»Hast Du nie Hofnung glüklicher zu werden?«
O, doch! binnen _drei Wochen_, denk ich!
»Willst Du entfliehn?«
O, pfui!
»Einen Selbstmord begehn?«
Noch weniger.
»Nun.«
Gehn wie mein Verhängnis mich führen wird.
»Gedenk aber Deines grauen Onkels, gedenke meiner Gattin, Deiner Schwester,
-- gedenke meiner, Bruder, ehe Du handelst!«
O es ist schreklich! ich fühl' es, aber ändern kann ich nichts. -- -- Noch
eins. Sage mir, wer sind die Unbekannten, die sich in meine Auftritte
mischen!
»Deine _Freunde_, sehr wahrscheinlich!«
_Wahrscheinlich_? -- nein, gieb mir _Gewisheit_ für dieses schwankende
_Wahrscheinliche_. Wer sind sie?
»Es sind _Unbekannte_. Ich darf sie Dir nicht näher nennen; thät' ichs: so
wären sie Dir nicht mehr das, was sie noch izt sind.«
O geh: Du bist einer von ihnen, und -- sie sind mehr, als Menschen.
»Wie lange wirst Du noch bei uns bleiben?«
Heut' ist der _elfte_ im Monat -- -- am _zwanzigsten_ verlasse ich Euch
alle.
»Zeit genug, Dir, über Deine Frage wegen der Unbekannten Licht zu geben. --
Du scheinst ja so schläfrig?«
Es ist wahr, ich bin ungewöhnlich müde. Der Tag war sehr heiß!
»Schlummre ein wenig, ich werde Dich in einem Stündchen wekken. Komm auf
Dein Zimmer!«
Hier in den Schatten des Fliederbaums will ich mich hinlagern. -- Nun und
wegen der Unbekannten?
»Sollst Du noch heute einige Notizen erhalten.«
Besorge mir doch beim Erwachen frische Milch. Willst Du?
»Es soll geschehn. -- Schlummre sanft, es wird Dich niemand stören.«
_Holder_ verlies ihn; der _Graf_ warf sich ermüdet unter den Fliederbaum
hin, und entschlief bald, eingewiegt von dem leisen Säuseln der über ihn
hernieder hängenden Zweige.
Einige Zeit darauf traten _Holder_, seine _Gattin_ und der biedre _Onkel_
herein. Sie stellten sich um den _schlummernden Geliebten_, und sahen
einige Zeit auf ihn gerührt herab.
»Nein,« sagte _Rikchen_: »es thut mir zu wehe um ihn, ich bitte Euch, ihr
Lieben, laßt es ungeschehn.«
»»Ei Poz!«« hub der Onkel an? »»ich sehe zwar den Nuzzen davon nicht ein,
aber sagts doch Freund _Holder_, und was der sagt, muß geschehn, was der
sagt, ist gut, weil er klüger ist, als ich und Du und der Kammerherr.««
_Rikchen_ schwieg; sie kniete neben ihrem _Florentin_ nieder, bog sich über
ihn und küßte ihn sanft.
»Fort! fort; kommandirte der _Onkel_! Weißt Du was Freund _Holder_ mir
sagte?«
»»Und was denn?«« fragte Rikchen, indem sie aufsprang, und neugierig zu
ihrem _Onkel_ trat.
»_Florentins_ Schiksal wäre krank, todkrank und verdiente daher eine
wirksame Arzenei.«
»»Verstehen Sie etwas von diesen Worten meines Mannes?««
»Nein, _Rikchen_, das nun wohl nicht, aber mir ists doch so _dämmernd_!«
_Holder_ lächelte, schlang seine Arme um Beide und führte sie aus dem
Garten.