Sehr bald entdeckte man, dass der begabte Knabe Anlagen besass, die
es als wünschenswerth erscheinen liessen, ihm eine höhere Bildung zu
verschaffen als die, wozu das Bureau des Voigtes Gelegenheit bot. Ein
Gespräch während einer der Wagenfahrten bei Abend, worüber der alte
Mann in Erstaunen gerieth, gab, eigenthümlich genug, den ersten Stoss
dazu, dass Schritte gethan wurden, Esaias in die gelehrte Laufbahn zu
bringen. Der junge Esse, wie er genannt wurde, hatte die religiösen
Betrachtungen seines frommen Chefs über die Spuren von Gottes Allmacht
im klaren Sternenhimmel mit einer Erklärung der Bewegungsgesetze
beantwortet, die er aus einer populärphilosophischen Schrift geschöpft
hatte. Ein Instinct, der sich nie bei dem späteren Bischof verleugnete,
liess ihn die rationelle Erklärung mit beiden Händen ergreifen und
die theologische in all' den Fällen verwerfen, wo sie ihm überflüssig
vorkam.
Unter der Anleitung seines älteren Bruders wurde er jetzt in Latein,
Griechisch und Französisch eingeweiht, und brachte sich selbst so viel
Englisch bei, dass er den gerade damals auf der Höhe seines Ruhmes
stehenden Ossian lesen konnte. Wie das Füllen dem Pferde folgt, so
begleitete er den Bruder nach dessen verschiedenen Hauslehrerstellen,
und in der letzten Familie, in welche dieser als Lehrer einzog, fand
Esaias, vierzehn Jahre alt, in der jüngsten Tochter des Hauses seine
zukünftige Gattin. Gleich so manchem andern aufgeweckten Knaben vermied
er die lärmenden Spiele seiner Kameraden, sass am liebsten in seiner
Kammer im Homer vertieft und musste mit Gewalt zu Schlittenpartien
und zum Schlittschuhlaufen geholt werden, obwohl er durchaus kein
ungeschickter Läufer war. Im Jahre 1799 bezog er die Universität in
Lund, beschäftigte sich mit alten Sprachen, Philosophie und Aesthetik
und wurde 1802 nach der pathetischen Sitte des Landes als Magister der
Philosophie mit Lorbeeren bekränzt. Von 1802--1810 lebte er in Lund
als wohlrenommirter junger Docent, 1810--25 hielt er stark besuchte
Vorlesungen über die griechische Litteratur. Im Jahre 1812 wurde er
nach schlechter schwedischer Sitte gleichzeitig Professor und Pfarrer
einiger Kirchspiele in der Nähe Lunds; 1826 endlich verliess er die
kleine Universitätsstadt, um als Bischof in die ländliche Einsamkeit
hinaus nach Vexiö zu ziehen.
Richten wir einen Blick auf den jungen Magister zu Lund. Er sieht
gut aus, blauäugig, rothwangig, mit hellen, krausen Haaren, kräftig
gebaut, mit Anlage zum Starkwerden. Als Junggeselle ist er noch ein
zurückgezogener, einsam lebender Grübler und Träumer; doch sobald er
den Fuss unter eigenen Tisch gesetzt hat, erschliesst sich sein Geist
und er zeigt sich als eine lebensfrohe, sprudelnde, im höchsten Grade
gesellige Natur. Ein Kind der Welt, das einen guten Tisch und einen
edlen Wein zu würdigen versteht, ein leicht zündender und keineswegs
seraphischer Apollino, Verehrer aller weiblichen Schönheit; ein nicht
brennender, sondern funkelnder Geist mit überlegenem und übermüthigem
Witze, um seine conventionelle Würde ziemlich unbesorgt, aber darum
nicht weniger verstehend, das Souveräne in seiner Persönlichkeit
stolz zu behaupten: dies ist die Seite, die er der Aussenwelt
zukehrt. Hinter dieser Aeusserlichkeit verbergen sich seine tieferen
Anlagen. Diese sind theils dichterischer, theils oratorischer Natur:
eine eigenthümliche lyrische Begeisterung und eine eigenthümliche
stilistische Begabung.