AIN NEW LIED HERR VLRICHS VON HUTTEN.

Ich habs gewagt mit sinnen

und trag des noch kain rew.

Mag ich nit dran gewinnen,

noch muss man spüren trew.

Dar mit ich main:

nit aim allain,

wen man es wolt erkennen,

dem land zu gut,

wie wol man tut

ein pfaffen feint mich nennen.

Da lass ich ieden liegen

und reden, was er wil;

Het warhait ich geschwigen,

mir weren hulder vil. 10

Nun hab ichs gsagt,

bin drumb verjagt,

das klag ich allen frummen,

wie wol noch ich

nit weiter flich,

villeicht werd wider kummen.

Umb gnad wil ich nit bitten,

die weil ich bin on schult;

Ich het das recht gelitten,

so hindert ungedult[685], 20

Dass man mich nit

nach altem sit

zu ghör hat kummen lassen!

villeicht wils got

und zwingt sie not

zu handlen diser massen.

Nun ist oft diser gleichen

geschehen auch hie vor,

Dass ainer von den reichen

ain gutes spil verlor. 30

Oft grosser flam

von fünklin kam:

Wer waiss, ob ichs werd rechen!

stat schon im lauf,

so setz ich drauf:

muss gan oder brechen!

Dar neben mich zu trösten

mit gutem gwissen hab,

Das kainer von den bösten

mir er mag brechen ab

Noch sagen, dass

uff ainig mass

ich anders sei gegangen 10

dan eren nach,

hab dise sach

in gutem angefangen.

Wil nun ir selbs nit raten

dis frumme nation,

Irs schadens sich ergatten[686],

als ich vermanet han,

So ist mir laid;

hie mit ich schaid,

wil mengen bass die karten. 20

bin unverzagt:

ich habs gewagt

und wil des ends erwarten.

Ob dan mir nach tut denken

der curtisanen list:

Ain herz last sich nit krenken,

das rechter mainung ist.

Ich waiss noch vil,

wöln auch ins spil,

und soltens drüber sterben. 30

auf, landsknecht gut

und reuters mut,

last Hutten nit verderben!

2.

AUS DER AN FRANZ VON SICKINGEN GERICHTETEN VORREDE ZU DEN

GESPRÄCHBÜCHLEIN VOM JAHRE 1521.

-- -- Für solche deine wohlthat[687] dir genuogsamen danck sagen, hab

ich nit mangel an gemüt[688] vnd willen, sonder am glück vnd vermögen

gebrechen. Würt mir aber ye ein bessere zeyt erscheinen vnd sich

anderung des glückes (als dann mein freye hoffnung zuo gott) begeben,

wil ich dir, allem meinen vermögen nach, der massen wider thienen,

das du ye vffs wenigest mich keinen fleiss, dir danckbarkeit zuo

erzöigen, gespart haben[689], spüren solt, vnd mitler {10} zeyt[690]

mit dem, das mir kein frevel noch gewalt, kein trotz noch übermacht,

kein armuot noch ellend benemen mag, das ist: mit krefften meiner

synnen vnd vermögen der verstäntnuss[691] trewlich vnd fleissigklich

thienen, auch dir yetzo, wie ettwan Virgilius den zweyen wolverthienten

jünglingen[692], zuo gesagt haben:

Wo etzwas mein geschrifft vermag,

Dein lob muossz sterben keinen tag.

Wiewol, ob du dich schon gegen mir der massen (wie obberürt) nit

gehalten, hettest du dannocht on das mit deinen ritterlichen

eerlichen[693] gethaten verthient, das ich vnd alle, deren vermögen

ist, {20} gegenwärtige oder vergangene ding durch behelff der

geschrifft in erkantnuss zuokünftiger zeyt bringen, deinen namen vss

dunckelem vergessz in das lyecht der ewigen gedechtnuss setzeten.

Dann, on schmeychelen vnd liebkossen zuo reden, bist du, der zuo

disser zeyt, do yederman bedäucht, Teütscher Adel hette etzwas an

strengkeit[694] gemüten[695] abgenommen, dich der masszen erzöigt[696]

vnnd bewissen hast, das man sehen mag Teütsch bluot noch nit versygen,

noch das adelich Teütscher tugend gantz aussgewurtzelt sein. Vnnd ist

zuo wünschen vnd zu bitten, das gott vnserem haubt, keysser Carlen,

deiner tugenthafftigen vnerschrockenen muotsamkeit erkentnuss jngebe,

damit er dich deiner geschicklichkeit nach in hohen trefflichen seinen

händeln, das Römisch Reich oder auch gantze Christenheit betreffend,

so mit rat vnd der that brauche; denn als dann würde frücht deiner

tugend zuo weiterem nutz komen. Fürwar, einen solchen muot solt man nit

ruowen lassen, noch innwendig bezyrcks[697] kleiner Sachen gebraucht

werden lassen. Aber ich hab mir nit fürgenommen, in disser vorred dein

lob zuobeschreiben, sonder einmal meinem hertzen, das gesteckt voll

guoter gedäncken vnd freüntlicher guotwilligkeit, die ich gegen deinen

vnwidergeltlichen {10} an mir begangenen wolthaten, die doch du noch

täglich ye mer vnd mer überhauffest, trag, einen lufft geben, schenck

dir zuo dissem newen jar die nachfolgende meine büchlin, die ich in

nechst verschinenen[698] tagen in der gerechtigkeit (wie vor genannt)

herbergen[699] eylendts vnd on grösseren fleiss verteütscht hab;

vnnd wünsch dir damit, nitt, als wir offt vnserenn freünden pflegen,

ein fröliche sanffte ruo, sonder grossze, ernstliche, dapfere vnd

arbeitsame geschäfft, darinn du vilen menschen zuo guot dein stoltzes

heldisch gemuot brauchen vnd üben mögest. Darzuo wöl dir gott glück,

heyl vnd wolfarn verleyhen.

{20} Geben zu Ebernburgk, vff den heyligen newen jars abent, im jar

nach Cristi geburt MCCCCC. vnd einvndzweintzigsten.

_NICLAS MANUEL._

[_Scherer D._ 286, _E._ 284.]

Geboren etwa 1484 zu Bern; Maler, Staatsmann und Soldat. Er schrieb

reformatorische Tendenzdramen, einen poetischen Dialog und einen

prosaischen Dialog ‘die Krankheit der Messe’ 1528. Er starb 1530.

Herausgegeben von Grüneisen (Stuttgart 1837); Bächtold (Frauenfeld

1878).

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 159 / 276 题