Gunthêr und Hagne, ‖ die reken vil balt,
lobeten mit untriuwen ‖ ein pirsen in den walt.
mit ir scharpfen gêren ‖ si wolden jagen swîn
beren unde wisende: ‖ waz kunde küeners gesîn?
Si hiezen herbergen ‖ für den grüenen walt
gêns wildes abeloufe ‖ die stolzen jägere balt,
dâ si dâ jagen solden, ‖ ûf einen wert vil breit.
dô was ouch komen Sîfrit: ‖ daz wart dem künege geseit.
Von den jeitgesellen ‖ wurden dô bestân
die warte an allen enden. ‖ dô sprach der küene man,
Sîfrit der vil starke, ‖ ‘wer sol uns in den walt
wîsen nâch dem wilde, ‖ ir degne küene unde balt?’
‘Wellen wir uns scheiden,’ ‖ sprach dô Hagene,
‘ê daz wir beginnen ‖ hie ze jagene?
dâ bî mugen bekennen ‖ ich und die hêrren mîn
wer die besten jägere ‖ an diser waltreise sîn.
Liute unde hunde ‖ sulen wir teilen gar:
sô kêre islîcher ‖ dâ er gerne var. 10
der danne jage beste, ‖ der sol des haben danc.’
der jäger bîten ‖ wart bî ein ander niht lanc.
Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘ich hân der hunde rât,
wan einen bracken, ‖ der sô genozzen hât
daz er die verte erkenne ‖ der tiere durch den tan.
wir komen wol ze jeide,’ ‖ sprach der Kriemhilde man.
Dô nam ein alter jägere ‖ einen spürhunt:
er brâhte den hêrren ‖ in einer kurzer stunt
dâ si vil tiere funden. ‖ swaz der von leger stuont,
diu erjeiten die gesellen, ‖ sô noch guote jeger tuont.
Einen eber grôzen ‖ vant der spürhunt.
als er begunde vliehen, ‖ dô kom an der stunt
des gejeides meister ‖ bestuont in ûf der slâ.
daz swîn zorneclîchen ‖ lief an den küenen degen sâ.
Dô sluoc in mit dem swerte ‖ Kriemhilde man:
ez hete ein ander jegere ‖ sô sanfte niht getân. 10
dô ern hete ervellet, ‖ man vie den spürhunt.
dô wart sîn rîch gejeide ‖ allen Burgonden kunt.
Sie hôrten allenthalben ‖ ludem unde dôz.
von liuten und von hunden ‖ der schal was sô grôz,
daz in dâ von antwurte ‖ der berc und ouch der tan.
vier unde zweinzec ruore ‖ die jeger hêten verlân.
Dô muosen vil der tiere ‖ verliesen dâ daz leben.
dô wânden sie füegen ‖ daz man solde geben
in den prîs des jeides: ‖ des kunde niht geschehen,
dô der starke Sîfrit ‖ wart zer viwerstat gesehen.
Daz jeit was ergangen, ‖ unde doch niht gar.
die zer viwerstat wolden, ‖ die brâhten mit in dar
vil maneger tiere hiute ‖ und wildes genuoc.
hei waz man ze kuchen ‖ für daz ingesinde truoc!
Dô hiez der künic künden ‖ den jägern wol geborn
daz er enbîzen wolde. ‖ dô wart lûte ein horn 10
zeiner stunt geblâsen: ‖ dâ mite wart bekant
daz man den fürsten edele ‖ dâ zen herbergen vant.
Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘nu rûmen wir den tan!’
sîn ros truoc in ebene: ‖ si îlten mit im dan.
si ersprancten mit ir schalle ‖ ein tier gremelich,
einen beren wilden. ‖ dô sprach der degen hinder sich:
‘Ich wil uns hergesellen ‖ kurzwîle wern.
ir sult den braken lâzen. ‖ ich sihe einen bern:
der sol mit uns hinnen ‖ zen herbergen varn.
ern fliehe danne sêre, ‖ ern kan sichs nimmer bewarn.’
Der brake wart verlâzen, ‖ der bere spranc von dan.
dô wolde in errîten ‖ Kriemhilde man.
er kom in ein gevelle: ‖ done kund ez niht wesen.
daz starke tier dô wânde ‖ vor den jägeren genesen.
Dô spranc von sîme rosse ‖ der stolze rîter guot,
er begunde nâch loufen. ‖ daz tier was unbehuot, 10
ez enkund im niht entrinnen: ‖ dô vie erz sâ zehant,
ân alle wunden ‖ der helt ez schiere gebant.
Krazen noch gebîzen ‖ kund ez niht den man.
er band ez zuo dem satele: ‖ ûf saz der snelle sân,
er brâht ez an die viwerstat ‖ durch sînen hôhen muot,
zeiner kurzwîle, ‖ der degen küene unde guot.
Als er gestuont von rosse, ‖ dô lôste er im diu bant
von fuoze und ouch von munde. ‖ do erlûte sâ zehant
vil lûte daz gehünde, ‖ swaz es den bern sach.
daz tier ze walde wolde: ‖ des heten die liute ungemach.
Der bere von dem schalle ‖ durch die kuche geriet:
hey waz er kuchenknehte ‖ von dem viwer schiet!
vil kezzele wart gerüeret, ‖ zerfüeret manic brant:
hei waz man guoter spîse ‖ in dem aschen ligen vant!
Dô sprungen von dem sedele ‖ die hêrren und ir man.
der bere begunde zürnen: ‖ der künic hiez dô lân 10
allez daz gehünde ‖ daz an seilen lac.
und wær ez wol verendet, ‖ si heten vrœlîchen tac.
Mit bogen und mit spiezen ‖ (niht langer man daz lie)
dar liefen dô die snellen, ‖ dâ der bere gie.
dô was sô vil der hunde, ‖ daz dâ nieman schôz.
von des liutes schalle ‖ daz birge allez erdôz.
Der ber begunde vliehen ‖ vor den hunden dan:
im kunde niht gevolgen ‖ wan Kriemhilde man.
er erlief in mit dem swerte, ‖ ze tôde er in dô sluoc.
hin wider zuo dem viwre ‖ man den beren dô truoc.
Dô sprâchen die daz sâhen, ‖ er wær ein kreftic man.
die stolzen jeitgesellen ‖ hiez man ze tische gân.
ûf einen schœnen anger ‖ saz ir dâ genuoc.
hei waz man rîterspîse ‖ den stolzen jegern dô truoc!
Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘wunder mich des hât,
sîd man uns von kuchen ‖ gît sô manegen rât, 10
war umbe uns die schenken ‖ dar zuo niht bringen wîn.
man pflege baz der jegere, ‖ ich wil niht jeitgeselle sîn.’
Dô sprach der Niderlende ‖ ‘ir lîp der habe undanc.
man sold mir siben soume ‖ met und lûtertranc
haben her gefüeret. ‖ dô des niht mohte sîn,
dô sold man uns gesidelet ‖ haben nâher an den Rîn.’
Dô sprach von Tronje Hagne ‖ ‘ir edelen rîter balt,
ich weiz hie vil nâhen ‖ einen brunnen kalt
(daz ir niht enzürnet): ‖ dâ sul wir hine gân.’
der rât wart manegem degne ‖ ze grôzen sorgen getân.
Dô si wolden dannen ‖ zuo der linden breit,
dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘mir ist des vil geseit
daz niht gevolgen kunde ‖ dem Kriemhilde man,
swenner welle gâhen: ‖ wold er uns daz sehen lân!’
Dô sprach von Niderlande ‖ der küene Sîfrit
‘daz muget ir wol versuochen, ‖ welt ir mir volgen mit 10
ze wette zuo dem brunnen. ‖ sô daz ist getân,
man jehe dem gewinnes ‖ den man siht gewunnen hân.’
‘Nu welle ouch wirz versuochen,’ ‖ sprach Hagne der degen.
dô sprach der starke Sîfrit ‖ ‘sô wil ich mich legen
für iuwer füeze ‖ nider an daz gras.’
dô er daz gehôrte, ‖ wie liep daz Gunthêre was!
Dô sprach der degen küene ‖ ‘ich wil iu mêre sagen,
allez mîn gewæte ‖ wil ich mit mir tragen,
den gêr zuo dem schilde, ‖ und mîn pirsgewant.’
den kocher zuo dem swerte ‖ schier er umbe gebant.
Dô zugen si diu kleider ‖ von dem lîbe dan:
in zwein wîzen hemden ‖ sach man si beide stân.
sam zwei wildiu pantel ‖ si liefen durch den klê:
doch sach man bî dem brunnen ‖ den küenen Sîfriden ê.
Den brîs von allen dingen ‖ truoc er vor manegem man.
daz swert lôst er schiere, ‖ den kocher leit er dan, 10
den starken gêr er leinde ‖ an der linden ast:
bî des brunnen fluzze ‖ stuont der hêrlîche gast.
Die Sîfrides tugende ‖ wâren harte grôz.
den schilt er leite nidere ‖ dâ der brunne flôz:
swie harte sô in durste, ‖ der helt doch niht entranc
ê der künec getrunke. ‖ des seit er im vil bœsen danc.
Der brunne was küele ‖ lûter unde guot.
Gunthêr sich dô neigte ‖ nider zuo der vluot:
als er hete getrunken, ‖ dô rihte er sich von dan.
alsam het ouch gerne ‖ der küene Sîfrit getân.
Do engalt er sîner zühte. ‖ den bogen und daz swert,
daz truoc allez Hagne ‖ von im danwert,
und spranc dâ hin widere ‖ da er den gêre vant.
er sach nâch einem bilde ‖ an des küenen gewant.
Dô der hêrre Sîfrit ‖ ob dem brunnen tranc,
er schôz in durch daz criuze, ‖ daz von der wunden spranc 10
daz bluot von dem herzen ‖ vaste an Hagnen wât.
solher missewende ‖ ein helt nu nimmer begât.
Der hêrre tobelîchen ‖ von dem brunnen spranc:
im ragete von den herten ‖ ein gêrstange lanc.
der fürste wânde vinden ‖ bogen oder swert:
sô müeste wesen Hagne ‖ nâch sîme dienste gewert.
Dô der sêre wunde ‖ des swertes niht envant,
done het et er niht mêre ‖ wan des schildes rant:
er zuct in von dem brunnen, ‖ dô lief er Hagnen an:
done kund im niht entrinnen ‖ des künic Gunthêres man.
Swie wunt er was zem tôde, ‖ sô krefteclîch er sluoc,
daz ûzer dem schilde ‖ dræte genuoc
des edelen gesteines: ‖ der schilt vil gar zerbrast.
sich hete gerne errochen ‖ der vil hêrlîche gast.
Dô was gestrûchet Hagne ‖ vor sîner hant zetal.
von des slages krefte ‖ der wert vil lûte erhal. 10
het er sîn swert enhende, ‖ sô wær ez Hagnen tôt.
sêre zurnde der wunde: ‖ des twanc in êhaftiu nôt.
Erblichen was sîn varwe: ‖ ern mohte niht gestên
sînes lîbes sterke ‖ muoste gar zergên,
wand er des tôdes zeichen ‖ in liehter varwe truoc
sît wart er beweinet ‖ von schœnen vrouwen genuoc.
Dô viel in die bluomen ‖ der Kriemhilde man:
daz bluot von sîner wunden ‖ sach man vaste gân.
dô begunder schelden ‖ (des twanc in grôziu nôt)
die ûf in gerâten ‖ heten ungetriwe den tôt.
Dô sprach der verchwunde ‖ ‘jâ ir bœsen zagen,
waz helfent mîniu dienest, ‖ sîd ir mich habet erslagen?
ich was iu ie getriuwe; ‖ des ich enkolten hân.
ir habet an iwren friunden ‖ leider übele getân.’
Die rîter alle liefen ‖ dâ er erslagen lac.
ez was ir genuogen ‖ ein vröudelôser tac. 10
die iht triwe hêten, ‖ von den wart er gekleit:
daz hete ouch wol verdienet ‖ umbe alle liute der helt gemeit.
Der künec von Burgonden ‖ klagte ouch sînen tôt.
dô sprach der verchwunde ‖ ‘daz ist âne nôt,
daz der nâch scaden weinet, ‖ der in dâ hât getân.
der dienet michel schelden: ‖ ez wære bezzer verlân.’
Dô sprach der grimme Hagne ‖ ‘jan weiz ich waz ir kleit.
ez hât nu allez ende an uns, ‖ sorge unde leit:
wir vinden ir nu wênic ‖ die getürren uns bestân.
wol mich daz ich des heldes ‖ hân ze râte getân.’
‘Ir muget iuch lîhte rüemen,’ ‖ sprach hêr Sîfrit.
‘het ich an iu erkunnet ‖ den mortlîchen sit,
ich hete wol behalten ‖ vor iu mînen lîp.
mich riwet niht sô sêre ‖ sô vrou Kriemhilt mîn wîp.
Nu müeze got erbarmen ‖ daz ich ie gewan den suon
dem man itewîzen ‖ sol daz her nâch tuon 10
daz sîne mâge ieman ‖ mortlîch hânt erslagen.
möhte ichz verenden, ‖ daz sold ich billîchen klagen.’
Dô sprach jæmerlîche ‖ der verchwunde man
‘welt ir, künic edele, ‖ triwen iht begân
in der werlde an iemen, ‖ lât iu bevolhen sîn
ûf iuwer genâde ‖ die lieben triutinne mîn.
Lât si des geniezen ‖ daz si iwer swester sî:
durch aller fürsten tugende ‖ wont ir mit triwen bî.
wan mir wartent lange ‖ mîn vater und mîne man.
ez enwart nie leider ‖ an liebem vriunde getân.’
Die bluomen allenthalben ‖ von bluote wâren naz.
dô rang er mit dem tôde: ‖ unlange tet er daz,
wan des tôdes zeichen ‖ ie ze sêre sneit.
ouch muoste sân ersterben ‖ der recke küene unde gemeit.
Dô die hêrren sâhen ‖ daz der helt was tôt,
si leiten in ûf einen schilt ‖ (der was von golde rôt), 10
und wurden des ze râte, ‖ wie daz solde ergân
daz man ez verhæle ‖ daz ez Hagne hete getân.
Dô sprâchen ir genuoge ‖ ‘uns ist übel geschehen.
ir sult ez heln alle, ‖ und sult gelîche jehen,
da er jagen rite aleine, ‖ Kriemhilde man,
in slüegen schâchære, ‖ dâ er füere durch den tan.’
Dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘ich bring in in daz lant.
mir ist vil unmære, ‖ wirt ez ir bekant,
diu sô hât betrüebet ‖ den Brünhilde muot.
ez ahtet mich vil ringe, ‖ swaz si nu weinens getuot.’
Dô biten si der nahte ‖ und fuoren über Rîn.
von helden kunde nimmer ‖ wirs gejaget sîn.
ein tier daz si dâ sluogen, ‖ daz weinden edeliu kint.
jâ muosten sîn enkelten ‖ vil guoter wîgande sint.
_Gunther und Hagen, ‖ die Recken wohlgethan,
Beriethen mit Untreuen ‖ ein Birschen in den Tann. 10
Mit ihren scharfen Spiessen ‖ wollten sie jagen gehn
Bären und Wisende: ‖ was könnte Kühn’res geschehn?_
_Da liess man herbergen ‖ bei dem Walde grün
Vor des Wildes Wechsel ‖ die stolzen Jäger kühn,
Wo sie da jagen wollten, ‖ auf breitem Angergrund.
Gekommen war auch Siegfried: ‖ das ward dem Könige kund._
_Von den Jagdgesellen ‖ ward umhergestellt
Die Wart an allen Enden: ‖ da sprach der kühne Held
Siegfried der starke: ‖ ‘Wer soll uns in den Tann
Nach dem Wilde weisen, ‖ ihr Degen kühn und wohlgethan?’_ 20
_‘Wollen wir uns scheiden,’ ‖ hub da Hagen an,
‘Ehe wir beginnen ‖ zu jagen hier im Tann?
So mögen wir erkennen, ‖ ich und die Herren mein,
Wer die besten Jäger ‖ bei dieser Waldreise sei’n._
_Die Leute und die Hunde, ‖ wir theilen uns darein:
Wohin ihn lüstet, fahre ‖ dann jeglicher allein,
Und wer das Beste jagte, ‖ dem sage man den Dank.’
Da weilten die Jäger ‖ bei einander nicht mehr lang._
_Da sprach der Herre Siegfried: ‖ ‘der Hunde hab ich Rath:
Ich will nur einen Bracken, ‖ der so genossen hat, 30
Dass er des Wildes Fährte ‖ spüre durch den Tann:
Wir kommen wohl zum Jagen!’ ‖ so sprach der Kriemhilde Mann._
_Da nahm ein alter Jäger ‖ einen Spürhund
Und brachte den Herren ‖ in einer kurzen Stund,
Wo sie viel Wildes fanden: ‖ was des vertrieben ward,
Das erjagten die Gesellen, ‖ wie heut nach guter Jäger Art._ 20
_Einen grossen Eber ‖ trieb der Spürhund auf.
Als der flüchtig wurde, ‖ da kam in schnellem Lauf
Derselbe Jagdmeister ‖ und nahm ihn wohl aufs Korn:
Anlief den kühnen Degen ‖ das Schwein in grimmigem Zorn._
_Da schlug es mit dem Schwerte ‖ der Kriemhilde Mann:
Das hätt ein andrer Jäger ‖ nicht so leicht gethan.
Als er es gefället, ‖ fieng man den Spürhund.
Da ward sein reiches Jagen ‖ den Burgonden allen kund._
_Da vernahm man allenthalben ‖ Lärmen und Getos.
Von Leuten und von Hunden ‖ ward der Schall so gross, 30
Man hörte widerhallen ‖ den Berg und auch den Tann.
Vierundzwanzig Hunde ‖ hatten die Jäger losgethan._
_Da wurde viel des Wildes ‖ vom grimmen Tod ereilt.
Sie wähnten es zu fügen, ‖ dass ihnen zugetheilt
Der Preis des Jagens würde: ‖ das konnte nicht geschehn,
Als bei der Feuerstätte ‖ der starke Siegfried
ward gesehn._ 20
_Die Jagd war zu Ende, ‖ und doch nicht ganz und gar.
Die zu der Herberg wollten ‖ brachten mit sich dar
Häute mancher Thiere, ‖ dazu des Wilds genug.
Hei! was man zur Küche ‖ vor das Ingesinde trug!_
_Da liess der König künden ‖ den Jägern wohlgeborn
Dass er zum Imbiss wolle; da wurde laut ins Horn
Einmal gestossen: ‖ also ward bekannt,
Dass man den edeln Fürsten ‖ bei den Herbergen fand._
_Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Nun räumen wir den Wald.’
Sein Ross trug ihn eben, ‖ die Andern folgten bald. 30
Sie verscheuchten mit dem Schalle ‖ ein Waldthier fürchterlich,
Einen wilden Bären; ‖ da sprach der Degen hinter sich:_
_‘Ich schaff uns Jagdgesellen ‖ eine Kurzweil.
Da seh ich einen Bären: ‖ den Bracken löst vom Seil.
Zu den Herbergen ‖ soll mit uns der Bär:
Er kann uns nicht entrinnen ‖ und flöh er auch noch
so sehr.’_ 20
_Da lösten sie den Bracken, ‖ der Bär sprang hindann.
Da wollt ihn erreiten ‖ der Kriemhilde Mann;
Er fiel in ein Geklüfte: ‖ da konnt er ihm nicht bei;
Das starke Thier wähnte ‖ von den Jägern schon sich frei._
_Da sprang von seinem Rosse ‖ der stolze Ritter gut,
Und begann ihm nachzulaufen. ‖ Das Thier war ohne Hut,
Es konnt ihm nicht entrinnen, ‖ er fieng es allzuhand;
Ohn es zu verwunden ‖ der Degen eilig es band._
_Kratzen oder beissen ‖ konnt es nicht den Mann.
Er band es auf den Sattel: ‖ aufsass der Schnelle dann; 30
Er bracht es zu dem Herde ‖ in seinem hohen Muth
Zu einer Kurzweile, ‖ der Degen edel und gut._
_Als er von Ross gestiegen, ‖ löst er ihm das Band
Vom Mund und von den Füssen: ‖ die Hunde gleich zur Hand
Begannen laut zu heulen, ‖ als sie den Bären sahn.
Das Thier zu Walde wollte: ‖ das erschreckte
manchen Mann._ 20
_Der Bär in die Küche ‖ von dem Lärm gerieth;
Hei! was er Küchenknechte ‖ von dem Feuer schied!
Gerückt ward mancher Kessel, ‖ zerzerret mancher Brand;
Hei! was man guter Speisen ‖ in der Asche liegen fand!_
_Da sprangen von den Sitzen ‖ die Herren und ihr Bann.
Der Bär begann zu zürnen; ‖ der König wies sie an
Der Hunde Schar zu lösen, ‖ die an den Seilen lag;
Und wär es wohl geendet, ‖ sie hätten fröhlichen Tag._
_Mit Bogen und mit Spiessen, ‖ man versäumte sich nicht mehr,
Liefen hin die Schnellen, ‖ wo da gieng der Bär; 30
Doch wollte Niemand schiessen, ‖ von Hunden wars zu voll.
So laut war das Getöse, ‖ dass rings der Bergwald erscholl._
_Der Bär begann zu fliehen ‖ vor der Hunde Zahl;
Ihm konnte Niemand folgen ‖ als Kriemhilds Gemahl.
Er erlief ihn mit dem Schwerte, ‖ zu Tod er ihn da schlug.
Wieder zu dem Feuer ‖ das Gesind den Bären trug._ 20
_Da sprachen Die es sahen, ‖ er wär ein starker Mann.
Die stolzen Jagdgesellen ‖ rief man zu Tisch heran:
Auf einem schönen Anger ‖ sassen ihrer genug.
Hei! was man Ritterspeise ‖ vor die stolzen Jäger trug!_
_Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Mich verwundert sehr,
Man bringt uns aus der Küche ‖ doch so viel daher,
Was bringen uns die Schenken ‖ nicht dazu den Wein?
Pflegt man so der Jäger, ‖ will ich nicht Jagdgeselle sein.’_
_Da sprach der Niederländer: ‖ ‘Ich sag euch wenig Dank.
Man sollte sieben Säumer ‖ mit Meth und Lautertrank 30
Mir hergesendet haben; ‖ konnte das nicht sein,
So hätte man uns besser ‖ gesiedelt näher dem Rhein.’_
_Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ihr edeln Ritter schnell,
Ich weiss hier in der Nähe ‖ einen kühlen Quell:
Dass ihr mir nicht zürnet, ‖ da rath ich hinzugehn.’
Der Rath war manchem Degen ‖ zu grosser Sorge geschehn._ 20
_Als sie von dannen wollten ‖ zu der Linde breit,
Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich hörte jederzeit,
Es könne Niemand folgen ‖ Kriemhilds Gemahl,
Wenn er rennen wollte; ‖ hei! schauten wir doch das einmal!’_
_Da sprach von Niederlanden ‖ Siegfried der Degen kühn:
‘Das mögt ihr wohl versuchen: ‖ wollt ihr zur Wette hin
Mit mir an den Brunnen? ‖ Wenn der Lauf geschieht,
Soll der gewonnen haben, ‖ welchen man den Vordersten sieht.’_
_‘Wohl, lasst es uns versuchen,’ ‖ sprach Hagen der Degen.
Da sprach der starke Siegfried: ‖ ‘So will ich mich legen 30
Hier zu euern Füssen ‖ nieder in das Gras.’
Als er das erhörte, ‖ wie lieb war König Gunthern das!_
_Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Ich will euch mehr noch sagen:
All meine Geräthe ‖ will ich mit mir tragen,
Den Speer sammt dem Schilde, ‖ dazu mein Birschgewand.’
Das Schwert und den Köcher ‖ er um die Glieder schnell
sich band._ 20
_Abzogen sie die Kleider ‖ von dem Leibe da;
In zwei weissen Hemden ‖ man Beide stehen sah.
Wie zwei wilde Panther ‖ liefen sie durch den Klee;
Man sah bei dem Brunnen ‖ den kühnen Siegfried doch eh._
_Den Preis in allen Dingen ‖ vor Manchem man ihm gab.
Da löst’ er schnell die Waffe, ‖ den Köcher legt’ er ab.
Den starken Wurfspiess lehnt’ er ‖ an den Lindenast:
Bei des Brunnens Flusse ‖ stand der herrliche Gast._
_Siegfriedens Tugenden ‖ waren gut und gross.
Den Schild legt’ er nieder ‖ wo der Brunnen floss; 30
Wie sehr ihn auch dürstete, ‖ der Held nicht eher trank
Bis der Wirth getrunken: ‖ dafür gewann er übeln Dank._
_Der Brunnen war lauter, ‖ kühl und auch gut;
Da neigte sich Gunther ‖ hernieder zu der Fluth.
Als er getrunken hatte, ‖ erhob er sich hindann;
Also hätt auch gerne ‖ der kühne Siegfried gethan._ 20
_Da entgalt er seiner Tugend; ‖ den Bogen und das Schwert
Trug Hagen beiseite ‖ von dem Degen werth.
Dann sprang er schnell zurücke, ‖ wo er den Wurfspiess fand
Und sah nach einem Zeichen ‖ an des Kühnen Gewand._
_Als der edle Siegfried ‖ aus dem Brunnen trank,
Schoss er ihm durch das Kreuze, ‖ dass aus der Wunde sprang
Das Blut ihm von dem Herzen ‖ hoch an Hagens Staat.
Kein Held begeht wieder ‖ also grosse Missethat._
_Der Held in wildem Toben ‖ von dem Brunnen sprang;
Ihm ragte von den Schultern ‖ eine Speerstange lang. 30
Nun wähnt’ er da zu finden ‖ Bogen oder Schwert:
So hätt er Lohn Herrn Hagen ‖ wohl nach Verdienste gewährt._
_Als der Todwunde ‖ sein Schwert nicht wiederfand,
Da blieb ihm nichts weiter ‖ als der Schildesrand.
Den rafft’ er von dem Brunnen ‖ und rannte Hagnen an:
Da konnt ihm nicht entrinnen ‖ König Gunthers Unterthan._ 20
_Wie wund er war zum Tode, ‖ so kräftig doch er schlug,
Dass von dem Schilde nieder ‖ rieselte genug
Des edeln Gesteines; ‖ der Schild zerbrach auch fast:
So gern gerochen hätte ‖ sich der herrliche Gast._
_Gestrauchelt war da Hagen ‖ von seiner Hand zu Thal;
Der Anger von den Schlägen ‖ erscholl im Wiederhall.
Hätt er sein Schwert in Händen, ‖ so wär es Hagens Tod.
Sehr zürnte der Wunde; ‖ es zwang ihn wahrhafte Noth._
_Seine Farbe war erblichen, ‖ er konnte nicht mehr stehn.
Seines Leibes Stärke ‖ musste ganz zergehn, 30
Da er des Todes Zeichen ‖ in lichter Farbe trug.
Er ward hernach beweinet ‖ von schönen Frauen genug._
_Da fiel in die Blumen ‖ der Kriemhilde Mann:
Das Blut von seiner Wunde ‖ stromweis nieder rann.
Da begann er die zu schelten, ‖ ihn zwang die grosse Noth,
Die da gerathen hatten ‖ mit Untreue seinen Tod._ 20
_Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Weh, ihr bösen Zagen,
Was helfen meine Dienste, ‖ da ihr mich habt erschlagen?
Ich war euch stets gewogen ‖ und sterbe nun daran.
Ihr habt an euern Freunden ‖ leider übel gethan.’_
_Hinliefen all die Ritter, ‖ wo er erschlagen lag.
Es war ihrer Vielen ‖ ein freudeloser Tag.
Wer irgend Treue kannte, ‖ von dem ward er beklagt:
Das hatt auch wohl um Alle ‖ verdient der Degen unverzagt._
_Der König von Burgonden ‖ beklagt’ auch seinen Tod.
Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Das thut nimmer Noth, 30
Dass der um Schaden weinet, ‖ durch den man ihn gewann:
Er verdient gross Schelten, ‖ er hätt es besser nicht gethan.’_
_Da sprach der grimme Hagen: ‖ ‘Ich weiss nicht, was euch reut;
Nun hat zumal ein Ende ‖ unser sorglich Leid.
Nun mags nicht Manchen geben, ‖ der uns darf bestehn;
Wohl mir, dass seiner Herrschaft ‖ durch mich ein End
ist geschehn.’_ 20
_‘Ihr mögt euch leichtlich rühmen,’ ‖ sprach Der von Niederland;
‘Hätt ich die mörderische ‖ Weis an euch erkannt,
Vor euch hätt ich behalten ‖ Leben wohl und Leib.
Mich dauert nichts auf Erden ‖ als Frau Kriemhilde mein Weib._
_Auch mag es Gott erbarmen, ‖ dass ich gewann den Sohn,
Der nun auf alle Zeiten ‖ bescholten ist davon,
Dass seine Freunde Jemand ‖ meuchlerisch erschlagen:
Hätt ich Zeit und Weile, ‖ das müsst ich billig beklagen.’_
_Da sprach im Jammer weiter, ‖ der todwunde Held:
‘Wollt ihr, edler König, ‖ je auf dieser Welt 30
An Jemand Treue üben, ‖ so lasst befohlen sein
Auf Treue und auf Gnaden ‖ euch die liebe Traute mein._
_Lasst sie es geniessen, ‖ dass sie eure Schwester sei:
Bei aller Fürsten Tugend, ‖ steht ihr mit Treue bei!
Mein mögen lange harren ‖ mein Vater und mein Bann:
Es ward am lieben Freunde ‖ nimmer übler gethan.’_ 20
_Die Blumen allenthalben ‖ waren vom Blute nass.
Da rang er mit dem Tode, ‖ nicht lange that er das,
Denn des Todes Waffe ‖ schnitt immer allzusehr.
Auch musste bald ersterben ‖ dieser Degen kühn und hehr._
_Als die Herren sahen, ‖ der Degen sei todt,
Sie legten ihn auf einen Schild, ‖ der war von Golde roth:
Da giengen sie zu Rathe, ‖ wie es sollt ergehn,
Dass es verhohlen bliebe, ‖ es sei von Hagen geschehn._
_Da sprachen ihrer Viele: ‖ ‘Ein Unfall ist geschehn;
Ihr sollt es Alle hehlen ‖ und Einer Rede stehn: 30
Als er allein ritt jagen, ‖ der Kriemhilde Mann,
Da schlugen ihn die Schächer, ‖ als er fuhr durch den Tann.’_
_Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich bring ihn in das Land.
Mich soll es nicht kümmern, ‖ wird es ihr auch bekannt, 10
Die so betrüben konnte ‖ Brunhildens hohen Muth;
Ich werde wenig fragen ‖ wie sie nun weinet und thut.’_
_Da harrten sie des Abends ‖ und fuhren überrhein;
Es mochte nie von Helden ‖ so schlimm gejaget sein.
Ihr Beutewild beweinte ‖ noch manches edle Weib,
Sein musste bald entgelten ‖ viel guter Weigande Leib._