G.

11.

Da hast du von dem herrlichen Lindau einige Blätter. Zimmerm. schreibt

mir er sey todt, ich glaube kein Wort davon. Deine Phis. geht immer

richtig durch meine Hände, ich kann nichts dafür thun als hie und da

ausstreichen. Bey Raphael hab ich einen grosen Schnitt gemacht und mir

selbst von einem Tag zum andern versprochen den Riß wieder auszufüllen,

es ging aber nicht.

Ich lebe ganz glücklich in anhaltendem Reiben und Treiben des Lebens,

und bin stiller in mir, als ie, schreibe niemanden, höre von niemanden,

mich kümmert außer meinem Kreis nun gar nichts.

Kaufm. ist wieder da, ich hab ihn nur einen Blick gesehn, er sitzt bey

Lyndern auf dem Gute.

Linnaeus Petern erwart ich mit dem Frühjahr, ich will sehn obs glückt

was ich mit ihm vorhabe. Herder ist wohl und vergnügt.

Leb wohl, grüs dein Weibele, Buben und Kaysern.

W. d. 19. Febr. 77.

Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783 · 第 15 / 54 题