Sonntag d. 10ten denk ich sollst du diesen Brief haben und Dienstag den
12 könnte nach der Postrechnung ein Brief von dir wieder in Bern seyn.
Auf alle Fälle schreibe so bald du kannst.
15.
Lieber Bruder, deine Leute hier hab ich meist gesehen, Kirchbergern noch
heut Abend spät anderthalb Stunden auf seinem Landhaus gesprochen. Es
ist ein Mann mit dem sich gut reden läßt und ich habe die Zapfen meiner
Gefäse, wie er angeklopft hat, gar freundlich ausgezogen, und mir auch
dagegen von dem seinigen reichen lassen. Auf alles was er gefragt hat,
hab ich ihm in meiner Art geantwortet, und durch Gleichnisse und
Anschlagen wurden wir bald bekannt. Auch hab ich ihm hie und da mehr
gesagt, als er gefragt hat, denn es hängt alles gar hübsch bey ihm
zusammen und er hat für sein Alter und daß er viel für sich durchdacht
hat, eine schöne Gelenksamkeit der Gedanken.
Nun wirds weiter gehn. Verschiedene Packete sollen an dich geschickt
werden, hebe mir sie auf. Wir gehen auf Lausanne und Genv. Bey Neuburg
sind wir schon gewesen und thut mir leid die G*** nicht zu sehen, ich
schick ihr deinen Brief. Wenn du mir was noch zu sagen hast, so schicks
an Toblern den ich gewiß aufsuche. Von Genf hörst du weiter von mir.
Was der treue Cameralische Okulist mit dem Br. Herzog will, versteh ich
außer dem Zusammenhang nicht. Wenn's so ist wie ich vermuthe, mag er's
immer noch ein Paar Jahrhunderte aufschieben, und es soll auch dann
wills Gott nicht passen. Es ist nur seit man den Kazzen weisgemacht hat,
die Löwen gehören in ihr Geschlecht, daß sich ieder ehrliche Hauskater
zutraut er könne und dürfe Löwen und Pardeln die Tazze reichen und sich
brüderlich mit ihnen herumsielen die doch ein vor allemal von Gott zu
einer andern Art Thiere gebildet sind. Adieu. Eh wir Zürich nahen hörst
du mehr von mir.
Bern d. 17. Okt. 79.
Grüs dein Weib und die kleine, es soll mich wundern ob und wie
wir uns verändert finden.
16.