Der dritte Auftritt.
Cato. Cæsar.
_Cäsar._
Nun Cato, endlich ist der Wunsch mir eingetroffen,
Dass ich einmal mit dir vertraulich sprechen kann. 10
Ich biethe Welschland[1179] itzt in dir den Frieden an.
Komm, schleuss ihn selbst mit mir, und mach der Noth ein Ende!
Das hartbedrängte Rom sieht bloss auf unsre Hände;
Versammle deinen Rath, und schaff auf diesen Tag,
Dass jedermann die Frucht der Eintracht erndten mag.
Die ganze Bürgerschaft verbanne Hass und Rache;
Indem ich dich, nebst mir, zum Bürgermeister mache.
_Cato._
Wie frech und unverschämt trägst du mir solches an,
Da mir nur Volk und Rath die Würde geben kann?
Denkst du die Tugend denn mit Lastern zu ermüden? 10
Wir suchen bloss nach Recht und Billigkeit den Frieden!
Regiert ein einzig Haupt das grosse Rom allein,
So wollen wir mit Ernst daraus verbannet seyn.
Ja, Cæsar, weg von hier mit Königen und Ketten!
Der Römer Überrest will noch die Freyheit retten;
Und lässt sich das nicht thun, so sind wir doch nicht dein.
Der Africanersand soll unsre Freystadt seyn:
Hier hab ich selber schon ein Grab für mich erlesen.
Drum, Cäsar, lass uns Rom, wie es vorhin gewesen!
Komm ohne Kriegesvolk, komm ohne Waffen hin, 20
Komm so, wie ich mich da zu zeigen Willens bin:
Alsdann so wird man sehn, wer endlich von uns beyden
Noch den Triumph erlangt, und welcher Rom muss meiden.
_Cäsar._
Was hab ich denn gethan? Der Deutschen tapfres Blut
Verehrt durch meinen Dienst der Römer Heldenmuth.
Die Meere waren mir kein Hinderniss im Siegen,
Ich bin den Ocean der Britten überstiegen;
Und doch versaget mir der ungerechte Rath,
Weil mich Pompejus hasst, ein schlechtes Consulat? 30
Man will mein tapfres Schwerdt im Frieden kraftlos machen,
Man giebt mir Aufruhr schuld; und was mein Schweiss, mein Wachen,
Mein eignes Blut verdient, das Bürgermeisteramt,
Fällt meinen Feinden zu? Das, das hat mich entflammt!
Halb rasend fieng ich an der Römer Feind zu werden,
Vergebens waffnet sich der ganze Kreis der Erden;
Ich schlug ihn doch, und nahm den Rest zu Gnaden an,
Nachdem ich ihn besiegt: was hab ich nun gethan?
_Cato._
Aus Rachgier, Cäsar, ward das Schwerdt von dir gezücket,
Da nun Pompejens Fall den Zorn bereits ersticket:
Warum behältst du noch die oberste Gewalt?
Daraus erhällt ja klar, dass man dich billig schalt.
Tyrannen schmücken stets ihr Thun mit List und Ränken: 10
Die Worte sind oft gut; die That lehrt was sie denken.
Man gab dir mit Bedacht kein römisch Consulat;
Du warest viel zu gross und mächtig für den Staat.
Und wozu war dir wohl das Vaterland verbunden?
Du hattest als ein Held viel Länder überwunden;
Rom hatte triumphirt: Doch das war deine Pflicht.
Ein Bürger dient dem Staat, der Staat dem Bürger nicht.
Die Schuld ist offenbar; der Vorwand ist vergebens.
Den Grachus, wie du weist, beraubte man des Lebens;
Du hast noch mehr verwirkt!
_Cäsar._
Wo will der Eifer hin? 20
Vergesst ihr denn, dass ich ein Überwinder bin,
Und dass die Römer mich um Gnade bitten müssen?
_Cato._
Wer voller Unschuld ist, will nichts von Gnade wissen.
Denk, Cäsar, denk einmal an deine Grausamkeit.
Und wünsche dir vielmehr, dass die Vergessenheit
Den unerhörten Stolz, der dich bethört, begrabe.
Auch Sylla, den ich oft darum gepriesen habe,
Entsagte von sich selbst der Herrschaft und Gewalt,
Und fand auch in der That der Römer Gnade bald. 30
Dem Beyspiel folge nach. So wird dir dein Verbrechen
Vielleicht auch noch geschenkt. Ich selbst will für dich sprechen!
Wie nun? Du schweigest hier? O Rom! O Vaterland!
Hast du dem Barbar nicht viel gutes zugewandt?
Und er bestimmt dir stets ein grösser Ungelücke.
Die Götter zeigen uns viel Zorn erfüllte Blicke;
Rom streitet mit sich selbst: die Mutter hasst den Sohn,
Der Legionen Zahl spricht ihren Brüdern Hohn,
Man sieht der Römer Blut auf Römer Hände spritzen,
Die Helden, welche sonst Gesetz und Rechte schützen,
Ersticken die Natur, und schänden ihr Gebot:
Die Väter streben nur nach ihrer Kinder Tod, 10
Die Kinder suchen nichts als ihrer Väter Leichen,
Die Mütter sind bemüht dem Jammer zu entweichen,
Und stürzen sich zuvor in beyder blosses Schwerdt.
Die Herrschaft, Cäsar, ists, was deine Brust begehrt!
2.