Ein Murren grollte durch die Stadt. – – – –

* * * * *

Es war abend, als Rinke den außergewöhnlichen Befehl erhielt, als

Wachhabender die Hauptwache am Burgplatz zu beziehen. Das war

sonst nicht seines Amtes, er fühlte es wohl, es war eine besondere

Auszeichnung. Nicht umsonst hatte der Hauptmann heute ein Lied zum

Preis der altgedienten Unteroffiziere angestimmt: ›Sie sind der Mörtel,

der die Mauern des preußischen Heeres zusammenhält, sie sind gleich

jonischen Säulen‹ – ja, so hatte er gesagt: jonische Säulen – ›die das

ganze Gebäude tragen.‹

Ein hoher Stolz schwellte die Brust des Feldwebels, als er mit seinen

Leuten im Dunkeln auszog.

Trüb’ nur flackerten die Laternen, der Märzwind wollte sie löschen. In

den Häusern rechts und links brannte nur wenig Licht, früh waren auch

die Läden geschlossen; kaum jemand schien daheim, alles auf der Gasse.

Aber still waren trotzdem die Straßen; stumm gingen die Bürger hin und

her, und wo ihrer mehrerer zusammen standen, flüsterten sie. Es war wie

in einem Trauerhaus. Selten nur, daß das Lied: ›Was ist des Deutschen

Vaterland‹, von einem Rudel halbwüchsiger Jungen gesungen, die heilige

Stille unterbrach.

Rinke ließ seine Augen scharf umgehen: nichts Verdächtiges! Die

Mannschaft war scharf bewaffnet. Der Erlaß dazu war heute nachmittag

gekommen. General von der Gröben hatte auch das Militär, das drüben

über’m Rhein lag, sämtlich in die Stadt zurückgezogen.

Wie immer marschierte die Wache ihres Weges, doppelt laut trappten die

schweren Kommißstiefel durch die Stille. Von den Insulten des Mittags

keine Spur. Um den alten Jan Willem und auf den Treppen des Rathauses

standen zwar viele Menschen, aber sie verhielten sich schweigend.

Einen bösen Blick sandte Rinke zum Rathausgiebel hinauf – da flatterte

die schwarz-rot-goldene Fahne; doch kein Pfiff ertönte. Mit einem

Gefühl der Befriedigung reckte der Feldwebel seine lange Gestalt noch

gerader – Bande! Angst hatten sie.

Finster lag das alte Schloß, und auch in dem Flügel, der der Akademie

diente, flimmerte kein Lichtchen. Auch kein Licht vom Himmel. Vom

Rhein her wehte es scharf. Das Knarren der Wetterfahnen auf den alten

Häusern am Burgplatz und das Sausen des Windes waren die einzigen

Geräusche, die die Mannschaft vernahm, als sie im Gewehr stand.

Da plötzlich ein schriller Pfiff! Dann alles wieder still.

Aus der Ratingerstraße schiebt sich stumm ein schwarzer Menschenknäuel

gegen den Burgplatz; vom Markt her ein zweiter, und von ›Hinter der

Akademie‹ noch ein dritter. Von allen Seiten drängt es zu. Im Moment

ist der Platz von Menschen besetzt. In langen Reihen nehmen sie

Aufstellung, der Hauptwache in geringer Entfernung gegenüber. Noch

verhalten sie sich still, aber schon ruft eine spottende Knabenstimme:

»Helau, Preuß’! Preuß’!«

Meist sind es junge Bursche, kaum dem Knabenalter Entwachsene, die sich

zusammengefunden haben; Lungerer sind auch dazwischen, Eckensteher und

Betrunkene, die sich taumelnd kaum aufrecht halten.

Mit spöttischem Zucken des Mundes musterte Rinke die Gegner – das waren

Helden!

Unbeweglich stand seine Mannschaft, Gewehr bei Fuß.

»Stillgestanden – das Gewehrr – üb’r!«

Die Läufe blitzen.

Die Wacht am Rhein · 第 42 / 74 题