Weimar den 1. May 1780.
Haben so viele _Krieger_ im _Kupfer_ in der linken Faust das Schwert,
mag wohl unser Engel den _Stern_ auf der rechten Brust haben.
23.
Du bist immer braver als man denkt, weil du doch immer das Aeußerste
thust -- aber deßwegen noch kein Poet.
Laß mich bald hören daß du wieder wohl bist. Ein Geistlicher auf dem
Harz hat geweisagt daß ihr alle untergehn sollt vom Gotthart bis an den
Mayn.
Der Fürst v. Dessau der dir selbst sagen will, daß er dich liebt und
schäzt, ist auch einer von denen die sich jezo verwundern daß man sich
von dem falschen Propheten die Eingeweide konnte bewegen lassen. Alle
auf die der Kerl gewirkt hat, kommen mir vor wie vernünftige Menschen,
die einmal des Nachts vom Alp beschwert worden sind, und bey Tage sich
davon keine Rechenschafft zu geben wissen.
Vielleicht schick ich dir ehstens ein Portrait von dem Herzog Bernhardt
aus dem hiesigen Hause, um mirs von Lipsen stechen zu lassen. Wenn er
aber, wie du schreibst, balde verreist, so muß ich damit einen andern
Weeg nehmen. Ich scharre nach meiner Art Vorrath zu einer
Lebensgeschichte dieses als Helden und Herrschers wirklich sehr
merckwürdigen Mannes, der in seiner kurzen Laufbahn ein Liebling des
Schicksaals und der Menschen gewesen ist, zusammen und erwarte die Zeit
wo mirs vielleicht glüken wird ein Feuerwerk draus zu machen. Seine
Jahre fallen in den dreissigjährigen Krieg. Sein und seiner Brüder
Familien-Gemälde interessirt mich noch am meisten da ich ihren Urenkeln,
in denen so manche Züge leibhaftig wieder kommen, so nahe bin. Uebrigens
versuche ich allerley Beschwörungen und ^Hocus pocus^ um die Gestalten
gleichzeitiger Helden und Lumpen in Nachahmung der Hexe zu Endor
wenigstens bis an den Gürtel aus dem Grabe steigen zu lassen, und
allenfalls irgend einen König, der an Zeichen und Wunder glaubt, in's
Bockshorn zu jagen.
Das Kupfer nach Juel's[4] Bild ist sehr fatal. Nicht eben an der
Physiognomie, aber mir kommts vor, als wenn ein Geist hätte wollen eines
guten Freundes Gestalt anziehen, und hätte damit nicht zurecht kommen
können, und guckte einen aus bekannten Augen mit einem fremden Blick an,
so daß man zwischen Bekanntschaft und Fremdheit in einer unangenehmen
Bewegung hin und wieder gezogen wird.
[Fußnote 4: Juel war ein dänischer Maler, der sich um diese Zeit in der
Schweiz aufhielt. Der Name ist aber in der Handschrift nicht ganz
deutlich.]
Die apokalyptischen ^Vignetten^ sind sehr kleinlich gegen den grosen
Innhalt und deine grose Manier.
In weniger Zeit wird Herr v. Knebel der bey dem Prinzen Constantin ist,
und nun eine kleine Reise für sich macht, zu dir kommen; du wirst viel
Vergnügen in seinem Umgange haben, und begegne ihm wohl.