Liebe Bergliot, ich habe Deinen Brief noch nicht gelesen, nur davon
berichten hören; aber ich hatte auch so viel zu hören, zu lesen und war
außerdem gestern weg zu einem Vortrag. Große Freude, daß Peter und Dikka
hier gewesen sind, große Freude! Und nun kommen auch Kiellands! Wir sind
also jetzt glänzend auf der Höhe hier! Es ist, als hätten wir Paris
hier. -- Und Du Ärmste lebst in der Millionenstadt viel verlassener als
wir hier in unserm Winkel. -- Nun habe ich Deinen _vortrefflichen_ Brief
gelesen, Bergliot. Deine ganze Natur liegt in diesem Brief. Hast Du die
Revolutionsgeschichte von Carlyle, _die ich für dich bestellt_ habe bei
Huseby & Co. in Kristiania, nicht erhalten, so schreibe selbst! Du
_mußt_ sie lesen. Du mußt das Menschenmeer in Aufruhr sehen und die
gewaltige Wogenmasse, wo einer den andern jagt, bis alles _eine_
unendlich wogende Bewegung ist, so daß die, die mitgewälzt werden, ihren
eigenen Willen verlieren und nur drängen, weil alles drängt. Und das
wird noch einmal kommen, wenn man nicht beizeiten gerecht ist. Darum
eifre ich. Niemand weiß Zeit oder Stunde oder von wannen. Hebt es aber
an, dann weiß keiner, ob unsre Arbeiter stärker sind als andere, ob
nicht auch sie mitgerissen werden und niederreißen. Denn auch hier im
Lande ist viel Unrecht. -- Grüße Frau Sansot herzlich; jetzt _will_ ich
mich endlich zu einem Brief an sie aufschwingen. Und Runebergs! Ja, ich
weiß, das sind _Menschen_, sie haben mich verstanden, und sie
verschleudern nicht, was sie verstehen. --
Ich habe noch andre Briefe zu schreiben und muß schließen.
Dein Freund Vater B. B.