AUFF LEYD KOMPT FREUD.

SEy wolgemuth, lass trawren sein,

Auff Regen folget Sonnenschein,

Es gibet endtlich doch das Glück

Nach toben einen guten Blick.

Vor hat der rauhe Winter sich

An vns erzeiget grimmiglich,

Der gantzen Welt Revier gar tieff 20

In einem harten Traume schlieff.

Weil aber jetzt der Sonnen Liecht

Mit vollem Glantz herausserbricht,

Vnd an dem Himmel höher steigt,

Auch alles frölich sich erzeygt,

Das frostig Eyss muss gantz vergehn,

Der Schnee kan gar nicht mehr bestehn,

Favonius der zarte Windt

Sich wider auff die Felder findt,

Die Saate gehet auff mit macht, 30

Das Grase grünt in vollem Pracht,

Die Bäume schlagen wieder auss,

Die Blumen machen sich herauss.

Das Vieh in Felden jnniglich,

Das Wild in Püschen frewet sich,

Der Vögel Schaar sich frölich schwingt,

Vnd lieblich in den Lüfften singt,

So stelle du auch trawren ein,

Mein Hertz, vnd lass dein Zagen sein,

Vertrawe Gott, vnd glaube fest

Dass er die seinen nicht verlest.

Vlysses auch, der freye Heldt,

Nachdem er zehn Jahr in dem Feldt

Vor Troja seine Macht versucht,

Zog noch zehn Jahr vmb in der Flucht. 10

Durch Widerwertigkeit im Meer,

Ward er geworffen hin vnd her,

Noch blieb er standhafft allezeit,

In Noth vnd Todt, in Lieb vnd Leydt.

Die Circe mit der Zauberkunst,

Bracht jhn niemals zu jhrer Gunst,

Auch der Sirenen süsser Mundt

Vnd Harfen jhn nicht halten kundt,

Er warff doch endtlich von sich noch

Des rauhen Lebens schweres Joch, 20

Penelopen er wieder fandt,

Vnd Ithacen sein Vaterland,

So biss du auch getrost, mein Hertz,

Vnd vbersteh des Glückes Schertz,

Traw Gott, sey nur auff jhn bedacht,

Die Hoffnung nicht zu schanden macht.

4.

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 199 / 276 题