G.

Nachts in meinem Garten, in einem warmen Stübgen, da mir draußen über

Schnee und hellen Mondenschein, Waldhörner übers Thal herüber blasen.

12.

Da schicke ich dir Briefe von Peter Baumgartner die du weiter spediren

sollst. Mich machts lachen, daß er zum Anfang einen Spiesruthen lauffen,

und einen ausprügeln sieht, das er, wie er sagt, nicht wieder sehen mag.

Der Junge ist nun mein, und wenn ichs recht kann, so soll er, wenn ich

die Augen zuthue, oder ihn verlasse, oder er mich, von niemandem

abhängen, weil er von allem abzuhängen fühlen muß. Adio man sagt immer

was Dummes wenn man was allgemeines, oder was künftig zu thuendes sagt.

Schreib mir auch ein Wort von Lindaus Vermächtniß für den Buben, ich

denke wir werden kein Kraut damit fett machen.

Schreib mir auch ein Wort von dir. Sag Kayser daß ich ihm das Verlangte

schicken werde. Adio.

Weimar d. 14. August

1777.

13.

Der Jacobis Portrait sind angelangt, ich schick sie dir aber nicht, sie

sind abscheulich. Friz grüßt dich sehnlich, und wird dir von hier aus

schreiben.

Der Herzog hat mir sechs Schädel kommen lassen, habe herrliche

Bemerkungen gemacht, die Ew. Hochwürden zu Diensten stehn, wenn

dieselben sie nicht ohne mich fanden.

Cassir doch, ich bitte dich, die Familientafel von uns, sie ist doch

scheuslich. Du prostituirst dich und uns. Meinen Vater laß ausschneiden,

und brauch ihn als Vignette, der ist gut. Ich bitte dich inständig drum.

Mit meinem Kopf mach auch was du _wit_, nur meine Mutter soll nicht so

dastehn. Hast du noch einige Abdrücke, schick mir sie mit denen um die

ich auf beyliegendem Zettel bitte -- es ist nur der Vater

herauszuschneiden.

Hier Linien von _Fettmilchs_ Kopf. Das Kurz- und starrsinnige drückt

sich auf dem schlechten Kupfer, wovon es genommen ist, noch stärker, hat

auch zugleich etwas Thierisch-niedriges, das der Umriß nicht hat. Was

hältst du von der Idee? wär in Silhouetten herrlich auszuführen. Du

kennst Hogarths Schönheitslinie von der Verzerrung bis zum Leblosen. Der

reine Punkt der Schönheitslinie ist die Linie der _Liebe_, Stärke und

Schwäche stehn ihr zu beyden Seiten. _Liebe_ ist der Punkt wo sie sich

vereinigen. Gieb mir Beyträge dazu, und wir wollen ein herziges

Kapitelgen machen, vielleicht kein ganz unreiner Faden aus dem grosen

Gewebe ausgezogen.

Ich schicke dir hier eine Bouteille Himbeerensafft. Grüs mir Herr

Schmoll.

Der Friede Gottes, der sich täglich mehr an mir offenbaret, walte auch

über dich und die deinigen, und daß dein Glaube unüberwindlich werde.

Sieh hier wieder daß er mich überwindet. Ich hab deinen Brief, und sende

dir sogleich was über Homer. Adieu! Ich will dir einige Sachen zeichnen

und schicken.

1778.

14.

An Herrn Caspar Lavater nach

Zürich.

Thun d. 8. Oktbr. 79.

So nah bin ich bey dir l. Br. wie dir der Ruf schon wird gemeldet haben.

Wir sind im Begriff auf die Gletscher so weit es die Jahrszeit erlaubt

zu gehen. Dann solls noch durch einen Umweg zu dir.

Schreibe mir doch mit umlaufender Post nach Bern in den Falken ein Wort

ob etwa in Bern Lausanne Genf Luzern Zug &c. einige Menschen sind, die

du kennst und die zu kennen mir auch Freude machte, ich will sie

besuchen und von dir grüsen und dir ihre Grüse bringen.

Ja lieber Bruder dich wieder zu sehen, ist einer meiner beständigsten

Wünsche diese vier Jahre her und wird nun auch bald erfüllt.

Ich habe dir viel zu sagen, und viel von dir zu hören, wir wollen

wechselsweis Rechnung von unserm Haushalten ablegen, einander seegnen,

und für die Zukunft stärken, wieder ganz nah zusammenrudern und uns

freuen daß wir noch in einer Luft athemholen. Von dem was ich mitbringe

unterhalt ich dich nicht im Voraus.

Mein Gott dem ich immer treu geblieben bin hat mich reichlich geseegnet

im Geheimen, denn mein Schicksal ist den Menschen ganz verborgen, sie

können nichts davon sehen noch hören. Was sich davon offenbaren läßt,

freu ich mich in dein Herz zu legen. Adieu Bruder. Bisher sind wir

glücklich gereist, bete auch daß uns die himmlischen Wolken günstig

bleiben, und wir an allen Gefahren vorüber gehn.

Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783 · 第 16 / 54 题