Der Studenten ich ouch nit fůr[486]
sie hant die kappen vor zů stůr[487],
wann sie allein die streifen[488] an
der zipfel[489] mag wol naher gan[490];
dan so sie solten vast studieren,
so gont sie lieber bůbelieren[491].
die jugent acht all kunst gar klein;
sie lerent lieber ietz allein
was unnütz und nit fruchtbar ist;
dasselb den meistern ouch gebrist,
das sie der rechten kunst nit achten,
unnütz geschwetz allein betrachten,
ob es well tag sin[492] oder nacht?
ob hab ein mensch ein esel gmacht, 10
ob Sortes[493] oder Plato louf?
solch ler ist ietz der schůlen kouf[494].
sind das nit narren und ganz dum,
die tag und nacht gant domit um
und krützigen sich und ander lüt?
kein bessere kunst achten sie nüt.
darum Origenes von in
spricht, das es sint die frösch gesin
und die hundsmucken[495], die do hant
gedurechtet[496] Egyptenlant. 20
domit so gat die jugent hin,
so sind wir zů Lips, Erfort, Wien,
zů Heidelberg, Menz, Basel, gstanden,
kumen zů letst doch heim mit schanden.
Das gelt das ist verzeret do,
der truckeri[497] sint wir dan fro,
und das man lert ufftragen win,
darusz wurt dan ein Henselin[498].
so ist das gelt geleit wol an.
studentenkapp wil schellen han! 30
_JOHANN GEILER VON KAISERSBERG._
[_Scherer D._ 280, _E._ 276.]
Geboren 1445 zu Schaffhausen, studierte zu Freiburg und Basel,
ward Doctor der Theologie, predigte zu Freiburg, Würzburg und
Strassburg. Hier starb er 1510.
1.