_Cuderli Nebelkapp._
Land üch lingen[700] ir herren, die arzet! dann die Mess ist ie lenger
ie schwecher, sie kürblet[701] und lurket[702] an der red.
_Doctor Schryegk[703]._
Herr früemesser, bringend uns unsern herrgott, dass wir sie versorgend!
_Früemesser[704]._
Herr doctor, ich mag in nit erlangen! der himel ist sin stůl und die
erd sin fůssschemel, wie möcht ich in erlüpfen[705]?
_Doctor Schryegk._
Ich mein, du syest völler narren, dann der summer mugken! bring uns
unsern herrgott, oder du můst gen Costenz uf die schiben[706], {10} bi
dem gott, den ich hüt gehept und gelegt hab. _Früemesser._
Hand ir in hüt gehept, wo hand ir in hingelegt?
_Doctor Heioho[707]._
Ich hab in gessen, weistu’s nun? ich hab in gessen.
_Früemesser._
Ich mein, ir syend völler fantasten, dann ein zotteter hund flöchen
im ougsten[708], und unsinniger, dann die süw[709], die sich im meer
ertrankten, Matth. am viii ca. Hand ir in hüt gessen, wo sol dann ich
in nemen? Lieber, ja schickend eins wegs nach dem {20} wind, der üch
fern[710] das hüetlin abwarf und heissend mich glich ouch S. Bernharts
berg zum goltschmid dragen, dass er in in ein gulden ring fasse, an ein
finger zů stecken! Das sind mir gůt sachen!
_Doctor Heioho._
Nit vil gespeiws[711] und wenig kramanzens[712]! nemend die schlüssel
und bringend uns us dem sacramenthüsli den zarten fronlichnam Christi!
_Früemesser._
Er sitzt zů der gerechten sins vaters im himel, oder unsere artickel
des waren christlichen gloubens, ja die ganz heilig geschrift müest
falsch sin; er ist erstanden und ist nit hie. Luce am xxiiii. Grifend
ir ufhin und nemend in abher, ich bin im zů kurz, ir aber sind gross
Hansen[713]!
_Doctor Heioho._
Schnell bring uns du, caplan, das heilig öl! die zit nahet sich.
_Caplan._
{10} Ich merk wol, ir meinend das öl, das man vom bischof kouft hat;
des ist nit mer im büchslin, der sigrist[714] hat die schůch mit
gesalbet.
_Doctor Heioho._
So ist er im ban, da mag im niemant vor sin! er můss es tür gnůg
bezalen.
_Doctor Schryegk._
Schnell bringend ein liecht! louf zum beinhus! bi den ampelen zünd an
wunder behend!
_Sixst Stichdennebel._
{20} Do ist weder für noch liecht, kerzen noch ampelen; ir send[715]
sin nun nüt denken! es sind dis jars ob den zehen tusent müs und ratzen
hungers tot, und küechlet[716] des kilchherrn junkfrouw nit halb als
vil, als vor vier jaren.
_Doctor Heioho._
So hör ich wol, man brent den lieben selen weder öle, anken[717] noch
unschlit und tůt inen nüt gůts nach. Dass gott erbarm, warzů ist es
komen! Wer hat die irrung hie pflanzet, oder was ist die ursach?
_Pauli Wattimtauw[718]._
{30} Als der römisch versprochen aplass so vil schuldig was und
gelten solt, dass er mit dem schelmen vom land můst loufen, hat er
vor und e den nachtliechtern grosse ding verheissen; darumb sind
sie im nachzogen, aber sie werdent alle erlöschen, ob sie in
betretend, sonder so sie nit zůschub, stür[719] und hitz vom fegfür
hand.
_Burki Reigelbett[720]._
Was darf man ir, der nachtliechter? die totenschedel sehend nüt,
so tanzen die hülznen götzen nit; so hat gott erschaffen alle
liechter, himelisch und irdisch, bi im ist die ewig klarheit und kein
finsternuss. Darumb ist es ein heidnische torheit, im understan mit
liechtern zů dienen.
{10} _Doctor Thoman Katzenlied[721]._
Bringend uns doch ein wenig palmen[722], dass wir ein gesegneten rouch
machend für das bös gespenst[723]!
_Wolfgang Adlerei[724]._
Die wiber hand vor vier jaren das fleisch mit gereucht und sidher kein
nimmermer lassen beschweren.
_Doctor Lügegk[725]._
Wo nun us? sprach der fuchs in der fallen; ietz sind wir im meer
on schiff und růder. Wer kan kuechlen on für und anken, oder on
federen fliegen? Es wär glich als müglich, das ganz meer {20} an den
regenbogen zů henken wie ein brotwurst an ein stecken, dass es tüerr
und drucken[726] wurd, als diser Mess zů helfen, so sie schon verlorn
hat die rechten herzadern, nemlich das fegfür, welches in siner flucht
mit im hinweg gefüert hat begrebt, dritten, sibenden, drissgost[727],
vigilg und jarzit, sampt iren opfern, liechtern, wiewasser, öl und
palmen. Nun rat, räter gůt, wie wir unbrämpt[728] vom kessel komend, es
hilft doch weder schryen noch salben.
_Doctor Heioho._
Sölt sie uns undern henden sterben, so wurd uns nüt für den arzetlon;
darumb wil not sin, uns von hinnen zů füegen! ob sie {30} denn in
unserm abwesen stirbt, so wend wir sprechen, sie si ermördt.
_Doctor Schryegk._
Ich folg, ir hand’s erraten und wol troffen! hetten wir die
hamerankensalb[729], so wir verschmirbt hand, wider in der büchsen,
wir wöltend uns selber mit salben. Das ist nun ein verlorne red,
bringt eben als vil frucht, als vogellim im pfeffer. Ich rat, wir
ritend von hinnen, und wer uns fragt: wie stat es umb die Mess?
wend wir antwurten: wol, wol, marter liden wol[730]! sie hatt’ gestern
ein vortanz mit dem legaten.
_Doctor Lügegken knecht, Fäit Verzechdenstifel._
{10} Potz marter, herr! wo wölt ir mit den süwen[731] allen hin, die ir
dise jar mit üch heim bringend? Man würt uns für fürköufer uffahen.
_Doctor Schryegk._
Lass meich ungefatzt[732]! dass deich sant Veltins arbeit besteh,
els[733] bůben! eich hab sunst gnůg, das meich betrübt, woltst du meich
erst gespoien[734]?
Datum zů Bergkwasser wind, nebem stuben
offen, vff der zůkunfft des Herren
Nachtmals.
M.D. XXVIII.
_BARTHOLOMÄUS RINGWALD._
[_Scherer D._ 290, _E._ 286.]
Geboren 1530 zu Frankfurt an der Oder; 1557 Prediger, 1567 Pfarrer
in der Neumark. Starb gegen 1600. Er verfasste ausser zahlreichen
geistlichen Gesängen zwei Lehrgedichte und einige Schauspiele. Vgl.
Hoffmann, Spenden zur deutschen Litteraturgeschichte, II (Leipzig
1844).
{20} DIE LAUTER WARHEIT.
EIN LIED DER KRIEGSLEUTE, WIDER DEN ERBFEIND, IM THON, VOM
STÖRTZEBECHER, ETC.
NVn mach dich eilends auff,
du Teutsche Nation,
denn sih es kömpt ein Hauff,
vons Türckischen Keysers Kron,
mit Spiessen vnd Hellparten,
mit Ross vnd Wagen viel,
vnd Bogen ohne Ziel,
in Vngern wolln sie warten.
Gemelte lose Leut,
die rühmen sich gar frey,
wie dass sie grosse Beut,
von dingen mancherley,
vns wollen abestreiffen.
daneben alle Fest, 10
vnd Wien die allerbest,
zubrechen vnd zuschleiffen.
Sie drawen[735] auch gar frech,
dass sie ohn widerstand,
mit Puluer vnnd mit Bech[736],
das gantze Teutsche Land,
stracks wollen niderbrennen,
vnd aller Menschen Schar,
im Blut erseuffen gar,
die Jesum Christ bekennen. 20
Darumb so nemet bald
die Rüstung von der Wand
vnd macht euch jung vnd alt,
hinein ins Vngerland
mit Harnisch, Spiess vnnd Degen,
mit hurtigem Geschoss,
zu fuss vnd auch zu Ross,
vnd zieht dem feind entgegen.
Vnd wenn jhr kommen seid
dahin mit ewer Wehr, 30
so fürchtet nicht ein meit[737],
das wunderliche Heer,
in sich gar hoch vermessen,
Seht sie nur tapffer an,
in Gott dem starcken Man,
sie werden euch nicht fressen.
Doch nemet euch in acht,
an diesem scharffen Tantz,
seid nüchtern, bett vnd wacht,
vnnd stercket ewre Schantz,
bey tag vnd auch bey nachte,
vnnd schickt euch alle stund, 10
als solt jhr mit dem Hund,
rümbspringen in der Schlachte.
Vnd da jhr vnterweil
mit jm scharmützeln müst,
so seid mit ewrem Pfeil,
des Glaubens wol gerüst,
vnd rückt hinein mit freuden,
vnd brent sie mit dem kraut,
geschwinde auff die haut,
sie werdens vbel leiden. 20
Vnd da in solchem Ritt,
ein Man zwey oder drey,
im Felde blieben mit,
was wer es vor Geschrey,
was könt ein solches machen,
Dieweil dieselben fein,
in GOTT verschieden sein,
und in dem Himmel lachen.
Ach wie kan doch ein Man,
in dieser argen welt, 30
sein Leben besser lan,
dieweil er in dem feld,
auff CHRIstum wird erschossen,
dieweil er auch sein Blut,
der Christenheit zu gut,
gar willig hat vergossen.
Deshalben seid getrost,
jr Reuter vnd jhr Knecht,
frey in die Feinde stost,
gar Ritterlichen fecht,
vnd seid also gesunnen,
Ir sieget oder falt,
den Glauben doch behalt, 10
vnd habt in Gott gewonnen.
Darumb wenn nun der Feind,
ir seiner grossen macht,
euch anzugreiffen meint,
mit einer feldesschlacht,
vnd kömpt daher gedrungen,
in hesslicher gestalt,
wie ein verdorrter Wald,
geschriehen vnd geklungen.
So seid nur wolgemut, 20
gedenckt an Jesum Christ,
der mit der Engel Hut,
forn an der spitzen ist,
Den angriff erst zu setzen,
da er mit eime stich,
die feinde wünderlich,
wird schrecken vnd verletzen.
Vnd wenn jhr so mit Gott,
vnnd Gideonis Schwert,
die lesterliche Rott, 30
behertzt angreiffen werd,
So wird jhr Ross vnd Wagen,
darzu der Man im helm,
gleich wie ein schlimmer Schelm,
erschrecken vnd verzagen.
Derwegen rückt hinan,
macht ewer Euglein auff,
vnd schlagt in Gottes Nam,
mit allen freuden drauff,
Der Heiland wird euch stercken,
vnnd seine Herrligkeit, 10
bey euch in diesem Streit,
gewaltig lan vermercken.
Vnd da jr nun befind,
das GOTTes starcke Hand,
hab ewer Feinde blind,
was in die Flucht gewandt,
Der Christenheit zu gute,
so schmeist ja ferner zu,
Last jhnen keine ruh,
Wascht euch in jhrem Blute. 20
Das helff euch ja die Krafft,
des HErren Jesu Christ,
der in der Ritterschafft
der beste Kempffer ist,
Vnnd kann mit schlechtem sprechen,
all seiner Feinde Macht,
wie gros sie wird geacht,
im Augenblick zu brechen,
Amen.
_FRIEDRICH DEDEKIND._
[_Scherer D._ 291, _E._ 287.]
Geboren als Sohn eines Fleischers zu Neustadt an der Leine, 1551
Pastor zu Neustadt, 1576 zu Lüneburg, wo er 1598 als Superintendent
starb. Er dichtete als Wittenberger Student 1549 den ‘Grobianus’
und später geistliche Dramen. Der Grobianus wurde 1551 von Kaspar
Scheidt, einem Wormser Schulmeister, verdeutscht. Herausgegeben von
Milchsack (Halle, 1882).