ÜBER DEN ACCENT IN DEUTSCHEN VERSEN.

Nachmals ist auch ein jeder verss entweder ein _iambicus_ oder

_trochaicus_; nicht zwar das wir auff art der griechen vnnd lateiner

eine gewisse grösse der sylben können inn acht nemen; sondern das wir

aus den _accenten_ vnnd dem thone erkennen, welche sylbe hoch vnnd

welche niedrig gesetzt soll werden. Ein Jambus ist dieser: +Erhalt vns,

Herr, bey deinem wort+. {10} Der folgende ein Trochéus: +Mitten wir

im leben sind+. Dann in dem ersten verse die erste sylbe niedrig, die

andere hoch, die dritte niedrig, die vierde hoch, vnd so fortan, in dem

anderen verse die erste sylbe hoch, die andere niedrig, die dritte hoch

etc. aussgesprochen werden. Wiewol nun meines wissens noch niemand,

ich auch vor der zeit selber nicht, dieses genawe in acht genommen,

scheinet es doch so hoch von nöthen zue sein, als hoch von nöthen ist,

das die Lateiner nach den _quantitatibus_ oder grössen der sylben jhre

verse richten vnd reguliren. Denn es gar einen übelen klang hat: +Venus

die {20} hat Juno nicht vermocht zue obsiegen+; weil +Venus+ vnd

+Juno+ Jambische, +vermocht+ ein Trochéisch wort sein soll: +obsiegen+

aber, weil die erste sylbe hoch, die andern zwo niedrig sein, hat eben

den thon welchen bey den lateinern der _dactylus_ hat.

2.

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 197 / 276 题