Ein grosser Vogel muss ein gross nest haben. Grosse herrn müssen vil
verzern. Vil einnemens vil aussgebens. Man trinckt aus kleinen brunnen
eben so gnug als auss grossen. Der hirt hat eben so gnug vnnd lebt
eben so lang vnd wol als der schultheyss {10} im hauss, der bawr als
der fürst. Es ist allein vmb ein wenig mehr bracht[880] zu thun, vnd
der vnderscheid allein im schein. Die speise vnd kleyder seind wol
vngleich; halt aber das habermuss[881] gegen eim hungerigen magen vnd
die capaunen gegen dem saten, vnlustigen magen der reichen, so lebt
der baur wie der fürst. Ja, was sag ich, der bauwer lebt wohl vnnd der
fürst wie ein arm man vnnd Tantalus in der hell. Der baur schläft müd
auf einem strosack, wasen[882], banck, vnd sonst, wo er ligt: der fürst
mag in helffenbeynen betten, auff pflaumfeder, mit eitel spinet[883],
seidin vnd gold vmbhenckt, vnder vnd vberlegt, nit schlaffen. Hie frage
ich doch, {20} welcher wol lig? Der fürst kan den last der kleyder etwa
kaum tragen; der baur singt vnd springt frei, hurtig in eim grawen
röcklin daher, darff[884] der nit verschonen, vnd zert mit einem
creutzer so weit als der reich mit einem ducaten.
... Wo vil vässer[885] seind, da seind vil abesser. Grosser hoff muss
vil mägt vnd knecht haben, vnd vil einnemens macht vil aussgebens. Der
baur, so sein höflin on mägd vnd knecht mit seiner hand kan bawen, vnd
die bewrin, so on mägd jr vihe kan allein melcken: die mögen leicht
haben, das jn gnug, vnnd seind in jrem nestlin wol so reich, als der
gross Meyer[886] mit fünffzig haupt {30} vihe, fünfftzehen meyd vnd
knechten. Vnd ist der vnderscheyd an der narung des meysslins[887]
vnd des pfawen nur im schein. Das meysslin hat wenig vnd ein klein
nestlin, es darff[888] aber auch wenig. Der pfaw aber muss vil vnd
ein gross nest haben. So nun in das gross vnd weit vil gehört vnnd das
klein vöglin an kleiner speiss vnd nest vergnügt ist, so seind sie
ye gleich reich. Ein eymerig vass vol ist eben so reich vnd vol, als
das füderig[889]; was jhens mehr fasst, darff es mehr, vnnd geht mehr
in es. Weil aber ein Christ gar ein nidertrechtig[890] vöglin ist,
darff er auch gar wenig, vnd steht doch in diesem wenig aller welt
reichthumb, also dass in disem wenig alles jr ist, was die welt hat vnd
ist. Ich sehe manchen reichen in stetten hin vnd wider, der vnrüwig
fast zablet[891] {10} vnd in dem nicht thut, dann dass er seiner mägd
vnd knecht knecht ist. Wie vil seliger ist das vöglin, an seinem
kleinen Nestlin benügt, dass sich nach der deck streckt! Wer sich also
einziehen kann, der wirt nimmer arm vnd ist gar an leichtem[892] reich.
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