G.

^NB.^ Ich bin Freimaurer geworden! Was sagt ihr dazu?

25.

Mir ist herzlich lieb, daß du uns durch Kn. näher kommst. Gewiß ist, daß

an so einem kleinen Orte, wo eine Anzahl wunderbarer moralischer

Existenzen sich an einander reiben, eine Art von Gährung entstehen

müsse, die einen lieblich säuerlichen Geruch hat, nur gehts uns manchmal

wie einem der den Sauerteig selbst essen sollte. Es ist eine böse Kost.

Aber wenn es in kleiner Portion zu anderem Maal gebracht wird, gar

schmackhaft und heilsam.

Daß du Freude an meiner Iphigenie gehabt hast, ist mir ein

außerordentlich Geschenk. Da wir mit unsern Existenzen so nah stehen,

und mit unsern Gedanken und Imaginationen so weit aus einander gehn, und

wie zwey Schützen, die mit dem Rücken an einander lehnend, nach ganz

verschiedenen Zielen schießen; so erlaub ich mir niemals den Wunsch, daß

meine Sachen dir etwas werden könnten. Ich freue mich deswegen recht

herzlich, daß ich auch mit diesem wieder ans Herz gekommen bin.

Adieu. Die Dürers schick ich gleich wenn die, die du dazu schicken

willst, einrangirt sind. Du hast recht ich treibe die Sachen, als wenn

wir ewig auf Erden leben sollten.

Knebeln inliegendes.

Ich bin neugierig, ob du an der Apokalypse nichts verdorben hast. Mir

ists neulich so gegangen, daß ich habe aus einem Stück ein Duzzend Verse

heraus korrigirt, die ich, da es der Herzog zu sehen kriegte, wieder

restituiren mußte.

Grüse Bäben. Schicke von Wasern bald. Adieu Bester. Der Herzog grüßt.

d. 24. Jul. 80.

Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783 · 第 29 / 54 题