VIII. LIED.

Gunthêr und Hagne, ‖ die reken vil balt,

lobeten mit untriuwen ‖ ein pirsen in den walt.

mit ir scharpfen gêren ‖ si wolden jagen swîn

beren unde wisende: ‖ waz kunde küeners gesîn?

Si hiezen herbergen ‖ für den grüenen walt

gêns wildes abeloufe ‖ die stolzen jägere balt,

dâ si dâ jagen solden, ‖ ûf einen wert vil breit.

dô was ouch komen Sîfrit: ‖ daz wart dem künege geseit.

Von den jeitgesellen ‖ wurden dô bestân

die warte an allen enden. ‖ dô sprach der küene man,

Sîfrit der vil starke, ‖ ‘wer sol uns in den walt

wîsen nâch dem wilde, ‖ ir degne küene unde balt?’

‘Wellen wir uns scheiden,’ ‖ sprach dô Hagene,

‘ê daz wir beginnen ‖ hie ze jagene?

dâ bî mugen bekennen ‖ ich und die hêrren mîn

wer die besten jägere ‖ an diser waltreise sîn.

Liute unde hunde ‖ sulen wir teilen gar:

sô kêre islîcher ‖ dâ er gerne var. 10

der danne jage beste, ‖ der sol des haben danc.’

der jäger bîten ‖ wart bî ein ander niht lanc.

Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘ich hân der hunde rât,

wan einen bracken, ‖ der sô genozzen hât

daz er die verte erkenne ‖ der tiere durch den tan.

wir komen wol ze jeide,’ ‖ sprach der Kriemhilde man.

Dô nam ein alter jägere ‖ einen spürhunt:

er brâhte den hêrren ‖ in einer kurzer stunt

dâ si vil tiere funden. ‖ swaz der von leger stuont,

diu erjeiten die gesellen, ‖ sô noch guote jeger tuont.

Einen eber grôzen ‖ vant der spürhunt.

als er begunde vliehen, ‖ dô kom an der stunt

des gejeides meister ‖ bestuont in ûf der slâ.

daz swîn zorneclîchen ‖ lief an den küenen degen sâ.

Dô sluoc in mit dem swerte ‖ Kriemhilde man:

ez hete ein ander jegere ‖ sô sanfte niht getân. 10

dô ern hete ervellet, ‖ man vie den spürhunt.

dô wart sîn rîch gejeide ‖ allen Burgonden kunt.

Sie hôrten allenthalben ‖ ludem unde dôz.

von liuten und von hunden ‖ der schal was sô grôz,

daz in dâ von antwurte ‖ der berc und ouch der tan.

vier unde zweinzec ruore ‖ die jeger hêten verlân.

Dô muosen vil der tiere ‖ verliesen dâ daz leben.

dô wânden sie füegen ‖ daz man solde geben

in den prîs des jeides: ‖ des kunde niht geschehen,

dô der starke Sîfrit ‖ wart zer viwerstat gesehen.

Daz jeit was ergangen, ‖ unde doch niht gar.

die zer viwerstat wolden, ‖ die brâhten mit in dar

vil maneger tiere hiute ‖ und wildes genuoc.

hei waz man ze kuchen ‖ für daz ingesinde truoc!

Dô hiez der künic künden ‖ den jägern wol geborn

daz er enbîzen wolde. ‖ dô wart lûte ein horn 10

zeiner stunt geblâsen: ‖ dâ mite wart bekant

daz man den fürsten edele ‖ dâ zen herbergen vant.

Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘nu rûmen wir den tan!’

sîn ros truoc in ebene: ‖ si îlten mit im dan.

si ersprancten mit ir schalle ‖ ein tier gremelich,

einen beren wilden. ‖ dô sprach der degen hinder sich:

‘Ich wil uns hergesellen ‖ kurzwîle wern.

ir sult den braken lâzen. ‖ ich sihe einen bern:

der sol mit uns hinnen ‖ zen herbergen varn.

ern fliehe danne sêre, ‖ ern kan sichs nimmer bewarn.’

Der brake wart verlâzen, ‖ der bere spranc von dan.

dô wolde in errîten ‖ Kriemhilde man.

er kom in ein gevelle: ‖ done kund ez niht wesen.

daz starke tier dô wânde ‖ vor den jägeren genesen.

Dô spranc von sîme rosse ‖ der stolze rîter guot,

er begunde nâch loufen. ‖ daz tier was unbehuot, 10

ez enkund im niht entrinnen: ‖ dô vie erz sâ zehant,

ân alle wunden ‖ der helt ez schiere gebant.

Krazen noch gebîzen ‖ kund ez niht den man.

er band ez zuo dem satele: ‖ ûf saz der snelle sân,

er brâht ez an die viwerstat ‖ durch sînen hôhen muot,

zeiner kurzwîle, ‖ der degen küene unde guot.

Als er gestuont von rosse, ‖ dô lôste er im diu bant

von fuoze und ouch von munde. ‖ do erlûte sâ zehant

vil lûte daz gehünde, ‖ swaz es den bern sach.

daz tier ze walde wolde: ‖ des heten die liute ungemach.

Der bere von dem schalle ‖ durch die kuche geriet:

hey waz er kuchenknehte ‖ von dem viwer schiet!

vil kezzele wart gerüeret, ‖ zerfüeret manic brant:

hei waz man guoter spîse ‖ in dem aschen ligen vant!

Dô sprungen von dem sedele ‖ die hêrren und ir man.

der bere begunde zürnen: ‖ der künic hiez dô lân 10

allez daz gehünde ‖ daz an seilen lac.

und wær ez wol verendet, ‖ si heten vrœlîchen tac.

Mit bogen und mit spiezen ‖ (niht langer man daz lie)

dar liefen dô die snellen, ‖ dâ der bere gie.

dô was sô vil der hunde, ‖ daz dâ nieman schôz.

von des liutes schalle ‖ daz birge allez erdôz.

Der ber begunde vliehen ‖ vor den hunden dan:

im kunde niht gevolgen ‖ wan Kriemhilde man.

er erlief in mit dem swerte, ‖ ze tôde er in dô sluoc.

hin wider zuo dem viwre ‖ man den beren dô truoc.

Dô sprâchen die daz sâhen, ‖ er wær ein kreftic man.

die stolzen jeitgesellen ‖ hiez man ze tische gân.

ûf einen schœnen anger ‖ saz ir dâ genuoc.

hei waz man rîterspîse ‖ den stolzen jegern dô truoc!

Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘wunder mich des hât,

sîd man uns von kuchen ‖ gît sô manegen rât, 10

war umbe uns die schenken ‖ dar zuo niht bringen wîn.

man pflege baz der jegere, ‖ ich wil niht jeitgeselle sîn.’

Dô sprach der Niderlende ‖ ‘ir lîp der habe undanc.

man sold mir siben soume ‖ met und lûtertranc

haben her gefüeret. ‖ dô des niht mohte sîn,

dô sold man uns gesidelet ‖ haben nâher an den Rîn.’

Dô sprach von Tronje Hagne ‖ ‘ir edelen rîter balt,

ich weiz hie vil nâhen ‖ einen brunnen kalt

(daz ir niht enzürnet): ‖ dâ sul wir hine gân.’

der rât wart manegem degne ‖ ze grôzen sorgen getân.

Dô si wolden dannen ‖ zuo der linden breit,

dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘mir ist des vil geseit

daz niht gevolgen kunde ‖ dem Kriemhilde man,

swenner welle gâhen: ‖ wold er uns daz sehen lân!’

Dô sprach von Niderlande ‖ der küene Sîfrit

‘daz muget ir wol versuochen, ‖ welt ir mir volgen mit 10

ze wette zuo dem brunnen. ‖ sô daz ist getân,

man jehe dem gewinnes ‖ den man siht gewunnen hân.’

‘Nu welle ouch wirz versuochen,’ ‖ sprach Hagne der degen.

dô sprach der starke Sîfrit ‖ ‘sô wil ich mich legen

für iuwer füeze ‖ nider an daz gras.’

dô er daz gehôrte, ‖ wie liep daz Gunthêre was!

Dô sprach der degen küene ‖ ‘ich wil iu mêre sagen,

allez mîn gewæte ‖ wil ich mit mir tragen,

den gêr zuo dem schilde, ‖ und mîn pirsgewant.’

den kocher zuo dem swerte ‖ schier er umbe gebant.

Dô zugen si diu kleider ‖ von dem lîbe dan:

in zwein wîzen hemden ‖ sach man si beide stân.

sam zwei wildiu pantel ‖ si liefen durch den klê:

doch sach man bî dem brunnen ‖ den küenen Sîfriden ê.

Den brîs von allen dingen ‖ truoc er vor manegem man.

daz swert lôst er schiere, ‖ den kocher leit er dan, 10

den starken gêr er leinde ‖ an der linden ast:

bî des brunnen fluzze ‖ stuont der hêrlîche gast.

Die Sîfrides tugende ‖ wâren harte grôz.

den schilt er leite nidere ‖ dâ der brunne flôz:

swie harte sô in durste, ‖ der helt doch niht entranc

ê der künec getrunke. ‖ des seit er im vil bœsen danc.

Der brunne was küele ‖ lûter unde guot.

Gunthêr sich dô neigte ‖ nider zuo der vluot:

als er hete getrunken, ‖ dô rihte er sich von dan.

alsam het ouch gerne ‖ der küene Sîfrit getân.

Do engalt er sîner zühte. ‖ den bogen und daz swert,

daz truoc allez Hagne ‖ von im danwert,

und spranc dâ hin widere ‖ da er den gêre vant.

er sach nâch einem bilde ‖ an des küenen gewant.

Dô der hêrre Sîfrit ‖ ob dem brunnen tranc,

er schôz in durch daz criuze, ‖ daz von der wunden spranc 10

daz bluot von dem herzen ‖ vaste an Hagnen wât.

solher missewende ‖ ein helt nu nimmer begât.

Der hêrre tobelîchen ‖ von dem brunnen spranc:

im ragete von den herten ‖ ein gêrstange lanc.

der fürste wânde vinden ‖ bogen oder swert:

sô müeste wesen Hagne ‖ nâch sîme dienste gewert.

Dô der sêre wunde ‖ des swertes niht envant,

done het et er niht mêre ‖ wan des schildes rant:

er zuct in von dem brunnen, ‖ dô lief er Hagnen an:

done kund im niht entrinnen ‖ des künic Gunthêres man.

Swie wunt er was zem tôde, ‖ sô krefteclîch er sluoc,

daz ûzer dem schilde ‖ dræte genuoc

des edelen gesteines: ‖ der schilt vil gar zerbrast.

sich hete gerne errochen ‖ der vil hêrlîche gast.

Dô was gestrûchet Hagne ‖ vor sîner hant zetal.

von des slages krefte ‖ der wert vil lûte erhal. 10

het er sîn swert enhende, ‖ sô wær ez Hagnen tôt.

sêre zurnde der wunde: ‖ des twanc in êhaftiu nôt.

Erblichen was sîn varwe: ‖ ern mohte niht gestên

sînes lîbes sterke ‖ muoste gar zergên,

wand er des tôdes zeichen ‖ in liehter varwe truoc

sît wart er beweinet ‖ von schœnen vrouwen genuoc.

Dô viel in die bluomen ‖ der Kriemhilde man:

daz bluot von sîner wunden ‖ sach man vaste gân.

dô begunder schelden ‖ (des twanc in grôziu nôt)

die ûf in gerâten ‖ heten ungetriwe den tôt.

Dô sprach der verchwunde ‖ ‘jâ ir bœsen zagen,

waz helfent mîniu dienest, ‖ sîd ir mich habet erslagen?

ich was iu ie getriuwe; ‖ des ich enkolten hân.

ir habet an iwren friunden ‖ leider übele getân.’

Die rîter alle liefen ‖ dâ er erslagen lac.

ez was ir genuogen ‖ ein vröudelôser tac. 10

die iht triwe hêten, ‖ von den wart er gekleit:

daz hete ouch wol verdienet ‖ umbe alle liute der helt gemeit.

Der künec von Burgonden ‖ klagte ouch sînen tôt.

dô sprach der verchwunde ‖ ‘daz ist âne nôt,

daz der nâch scaden weinet, ‖ der in dâ hât getân.

der dienet michel schelden: ‖ ez wære bezzer verlân.’

Dô sprach der grimme Hagne ‖ ‘jan weiz ich waz ir kleit.

ez hât nu allez ende an uns, ‖ sorge unde leit:

wir vinden ir nu wênic ‖ die getürren uns bestân.

wol mich daz ich des heldes ‖ hân ze râte getân.’

‘Ir muget iuch lîhte rüemen,’ ‖ sprach hêr Sîfrit.

‘het ich an iu erkunnet ‖ den mortlîchen sit,

ich hete wol behalten ‖ vor iu mînen lîp.

mich riwet niht sô sêre ‖ sô vrou Kriemhilt mîn wîp.

Nu müeze got erbarmen ‖ daz ich ie gewan den suon

dem man itewîzen ‖ sol daz her nâch tuon 10

daz sîne mâge ieman ‖ mortlîch hânt erslagen.

möhte ichz verenden, ‖ daz sold ich billîchen klagen.’

Dô sprach jæmerlîche ‖ der verchwunde man

‘welt ir, künic edele, ‖ triwen iht begân

in der werlde an iemen, ‖ lât iu bevolhen sîn

ûf iuwer genâde ‖ die lieben triutinne mîn.

Lât si des geniezen ‖ daz si iwer swester sî:

durch aller fürsten tugende ‖ wont ir mit triwen bî.

wan mir wartent lange ‖ mîn vater und mîne man.

ez enwart nie leider ‖ an liebem vriunde getân.’

Die bluomen allenthalben ‖ von bluote wâren naz.

dô rang er mit dem tôde: ‖ unlange tet er daz,

wan des tôdes zeichen ‖ ie ze sêre sneit.

ouch muoste sân ersterben ‖ der recke küene unde gemeit.

Dô die hêrren sâhen ‖ daz der helt was tôt,

si leiten in ûf einen schilt ‖ (der was von golde rôt), 10

und wurden des ze râte, ‖ wie daz solde ergân

daz man ez verhæle ‖ daz ez Hagne hete getân.

Dô sprâchen ir genuoge ‖ ‘uns ist übel geschehen.

ir sult ez heln alle, ‖ und sult gelîche jehen,

da er jagen rite aleine, ‖ Kriemhilde man,

in slüegen schâchære, ‖ dâ er füere durch den tan.’

Dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘ich bring in in daz lant.

mir ist vil unmære, ‖ wirt ez ir bekant,

diu sô hât betrüebet ‖ den Brünhilde muot.

ez ahtet mich vil ringe, ‖ swaz si nu weinens getuot.’

Dô biten si der nahte ‖ und fuoren über Rîn.

von helden kunde nimmer ‖ wirs gejaget sîn.

ein tier daz si dâ sluogen, ‖ daz weinden edeliu kint.

jâ muosten sîn enkelten ‖ vil guoter wîgande sint.

_Gunther und Hagen, ‖ die Recken wohlgethan,

Beriethen mit Untreuen ‖ ein Birschen in den Tann. 10

Mit ihren scharfen Spiessen ‖ wollten sie jagen gehn

Bären und Wisende: ‖ was könnte Kühn’res geschehn?_

_Da liess man herbergen ‖ bei dem Walde grün

Vor des Wildes Wechsel ‖ die stolzen Jäger kühn,

Wo sie da jagen wollten, ‖ auf breitem Angergrund.

Gekommen war auch Siegfried: ‖ das ward dem Könige kund._

_Von den Jagdgesellen ‖ ward umhergestellt

Die Wart an allen Enden: ‖ da sprach der kühne Held

Siegfried der starke: ‖ ‘Wer soll uns in den Tann

Nach dem Wilde weisen, ‖ ihr Degen kühn und wohlgethan?’_ 20

_‘Wollen wir uns scheiden,’ ‖ hub da Hagen an,

‘Ehe wir beginnen ‖ zu jagen hier im Tann?

So mögen wir erkennen, ‖ ich und die Herren mein,

Wer die besten Jäger ‖ bei dieser Waldreise sei’n._

_Die Leute und die Hunde, ‖ wir theilen uns darein:

Wohin ihn lüstet, fahre ‖ dann jeglicher allein,

Und wer das Beste jagte, ‖ dem sage man den Dank.’

Da weilten die Jäger ‖ bei einander nicht mehr lang._

_Da sprach der Herre Siegfried: ‖ ‘der Hunde hab ich Rath:

Ich will nur einen Bracken, ‖ der so genossen hat, 30

Dass er des Wildes Fährte ‖ spüre durch den Tann:

Wir kommen wohl zum Jagen!’ ‖ so sprach der Kriemhilde Mann._

_Da nahm ein alter Jäger ‖ einen Spürhund

Und brachte den Herren ‖ in einer kurzen Stund,

Wo sie viel Wildes fanden: ‖ was des vertrieben ward,

Das erjagten die Gesellen, ‖ wie heut nach guter Jäger Art._ 20

_Einen grossen Eber ‖ trieb der Spürhund auf.

Als der flüchtig wurde, ‖ da kam in schnellem Lauf

Derselbe Jagdmeister ‖ und nahm ihn wohl aufs Korn:

Anlief den kühnen Degen ‖ das Schwein in grimmigem Zorn._

_Da schlug es mit dem Schwerte ‖ der Kriemhilde Mann:

Das hätt ein andrer Jäger ‖ nicht so leicht gethan.

Als er es gefället, ‖ fieng man den Spürhund.

Da ward sein reiches Jagen ‖ den Burgonden allen kund._

_Da vernahm man allenthalben ‖ Lärmen und Getos.

Von Leuten und von Hunden ‖ ward der Schall so gross, 30

Man hörte widerhallen ‖ den Berg und auch den Tann.

Vierundzwanzig Hunde ‖ hatten die Jäger losgethan._

_Da wurde viel des Wildes ‖ vom grimmen Tod ereilt.

Sie wähnten es zu fügen, ‖ dass ihnen zugetheilt

Der Preis des Jagens würde: ‖ das konnte nicht geschehn,

Als bei der Feuerstätte ‖ der starke Siegfried

ward gesehn._ 20

_Die Jagd war zu Ende, ‖ und doch nicht ganz und gar.

Die zu der Herberg wollten ‖ brachten mit sich dar

Häute mancher Thiere, ‖ dazu des Wilds genug.

Hei! was man zur Küche ‖ vor das Ingesinde trug!_

_Da liess der König künden ‖ den Jägern wohlgeborn

Dass er zum Imbiss wolle; da wurde laut ins Horn

Einmal gestossen: ‖ also ward bekannt,

Dass man den edeln Fürsten ‖ bei den Herbergen fand._

_Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Nun räumen wir den Wald.’

Sein Ross trug ihn eben, ‖ die Andern folgten bald. 30

Sie verscheuchten mit dem Schalle ‖ ein Waldthier fürchterlich,

Einen wilden Bären; ‖ da sprach der Degen hinter sich:_

_‘Ich schaff uns Jagdgesellen ‖ eine Kurzweil.

Da seh ich einen Bären: ‖ den Bracken löst vom Seil.

Zu den Herbergen ‖ soll mit uns der Bär:

Er kann uns nicht entrinnen ‖ und flöh er auch noch

so sehr.’_ 20

_Da lösten sie den Bracken, ‖ der Bär sprang hindann.

Da wollt ihn erreiten ‖ der Kriemhilde Mann;

Er fiel in ein Geklüfte: ‖ da konnt er ihm nicht bei;

Das starke Thier wähnte ‖ von den Jägern schon sich frei._

_Da sprang von seinem Rosse ‖ der stolze Ritter gut,

Und begann ihm nachzulaufen. ‖ Das Thier war ohne Hut,

Es konnt ihm nicht entrinnen, ‖ er fieng es allzuhand;

Ohn es zu verwunden ‖ der Degen eilig es band._

_Kratzen oder beissen ‖ konnt es nicht den Mann.

Er band es auf den Sattel: ‖ aufsass der Schnelle dann; 30

Er bracht es zu dem Herde ‖ in seinem hohen Muth

Zu einer Kurzweile, ‖ der Degen edel und gut._

_Als er von Ross gestiegen, ‖ löst er ihm das Band

Vom Mund und von den Füssen: ‖ die Hunde gleich zur Hand

Begannen laut zu heulen, ‖ als sie den Bären sahn.

Das Thier zu Walde wollte: ‖ das erschreckte

manchen Mann._ 20

_Der Bär in die Küche ‖ von dem Lärm gerieth;

Hei! was er Küchenknechte ‖ von dem Feuer schied!

Gerückt ward mancher Kessel, ‖ zerzerret mancher Brand;

Hei! was man guter Speisen ‖ in der Asche liegen fand!_

_Da sprangen von den Sitzen ‖ die Herren und ihr Bann.

Der Bär begann zu zürnen; ‖ der König wies sie an

Der Hunde Schar zu lösen, ‖ die an den Seilen lag;

Und wär es wohl geendet, ‖ sie hätten fröhlichen Tag._

_Mit Bogen und mit Spiessen, ‖ man versäumte sich nicht mehr,

Liefen hin die Schnellen, ‖ wo da gieng der Bär; 30

Doch wollte Niemand schiessen, ‖ von Hunden wars zu voll.

So laut war das Getöse, ‖ dass rings der Bergwald erscholl._

_Der Bär begann zu fliehen ‖ vor der Hunde Zahl;

Ihm konnte Niemand folgen ‖ als Kriemhilds Gemahl.

Er erlief ihn mit dem Schwerte, ‖ zu Tod er ihn da schlug.

Wieder zu dem Feuer ‖ das Gesind den Bären trug._ 20

_Da sprachen Die es sahen, ‖ er wär ein starker Mann.

Die stolzen Jagdgesellen ‖ rief man zu Tisch heran:

Auf einem schönen Anger ‖ sassen ihrer genug.

Hei! was man Ritterspeise ‖ vor die stolzen Jäger trug!_

_Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Mich verwundert sehr,

Man bringt uns aus der Küche ‖ doch so viel daher,

Was bringen uns die Schenken ‖ nicht dazu den Wein?

Pflegt man so der Jäger, ‖ will ich nicht Jagdgeselle sein.’_

_Da sprach der Niederländer: ‖ ‘Ich sag euch wenig Dank.

Man sollte sieben Säumer ‖ mit Meth und Lautertrank 30

Mir hergesendet haben; ‖ konnte das nicht sein,

So hätte man uns besser ‖ gesiedelt näher dem Rhein.’_

_Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ihr edeln Ritter schnell,

Ich weiss hier in der Nähe ‖ einen kühlen Quell:

Dass ihr mir nicht zürnet, ‖ da rath ich hinzugehn.’

Der Rath war manchem Degen ‖ zu grosser Sorge geschehn._ 20

_Als sie von dannen wollten ‖ zu der Linde breit,

Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich hörte jederzeit,

Es könne Niemand folgen ‖ Kriemhilds Gemahl,

Wenn er rennen wollte; ‖ hei! schauten wir doch das einmal!’_

_Da sprach von Niederlanden ‖ Siegfried der Degen kühn:

‘Das mögt ihr wohl versuchen: ‖ wollt ihr zur Wette hin

Mit mir an den Brunnen? ‖ Wenn der Lauf geschieht,

Soll der gewonnen haben, ‖ welchen man den Vordersten sieht.’_

_‘Wohl, lasst es uns versuchen,’ ‖ sprach Hagen der Degen.

Da sprach der starke Siegfried: ‖ ‘So will ich mich legen 30

Hier zu euern Füssen ‖ nieder in das Gras.’

Als er das erhörte, ‖ wie lieb war König Gunthern das!_

_Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Ich will euch mehr noch sagen:

All meine Geräthe ‖ will ich mit mir tragen,

Den Speer sammt dem Schilde, ‖ dazu mein Birschgewand.’

Das Schwert und den Köcher ‖ er um die Glieder schnell

sich band._ 20

_Abzogen sie die Kleider ‖ von dem Leibe da;

In zwei weissen Hemden ‖ man Beide stehen sah.

Wie zwei wilde Panther ‖ liefen sie durch den Klee;

Man sah bei dem Brunnen ‖ den kühnen Siegfried doch eh._

_Den Preis in allen Dingen ‖ vor Manchem man ihm gab.

Da löst’ er schnell die Waffe, ‖ den Köcher legt’ er ab.

Den starken Wurfspiess lehnt’ er ‖ an den Lindenast:

Bei des Brunnens Flusse ‖ stand der herrliche Gast._

_Siegfriedens Tugenden ‖ waren gut und gross.

Den Schild legt’ er nieder ‖ wo der Brunnen floss; 30

Wie sehr ihn auch dürstete, ‖ der Held nicht eher trank

Bis der Wirth getrunken: ‖ dafür gewann er übeln Dank._

_Der Brunnen war lauter, ‖ kühl und auch gut;

Da neigte sich Gunther ‖ hernieder zu der Fluth.

Als er getrunken hatte, ‖ erhob er sich hindann;

Also hätt auch gerne ‖ der kühne Siegfried gethan._ 20

_Da entgalt er seiner Tugend; ‖ den Bogen und das Schwert

Trug Hagen beiseite ‖ von dem Degen werth.

Dann sprang er schnell zurücke, ‖ wo er den Wurfspiess fand

Und sah nach einem Zeichen ‖ an des Kühnen Gewand._

_Als der edle Siegfried ‖ aus dem Brunnen trank,

Schoss er ihm durch das Kreuze, ‖ dass aus der Wunde sprang

Das Blut ihm von dem Herzen ‖ hoch an Hagens Staat.

Kein Held begeht wieder ‖ also grosse Missethat._

_Der Held in wildem Toben ‖ von dem Brunnen sprang;

Ihm ragte von den Schultern ‖ eine Speerstange lang. 30

Nun wähnt’ er da zu finden ‖ Bogen oder Schwert:

So hätt er Lohn Herrn Hagen ‖ wohl nach Verdienste gewährt._

_Als der Todwunde ‖ sein Schwert nicht wiederfand,

Da blieb ihm nichts weiter ‖ als der Schildesrand.

Den rafft’ er von dem Brunnen ‖ und rannte Hagnen an:

Da konnt ihm nicht entrinnen ‖ König Gunthers Unterthan._ 20

_Wie wund er war zum Tode, ‖ so kräftig doch er schlug,

Dass von dem Schilde nieder ‖ rieselte genug

Des edeln Gesteines; ‖ der Schild zerbrach auch fast:

So gern gerochen hätte ‖ sich der herrliche Gast._

_Gestrauchelt war da Hagen ‖ von seiner Hand zu Thal;

Der Anger von den Schlägen ‖ erscholl im Wiederhall.

Hätt er sein Schwert in Händen, ‖ so wär es Hagens Tod.

Sehr zürnte der Wunde; ‖ es zwang ihn wahrhafte Noth._

_Seine Farbe war erblichen, ‖ er konnte nicht mehr stehn.

Seines Leibes Stärke ‖ musste ganz zergehn, 30

Da er des Todes Zeichen ‖ in lichter Farbe trug.

Er ward hernach beweinet ‖ von schönen Frauen genug._

_Da fiel in die Blumen ‖ der Kriemhilde Mann:

Das Blut von seiner Wunde ‖ stromweis nieder rann.

Da begann er die zu schelten, ‖ ihn zwang die grosse Noth,

Die da gerathen hatten ‖ mit Untreue seinen Tod._ 20

_Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Weh, ihr bösen Zagen,

Was helfen meine Dienste, ‖ da ihr mich habt erschlagen?

Ich war euch stets gewogen ‖ und sterbe nun daran.

Ihr habt an euern Freunden ‖ leider übel gethan.’_

_Hinliefen all die Ritter, ‖ wo er erschlagen lag.

Es war ihrer Vielen ‖ ein freudeloser Tag.

Wer irgend Treue kannte, ‖ von dem ward er beklagt:

Das hatt auch wohl um Alle ‖ verdient der Degen unverzagt._

_Der König von Burgonden ‖ beklagt’ auch seinen Tod.

Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Das thut nimmer Noth, 30

Dass der um Schaden weinet, ‖ durch den man ihn gewann:

Er verdient gross Schelten, ‖ er hätt es besser nicht gethan.’_

_Da sprach der grimme Hagen: ‖ ‘Ich weiss nicht, was euch reut;

Nun hat zumal ein Ende ‖ unser sorglich Leid.

Nun mags nicht Manchen geben, ‖ der uns darf bestehn;

Wohl mir, dass seiner Herrschaft ‖ durch mich ein End

ist geschehn.’_ 20

_‘Ihr mögt euch leichtlich rühmen,’ ‖ sprach Der von Niederland;

‘Hätt ich die mörderische ‖ Weis an euch erkannt,

Vor euch hätt ich behalten ‖ Leben wohl und Leib.

Mich dauert nichts auf Erden ‖ als Frau Kriemhilde mein Weib._

_Auch mag es Gott erbarmen, ‖ dass ich gewann den Sohn,

Der nun auf alle Zeiten ‖ bescholten ist davon,

Dass seine Freunde Jemand ‖ meuchlerisch erschlagen:

Hätt ich Zeit und Weile, ‖ das müsst ich billig beklagen.’_

_Da sprach im Jammer weiter, ‖ der todwunde Held:

‘Wollt ihr, edler König, ‖ je auf dieser Welt 30

An Jemand Treue üben, ‖ so lasst befohlen sein

Auf Treue und auf Gnaden ‖ euch die liebe Traute mein._

_Lasst sie es geniessen, ‖ dass sie eure Schwester sei:

Bei aller Fürsten Tugend, ‖ steht ihr mit Treue bei!

Mein mögen lange harren ‖ mein Vater und mein Bann:

Es ward am lieben Freunde ‖ nimmer übler gethan.’_ 20

_Die Blumen allenthalben ‖ waren vom Blute nass.

Da rang er mit dem Tode, ‖ nicht lange that er das,

Denn des Todes Waffe ‖ schnitt immer allzusehr.

Auch musste bald ersterben ‖ dieser Degen kühn und hehr._

_Als die Herren sahen, ‖ der Degen sei todt,

Sie legten ihn auf einen Schild, ‖ der war von Golde roth:

Da giengen sie zu Rathe, ‖ wie es sollt ergehn,

Dass es verhohlen bliebe, ‖ es sei von Hagen geschehn._

_Da sprachen ihrer Viele: ‖ ‘Ein Unfall ist geschehn;

Ihr sollt es Alle hehlen ‖ und Einer Rede stehn: 30

Als er allein ritt jagen, ‖ der Kriemhilde Mann,

Da schlugen ihn die Schächer, ‖ als er fuhr durch den Tann.’_

_Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich bring ihn in das Land.

Mich soll es nicht kümmern, ‖ wird es ihr auch bekannt, 10

Die so betrüben konnte ‖ Brunhildens hohen Muth;

Ich werde wenig fragen ‖ wie sie nun weinet und thut.’_

_Da harrten sie des Abends ‖ und fuhren überrhein;

Es mochte nie von Helden ‖ so schlimm gejaget sein.

Ihr Beutewild beweinte ‖ noch manches edle Weib,

Sein musste bald entgelten ‖ viel guter Weigande Leib._

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 84 / 276 题