Da fuhr er herum. »Was willste?«

»Kucken jehn! Komm doch auch mit! ’schwind, lassen mir jehn!«

»Ja,« sagte er hart, nahm sein Seitengewehr vom Haken an der Wand und

zog den Gurt mit einem Ruck straff zu.

»Mutter,« rief der alte Zillges von der Ofenbank her. Der Fackelschein,

das Knallen, das Laufen draußen hatte ihn anscheinend gar nicht

berührt, still hatte er dagesessen und die Daumen umeinander gedreht;

nun hörte er den brausenden Chor. Aushorchend legte er die Hand

hinter’s Ohr: »Mutter, wat singen se da?«

Seine Alte trat zu ihm; den Arm um seine Schultern legend, schrie sie

ihm in’s Ohr: »Dat Lied von Deutschland!«

»Von Deutschland – Deutschland –?!«

»Eja. Wat es des Deutschen Vaterland?! Dat neue Lied!«

»Deutschland – Vaterland?!« grämelte der Greis. »Mir sin Düsseldorf

Börjer!«

Der Feldwebel hatte es gehört; kurz sah er nach Bürger Zillges hin,

seine Mundwinkel zogen sich dabei in einem verächtlichen Lächeln herab:

der alte, eingefleischte, rheinische Dickkopf!

Dann folgte er seiner Frau zur Thür, strammen Schrittes. Seine Stiefel

knarrten, sein Rock warf keine Falte – Brust heraus, jeder Zoll ein

Preuße.

Die Straßen waren hell, in allen Fenstern brannten Lichter; wer

nicht genug Leuchter hatte, stellte seine Kerzchen in ausgehöhlte

Kartoffeln. Auch Öllampen halfen aus. Alle Hausthüren waren geöffnet,

alle Gesichter glänzten froh. Der scharfe Märzwind hatte sich mit dem

Abend gelegt, leichte Lüfte nur wehten vom Rhein und spielten um die

schwarz-rot-goldene Fahne.

Im Hofgarten reckten die Bäume ihre Knospen in’s Fackellicht, und

der stille Weiher spiegelte den Glanz wider. Feuchtwarmer Hauch

strich säuselnd um erstes junges Gras. Der Winter war vorbei, Träume

wachten auf, die noch geschlafen; hoch in den Wipfeln rauschte es von:

Frühling, Frühling!

Die Wacht am Rhein · 第 39 / 74 题