Es ist immerzu das frembd besser dann das heymisch. Was vor der thür,
has hat mann niendert für[852]. Also ist es den Teutschen auch,
daher haben sie so gar nicht von jn selbs, dass kaum ein volck ist,
dass weniger von jm selbs weyss vnd hat. Zu dem hat das vnglück auch
darzu geschlagen, dass sie mer krieger bissher dann glert Leut haben
gezogen vnd gehabt: das macht, dass sie also versaumpt vnd dahinden
bliben seind, dass sie so gar nicht von jn selbs wissen odder haben.
Nit dass sie, so vnendlich[853] leut, {10} nichts Chronick wirdigs
haben gestifft, geredt vnd thon; ja mer dann viel andere völcker, also
dass sie in dem fall weder den Griechen noch Latinern weichen, sonder
dass sie niemant haben gehabt, der jr weise kleinmüetige[854] red
vnd that auffschrieb, vnd jrer eygen histori, so sie täglich gewont
vor augen gesehen, vnd nichts seltzams oder wunders bey jnen gewesen
ist, nit haben acht genommen, vnd nur fürwitzig auff andere völcker
vnd lender gesehen, vnd jn lassen treumen[855], weil nuon von anderen
orten inn Latein, Griechischer vnnd Judischer zung vil bücher seyen,
so seyen allein dieselben land voller wunders, weissheit, reichthumb,
{20} kunst, vnd jn ja lassen träumen, sie seien Barbari, darumb dass
sie die Römer etwa Barbaros haben genent; dann Teutsche seind von
art ein volck, dass nicht von seim ding helt, nur frembd ding guot
ding, vnd allein in vnd mit kriegen niemant weicht, den sieg aber
der weissheit lasst es leicht andern nationen, ja scheubts vonn sich
vnd gibts den Latinern, Griechen vnd anderen völckern. Mann sihet,
dass ein Gallus, Italus, Jud etc. nicht dann sein spraach, volck,
histori, kunst, weissheit, sterck etc. rhümpt. Dauon schreiben sie
grosse büecher; allein die kriegerischen Teutschen bleiben krieger
vnd fromm landsknecht, +den+ rhuom lassen sie jn nit gern
zucken[856]; künst, spraach, weissheit, weise red vnnd that lassen
sie gern demüetig anderen, ja gebens selbs anderen, vnd rhüemen {10}
odder verwunderen[857] auss einer sonder schier torechten demuot
anderer rath, that, bücher, leer, red, vnd gefelt einem Teutschen in
summa nicht, was seyn eygen ist, sonder nur auss fürwitze frembder
siten, gang, kleyder, spraach, geberde, so gar, dass etlich mit
kunst auss gelbem weissen hare, darumb dass es Teutsch ist, schwarz,
Frantzösisch, Spaniolisch odder Welsch hare lassen machen[858], mit
seltzamen beschoren köpffen, verkerter spraach, welche, so sie es
gleich reden, vngern vnd verkert, als kunden sie es nimmer reden[859],
vnd in summa wie die affen alle aller land verderbt sitten vnd kleyder
anmassen[860], vnd in Teutschland bringen, {20} also dass Germania jetz
voller Teutscher Frantzosen, Teutscher Walhen[861] vnd Spanier ist.
Es ist kein volck, es bleibt bei seiner spraach vnnd kleydung, dunckt
sich der gemeyd[862] sein, vnd rhümpt sich deren, wil auch, dass mans
darbey erkenn. Allein die Teutschen verleugnen jre spraach vnd kleydung
vnd geen in frembder seltzamer mummerey herein, als haben sie einn böss
stuck thon[863], dass mann sie an nicht kan kennen, dann an sauffen vnd
kriegen....
Auss disser vnachtsamkeit ist kommen, dass wir nicht vonn vns selbs
haben noch wissen vnd bass[864] von Türcken vnd Dattern[865] {10}
wissen zu sagen dann von vns selbs vnd vnseren ältern, dass vns die
Römer nit gar vergebens Barbaros haben genent vnd in dem fall nit
vnrecht thon. Es ist kaum ein vernüfftig höflich wort, spruch, red
vnd that eim Griechen auss dem mund vnd hand gefallen, es ist in
die feder kommen vnd als heiltumb[866] vffgehebt worden. Aber von
Teutschen wissen die Teutschen nicht, sogar, wann nit die Latini für
vns sorgfeltig etwas hetten auffgezeichnet (doch immer zu, dz jn
der glimpffe[867], sieg vnd rhuom bleib), so wissten vnd hetten wir
gar nicht. Das haben zu vnserer Zeit vil hochgelerter bedacht vnd
noch seuffzen, klagen[868], als Wilibaldus Birckheymer, Christoferus
Scheurlin, Conradus Celtis, Jacobus Wimphelingius, Beatus Rhenanus,
Conradus Peuttinger, Nauclerus, Irenicus, vnd vor jn allen der gelert
Auentinus, Item Petrus Apianus, Bart. Amantius vnd {10} andere etc.
vnd auss mangel der büecher solch müeh vnd schweiss drob verrert[869],
dass kaum ein ander arbeyt schwerer sein mag; vnd dissen vmb Germania
woluerdienten mennern bin ich auff die achsel gestanden, mich
vnderstanden[870], den Teutschen diss, das ist sich selbs, zu Teutsch
geben; wiewol ich nuon höre, dass andere auch mit vmbgeen, vnd, ob
Gott wil, mit grossen ehren herauss vff den plan werden kommen, wie
ich ein jar, zwey[871] vff sie gewart, so wil ich doch im verlorn
hauffen als einer auss dem halt[872] mich erster herfür lassen, allein
darumb, ob ich die andern möcht vffbringen vnd auss dem leger[873]
locken. Vbermögen[874] sie mich {20} übelgewapneten, wie ich zu Gott
verhoff, so wil ich gern vnd mit eern wider zu ruck in hag[875]
fliehen, vnnd soll disse flucht mein grosse eer, sieg vnd gewin sein,
dass ich solch landschirmer vff den plan hab gelockt vnd auss dem
leger bracht, vnd sol disser mein erster aussrit sein gleich als wann
man ein künstler oder senger zu singen durch bit, wie jr art ist,
nit kan bewegen, dass man ein andern grif[876] brauchen muoss, dass
man gantz übel vor jn singen muoss oder ein harpffen nemen vnd vor
den orn des harpffenschlagers zittel discordantz vnd rossquit druff
schlagen[877], dass den in oren wee thuot vnd nit leiden konden, da
heben sie an zu singen {30} wie der Schwan, vnd mit genommener harpffen
wöllen sie den misshal zu schanden machen. Also geb Gott, dass durch
diss mein raspen[878] einn ander auffgeweckt mich nit allein, wo ich
erlegen bin, ersetze, sonder mich mit meiner kunst zu schanden mache
vnd Teutschland ein besser, warer melodey vnd simphonei schlag, vnnd
eigentlicher heraus butz[879], dann ich geringer in disser profession
vnd Chronick hab geleyst.
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