(1882.)
In seiner Rede bei der Enthüllung des Wergeland-Denkmals am 17. Mai
1881 sagte Björnson:
»Ihr habt wohl alle davon gehört, dass Henrik Wergeland eine Zeit
lang in seinem Leben mit den Taschen voll Baumsamen ging, ab und zu
auf seinen Spaziergängen eine Handvoll auswarf und seine Kameraden
überreden wollte, dasselbe zu thun, da Niemand wissen könne, was daraus
aufgehen werde. Dies ist ein so treuherziger und rührend poetischer
Zug von Vaterlandsliebe, dass es auf der Höhe des besten steht, was er
geschrieben hat«.
Was hier von Wergeland in buchstäblichem Sinne erzählt wird, das kann
in höherem Sinne von Björnson gesagt werden. Er ist der grosse Säemann
Norwegens. Das Land ist ein Felsenland; steinig, wild und kahl. Die
Saat fällt auf felsigen Boden und manch' ein Samenkorn wird von dem
Winde verweht; wo aber Erdreich ist, da ist es empfänglich; die Aussaat
ist reich, und Björnson fährt unermüdlich in seinem Wirken fort. Sehr
vieles von seiner Saat ist schon aufgegangen, und er denkt bei seiner
Arbeit nicht an das jetzt lebende Geschlecht allein.
Das Capitel, womit Björnson »Arne« und damit die Gesammtausgabe seiner
Novellen eröffnet, enthält bekanntlich das Märchen von den Bäumen
und dem Haidekraut, die den vor ihnen liegenden nackten Felsen zu
bekleiden beschliessen. Nicht umsonst hat Björnson der chronologischen
Ordnung seiner Erzählungen Abbruch gethan, um dies Capitel an die
Spitze stellen zu können. Es drückt den Grundgedanken seines Lebens
aus, den, sein Land zu bebauen, zu civilisiren. Darauf beruht es, dass
er, der eine so feine und zarte Poesie zu dichten vermag, sich nicht
für die gröbste Arbeit, diejenige des Journalisten und Volksredners
zu gut hält, wenn es gilt, durch Bekämpfung eines Vorurtheils oder
Irrthums, durch Verbreitung einer einfachen, aber noch unerkannten
Wahrheit -- oder dessen, was ihm als solche erscheint -- die sittliche
und politische Erziehung des norwegischen Volkes zu fördern. Er hat
sich nie als blosen Dichter betrachtet. Er hat seine Sendung frühe im
weitesten Sinne aufgefasst.