KÖNIG OTTOKARS VON BÖHMEN TOD.

Do chünig Otakcher erspeht

daz in von newen dingen veht[112]

ein schar deu noch was geruet[113],

vil sere in daz muet[114].

daz was sin pet und sin gepot

daz man hern Milot

hiez pald riten zue.

nu hœrt waz her Milot tue.

er gedaht dar an ze hant[115]

daz im sin prueder was verprant 10

in dem turn datz[116] dem Eichorn.

da von was er[117] gar verlorn.

swaz man nach im moht gesenden,

er pegunde danne wenden

und cherte bi der Marich ze tal.

er enruecht[118], wer daz wal[119]

da behabt[120] oder verlos,

gemechlich vluht er erchos,

wan im jait[121] niemen nach.

do der chünig von Peheim sach 20

daz er niht trostes an im het,

do wær er an der stet[122]

gern chomen ouz dem strouz.

selb vierder drang er ouz

und ander nieman mer

tet mit im dannecher.[123]

hin durch begund er gahen;[124]

vil schier in ersahen

umb die er daz het versolt,[125]

daz si im niht warn holt;

die legten sich mit nid ouf in,

vor in triben si in hin 10

ouz dem strit ouf den plan.

da wolt mit in gevohten han

chünig Ottakcher der zier:

do wurden der vier

die zwen ze tod erslagen.

do muest er sich lazen jagen.

war dannoch der ein cham,

zu der zit ich des niht vernam,

ich hort aber her nach jehen[126],

er wær ouch toter da gesehen. 20

Owe des schaden, owe!

ich fürht daz ez niht wol erge,

sit er alein ist beliben.

vaste si in umb triben.

doch wizzet sicherlichen

daz von Pern an hern Dietrichen

solich ellen[127] nie wart schin[128]

gegen Sifrid dem hürnin

in dem rosengarten,

als man von Peheim den zarten[129]

da sach begen und tuen.

do er dhein suen[130]

moht umb seu erwerben,

er sprach ‘waz sol eu min sterben,

daz ir min pluet welt verrern[131]?

pringt ir mich ewrm hern

lemptigen[132] gevangen,

daz ist eu wol ergangen.

swaz halt er an mir tuet,

peiden an ern und mit guet

frumt[133] ez eu ser

hin für immer mer.’

Ouf die red si ahten niht.

vil gar was ez enwicht[134]

swaz er gepiten moht,

lüzel[135] im daz toht[136].

Die red wil ich machen churz:

den chünig si mit einem sturz

von dem orse[137] prahten.

als lang si mit im vahten

unz daz er werlos peleib.

der ein do ouf in treib;

sins sterbens den gelust,

dar umb er im in die prust

ein gespitztez swert stach

daz man ez anderhalben[138] sach.

dannoch wand[139] er genesen[140].

er sprach ‘hei lat noch gewesen,

ir ziern helde, daz ich leb.

ewer ieglicher mir vergeb,

ob ich iht han

wider eu getan, 10

und lat mich nach den schulden[141]

chomen zu ewern hulden,’

sprach der chünig von Peheim.

‘ir geltet[142] mir den oheim,

von Mernberg hern Sifrit,’

sprach der ein, ‘der ich mit

nihten wird ergetzt,[143]

wan daz ir hie geletzt[144]

wert von miner hant.’

niemen in des erwant[145]. 20

er hurte[146] so hin

und stach daz mezzer in in

bi dem hals ze tal.

da von tet er einen val

für tot ouf die erden.

ligen liezen si den werden.

niht lenger si do piten[147],

wider in daz her si riten,

die in da heten versert[148]

und sin pluet verrert.

Niemen mich darumb frag,

wan ich sin doch niht ensag

wer die selben wærn,

von der hazz und geværn[149]

also verderbt wart

der chünig von hoher art.

stætlich siht man han

einen ambtman

in ir höven die fürsten

swenn die leut erdürsten,

die in des ziehen ze rat:

des ambtes nam der ein hat,

der den chünich da betoubt[150];

deu het er beroubt

ein teil siner ern,

do man sin ze hern

jach in Osterrich.

deu sach ist so heimlich,

daz si mir niht füegt ze sprechen,

die er an im begunde rechen.

Wer der ander was,

der daz grüen gras

mit sinem pluet netzt

und der sich da ergetzt

mit sinem pluet rot

sines freundes tot,

den er im verderbt het,

den mügt ir hie ze stet

bi der sipp wol erchennen:

er füegt mir niht ze nennen.

Chünig Ruedolfen chomen mær

daz der Peheim chünig gevangen wær.

genad sagt er des got,

iedoch was daz sin gepot,

daz man in fuert zu dem vanen.

dar an begund in manen

her Ott von Liehtenstein;

ein sach niht ze chlein

pesargt dar an

der selb wis man,

wan ez ist e ergangen,

so hohe fürsten sint gevangen, 10

daz si mit gab machen plint

die in der gewalt si sint,

daz si in wider helfent hin.

dar umb hiez er in

her zue dem vanen fuern.

nu sach man dort her ruern[151]

einen andern poten,

der sagt den chünich toten.

do si von im warn geriten,

die sin verch[152] heten versniten, 20

do wart der ellenhaft[153],

der an mänlicher chraft

nie het gewunnen meil[154]

den pueben[155] ze teil.

die machten in ploz und par,

wan si zugen im ab gar

harnasch und chleider

also daz er der peider

mit nihten was pedakcht:

todwund[156] lag er nakcht. 30

an der selben zit

chom geriten ouz dem strit

von Emerberig her Perhtolt,

als er da von niht wizzen solt.

sin houbt legt er in sin schoz;

er chlagt daz er was ploz.

der von Perichtoltsdorf

über in do warf

einen schapproun[157],

den nam er sinem garzoun[158];

er pegund in mit wazzer laben.

ob im sach man do haben

michel volkch daz dar zue zoch,

der manigen hueb ez gar unhoch[159],

daz mit im het der strit ein end.

dem trukchsæzen in der hant

der chünich Otakcher starb,

der ie nach hohem pris warb.

hie lag erslagen ouf dem plan

der aller tewrist man,

die ie getruech chron,

wan daz er nach der Welt lon

mit aller siner maht

al ze sere vaht[160]:

swaz nach der werlt gezeuht[161],

nihtes er des scheuht,

er dient der werlt da mit:

daz ist ein ungueter sit

an den chünigen gerlich[162],

die zepter chron und rich

dar umb man siht nemen,

daz seu des sol gezemen,

daz si behalten deu gepot,

deu da ziehent zue got,

wan ist daz war, daz man seit, 10

daz nieman mit gewarheit[163]

mag gedienen zwein hern,

die niht gelicher ding gern[164],

so ist ouch unwendig[165] daz:

swer niht wil gotes haz

und sinen zorn liden,

der muez die welt vermiden,

wan deu werch der si gert,

deu sint vor got unwert.

des vermeit niht der wakcher 20

von Peheim chünig Otakcher.

_DAS LEBEN DER HEILIGEN ELISABETH._

[_Scherer D._ 193, _E._ 185.]

Das Leben der heiligen Elisabeth, Landgräfin von Thüringen, ist

nach 1297 von einem unbekannten Dichter geschrieben, von dem auch

die ‘Erlösung’ herrührt. Zu Grunde liegt die lateinische vita

Dietrichs von Apolda. Herausgegeben von Rieger (Stuttgart 1868).

In Düringer lande ein fürste saz

der sich gar selten ie vergaz

an dugenden joch an êren.

sîn herze in kunde lêren

und ouch sîn ellenthafter muot

daz er kost unde ander guot

gab wol mit rîlîcher hant.

er hatte bürge, kreftec lant,

und dâ zuo herren gülte vil.

er sach gar gerne ritter spil.

er was geheizen Herman,

wan er ein kreftec her gewan, 10

wie balde daz er wolde,

alse er ez haben solde.

sîn name floug ûz verre.

lantgrâve was der herre

in Düringen als iuch ist geseit.

die liude wâren sîn gemeit

und sîner wirdekeide frô,

wande sîn gemüede stuont alsô,

daz er in fride mahte,

und ungenâde abe lahte. 20

dugent was im ungespart.

sîn künne was von hôher art:

der künic von Bêheimer lant,

der künic Ôdaker was genant

(der wart leider irslagen sint),

unde er die wâren süster kint.

waz sülde langer rede mê?

der herre hatte zuo der ê

eine dugenthafte frouwen.

ir lob was unferhouwen. 30

si was nâch frowelîcher art

an hôhen êren ungespart.

ir name was Sophye.

die edel unde frîe

hatte frouwelîche side;

ir wonte zucht unde êre mide,

alse einer frouwen rechte quam

di eime fürsten wol gezam

zuo fleze unde ouch zuo bette,

di sînen rât begette

an allen dingen rehte.

ritter unde knehte

in wâren dienstes underdân 10

wie dicke si iz solten hân.

ir schîbe lief gar ebene.

in zæme wol zuo lebene

mit einander ummer mê.

früntlîche hîlden si ir ê.

gnâde was in unferzihen.

nâch wunsche hatte in got verlihen

einen keiserlîchen suon,

geboren an daz fürstenduon:

der was geheizen Lodewîg. 20

er wuos ûf alse ein meien zwîg.

in sîner kintlîchen jugent

zucht unde êre unde alle dugent

nâch fürstelîchen êren

hîz in der vader lêren,

alse er hât bezöuget sint.

noch hatten si driu ander kint:

Cuonrâden unde Heinrich,

unde eine dochter lobelich:

di was geheizen Agnes. 30

si beide fröuweten sich des

gar gedriuwelîche.

der werde fürste rîche

was zuo koste swinde.

grôz was sîn ingesinde

von knehten und von mâgen,

die sîn mit dienste plâgen.

er hatte wirtschaft allen dac.

der fürste ouch hoves dicke plac,

daz in di herren suochten;

di bî ime ouch geruochten 10

zuo drîbene kurzewîle.

verre über manige mîle

quam ime ritterschefte gnuoc

die alle ir eigen wille druoc,

daz si gerne quâmen dar

unde âventiure nâmen war.

man suochte den wîganden

ûz allen tiuschen landen;

Ungere unde Riuzen,

Sassen unde Priuzen, 20

Denen mit den Winden

sich liezen ouch dâ vinden;

Bêheime und Polâne,

mit grâven di sopâne,

dînstherren unde frîen vil,

di alle suochten ritter spil.

stechen, justieren,

fôresten und durnieren,

wes man ze ritterschefte gert,

des was man alles dâ gewert. 30

dâ was ouch manic hübes man.

des sînen dirre und der began,

wes man vor herren plegen sol.

der fidelte ûz der mâzen wol;

der sluoc die drumen, dirre peif;

der ander süeze wîse greif

an harpen unde an rotten.

Franzôse unde Schotten,

Diutsche unde anders ieder man

sîn ammet wîsen dâ began

unde irzöugen sîne kunst.

si suochten garlîche alle gunst 10

der fürsten und der frîen.

man hôrte dâ schalemîen;

dâ schullen die busûnen.

man sach dâ pauwelûnen,

manic keiserlich gezelt

ûf geslagen an daz felt,

dar under herren lâgen

wanne si raste plâgen.

noch was dâ maniger leige diet.

die sprâchen, dise sungen liet, 20

daz man in meisterschefte jach.

her Wolfram von Essebach,

der Tugenthafte Schrîber,

her Reimâr, und her Walter

von der Vogelweide;

dâ bî was ouch gereide

zuo sange meister Bitterolt.

unde in gefüeger ungedolt

Heinrîch von Ofterdingen:

die alle wolden singen 30

wider ein in krîges wîs,

wer dâ behîlde sanges prîs.

Nu was ouch meister Clinsor

geladen an die selben for,

von Sibenbürge ûz Ungerlant,

deme aller dinge was bekant

die nigromanzîe;

ûz astrônomîe

kunde er schœne meisterschaft;

aller elementen craft,

der sunnen langen ummesweif,

des mânen zirkel unde reif,

oryzon und zôdyacus 10

unde ouch der polus articus,

des firmamentes ummeganc,

der planêten widerfanc

unde aller sterren orden

sûden unde norden,

ôsten unde westen:

des hatte er keinen bresten;

er kente ez allez sament gar.

nu was er iezuo kumen dar

zuo Ysenache al in di stat. 20

zuo hove er dannoch nit indrat:

ein herbürge er suochte;

dâ inne ouch he geruochte,

alse er hatte sich erwegen,

gemaches sunderlîche plegen.

von golde was er rîche:

er hatte jærlîche

wol driu dûsent marke wert.

er hatte zere unde eigen pert;

mit selbes ingesinde

was er zuo koste swinde.

sô er nu zuo sâze quam,

des dages lieht ein ende nam;

zuo dal di sunne was genigen

und der âbent zuo gesigen,

biz er sich engeste,

unde ouch ein teil gereste.

sô man daz âbentimmez gaz,

her Clinsor an den luft gesaz, 10

an daz weder durch gemach.

der sterren louf er dâ gesach;

he sach dar unde aber dar.

er nam ir âventiure war;

ir ampâre he gar balde entsuob,

dô sich ir parlament erhuob

daz si driben under ein.

der sterre enbran, und dirre schein;

sô lûchte der gar schône

an sîme stadelthrône. 20

mit flîze warten er in began.

zuo jungest sprach ein edel man,

der ime was gesezzen bî

‘ey meister, saget waz iz sî

des ir goume hât genomen.

hât ir niuwes icht vernomen?

obe iz sî an iuwer stade,

iz sî gefüerlich oder schade,

sô lât uns, herre, werden kunt

den selben wunderlîchen funt 30

und den godelîchen rât

des ir goume genomen hât

an der sterren brünste.

wol iuch der werden künste

die godes willen unde muot

iuch, meister herre, wizzen duot.’

Her Clinsor smunzete unde sprach

‘got büeze iuch, herre, iuwe ungemach

unde allen iuwen werren!

ich hân an disen sterren

erkoren niuwe mære, 10

die sint unschadebære.

doch alles daz ich hân gesehen,

des wil ich, herren, iuch verjehen

unferholen über lût.

iz sol mîn frouwe Gêrdrût,

von Ungerlant di künegîn,

noch hînt in dirre nacht gelîn:

eine hêre dochter si gebirt,

di ein êwic liuchte wirt,

ein heilwâge unde ein wünne, 20

ein spiegel in ir künne.

sô diz dinc alsô ergêt,

man doufet si Elyzabêt.

si sol gar dugentlîche leben.

zuo lande wirt si her gegeben

des fürsten sune in dirre stede.’

‘heil walde is! daz sint guode rede’

sprâchen alle hinne dô

di dirre sache wâren vrô.

_Im Thüringer Lande sass ein Fürst,

der sich gar selten je vergass

an Tugenden und an Ehren.

Sein Herz konnte ihn lehren

und auch sein Heldensinn,

dass er Kost und andres Gut

wohl gab mit reichlicher Hand.

Er hatte Burgen, grosses Land,

und dazu Herrenabgaben viel.

Er sah gar gerne Ritterspiel.

Er war Hermann genannt,

weil er ein grosses Heer fand, 10

sobald als er wollte,

wenn er es haben sollte.

Sein Name flog weit hinaus.

Landgraf war der Herr

in Thüringen, wie euch gesagt ist.

Die Leute waren seiner fröhlich,

und seiner Herrlichkeit froh,

denn sein Sinn war so,

dass er ihnen Friede schaffte

und Unglück weg trieb. 20

Tugend war ihm reichlich,

sein Geschlecht war von hoher Art:

der König von Böhmenland,

der König Odaker genannt war,

(der ward leider seitdem erschlagen)

und er, sie waren Geschwisterkind.

Was sollte längere Rede mehr?

Der Herr hatte zur Ehe

eine tugendhafte Frau.

Ihr Lob war unangetastet. 30

Sie war nach Art edler Frauen

an hohen Ehren reich.

Ihr Name war Sophie.

Die Edle und Freie

hatte fraulichen Anstand;

ihr wohnte Zucht und Ehre bei,

wie es einer Frau von Recht zukam,

die einem Fürsten wohl ziemte

im Zimmer und im Bette,

die seinen Nutz bedachte

an allen Dingen recht.

Ritter und Knechte

waren ihnen dienstlich unterthan 10

wie oft sie es haben sollten.

Ihr Glücksrad lief gar glatt.

Sie sollten wohl leben

für immer zusammen.

Liebend hielten sie ihre Ehe,

Gnade war ihnen unversagt.

Nach Wunsche hatte Gott ihnen verliehen

einen stattlichen Sohn,

geboren für das Fürstenthum:

der war Ludwig genannt. 20

Er wuchs auf wie ein Maienzweig.

In seiner kindlichen Jugend

befahl der Vater ihm zu lehren

Zucht und Ehre und alle Tugend

nach fürstlichen Ehren,

wie er seither bezeugt hat.

Noch hatten sie drei andre Kinder:

Konrad und Heinrich,

und eine lobesame Tochter,

die war Agnes genannt. 30

Sie beide freuten sich darüber

gar getreulich.

Der edle reiche Fürst

war schnell im Ausgeben.

Gross war sein Gefolge

von Knechten und Verwandten,

die sein im Dienste pflegten.

Er hatte Gastmahl jeden Tag.

Der Fürst hielt auch oft Hof,

dass ihn die Herren besuchten,

die auch bei ihm geruhten 10

Kurzweil zu treiben.

Von fern her über manche Meilen

kam zu ihm viel Ritterschaft,

die alle ihr eigner Wille brachte,

dass sie gern dahin kamen

und Abenteuer vernahmen.

Man besuchte den Helden

aus allen deutschen Landen;

Ungarn und Russen,

Sachsen und Preussen, 20

Dänen mit Wenden

liessen sich auch da finden.

Böhmen und Polen,

mit Grafen auch die slavischen Edlen,

Dienstherren und viel Freie,

sie alle suchten Ritterspiel.

Stechen, kämpfen,

jagen und turnieren,

was man zur Ritterschaft begehrt,

das alles war da zu finden. 30

Da war auch mancher höfische Mann.

Dieser und jener begann mit dem Seinen,

was man vor Herren thun soll.

Der geigte über Massen gut;

der schlug die Trommel, jener pfiff;

der Andre griff süsse Weisen

auf der Harfe und der Rotte.

Franzosen und Schotten,

Deutsche und jeder andre Mann

begann da sein Amt zu zeigen

und seine Kunst zu bezeugen.

Sie suchten gar sehr alle Gunst 10

der Fürsten und der Freien.

Man hörte da Schalmeien;

da klangen die Posaunen.

Man sah da Pavillons,

manch herrlich Zelt

aufgeschlagen im Feld,

darunter die Herren lagen,

wenn sie der Rast pflegten.

Noch war da mancherlei Volk,

die sprachen, die sangen Lieder, 20

dass man ihnen Meisterschaft zugestand.

Herr Wolfram von Eschenbach,

der tugendhafte Schreiber,

Herr Reimar, und Herr Walther

von der Vogelweide;

dabei war auch bereit

zu singen Meister Biterolt,

und in höflicher Ungeduld

Heinrich von Ofterdingen:

die Alle wollten singen 30

gegeneinander im Kampfe,

wer da des Sanges Preis behielte.

Nun war auch Meister Clinsor

geladen zu denselben Vorgenannten,

von Siebenbürgen aus Ungarland,

dem gänzlich bekannt war

die Zauberkunst;

in der Astronomie

verstand er schöne Meisterschaft;

aller Elemente Kraft,

der Sonne langen Umlauf,

des Mondes Zirkel und Kreis,

Horizont und Zodiacus, 10

und auch der Polus articus,

des Firmaments Umgang,

der Planeten Gegenfang (entgegenstrebende, einhaltende

Bewegung),

und aller Sterne Heer

im Süden und Norden,

im Osten und Westen:

dessen hatte er keinen Mangel,

er kannte es Alles ganz und gar.

Nun war er jetzund dahin gekommen

nach Eisenach in die Stadt. 20

Zu Hof gieng er jedoch nicht:

er suchte eine Herberge;

darinnen wünschte er auch,

wie er sich entschlossen hatte,

der Ruhe allein zu pflegen.

Er war reich an Gold:

er hatte jährlich

wohl dreitausend Mark.

Er hatte seine eigene Zehrung und Pferd;

mit seiner Dienerschaft

war er stäts freigebig.

Als er nun zur Ruhe kam,

des Tages Licht ein Ende nahm;

die Sonne war untergegangen

und der Abend neigte sich,

bis er sich entkleidet

und etwas geruht hatte.

Als man das Abendessen genommen,

setzte sich Herr Clinsor in die freie Luft, 10

um sich zu erholen.

Er sah da der Sterne Lauf;

er sah hin und wieder hin.

Er nahm ihre Abenteuer wahr,

ihre Gebehrden merkte er gar bald,

als sich ihr Parlament erhob,

das sie untereinander trieben.

Der Stern entbrannte, und jener schien,

so leuchtete der gar schön

auf seinem festen Throne. 20

Er begann ihn mit Fleiss zu beobachten.

Zuletzt sprach ein Edelmann,

der ihm zur Seite sass:

‘Ei Meister, sagt, was es sei,

worauf ihr Acht genommen habt.

Habt ihr etwas Neues vernommen?

Wenn es Euch ansteht,

es sei nützlich oder schädlich,

so lasst uns, Herr, kund werden

dieselbe wunderbare Entdeckung 30

und den göttlichen Rathschluss,

dessen ihr Acht genommen habt

am Glanze der Sterne.

Wohl euch für die werthen Künste,

die Gottes Wille und Sinn

euch, Meister und Herr, zu wissen thut.’

Herr Clinsor schmunzelte und sprach:

‘Gott bessre euch, Herr, euer Ungemach

und alle eure Leiden!

Ich habe an diesen Sternen

neue Märe erfunden, 10

die sind schadlos.

Doch alles, was ich gesehn habe,

das will ich euch, ihr Herren, sagen

unverhohlen und ganz deutlich.

Es wird meine Frau Gertrud,

von Ungarland die Königin,

noch heut in dieser Nacht niederkommen:

sie gebiert eine hehre Tochter,

die eine ewige Leuchte wird,

ein Heilwasser und eine Wonne, 20

ein Spiegel ihres Geschlechts.

Wenn die Sache dann ergeht,

so tauft man sie Elisabeth.

Sie wird gar tugendlich leben.

Sie wird her zu Land gegeben

dem Sohn des Fürsten in dieser Stadt.’

‘Heil walte dessen! das sind gute Reden,’

sprachen alle drinnen da,

die dieser Sache froh waren._

Fußnoten:

[22] d. h. Gott, weil der Name Jehova ebräisch mit vier

Buchstaben geschrieben ward.

[23] Frau Aventüre.

[24] mehr als ein Saumthier tragen kann.

[25] Quell.

[26] Strom.

[27] Ohmet, zweite Mahd.

[28] geschmückt.

[29] Schatten spendender Hut.

[30] Getreide.

[31] heute, in der wirklichen Gegenwart.

[32] zu malen im Stande wäre.

[33] bewässerte Wiese.

[34] Geschlecht.

[35] weit mehr Verstand hätte.

[36] fürwahr.

[37] to be.

[38] Gewänder.

[39] to look on.

[40] weil.

[41] bis zu Ende, d. i. alle.

[42] sehr zierlich.

[43] Ausstattung.

[44] mit Gold und Edelsteinen geschmückt.

[45] Freigebigkeit.

[46] geblinzelt, verstohlen geblickt.

[47] Rosenzweig.

[48] lacht.

[49] Tadel.

[50] Vollkommenheit.

[51] glänze.

[52] Beflissenheit.

[53] bis auf.

[54] schmerzlich.

[55] Pfeil.

[56] Gerichtsstätte.

[57] Zögern.

[58] schiefe Lage.

[59] mache grade.

[60] Missgeschick.

[61] mir nachstellt.

[62] Freudenlärm bei ritterlichen Festen.

[63] Kunst.

[64] Schicklichkeit, edle Bildung.

[65] üblich, gäng und gäbe.

[66] oft.

[67] dahineilen.

[68] Noth.

[69] um... Willen.

[70] schelte.

[71] rechne an, vergelte.

[72] war ihr zu viel.

[73] mir vorwirft.

[74] Altar.

[75] kümmerlich.

[76] die schlichte, einfache.

[77] ausser vor Zeiten.

[78] Gepränge, Lärmen.

[79] die hoch erwählten.

[80] Hier ist in der Überlieferung eine Lücke. Aus dem Zusammenhange

geht hervor, dass an dieser Stelle die Zeuginnen Wahrheit und Stäte

auftraten, um gegen die vorher erwähnten ‘herren, ritter, knehte’

auszusagen und diese als Dienstmannen der Milde hinzustellen.

[81] ir, d. i. der Milde.

[82] gibt.

[83] feile Waare.

[84] bezieht sich auf die Dienstmannen der Milde, von denen in der

verloren gegangenen Zeugenaussage die Rede war.

[85] Kleinod, hier verächtlich = Flitterwerk.

[86] d. i. unwerthes Metall.

[87] pflegt.

[88] Fleck, Sünde.

[89] zum Lohne.

[90] trägt.

[91] urtheilst.

[92] fahrendem Volk.

[93] zum Zwecke irgend welcher Belohnung.

[94] das Drohen ihrer schimpflichen Behandlung.

[95] sich bemüht um.

[96] wirklich, in der That.

[97] schnell, auf der Stelle.

[98] lasst uns machen.

[99] um die Wette.

[100] d. h. im Falle sie ihr Amt pflichtgemäss ausübte.

[101] würden wir anstellen.

[102] möge sich selber Einhalt thun.

[103] sich auf Laster verstehe.

[104] die fröhliche.

[105] Mangel an Bildung.

[106] lieb hat.

[107] mögen sich entfremden.

[108] Kunz, Koseform des Namens Kuonrad.

[109] Trauer.

[110] Glück.

[111] d. h. wer der Kunst gegenüber wankelmüthig ist.

[112] befehdete.

[113] ausgeruht.

[114] bekümmerte.

[115] sofort.

[116] dort bei.

[117] d. i. Ottokar.

[118] kümmert sich nicht.

[119] Walstatt, Kampfplatz.

[120] behauptete.

[121] jagt.

[122] sogleich.

[123] wandte sich mit ihm hinweg.

[124] eilen.

[125] verdient.

[126] sagen.

[127] Kraft, Muth.

[128] nie gesehen wurde.

[129] fein, stattlich.

[130] Versöhnung, Frieden.

[131] vergiessen.

[132] lebendig.

[133] frommt, bringt Nutzen.

[134] ein Nichts.

[135] wenig.

[136] taugte, half.

[137] Ross.

[138] auf der andern Seite.

[139] hoffte.

[140] am Leben zu bleiben.

[141] meiner Verpflichtung zur Busse entsprechend.

[142] büsst für den Tod.

[143] gebüsst.

[144] geschädigt, verletzt.

[145] hielt davon ab.

[146] rannte los.

[147] warteten.

[148] verwundet.

[149] Hinterlist, Gefährdung.

[150] betäubte, besinnungslos machte.

[151] antrieben, d. i. das Ross.

[152] Leben.

[153] mannhafte.

[154] Fleck.

[155] Trossknechten.

[156] mit dem Tode ringend.

[157] Kaputze, kurzer Mantel, franz. _chaperon_.

[158] franz. _garçon_.

[159] machte so wenig aus.

[160] strebte, rang.

[161] sich nachzieht, dazu gehört.

[162] gänzlich.

[163] Sicherheit.

[164] begehren, verlangen.

[165] unabwendbar.

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 106 / 276 题