AUS DEM XIV. LIED.

Dô reit von Tronje Hagne ‖ zaller vorderôst:

er was den Niblungen ‖ ein helflîcher trôst.

do erbeizte der degen küene ‖ nider ûf den sant,

sîn ros er harte balde ‖ zuo eime boume gebant. 20

Daz wazzer was engozzen, ‖ diu schif verborgen:

ez ergie den Niblungen ‖ zen grôzen sorgen,

wie si kœmen übere: ‖ der wâc was in ze breit.

do erbeizte zuo der erden ‖ vil manic rîter gemeit.

‘Belîbet bî dem wazzer, ‖ ir stolzen rîter guot.

ich wil die vergen suochen ‖ selbe bî der fluot,

die uns bringen übere ‖ in Gelpfrâtes lant.’

dô nam der starke Hagne ‖ sînen guoten schildes rant.

Er was wol gewâfent. ‖ den schilt er dannen truoc,

sînen helm ûf gebunden: ‖ lieht was er genuoc. 10

dô truoc er ob der brünne ‖ ein wâfen alsô breit,

daz ze beiden ecken ‖ vil harte vreislîchen sneit.

Dô suohte er nâh den vergen ‖ wider unde dan.

er hôrte wazzer giezen: ‖ losen er began.

in einem schœnen brunnen ‖ tâten daz wîsiu wîp:

die wolten sich dâ küelen ‖ unde badeten iren lîp.

Hagne wart ir innen, ‖ er sleich in tougen nâch.

dô si daz versunnen, ‖ dô was in dannen gâch.

daz si im entrunnen, ‖ des wâren si vil hêr.

er nam in ir gewæte: ‖ der helt enschadete in niht mêr.

Dô sprach daz eine merwîp ‖ (Hadburc was si genant)

‘edel rîter Hagne, ‖ wir tuon iu hie bekant,

swenne ir uns gebet widere ‖ unser gewant,

wie iu sî ze den Hiunen ‖ iwer hovereise gewant.’

Si swebten sam die vogele ‖ vor im ûf der fluot:

des dûhten in ir sinne ‖ starc unde guot: 10

swaz si im sagen wolden, ‖ er geloubte in dester baz.

des er dô hinze in gerte, ‖ wol beschieden si im daz.

‘Ir muget wol rîten ‖ in Etzelen lant.

des setze ich iu ze bürgen ‖ mîn triwe hie zehant,

daz helde nie gefuoren ‖ in deheiniu rîche baz

nâch alsô grôzen êren: ‖ nu geloubet wærlîchen daz.’

Der rede was dô Hagne ‖ in sîme herzen hêr:

dô gab er in ir kleider ‖ und sûmte sich niht mêr.

dô si an geleiten ‖ ir wunderlich gewant,

dô sageten sim rehte ‖ die reise in Etzelen lant.

Dô sprach daz ander merwîp ‖ (diu hiez Siglint)

‘ich wil dich warnen, Hagne, ‖ Aldrîânes kint.

durch der wæte liebe ‖ hât mîn muome dir gelogen:

kumstu zen Hiunen, ‖ sô bistu sêre betrogen.

Jâ soltu wider kêren: ‖ daz ist an der zît;

wan ir helde küene ‖ alsô geladen sît 10

daz ir sterben müezet ‖ in Etzelen lant.

swelhe dar gerîtent, ‖ die habent den tôt an der hant.’

Dô sprach in grimmem muote ‖ der küene Hagene

‘daz wære mînen hêrren ‖ müelich ze sagene,

daz wir zen Hiunen solden ‖ verliesen alle en lîp.

nu zeig uns überz wazzer, ‖ aller wîseste wîp.’

Si sprach ‘sît du der verte ‖ niht wellest haben rât,

swâ oben bî dem wazzer ‖ ein herberge stât,

dar inne ist ein verge, ‖ und nindert anderswâ.’

der mære der er vrâgte, ‖ der geloubet er sich dâ.

Dem ungemuoten recken ‖ sprach diu eine nâch

‘nu bîtet noch, er Hagene: ‖ jâ ist iu gar ze gâch.

vernemet noch baz diu mære, ‖ ir sult iuch wol bewarn,

und sult ouch mit dem vergen ‖ vil bescheidenlîchen varn.

Der ist sô grimmes muotes, ‖ der lât iuch niht genesen,

irn welt mit guoten sinnen ‖ bî dem helde wesen. 10

welt ir daz er iuch füere, ‖ sô gebet ir im den solt.

her hüetet disses landes ‖ unt ist Gelfrâte holt.

Und komet er niht bezîte, ‖ sô rüefet über fluot,

unt jehet ir heizet Amelrîch. ‖ der was ein helt guot,

der durch vîntschefte ‖ rûmte dize lant.

sô kumet iu der verge, ‖ swenne im der name wirt erkant.’

Der übermüete Hagne ‖ den vrouwen dô neic:

er en reite niht mêre, ‖ wan daz er stille sweic.

dô gie er bî dem wazzer ‖ hôher an den sant,

dâ er anderthalben ‖ eine herberge vant.

Dô ruoft er mit der krefte ‖ daz al der wâc erdôz

von des heldes sterke: ‖ diu was michel unde grôz:

‘nu hol mich Amelrîchen: ‖ ich bin der Elsen man,

der durch starke vîntschaft ‖ von disem lande entran.’

Vil hôhe anme swerte ‖ ein bouc er im dô bôt

(lieht unde schœne ‖ was er und goldes rôt), 10

daz man in über fuorte ‖ in Gelphrâtes lant

der übermüete verge ‖ nam selbe dez ruoder an die hant.

Ouch was der selbe schifman ‖ niulîch gehît.

diu gir nâch grôzem guote ‖ vil bœsez ende gît.

dô wolt er verdienen ‖ daz Hagnen golt vil rôt:

des leit er von dem degne ‖ den swertgrimmegen tôt.

‘Ir muget wol sîn geheizen ‖ bî namen Amelrîch:

des ich mich hie verwæne, ‖ dem sît ir ungelîch.

von vater und von muoter ‖ was er der bruoder mîn.

nu ir mich betrogen hât, ‖ ir müezet dishalben sîn.’

‘Nein durch got den rîchen,’ ‖ sprach dô Hagene.

‘ich bin ein vremder recke ‖ unt sorge ûf degene.

nu nemt vriuntlîche ‖ hin mînen solt,

daz ir mich über füeret: ‖ ich bin iu wærlîchen holt.’

Er huop ein starkez ruoder ‖ michel unde breit,

er sluoc ûf Hagenen ‖ (des wart er ungemeit), 10

daz er in dem schiffe ‖ strûhte an sîniu knie.

sô rehte grimmer verge ‖ kom zuo dem Tronjære nie.

Mit grimmegen muote ‖ greif Hagene zehant

vil balde ze einer scheide, ‖ dâ er ein wâfen vant:

er sluoc im ab daz houbet ‖ und warf ez an den grunt.

diu mære wurden schiere ‖ dô den Burgonden kunt.

In den selben stunden, ‖ dô er den schifman sluoc,

daz schif flôz enouwe: ‖ daz was im leit genuoc.

ê erz gerihte widere, ‖ müeden er began:

doch zôch vil krefteclîche ‖ des künic Guntheres man.

Mit zügen harte swinden ‖ kêrte ez der gast,

unz im daz starke ruoder ‖ an sîner hant zebrast.

er wolde zuo den recken ‖ ûz an einen sant:

dô was dâ heinz mêre: ‖ hei wie schiere erz gebant!

Mit gruoze in wol enphiengen ‖ die edelen rîter guot.

dô sâhens in dem schiffe ‖ riechen daz bluot 10

von einer starken wunden ‖ die er dem vergen sluoc.

dô wart von degnen ‖ Hagne gevrâget genuoc.

Dô sprach er lougenlîche ‖ ‘dâ ich daz schif vant,

bî einer wilden wîden, ‖ dâ lôstez mîn hant.

ich hân deheinen vergen ‖ hiute hie gesehen:

ez ist ouch niemen leide ‖ von mînen schulden geschehen.’

Dô sprach von Burgonden ‖ der hêrre Gêrnôt

‘hiute muoz ich sorgen ‖ ûf lieber vriunde tôt,

sît wir der schifliute ‖ niht bereit hân,

wie wir komen übere. ‖ des muoz ich trûric gestân.’

Lûte rief dô Hagne ‖ ‘leget nider ûf daz gras,

ir knehte, daz gereite. ‖ ich gedenke daz ich was

der aller beste verge ‖ den man bî Rîne vant:

jâ trouwe ich iuch wol bringen ‖ über in Gelfrâtes lant.’

Daz si deste balder ‖ kœmen über fluot,

diu ros si an sluogen: ‖ der swimmen daz wart guot, 10

wan der starken ünden ‖ deheinz in dâ benam.

etlîchez ouwet, ‖ als im diu müede gezam.

Dô truogen si ze sciffe ‖ ir golt und ouch ir wât,

sît si der verte ‖ niht mohten haben rât.

Hagne der was meister: ‖ des fuorter ûf den sant

vil manegen zieren recken ‖ in daz unkunde lant.

Zem êrsten brâht er übere ‖ tûsent rîter hêr,

dar zuo sîne recken. ‖ dannoch was ir mêr:

niun tûsent knehte ‖ fuort er an daz lant.

des tages was unmüezic ‖ des küenen Tronjæres hant.

‘Nu enthalt iuch,’ sprach Hagne, ‖ ‘ritter unde kneht.

man sol vriunden volgen: ‖ jâ dunket ez mich reht.

vil ungefüegiu mære ‖ diu tuon ich iu bekant:

wiren komen nimmer mêre ‖ wider in Burgonden lant.’

Dô flugen disiu mære ‖ von schare baz ze schare.

des wurden snelle ‖ helde missevare, 10

dô si begunden sorgen ‖ ûf den herten tôt

an dirre hovereise: ‖ des gie in wærlîchen nôt.

_Da ritt von Tronje Hagen ‖ den Andern all zuvor;

Er hielt den Nibelungen ‖ wohl den Muth empor.

Da schwang der kühne Degen ‖ sich nieder auf den Sand,

Wo er sein Ross in Eile ‖ fest an einem Baume band._

_Die Flut war ausgetreten, ‖ die Schiff’ verborgen:

Die Nibelungen kamen ‖ in grosse Sorgen

Wie sie hinüber sollten? ‖ das Wasser war zu breit.

Da schwang sich zu der Erde ‖ mancher Ritter allbereit._ 20

_‘Bleibet bei dem Wasser, ‖ ihr stolzen Ritter gut.

Ich selber will die Fergen ‖ suchen bei der Flut,

Die uns hinüber bringen ‖ in Gelfratens Land.’

Da nahm der starke Hagen ‖ seinen guten Schildesrand._

_Er war wohl gewaffnet: ‖ den Schild er mit sich trug,

Den Helm aufgebunden, ‖ der glänzte licht genug;

Überm Harnisch führt’ er ‖ eine breite Waffe mit,

Die an beiden Schärfen ‖ aufs allergrimmigste schnitt._

_Er suchte hin und wieder ‖ nach einem Schiffersmann,

Er hörte Wasser giessen: ‖ zu lauschen hub er an: 30

In einem schönen Brunnen ‖ that das manch weises Weib;

Die wollten sich da kühlen ‖ und badeten ihren Leib._

_Hagen sie gewahrend ‖ wollt ihnen heimlich nahn:

Sie stürzten in die Wellen, ‖ als sie sich des versahn.

Dass sie ihm entronnen, ‖ freuten sie sich sehr;

Er nahm ihnen ihre Kleider ‖ und schadet’ ihnen

nicht mehr._ 20

_Da sprach das eine Meerweib, ‖ Hadburg war sie genannt:

‘Hagen, edler Ritter, ‖ wir machen euch bekannt,

Wenn ihr uns zum Lohne ‖ die Kleider wiedergebt,

Was ihr bei den Heunen ‖ auf dieser Hoffahrt erlebt.’_

_Sie schwebten wie die Vögel ‖ vor ihm auf der Flut.

Ihr Wissen von den Dingen ‖ däuchte den Helden gut:

Da glaubt’ er um so lieber ‖ was sie ihm wollten sagen,

Sie beschieden ihn darüber ‖ was er begann sie zu fragen:_

_Sie sprach: ‘Ihr mögt wohl reiten ‖ in König Etzels Land,

Ich setz euch meine Treue ‖ dafür zum Unterpfand: 30

Es fuhren niemals Helden ‖ noch in ein fremdes Reich

Zu solchen hohen Ehren, ‖ in Wahrheit, das sag ich euch.’_

_Die Rede freute Hagen ‖ in seinem Herzen sehr;

Die Kleider gab er ihnen ‖ und säumte sich nicht mehr.

Als sie umgeschlagen ‖ ihr wunderbar Gewand,

Vernahm er erst die Wahrheit ‖ von der Fahrt in

Etzels Land._ 20

_Da sprach das andre Meerweib ‖ mit Namen Siegelind:

‘Ich will dich warnen, Hagen, ‖ Aldrianens Kind.

Um der Kleider willen ‖ hat meine Muhm gelogen;

Und kommst du zu den Heunen, ‖ so bist du schmählich betrogen.’_

_‘Wieder umzukehren, ‖ wohl wär es an der Zeit,

Dieweil ihr kühnen Helden ‖ also geladen seid,

Dass ihr sterben müsset ‖ in König Etzels Land:

Die da hinreiten, ‖ haben den Tod an der Hand.’_

_Da sprach in grimmem Muthe ‖ der kühne Recke Hagen:

‘Das liessen meine Herren ‖ schwerlich sich sagen, 30

Dass wir bei den Heunen ‖ verlören all den Leib:

Nun zeig uns übers Wasser, ‖ du allerweisestes Weib.’_

_Sie sprach: ‘Willst du nicht anders ‖ und soll die Fahrt geschehn,

So siehst du überm Wasser ‖ eine Herberge stehn:

Darinnen wohnt ein Fährmann ‖ und nirgend sonst umher.’

Der Mär, um die er fragte, ‖ glaubte nun der Degen hehr._ 20

_Dem unmuthsvollen Recken ‖ rief noch die eine nach:

‘Nun wartet, Herr Hagen, ‖ euch ist gar zu jach;

Vernehmet noch die Kunde, ‖ wie ihr kommt durch das Land.

Der Herr dieser Marke, ‖ der ist Else genannt._

_Der ist so grimmes Muthes, ‖ er lässt euch nicht gedeihn,

Wollt ihr nicht verständig ‖ bei dem Helden sein.

Soll er euch überholen, ‖ so gebt ihm guten Sold;

Er hütet dieses Landes ‖ und ist Gelfraten hold._

_Und kommt er nicht bei Zeiten, ‖ so rufet über Flut,

Und sagt, ihr heisset Amelreich; ‖ das war ein Degen gut, 30

Der seiner Feinde willen ‖ räumte dieses Land:

So wird der Fährmann kommen, ‖ wird ihm der Name bekannt.’_

_Der übermüthge Hagen ‖ dankte den Frauen hehr.

Der Degen schwieg stille, ‖ kein Wörtlein sprach er mehr;

Dann gieng er bei dem Wasser ‖ hinauf an dem Strand,

Wo er auf jener Seite ‖ eine Herberge fand._ 20

_Da rief er so gewaltig, ‖ der ganze Strom erscholl

Von des Helden Stärke, ‖ die war so gross und voll:

‘Mich Amelreich hol über; ‖ ich bin es, Elses Mann,

Der starker Feindschaft willen ‖ aus diesen Landen entrann._

_Hoch an seinem Schwerte ‖ er ihm die Spange bot;

Die war schön und glänzte ‖ von lichtem Golde roth,

Das man ihn überbrächte ‖ in Gelfratens Land.

Der übermüthge Ferge ‖ nahm selbst das Ruder in die Hand._

_Derselbe Schiffsmann hatte ‖ neulich erst gefreit,

Die Gier nach grossem Gute ‖ oft böses Ende leiht. 30

Er dachte zu verdienen ‖ Hagens Gold so roth;

Da litt er von dem Degen ‖ den schwertgrimmigen Tod._

_Ihr möget euch wohl nennen ‖ mit Namen Amelreich:

Des ich mich hier versehen, ‖ dem seht ihr wenig gleich.

Von Vater und Mutter ‖ war er der Bruder mein;

Nun ihr mich betrogen habt, ‖ so müsst ihr diesshalben

sein.’_ 20

_‘Nein! um Gottes willen,’ ‖ sprach Hagen dagegen.

‘Ich bin ein fremder Ritter, ‖ besorgt um andre Degen:

Nun nehmt, den ich geboten, ‖ freundlich hin den Sold,

Und fahret uns hinüber: ‖ ich bin euch wahrhaftig hold.’_

_Der Fährmann hob ein Ruder, ‖ stark, gross und breit,

Und schlug es auf Hagen; ‖ dem that es solches Leid,

Dass er im Schiffe nieder ‖ strauchelt’ auf das Knie.

Solchen grimmen Fährmann ‖ fand der von Tronje noch nie._

_Mit grimmigem Muthe ‖ griff Hagen gleich zur Hand

Zur Seite nach der Scheide, ‖ wo er ein Waffen fand: 30

Er schlug das Haupt vom Rumpf ihm ‖ und warf es auf den Grund.

Bald macht’ er diese Mären ‖ auch den Burgonden kund._

_Im selben Augenblicke, ‖ als er den Fährmann schlug,

Glitt das Schiff zur Strömung: ‖ das war ihm leid genug.

Eh er es richten konnte, ‖ fiel ihn Ermüdung an:

Da zeigte grosse Kräfte ‖ König Gunthers Unterthan._ 20

_Er versucht’ es umzukehren ‖ mit schnellem Ruderschlag,

Bis ihm das starke Ruder ‖ in der Hand zerbrach.

Er wollte zu den Recken ‖ sich wenden an den Strand;

Da hatt er keines weiter: ‖ wie bald er es zusammen band._

_Mit Gruss ihn wohl empfiengen ‖ die schnellen Ritter gut:

Sie sahen in dem Schiffe ‖ rauchen noch das Blut

Von einer starken Wunde, ‖ die er dem Fährmann schlug:

Da wurde von dem Degen ‖ gefraget Hagen genug._

_Er sprach mit Lügenworten: ‖ ‘Als ich das Schifflein fand

Bei einer wilden Weide, ‖ da löst’ es meine Hand. 30

Ich habe keinen Fergen ‖ heute hier gesehn,

Es ist auch Niemand Leides ‖ von meinetwegen geschehn.’_

_Da sprach von Burgonden ‖ der Degen Gernot:

‘Heute muss ich bangen ‖ um lieber Freunde Tod,

Da wir keinen Schiffsmann ‖ hier am Strome sehn:

Wie wir hinüber kommen, ‖ drob muss ich in Sorgen stehn.’_ 20

_Laut rief da Hagen: ‖ ‘Legt auf den Boden dar,

Ihr Knechte, das Geräthe: ‖ mir gedenkt noch, dass ich war

Der allerbeste Ferge, ‖ den man am Rheine fand:

Ich will euch wohl hinüber ‖ bringen in Gelfratens Land.’_

_Dass sie desto schneller ‖ kämen über Flut,

Anbanden sie die Rosse; ‖ ihr Schwimmen war so gut,

Dass ihnen auch nicht Eines ‖ die starke Flut benahm.

Einge trieben ferner, ‖ als ihnen Müdigkeit kam._

_Sie trugen zu dem Schiffe ‖ ihr Gold und auch den Staat,

Da sie der Hofreise ‖ nicht wollten haben Rath. 30

Hagen fuhr sie über; ‖ da bracht er an den Strand

Manchen zieren Recken ‖ in das unbekannte Land._

_Zum ersten bracht er über ‖ tausend Ritter hehr,

Dazu auch seine Recken; ‖ dann kamen ihrer mehr,

Neun tausend Knechte, ‖ die bracht er an das Land:

Des Tages war unmüssig ‖ des kühnen Tronejers Hand._

_‘Nun seht euch vor,’ sprach Hagen, ‖ ‘sei’s Ritter oder Knecht,

Man soll Freunden folgen; ‖ das dünkt mich gut und recht.

Eine ungefüge Märe ‖ mach ich euch bekannt:

Wir kommen nimmer wieder ‖ heim in der Burgonden Land.’_ 20

_Da flogen diese Mären ‖ von Schar zu Schar umher:

Da wurden bleich vor Schrecken ‖ Degen kühn und hehr,

Als sie die Sorge fasste ‖ vor dem harten Tod

Auf dieser Hofreise: ‖ das schuf ihnen wahrlich Noth._

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 85 / 276 题