(1869.)
Es gehört Muth dazu, Talent zu besitzen. Man muss wagen, sich seiner
Eingebung anzuvertrauen, man muss überzeugt sein, dass der Einfall,
welcher Einem durch das Hirn schiesst, gesund ist, dass die Form,
welche Einem als natürlich ansteht, selbst wenn sie neu ist, ein
Recht hat, sich geltend zu machen, man muss die Kühnheit gewonnen
haben, sich der Beschuldigung auszusetzen, dass man affektirt oder
auf Irrwegen sei, ehe man sich seinem Instinkt überlassen und ihm
folgen kann, wohin er uns gebieterisch lenkt. Als Armand Carrel seiner
Zeit als junger Journalist von seinem Redakteur getadelt ward, der,
auf eine Stelle seines Artikels deutend, bemerkte: »So schreibt man
nicht«, erwiderte er: »Ich schreibe nicht wie _man_ schreibt, sondern
wie _ich_ schreibe«, und dies ist die allgemeine Formel der Begabung.
Sie vertheidigt weder Gesudel noch Erfinderei, aber sie spricht mit
Selbstbewusstsein das Recht des Talentes aus, wenn keine herkömmliche
Form und kein vorhandener Stoff den eigenthümlichen Bedürfnissen seiner
Natur genügen, sich neue Stoffe zu wählen, neue Formen zu bilden, bis
es eine Baustätte von solcher Beschaffenheit findet, dass es, ohne
Ueberanstrengung einer einzigen seiner Kräfte, sie alle verwenden
und sie leicht und frei entfalten kann. Eine solche Baustätte hat der
Dichter _Hans Christian Andersen_ im Märchen gefunden.