Ich empfinde fast ein Grawen
Dass ich, Plato, für vnd für
Bin gesessen vber dir; 30
Es ist zeit hinauss zu schawen,
Und sich bei den frischen Quellen
In dem grünen zu ergehn,
Wo die schönen Blumen stehn,
Vnd die Fischer Netze stellen.
Worzu dienet das studieren 30
Als zu lauter Vngemach?
Vnter dessen laufft die Bach[982]
Vnsers Lebens das wir führen
Ehe wir es inne werden,
Auff jhr letztes Ende hin,
Dann kömpt ohne Geist vnd Sinn.
Dieses alles in die Erden.
Hola, Junger, geh’ vnd frage,
Wo der beste Trunck mag seyn,
Nimb den Krug, vnd fülle Wein.
Alles Trawren, Leid vnd Klage
Wie wir Menschen täglich haben
Eh’ vns Clotho fortgerafft, 10
Wil ich in den süssen Safft
Den die Traube giebt vergraben.
Kauffe gleichfals auch Melonen
Vnd vergiess des Zuckers nicht;
Schawe nur dass nichts gebricht.
Jener mag der Heller schonen,
Der bey seinem Gold’ vnd Schätzen
Tolle sich zu krencken pflegt,
Vnd nicht satt zu Bette legt;
Ich wil weil ich kan mich letzen.
Bitte meine gute Brüder
Auff die Music vnd ein Glass:
Nichts schickt sich, dünckt mich so bass
Als gut Tranck vnd gute Lieder.
Lass’ ich gleich nicht viel zu erben, 10
Ey so hab’ ich edlen Wein;
Will mit andern lustig seyn,
Muss ich gleich alleine sterben.
_SIMON DACH._
[_Scherer D._ 321, _E._ 322.]
Geboren 1605 zu Memel. Er erhielt eine sorgsame Erziehung in
Memel, Königsberg, Wittenberg und Magdeburg, gab sich 1626 in
Königsberg zunächst theologischen und philosophischen, dann
allgemein humanistischen Studien hin, nahm hier 1633 eine
Anstellung an der Domschule an, wurde 1638 zum Professor der
Poesie an der Universität ernannt und starb 1659, nachdem ihn kurz
vorher Friedrich Wilhelm, der grosse Kurfürst, mit einem kleinen
Landgut belehnt hatte. Dach war der Mittelpunkt der sogenannten
Königsberger Schule, die ausser ihm noch Heinrich Albert, Robert
Roberthin, Johann Peter Titz und andere unbedeutende Dichter
umfasste. Herausgegeben von Osterley (Tübingen 1876).
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