SIMROCK.

_DER TANNHÄUSER._

[_Scherer D._ 214, _E._ 206.]

Minnesänger. Aus dem salzburgischen Geschlechte von Tanhusen,

führte etwa von 1240-1270 ein abenteuerliches Wanderleben und hielt

sich am baierischen, am österreichischen und an andern Höfen auf.

Herausgegeben in v. d. Hagens ‘Minnesinger’ Nr. 90.

Mîn frouwe diu wil lônen mir

der ich sô vil gedienet hân.

des sult ir alle danken ir:

si hât sô wol ze mir getân.

si wil daz ich ir wende den Rîn

daz er für Kobelenze iht gê:

sô wil si tuon den willen mîn.

mag ich ir bringen von dem sê

des grienes, dâ diu sunne, gêt

ze reste, sô wil si mich wern.

ein Sterne dâ bî nâhe stêt,

des wil si von mir niht enbern.

ich hân den muot

swaz si mir tuot, 10

daz sol mich allez dunken guot.

si hât sich wol an mir behuot, diu reine:

sunder got aleine,

sô weiz die frouwen nieman diech dâ meine.

Ich muoz dem mânen sînen schîn

benemen, sol ich si behaben:

sô lônet mir diu frowe mîn,

mag ich die werlt al umbegraben.

Meht ich gefliegen als ein star,

sô tæt diu liebe des ich ger, 20

und hôhe sweiben als ein ar

und ich ze mâle tûsent sper

zertæte als mîn her Gamuret

vor Kamvoleis mit rîcher tjost,

sô tæt diu frouwe mîne bet:

sus muoz ich haben hôhe kost.

ich hân den muot,

swaz si mir tuot,

daz sol mich allez dunken guot

si hât sich wol an mir behuot, diu reine:

sunder got aleine,

sô weiz die frouwen nieman diech dâ meine. 10

Si giht, müg ich der Elbe ir fluz

benemen, sô tuo si mir wol,

dar zuo der Tuonowe iren duz:

ir herze ist ganzer tugende vol.

den salamander muoz ich ir

gebringen ûz dem fiure her,

sô wil diu liebe lônen mir

und tuot ze mir des ich dâ ger.

mag ich den regen und den snê

erwenden, des hœr ich si jehen, 20

dar zuo den sumer und den klê,

sô mac mir liep von ir geschehen.

ich hân den muot,

swaz si mir tuot,

daz sol mich allez dunken guot.

si hât sich wol an mir behuot, diu reine:

sunder got aleine,

sô weiz die frouwen nieman diech dâ meine.

_Die Herrin will die Dienste mir

Vergelten, die sie hat empfahn:

Das sollt ihr Alle danken ihr;

Sie hat so wohl an mir gethan.

Wenn ich ihr wenden kann den Rhein,

Dass er nicht mehr vor Coblenz geh,

So will sie thun den Willen mein:

Weiss ich den Sand ihr von der See

Zu bringen, drein die Sonne sinkt

Zur Ruh, so will sie mir gewähren;

Den Stern auch, der darüber blinkt:

Den will sie nicht von mir entbehren.

Mir ist zu Muth,

Was sie mir thut, 10

Das soll mich Alles dünken gut.

Sie nahm an mir die Ehr in Hut, die reine;

Ausser Gott alleine,

So weiss die Holde Niemand, die ich meine.

Ich muss dem Monde seinen Schein

Benehmen, wenn ich sie soll haben:

So lohnet mir die Fraue mein,

Mag ich die Erde rings umgraben;

Sieht sie mich fliegen wie ein Staar,

So thut sie, was ich nur begehre, 20

In Lüften schweben wie ein Aar,

Dazu auf einmal tausend Speere

Verthun, wie einst Herr Gamuret

Mit reicher Tjost vor Kanvoleis,

So thut sie, was ich lang gefleht,

Sie wird mir hold um solchen Preis.

Mir ist zu Muth,

Was sie mir thut,

Das soll mich alles dünken gut.

Sie nahm an mir die Ehr in Hut, die reine;

Ausser Gott alleine

So weiss die Holde Niemand, die ich meine. 10

Nehm ich der Elbe nur den Fluss,

So thut sie Alles, was sie soll,

Der Donau nur den jähen Schuss;

Ihr Herz ist ganzer Tugend voll.

Den Salamander muss ich ihr

Nur aus dem Feuer bringen her,

So will die Liebe lohnen mir

Und leisten jegliches Begehr.

Mag ich den Regen und den Schnee

Verhindern, das verhiess sie mir, 20

Dazu den Sommer und den Klee,

So mag mir wohlgeschehn von ihr.

Mir ist zu Muth,

Was sie mir thut,

Das soll mich Alles dünken gut.

Sie nahm die Ehr an mir in Hut, die reine,

Ausser Gott alleine

So weiss die Holde Niemand, die ich meine._

_GOTTFRIED VON NEIFEN._

[_Scherer D._ 215, _E._ 207.]

Ein schwäbischer Ritter, dessen Name in würtembergischen Urkunden

zwischen 1234-1255 erscheint. Herausgegeben in v. d. Hagens Minnesinger

IV, 80; und von Haupt (Leipzig 1851).

Nu stêt diu liebe heide bar

der wunnenclîchen bluomen und der liehten rôsen rôt.

der walt hât sich enkleidet gar:

des lîdent aber diu kleinen vogellîn vil grôze nôt.

waz klage ich tumber vogele sanc?

wan klage ich niht die swæren zît

daz ich der minneclîchen hân gedienet allez âne danc? 10

Si lône mir, si lône niht,

sô ist si doch mîs herzen trôst und ouch diu vrowe mîn.

ich diene ouch ir, swaz mir geschiht.

si muoz diu êrste und ouch mîn leste unz an mîn ende sîn.

ir ougen blic der vie mich sô

daz ich von ir niht scheiden mac,

swie selten mich diu herzeliebe hât gemachet frô.

Sist tougen in mîs herzen grunt

die ich von êrst ze herzelieber frouwen mir erkôs.

dâ von sô wirt ez ungesunt.

was schât der lieben daz si schœne ist unde dâ bî lôs?

von liebe kan ich niht gesagen:

mir wart sô liebes nie niht mêr;

des wolde ich ûf genâde gerne ein glüendez îsen tragen. 10

_Nun steht die liebe Haide bar

Der wonniglichen Blumen und der lichten Rosen roth.

Entkleidet hat der Wald sich gar:

Drum leiden wieder kleine Vögelein so grosse Noth.

Was klag ich Thor der Vöglein Sang?

Was klag ich nicht die schwere Zeit, 20

Da ich der Minniglichen dienen musste sonder Dank?_

_Sie lohne mir, sie lohne nicht,

Sie ist doch meines Herzens Trost und ist die Fraue mein.

Ich dien ihr, was sie immer spricht,

Sie muss die Erste, Letzte mir bis an mein Ende sein.

Sie fieng mich mit der Augen Pracht,

Dass ich nicht scheiden mag von ihr,

Wie selten mich die Herzgeliebte noch hat froh gemacht._

_Sie wohnt in meines Herzens Grund,

Die ich schon früh zu lieber Herrin mir erwählte frei:

Davon wird es krank und wund;

Was mag ihr schaden, dass sie schön ist und auch los dabei?

Von Freude weiss ich nicht zu sagen;

Doch freut nichts Andres mich so sehr,

Darauf um Gnade wollt ich gern ein glühend Eisen

tragen._ 20

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 122 / 276 题