PERSTET AMICITIÆ SEMPER VENERABILE FÆDUS!

Der Mensch hat nichts so eigen

So wol steht jhm nichts an,

Als dass er Trew erzeigen 20

Vnd Freundschafft halten kan;

Wann er mit seines gleichen

Sol treten in ein Band,

Verspricht sich nicht zu weichen

Mit Hertzen, Mund vnd Hand.

Die Red’ ist vns gegeben 20

Damit wir nicht allein

Vor uns nur sollen leben

Vnd fern von Leuten seyn;

Wir sollen vns befragen

Vnd sehn auff guten Raht,

Das Leid einander klagen

So vns betretten hat.

Was kan die Frewde machen

Die Einsamkeit verheelt[983]?

Das gibt ein duppelt Lachen 10

Was Freunden wird erzehlt;

Der kan sein Leid vergessen

Der es von Hertzen sagt;

Der muss sich selbst aufffressen

Der in geheim sich nagt.

GOtt stehet mir vor allen,

Die meine Seele liebt;

Dann soll mir auch gefallen

Der mir sich hertzlich giebt,

Mit diesem Bunds-Gesellen

Verlach’ ich Pein vnd Noht,

Geh’ auff dem Grund der Hellen

Vnd breche durch den Tod.

Ich hab’, ich habe Hertzen

So trewe, wie gebührt,

Die Heucheley vnd Schertzen 10

Nie wissendlich berührt;

Ich bin auch jhnen wieder

Von grund der Seelen hold,

Ich lieb’ euch mehr, jhr Brüder,

Als aller Erden Gold.

2.

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 201 / 276 题