Sein letzter Heimatschutz-Aufsatz

betraf den »Schellerhauer Pflanzengarten« (XV. S. 161). Hier erfreuen

uns wohlgelungene Aufnahmen besonders der Primeln, von denen er

»jederzeit besonders entzückt war«. Er war auch ein stets belebendes

Element unserer botanischen Kommissionsausflüge, an denen er bis kurz

vor seinem Tode teilnahm.

Auch in seinem Geschäft, dessen 25. Gründungsfeier 1919 in Anbetracht

der schweren Zeiten nur in engem Kreise abgehalten wurde, war er bis zu

seinem Tode tätig.

Als er im Herbst 1925 an der Brust operiert wurde, zeigten sich Spuren

der Zuckerkrankheit, doch befand er sich körperlich noch so wohl,

daß er 1926 nach Oldenburg und dem Spessart reisen konnte. Aber nach

seiner Rückkehr trat das tückische Krebsleiden, welches ihn schließlich

dahinraffte, ernstlich in die Erscheinung und verzehrte, trotz Josefs

heldenhaften Widerstandes, nur zu rasch seine Kräfte. 1926 wurde ihm

noch eine besondere Freude durch die Geburt eines Stammhalters der

Familie Ostermaier, eines Sonntagskindes, zuteil. Möchte dieser nebst

den beiden anderen Enkelkindern der Erbe seines herzlichen Wesens,

seiner Treue und seiner Naturliebe werden.

In seinem letzten Willen hat Josef Ostermaier dem Landesverein

Sächsischer Heimatschutz 5000 Mark vermacht zum Ankauf von

Naturschutzgebieten. Wir nehmen das Vermächtnis dankend an und werden

im Sinne des verewigten Freundes ein Stück ursprünglicher Natur

unseres Sachsenlandes erwerben, das dauernd mit dem Namen Josef

Ostermaier verbunden sein soll. So mögen auch künftige Geschlechter

für alle Zeiten an den Mann erinnert werden, welcher der sächsischen

Heimatschutzbewegung ein begeisterter, selbstloser Förderer war.

In dem nunmehr Dahingeschiedenen hatten sich _Menschliches,

Künstlerisches und Wissenschaftliches zu wohltuender Harmonie

verbunden, und in dieser Dreiheit wird er im dankbaren Gedächtnis

unseres Landesvereines weiterleben: als treuer selbstloser Freund, als

feinfühliger Schöpfer unersetzlicher Natururkunden, als begeisterter

und werktätiger Botaniker unserer sächsischen Heimat_. Möge er nach

seinem schweren Leiden in Gottes Frieden ruhen!

Fußnoten:

[10] Dieselbe wurde mir durch Herrn Dr. Hans Ostermaier gütig

zur Verfügung gestellt.

Unsere eingegangenen Dörfer

Von Oberstaatsarchivar Dr. _Hans Beschorner_, Dresden

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 7–8 · 第 6 / 9 段