Dô reit von Tronje Hagne ‖ zaller vorderôst:
er was den Niblungen ‖ ein helflîcher trôst.
do erbeizte der degen küene ‖ nider ûf den sant,
sîn ros er harte balde ‖ zuo eime boume gebant. 20
Daz wazzer was engozzen, ‖ diu schif verborgen:
ez ergie den Niblungen ‖ zen grôzen sorgen,
wie si kœmen übere: ‖ der wâc was in ze breit.
do erbeizte zuo der erden ‖ vil manic rîter gemeit.
‘Belîbet bî dem wazzer, ‖ ir stolzen rîter guot.
ich wil die vergen suochen ‖ selbe bî der fluot,
die uns bringen übere ‖ in Gelpfrâtes lant.’
dô nam der starke Hagne ‖ sînen guoten schildes rant.
Er was wol gewâfent. ‖ den schilt er dannen truoc,
sînen helm ûf gebunden: ‖ lieht was er genuoc. 10
dô truoc er ob der brünne ‖ ein wâfen alsô breit,
daz ze beiden ecken ‖ vil harte vreislîchen sneit.
Dô suohte er nâh den vergen ‖ wider unde dan.
er hôrte wazzer giezen: ‖ losen er began.
in einem schœnen brunnen ‖ tâten daz wîsiu wîp:
die wolten sich dâ küelen ‖ unde badeten iren lîp.
Hagne wart ir innen, ‖ er sleich in tougen nâch.
dô si daz versunnen, ‖ dô was in dannen gâch.
daz si im entrunnen, ‖ des wâren si vil hêr.
er nam in ir gewæte: ‖ der helt enschadete in niht mêr.
Dô sprach daz eine merwîp ‖ (Hadburc was si genant)
‘edel rîter Hagne, ‖ wir tuon iu hie bekant,
swenne ir uns gebet widere ‖ unser gewant,
wie iu sî ze den Hiunen ‖ iwer hovereise gewant.’
Si swebten sam die vogele ‖ vor im ûf der fluot:
des dûhten in ir sinne ‖ starc unde guot: 10
swaz si im sagen wolden, ‖ er geloubte in dester baz.
des er dô hinze in gerte, ‖ wol beschieden si im daz.
‘Ir muget wol rîten ‖ in Etzelen lant.
des setze ich iu ze bürgen ‖ mîn triwe hie zehant,
daz helde nie gefuoren ‖ in deheiniu rîche baz
nâch alsô grôzen êren: ‖ nu geloubet wærlîchen daz.’
Der rede was dô Hagne ‖ in sîme herzen hêr:
dô gab er in ir kleider ‖ und sûmte sich niht mêr.
dô si an geleiten ‖ ir wunderlich gewant,
dô sageten sim rehte ‖ die reise in Etzelen lant.
Dô sprach daz ander merwîp ‖ (diu hiez Siglint)
‘ich wil dich warnen, Hagne, ‖ Aldrîânes kint.
durch der wæte liebe ‖ hât mîn muome dir gelogen:
kumstu zen Hiunen, ‖ sô bistu sêre betrogen.
Jâ soltu wider kêren: ‖ daz ist an der zît;
wan ir helde küene ‖ alsô geladen sît 10
daz ir sterben müezet ‖ in Etzelen lant.
swelhe dar gerîtent, ‖ die habent den tôt an der hant.’
Dô sprach in grimmem muote ‖ der küene Hagene
‘daz wære mînen hêrren ‖ müelich ze sagene,
daz wir zen Hiunen solden ‖ verliesen alle en lîp.
nu zeig uns überz wazzer, ‖ aller wîseste wîp.’
Si sprach ‘sît du der verte ‖ niht wellest haben rât,
swâ oben bî dem wazzer ‖ ein herberge stât,
dar inne ist ein verge, ‖ und nindert anderswâ.’
der mære der er vrâgte, ‖ der geloubet er sich dâ.
Dem ungemuoten recken ‖ sprach diu eine nâch
‘nu bîtet noch, er Hagene: ‖ jâ ist iu gar ze gâch.
vernemet noch baz diu mære, ‖ ir sult iuch wol bewarn,
und sult ouch mit dem vergen ‖ vil bescheidenlîchen varn.
Der ist sô grimmes muotes, ‖ der lât iuch niht genesen,
irn welt mit guoten sinnen ‖ bî dem helde wesen. 10
welt ir daz er iuch füere, ‖ sô gebet ir im den solt.
her hüetet disses landes ‖ unt ist Gelfrâte holt.
Und komet er niht bezîte, ‖ sô rüefet über fluot,
unt jehet ir heizet Amelrîch. ‖ der was ein helt guot,
der durch vîntschefte ‖ rûmte dize lant.
sô kumet iu der verge, ‖ swenne im der name wirt erkant.’
Der übermüete Hagne ‖ den vrouwen dô neic:
er en reite niht mêre, ‖ wan daz er stille sweic.
dô gie er bî dem wazzer ‖ hôher an den sant,
dâ er anderthalben ‖ eine herberge vant.
Dô ruoft er mit der krefte ‖ daz al der wâc erdôz
von des heldes sterke: ‖ diu was michel unde grôz:
‘nu hol mich Amelrîchen: ‖ ich bin der Elsen man,
der durch starke vîntschaft ‖ von disem lande entran.’
Vil hôhe anme swerte ‖ ein bouc er im dô bôt
(lieht unde schœne ‖ was er und goldes rôt), 10
daz man in über fuorte ‖ in Gelphrâtes lant
der übermüete verge ‖ nam selbe dez ruoder an die hant.
Ouch was der selbe schifman ‖ niulîch gehît.
diu gir nâch grôzem guote ‖ vil bœsez ende gît.
dô wolt er verdienen ‖ daz Hagnen golt vil rôt:
des leit er von dem degne ‖ den swertgrimmegen tôt.
‘Ir muget wol sîn geheizen ‖ bî namen Amelrîch:
des ich mich hie verwæne, ‖ dem sît ir ungelîch.
von vater und von muoter ‖ was er der bruoder mîn.
nu ir mich betrogen hât, ‖ ir müezet dishalben sîn.’
‘Nein durch got den rîchen,’ ‖ sprach dô Hagene.
‘ich bin ein vremder recke ‖ unt sorge ûf degene.
nu nemt vriuntlîche ‖ hin mînen solt,
daz ir mich über füeret: ‖ ich bin iu wærlîchen holt.’
Er huop ein starkez ruoder ‖ michel unde breit,
er sluoc ûf Hagenen ‖ (des wart er ungemeit), 10
daz er in dem schiffe ‖ strûhte an sîniu knie.
sô rehte grimmer verge ‖ kom zuo dem Tronjære nie.
Mit grimmegen muote ‖ greif Hagene zehant
vil balde ze einer scheide, ‖ dâ er ein wâfen vant:
er sluoc im ab daz houbet ‖ und warf ez an den grunt.
diu mære wurden schiere ‖ dô den Burgonden kunt.
In den selben stunden, ‖ dô er den schifman sluoc,
daz schif flôz enouwe: ‖ daz was im leit genuoc.
ê erz gerihte widere, ‖ müeden er began:
doch zôch vil krefteclîche ‖ des künic Guntheres man.
Mit zügen harte swinden ‖ kêrte ez der gast,
unz im daz starke ruoder ‖ an sîner hant zebrast.
er wolde zuo den recken ‖ ûz an einen sant:
dô was dâ heinz mêre: ‖ hei wie schiere erz gebant!
Mit gruoze in wol enphiengen ‖ die edelen rîter guot.
dô sâhens in dem schiffe ‖ riechen daz bluot 10
von einer starken wunden ‖ die er dem vergen sluoc.
dô wart von degnen ‖ Hagne gevrâget genuoc.
Dô sprach er lougenlîche ‖ ‘dâ ich daz schif vant,
bî einer wilden wîden, ‖ dâ lôstez mîn hant.
ich hân deheinen vergen ‖ hiute hie gesehen:
ez ist ouch niemen leide ‖ von mînen schulden geschehen.’
Dô sprach von Burgonden ‖ der hêrre Gêrnôt
‘hiute muoz ich sorgen ‖ ûf lieber vriunde tôt,
sît wir der schifliute ‖ niht bereit hân,
wie wir komen übere. ‖ des muoz ich trûric gestân.’
Lûte rief dô Hagne ‖ ‘leget nider ûf daz gras,
ir knehte, daz gereite. ‖ ich gedenke daz ich was
der aller beste verge ‖ den man bî Rîne vant:
jâ trouwe ich iuch wol bringen ‖ über in Gelfrâtes lant.’
Daz si deste balder ‖ kœmen über fluot,
diu ros si an sluogen: ‖ der swimmen daz wart guot, 10
wan der starken ünden ‖ deheinz in dâ benam.
etlîchez ouwet, ‖ als im diu müede gezam.
Dô truogen si ze sciffe ‖ ir golt und ouch ir wât,
sît si der verte ‖ niht mohten haben rât.
Hagne der was meister: ‖ des fuorter ûf den sant
vil manegen zieren recken ‖ in daz unkunde lant.
Zem êrsten brâht er übere ‖ tûsent rîter hêr,
dar zuo sîne recken. ‖ dannoch was ir mêr:
niun tûsent knehte ‖ fuort er an daz lant.
des tages was unmüezic ‖ des küenen Tronjæres hant.
‘Nu enthalt iuch,’ sprach Hagne, ‖ ‘ritter unde kneht.
man sol vriunden volgen: ‖ jâ dunket ez mich reht.
vil ungefüegiu mære ‖ diu tuon ich iu bekant:
wiren komen nimmer mêre ‖ wider in Burgonden lant.’
Dô flugen disiu mære ‖ von schare baz ze schare.
des wurden snelle ‖ helde missevare, 10
dô si begunden sorgen ‖ ûf den herten tôt
an dirre hovereise: ‖ des gie in wærlîchen nôt.
_Da ritt von Tronje Hagen ‖ den Andern all zuvor;
Er hielt den Nibelungen ‖ wohl den Muth empor.
Da schwang der kühne Degen ‖ sich nieder auf den Sand,
Wo er sein Ross in Eile ‖ fest an einem Baume band._
_Die Flut war ausgetreten, ‖ die Schiff’ verborgen:
Die Nibelungen kamen ‖ in grosse Sorgen
Wie sie hinüber sollten? ‖ das Wasser war zu breit.
Da schwang sich zu der Erde ‖ mancher Ritter allbereit._ 20
_‘Bleibet bei dem Wasser, ‖ ihr stolzen Ritter gut.
Ich selber will die Fergen ‖ suchen bei der Flut,
Die uns hinüber bringen ‖ in Gelfratens Land.’
Da nahm der starke Hagen ‖ seinen guten Schildesrand._
_Er war wohl gewaffnet: ‖ den Schild er mit sich trug,
Den Helm aufgebunden, ‖ der glänzte licht genug;
Überm Harnisch führt’ er ‖ eine breite Waffe mit,
Die an beiden Schärfen ‖ aufs allergrimmigste schnitt._
_Er suchte hin und wieder ‖ nach einem Schiffersmann,
Er hörte Wasser giessen: ‖ zu lauschen hub er an: 30
In einem schönen Brunnen ‖ that das manch weises Weib;
Die wollten sich da kühlen ‖ und badeten ihren Leib._
_Hagen sie gewahrend ‖ wollt ihnen heimlich nahn:
Sie stürzten in die Wellen, ‖ als sie sich des versahn.
Dass sie ihm entronnen, ‖ freuten sie sich sehr;
Er nahm ihnen ihre Kleider ‖ und schadet’ ihnen
nicht mehr._ 20
_Da sprach das eine Meerweib, ‖ Hadburg war sie genannt:
‘Hagen, edler Ritter, ‖ wir machen euch bekannt,
Wenn ihr uns zum Lohne ‖ die Kleider wiedergebt,
Was ihr bei den Heunen ‖ auf dieser Hoffahrt erlebt.’_
_Sie schwebten wie die Vögel ‖ vor ihm auf der Flut.
Ihr Wissen von den Dingen ‖ däuchte den Helden gut:
Da glaubt’ er um so lieber ‖ was sie ihm wollten sagen,
Sie beschieden ihn darüber ‖ was er begann sie zu fragen:_
_Sie sprach: ‘Ihr mögt wohl reiten ‖ in König Etzels Land,
Ich setz euch meine Treue ‖ dafür zum Unterpfand: 30
Es fuhren niemals Helden ‖ noch in ein fremdes Reich
Zu solchen hohen Ehren, ‖ in Wahrheit, das sag ich euch.’_
_Die Rede freute Hagen ‖ in seinem Herzen sehr;
Die Kleider gab er ihnen ‖ und säumte sich nicht mehr.
Als sie umgeschlagen ‖ ihr wunderbar Gewand,
Vernahm er erst die Wahrheit ‖ von der Fahrt in
Etzels Land._ 20
_Da sprach das andre Meerweib ‖ mit Namen Siegelind:
‘Ich will dich warnen, Hagen, ‖ Aldrianens Kind.
Um der Kleider willen ‖ hat meine Muhm gelogen;
Und kommst du zu den Heunen, ‖ so bist du schmählich betrogen.’_
_‘Wieder umzukehren, ‖ wohl wär es an der Zeit,
Dieweil ihr kühnen Helden ‖ also geladen seid,
Dass ihr sterben müsset ‖ in König Etzels Land:
Die da hinreiten, ‖ haben den Tod an der Hand.’_
_Da sprach in grimmem Muthe ‖ der kühne Recke Hagen:
‘Das liessen meine Herren ‖ schwerlich sich sagen, 30
Dass wir bei den Heunen ‖ verlören all den Leib:
Nun zeig uns übers Wasser, ‖ du allerweisestes Weib.’_
_Sie sprach: ‘Willst du nicht anders ‖ und soll die Fahrt geschehn,
So siehst du überm Wasser ‖ eine Herberge stehn:
Darinnen wohnt ein Fährmann ‖ und nirgend sonst umher.’
Der Mär, um die er fragte, ‖ glaubte nun der Degen hehr._ 20
_Dem unmuthsvollen Recken ‖ rief noch die eine nach:
‘Nun wartet, Herr Hagen, ‖ euch ist gar zu jach;
Vernehmet noch die Kunde, ‖ wie ihr kommt durch das Land.
Der Herr dieser Marke, ‖ der ist Else genannt._
_Der ist so grimmes Muthes, ‖ er lässt euch nicht gedeihn,
Wollt ihr nicht verständig ‖ bei dem Helden sein.
Soll er euch überholen, ‖ so gebt ihm guten Sold;
Er hütet dieses Landes ‖ und ist Gelfraten hold._
_Und kommt er nicht bei Zeiten, ‖ so rufet über Flut,
Und sagt, ihr heisset Amelreich; ‖ das war ein Degen gut, 30
Der seiner Feinde willen ‖ räumte dieses Land:
So wird der Fährmann kommen, ‖ wird ihm der Name bekannt.’_
_Der übermüthge Hagen ‖ dankte den Frauen hehr.
Der Degen schwieg stille, ‖ kein Wörtlein sprach er mehr;
Dann gieng er bei dem Wasser ‖ hinauf an dem Strand,
Wo er auf jener Seite ‖ eine Herberge fand._ 20
_Da rief er so gewaltig, ‖ der ganze Strom erscholl
Von des Helden Stärke, ‖ die war so gross und voll:
‘Mich Amelreich hol über; ‖ ich bin es, Elses Mann,
Der starker Feindschaft willen ‖ aus diesen Landen entrann._
_Hoch an seinem Schwerte ‖ er ihm die Spange bot;
Die war schön und glänzte ‖ von lichtem Golde roth,
Das man ihn überbrächte ‖ in Gelfratens Land.
Der übermüthge Ferge ‖ nahm selbst das Ruder in die Hand._
_Derselbe Schiffsmann hatte ‖ neulich erst gefreit,
Die Gier nach grossem Gute ‖ oft böses Ende leiht. 30
Er dachte zu verdienen ‖ Hagens Gold so roth;
Da litt er von dem Degen ‖ den schwertgrimmigen Tod._
_Ihr möget euch wohl nennen ‖ mit Namen Amelreich:
Des ich mich hier versehen, ‖ dem seht ihr wenig gleich.
Von Vater und Mutter ‖ war er der Bruder mein;
Nun ihr mich betrogen habt, ‖ so müsst ihr diesshalben
sein.’_ 20
_‘Nein! um Gottes willen,’ ‖ sprach Hagen dagegen.
‘Ich bin ein fremder Ritter, ‖ besorgt um andre Degen:
Nun nehmt, den ich geboten, ‖ freundlich hin den Sold,
Und fahret uns hinüber: ‖ ich bin euch wahrhaftig hold.’_
_Der Fährmann hob ein Ruder, ‖ stark, gross und breit,
Und schlug es auf Hagen; ‖ dem that es solches Leid,
Dass er im Schiffe nieder ‖ strauchelt’ auf das Knie.
Solchen grimmen Fährmann ‖ fand der von Tronje noch nie._
_Mit grimmigem Muthe ‖ griff Hagen gleich zur Hand
Zur Seite nach der Scheide, ‖ wo er ein Waffen fand: 30
Er schlug das Haupt vom Rumpf ihm ‖ und warf es auf den Grund.
Bald macht’ er diese Mären ‖ auch den Burgonden kund._
_Im selben Augenblicke, ‖ als er den Fährmann schlug,
Glitt das Schiff zur Strömung: ‖ das war ihm leid genug.
Eh er es richten konnte, ‖ fiel ihn Ermüdung an:
Da zeigte grosse Kräfte ‖ König Gunthers Unterthan._ 20
_Er versucht’ es umzukehren ‖ mit schnellem Ruderschlag,
Bis ihm das starke Ruder ‖ in der Hand zerbrach.
Er wollte zu den Recken ‖ sich wenden an den Strand;
Da hatt er keines weiter: ‖ wie bald er es zusammen band._
_Mit Gruss ihn wohl empfiengen ‖ die schnellen Ritter gut:
Sie sahen in dem Schiffe ‖ rauchen noch das Blut
Von einer starken Wunde, ‖ die er dem Fährmann schlug:
Da wurde von dem Degen ‖ gefraget Hagen genug._
_Er sprach mit Lügenworten: ‖ ‘Als ich das Schifflein fand
Bei einer wilden Weide, ‖ da löst’ es meine Hand. 30
Ich habe keinen Fergen ‖ heute hier gesehn,
Es ist auch Niemand Leides ‖ von meinetwegen geschehn.’_
_Da sprach von Burgonden ‖ der Degen Gernot:
‘Heute muss ich bangen ‖ um lieber Freunde Tod,
Da wir keinen Schiffsmann ‖ hier am Strome sehn:
Wie wir hinüber kommen, ‖ drob muss ich in Sorgen stehn.’_ 20
_Laut rief da Hagen: ‖ ‘Legt auf den Boden dar,
Ihr Knechte, das Geräthe: ‖ mir gedenkt noch, dass ich war
Der allerbeste Ferge, ‖ den man am Rheine fand:
Ich will euch wohl hinüber ‖ bringen in Gelfratens Land.’_
_Dass sie desto schneller ‖ kämen über Flut,
Anbanden sie die Rosse; ‖ ihr Schwimmen war so gut,
Dass ihnen auch nicht Eines ‖ die starke Flut benahm.
Einge trieben ferner, ‖ als ihnen Müdigkeit kam._
_Sie trugen zu dem Schiffe ‖ ihr Gold und auch den Staat,
Da sie der Hofreise ‖ nicht wollten haben Rath. 30
Hagen fuhr sie über; ‖ da bracht er an den Strand
Manchen zieren Recken ‖ in das unbekannte Land._
_Zum ersten bracht er über ‖ tausend Ritter hehr,
Dazu auch seine Recken; ‖ dann kamen ihrer mehr,
Neun tausend Knechte, ‖ die bracht er an das Land:
Des Tages war unmüssig ‖ des kühnen Tronejers Hand._
_‘Nun seht euch vor,’ sprach Hagen, ‖ ‘sei’s Ritter oder Knecht,
Man soll Freunden folgen; ‖ das dünkt mich gut und recht.
Eine ungefüge Märe ‖ mach ich euch bekannt:
Wir kommen nimmer wieder ‖ heim in der Burgonden Land.’_ 20
_Da flogen diese Mären ‖ von Schar zu Schar umher:
Da wurden bleich vor Schrecken ‖ Degen kühn und hehr,
Als sie die Sorge fasste ‖ vor dem harten Tod
Auf dieser Hofreise: ‖ das schuf ihnen wahrlich Noth._